Protokoll der Sitzung vom 15.02.2012

und Einbau von Agrotourismusbestandteilen und -modellen mit Vermarktung regionaler Produkte. Ich glaube, dass auch das richtige Wege sind. Aber auch dorthin muss man kommen und braucht Straßen.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)

Für die Fraktion GRÜ NE erteile ich Herrn Abg. Pix das Wort.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Schön, dass man ihn auch einmal wieder sieht!)

Ich hatte mich schon auf die Präsidentin eingestellt.

Ich übernehme nun wie der weiter die Sitzungsleitung.

(Zuruf des Abg. Dr. Markus Rösler GRÜNE)

Sehr verehrter Herr Präsident, liebe Abgeordnete, Kolleginnen und Kollegen! Ich bin Ihnen natürlich sehr dankbar, Herr Kollege Rapp, dass Sie jetzt in die Tiefen der Tourismusbranche eingedrungen sind und er klärt haben, wie sich die Probleme aus Ihrer Sicht darstellen.

Ich wollte eigentlich mit der Feststellung beginnen, dass ich bisher immer den Eindruck hatte, wir seien uns in Sachen Tou rismus partei- und fraktionsübergreifend im Wesentlichen ei nig. Aber gerade Ihre Rede hat mir jetzt doch Anlass zu ge wissen Bedenken gegeben. Sie hat gezeigt, dass Sie noch im mer von diesem altbackenen Tourismus ausgehen und über haupt nicht kapiert haben – das bedaure ich –,

(Zuruf von der CDU: Was ist „altbackener Touris mus“?)

was eigentlich der Zeitgeist ist, wie die Trends, die Mega trends sind und wohin es geht.

(Abg. Dr. Patrick Rapp CDU: Können Sie zur Sache reden? – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Wie sieht so ein altbackener Tourismus aus?)

Es geht nicht in die richtige Richtung, sondern führt in eine Sackgasse, wenn Sie meinen, Sie müssten die Tourismusinf rastruktur mit mehr Straßenbau verbessern. Genau das Gegen teil ist der Fall.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Denn wir haben einen gesellschaftlichen Wandel – nicht nur einen Klimawandel, sondern auch einen gesellschaftlichen Wandel. Diesen gesellschaftlichen Wandel kann Frau Kolle gin Gurr-Hirsch immer besonders nett zitieren, wenn sie von

„LOHAS“ spricht – da spiegelt sich das sehr gut wider –, näm lich von „Lifestyles of Health and Sustainability“.

(Oh-Rufe)

Ich kann das auch ohne Zettel. – Das bedeutet, dass man eben nicht mehr individuell in den Urlaub fährt, dass man nicht seine Familie ins Auto packt,

(Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Mit dem Rolla tor! – Zuruf: Fahrrad!)

sondern dass man nach Möglichkeit mit dem ICE, mit der Re gionalbahn, mit der KONUS-Gästekarte, mit Bus oder Fahr rad sein Urlaubsziel ansteuert. Dabei zeigt sich, dass man sei nem Bedürfnis, nämlich schöne Naturlandschaften zu erwan dern, auf diese Art und Weise viel besser nachkommt.

(Beifall bei den Grünen – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Auf der Alb gibt es keinen ICE!)

Vor allem aber führt dies dazu, dass der CO2 -Fußabdruck, lie be Kolleginnen und Kollegen, nachhaltig und verträglich ist.

Genau das sind die Unterschiede, und genau da hat sich eini ges geändert. Das hat Gott sei Dank – deswegen ist uns das so wichtig – unsere Tourismus-Marketing GmbH erkannt, die jetzt Trends aufgreift und Marken entwickelt, die etwa heißen – nicht deshalb, weil ich jetzt hier stehe –: „Grüner Süden“. Unsere Landesregierung hat hierfür im Haushalt 500 000 € draufgepackt und gibt 700 000 € für Nachhaltigkeitschecks aus. Das soll übrigens keine Eintagsfliege sein, sondern nur eine Auftaktveranstaltung, weil wir weit, weit hinter dem sind, was etwa in Südtirol oder in Bayern haushaltsmäßig erbracht wird, und weil unser Potenzial wesentlich größer ist – sowohl in Baden als auch in Württemberg –, als es im Moment zum Ausdruck kommt.

(Beifall bei den Grünen – Abg. Dr. Patrick Rapp CDU: Ihres auch! – Glocke des Präsidenten)

Herr Kollege Pix, ge statten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Müller?

Zum Schluss gern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie sehen, dass der Städtetourismus boomt. Stuttgart liegt ganz vorn; es folgt nicht Heidelberg, sondern natürlich Freiburg, die Stadt, aus der ich komme.

(Abg. Matthias Pröfrock CDU: Deswegen! Die Pix- Attraktion! – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: We gen des Papstbesuchs!)

Wir hatten 2011 einen Zuwachs von 3,7 Millionen Übernach tungen im Jahr 2011; das ist eine historisch einmalige Steige rung von 7 %. Das, was wir im ländlichen Raum an Wirt schaftskraft und an Wertschöpfung generiert haben, lässt sich ebenfalls sehen; im Landesdurchschnitt stiegen die Übernach tungszahlen um 5 %.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Der Papst kommt aber nicht jedes Jahr!)

Sehr wichtig ist die Tatsache, dass sich selbst in einer Wirt schaftskrise, wie wir sie erst vor Kurzem erlebt haben, die Tourismuszahlen verstetigt und inzwischen auch wieder auf wärtsentwickelt haben. Der Städtetourismus allerdings brach während der Krise ein, und zwar gewaltig. Warum?

(Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Die Zahl der Ge schäftsreisen ist eingebrochen!)

Weil wir im Land Baden-Württemberg mit unserer Automo bilindustrie und unserem Maschinenbau unglaublich export abhängig sind. Im Vergleich zu anderen Ländern ist diese Ab hängigkeit bei uns am stärksten. Genau da hat sich gezeigt, dass wir mit 280 000 Arbeitsplätzen im Tourismusbereich sehr stabile Verhältnisse haben; vor allem in ländlichen Räumen wird Wertschöpfung generiert. Deswegen müssen wir diese Trends weiterentwickeln, und deswegen brauchen wir diese Nachhaltigkeitschecks, damit auch in Zukunft, wenn die nächste Flaute kommen sollte,

(Abg. Dr. Patrick Rapp CDU: Was ist „Nachhaltig keit“?)

unsere ländlichen Räume nicht ausbluten, Herr Kollege Rapp. Damit können wir unsere ländlichen Räume unterstützen. Die se sind nämlich die tragende Säule Nummer 1, zusammen mit unserer Landwirtschaft, zusammen mit dem DEHOGA, un serer Gastronomie und Hotellerie.

(Zuruf des Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP)

Deshalb müssen wir genau auf diesem Weg weitergehen. Da her bin ich auch sehr froh – daran habe ich noch keine Kritik gehört; ich glaube, ich werde sie auch jetzt nicht hören –, dass wir uns bei der Regierungsbildung entschieden haben, den Tourismus dort ressortieren zu lassen, wohin er gehört, näm lich im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucher schutz.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das war gut! Das bestätigen wir! – Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU: Bloß wirkt es noch nicht!)

Ich höre dazu nur Komplimente. Darüber freue ich mich. Den Naturschutz haben wir hinzugenommen. Deswegen glaube ich, dass wir im Sinne einer nachhaltigen Tourismusentwick lung in Baden-Württemberg auch in Zukunft gut aufgestellt sind.

Vielen Dank.

(Beifall bei den Grünen und der SPD – Glocke des Präsidenten)

Herr Kollege Pix, Sie hatten zugesagt, eine Frage des Kollegen Müller zuzulassen. – Herr Abg. Müller, bitte.

Herr Kollege Pix, die folgende Frage stellt sich mir auch vor dem Hintergrund meiner Eigen schaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Bodensee Tourismus GmbH: Sie haben ein beredtes Plädoyer für einen grünen Tou rismus gehalten und haben beschrieben, was die Betriebe an belangt, wie man anfahren soll usw.

Vor dem Hintergrund des Umstands, dass 90 % der Touris ten – –

Sie müssen nur aufpassen, dass Ihre Frage nicht länger wird als meine Rede.

(Heiterkeit und Beifall bei den Grünen)

Herr Abg. Müller, Sie haben noch das Fragerecht. Bitte.

Danke schön. – Wahrscheinlich fürchten Sie die Frage schon.

(Heiterkeit)

Vor dem Hintergrund des Umstands, dass 90 % der Touristen mit dem Auto unterwegs sind, gerade auch innerhalb BadenWürttembergs – beispielsweise am Bodensee –, frage ich Sie: Sind Sie jetzt eigentlich an Tourismusförderung interessiert,