Bei Touristen aus den Niederlanden verbuchen wir mit 1,15 Millionen Übernachtungen ein Plus von 5,4 %. Zu erwähnen sind aber auch Überseemärkte wie China und Indien mit ei ner Zunahme von jeweils 38 % oder auch die Golfstaaten mit einer Zunahme von 14 %. Das macht deutlich: Baden-Würt temberg hat im internationalen Tourismusmarkt noch erheb liche Potenziale, die wir noch nicht alle vollständig erschlos sen haben.
Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns entschieden haben, nach einer langen Durststrecke die Mittel für das Tourismus marketing wieder aufzustocken. Wir hoffen, dass wir in die sem Bereich noch weitere Schritte machen können.
Tourismusarbeitsplätze sind standortgebundene Arbeitsplätze mit einer hohen regional-, aber auch strukturpolitischen Be deutung. Das gilt sowohl für die Städte als auch und vor al lem für den ländlichen Raum. Vor diesem Hintergrund ver folgt die Landesregierung den Politikansatz, den der Minis terpräsident als das magische Dreieck bezeichnet, nämlich das Zusammendenken von Landnutzung, Naturschutz und Tou rismus, das Zusammendenken von Landwirtschaft, Natur schutz und Tourismus, also das Zusammenführen von Bran chen, die voneinander leben und miteinander leben und die gerade auch in der Frage, wie wir die Potenziale unserer Kul turlandschaften und Naturlandschaften noch besser im Tou rismus nutzen können, zusammengedacht werden müssen. Das steckt auch hinter dieser Idee einer Bündelung der Berei che in einem Ministerium. Ich freue mich, dass inzwischen alle Fraktionen dies als einen richtigen Schritt bewerten.
Im Tourismus gibt es bei all den beschriebenen Erfolgsfakto ren einen neuen Trend, nämlich den klaren Trend, dass Men schen ihre Urlaubsorte sehr viel stärker als authentische Orte erleben wollen und dass die Frage des Naturerlebnisses und der Nachhaltigkeit einen immer größeren Stellenwert ein nimmt, wenn sich Menschen entscheiden, wo sie ihre knappe Freizeit verbringen wollen und welche Urlaubsziele sie bu chen. Das zeigt neben anderen Studien zum Umweltbewusst sein der Deutschen beispielsweise auch eine Studie aus dem Jahr 2010.
Wir haben hier in Baden-Württemberg die besten Vorausset zungen, diesen Trend am Markt offensiv anzugehen. Unsere abwechslungsreichen Natur- und Kulturlandschaften sind op timal dafür geeignet, hier genau um diese Menschen zu wer ben und genau für diese Menschen ein noch attraktiveres Ur laubsland zu sein. Mit der Kampagne „Grüner Süden“ hat die Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg den Trend zu umweltfreundlichen Reisen bereits früh mit aufgegriffen. Wir sind das erste Bundesland, das offensiv eine Vermarktung mit einer solchen Strategie betreibt. Denn wir sehen neben dem Städte- und Kulturtourismus vor allem touristische Po tenziale im ländlichen Raum, bei den attraktiven Landschaf ten, verbunden mit hochwertigen regionalen Spitzenproduk ten und einer hochwertigen Gastronomie, die wir hier in Ba den-Württemberg haben.
Natürlich spielen dabei auch Fragen des Naturschutzes eine Rolle. Das Biosphärengebiet, das ein wichtiger Impulsgeber für die regionale Tourismusindustrie war, habe ich bereits ge nannt; eine vergleichbare Funktion könnte, so glauben wir, ei nem Nationalpark im Nordschwarzwald zukommen. Darüber haben wir gerade lange diskutiert, und das werden wir im Gut achten auch untersuchen lassen.
Ich will an dieser Stelle noch einmal deutlich sagen: Wir, das Land, sind ein starker Partner für diejenigen, die im täglichen Marktgeschehen mit ihren Betrieben im Tourismus kein ein faches Geschäft haben und die erheblich dazu beigetragen ha ben, dass Baden-Württemberg im Jahr 2011 so erfolgreich war. Der Haushalt, der heute verabschiedet wurde, macht auch deutlich, dass wir da weiter als starker Partner an der Seite der Unternehmen stehen. Das, was wir beim Entwicklungspro gramm Ländlicher Raum wieder an Landesmitteln einsetzen, kann sich sehen lassen, und wir wissen, dass dieses Programm in den letzten Jahren und Jahrzehnten von enormer Bedeutung für die Tourismusindustrie, aber auch für die Steigerung der Tourismusinfrastrukturförderung war.
Ich erwähne auch unser klares Bekenntnis zum Erhalt unse rer Kulturlandschaft, aber auch zum Erhalt der regionalen Spezialitäten. Wir haben mit dem Zusammendenken von Gas tronomie und Landwirtschaft deutlich gemacht: Grün-Rot steht zu diesem Bereich und weiß, was Baden-Württemberg an ihm hat.
Ich will zum Schluss noch kurz auf die Nachhaltigkeitschecks eingehen, weil Sie, Herr Dr. Rapp, das thematisiert haben. Uns geht es darum, den Menschen, die sich bewusst entscheiden wollen, nachhaltige Tourismusangebote zu suchen, Hinweise an die Hand zu geben, wo sie da in Baden-Württemberg gut aufgehoben sind. Wir wollen, dass die Tourismusziele in un serem Land, die in dieser Hinsicht etwas vorzuweisen haben, das auch zertifizieren lassen und vorzeigen können. Hier geht es nicht darum, jemanden zu brandmarken, sondern deutlich zu machen, was es gibt und was wir haben. So, wie ein Mi chelin-Stern nicht eine Brandmarkung eines Restaurants ist, das keinen hat, sondern herausstellt, wo es besondere Küche zu genießen gibt,
so gehen wir mit den Nachhaltigkeitschecks vor, um deutlich zu machen, was Baden-Württemberg an naturnahen Touris muszielen zu bieten hat. Aber wir wollen damit natürlich auch einerseits einen Impuls geben, das besser darzustellen, und andererseits unseren Unternehmen etwas an die Hand geben, um sich da weiterzuentwickeln, um nachhaltiger zu werden und den Trend, den es bei den Menschen gibt, offensiv anzu gehen.
Herr Minister, eine kurze Nachfrage: Was verbinden Sie in diesem Fall mit dem Begriff Nachhaltigkeit?
Herzlichen Dank für die Frage. Wir sind auch im Tourismusbeirat über die Frage der Nachhaltigkeits definition intensiv miteinander im Gespräch,
weil es darum gehen muss, nicht nur die Frage der ökologi schen Nachhaltigkeit, sondern auch Fragestellungen von so zialer Dimension adäquat in diesen Check einzubauen.
Wir haben schon im Ausschuss berichtet, dass wir im Moment in der sogenannten Designphase für den Nachhaltigkeitscheck sind, in der es genau darum geht, diese Instrumente zu defi nieren und herauszuarbeiten, um dann in einer ersten Phase mit ausgewählten Tourismuszielen als Modellprojekten die sen Check zu entwickeln, dieses Zertifizierungsmodul zu ent wickeln, und dieses System dann allen Betrieben und Urlaubs orten in Baden-Württemberg zur Verfügung zu stellen, damit deutlich werden kann, wo besondere Leistungen in puncto Nachhaltigkeit in ihrer breiten Definition erbracht werden und Nachhaltigkeit suchende Urlauberinnen und Urlauber die An gebote am Markt in Baden-Württemberg finden.
Ich glaube, es ist auch gut, dass wir im Tourismusbeirat wie auch im Fachausschuss in einer sehr einmütigen Diskussion unterwegs waren. Ich will Sie alle gern einladen, uns in die sem Prozess auch weiter konstruktiv zu begleiten.
Zum Abschluss, meine sehr verehrten Damen und Herren: Ba den-Württemberg ist eines der großen Tourismusländer in Deutschland. Der Markt ist gewachsen. Unsere Unternehmen sind gut aufgestellt. Ich glaube, wir sind als Politiker gut be raten, diese Entwicklung weiter aktiv zu begleiten und voran zubringen. Das ist gut für das Land. Deshalb machen wir es.
(Abg. Tanja Gönner CDU: Ach nein! – Abg. Dr. Friedrich Bullinger FDP/DVP: Bis auf die letzte Mi nute durchhalten!)
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Dr. Rapp, zu einer Äußerung von Ihnen: Wenn Sie sich die Leistungen im Tourismus auf die Fahnen schreiben, frage ich mich schon, warum Sie nie die Förderung erhöht haben, wie wir es getan haben. Ich denke, das passt nicht ganz zusammen.
Aber ich möchte noch etwas ganz anderes ansprechen. Der „Südkurier“, eine regionale Tageszeitung, hat die Deutschen zu ihrem Urlaubsverhalten 2012 befragt.
Das Ergebnis trug die Überschrift: „Urlaub wird zum Luxus“. Es hat deutlich gemacht, dass immer mehr Menschen lange sparen müssen, um sich einige Tage Erholung leisten zu kön nen, und für viele Menschen eine Reise ganz unbezahlbar ist.
Es können eben nicht alle auf exklusive oder teure Angebote setzen. Tourismusbetriebe und Regionen, die dauerhaft Gäs te und Besucher haben wollen, dürfen nicht nur zahlungskräf tige Kunden im Blick haben, sondern müssen sich um alle Einkommensgruppen bemühen, also auch Angebote entwi ckeln, die für Geringverdiener bezahlbar sind.
Unsere Debatte hat gezeigt: Tourismuspolitik ist Wirtschafts politik. Es geht um Umsätze, es geht um Wertschöpfung für unser Land.
Es ist also auch kein Zufall, dass wir auf wirtschaftspolitische Dauerthemen stoßen, beispielsweise das Thema Arbeitsplät ze. Die Betriebe der Tourismuswirtschaft müssen auf lange Sicht auch für Arbeitnehmer attraktiv sein. Sonst haben sie nur wenig Chancen im künftigen Wettbewerb um gute Arbeits kräfte.
Wenn die Einkommenschancen gering und die Arbeitszeiten ungünstig sind – so, wie es zurzeit oft der Fall ist –, wird es den Betrieben auf Dauer eben nicht gelingen, gute Mitarbei ter zu gewinnen und diese auch zu halten. Ein Signal dafür ist, dass im Gastgewerbe 2011 schon viel mehr Ausbildungs plätze angeboten wurden, als Nachfrage bestand. Es ist rich tig, dass das zuständige Ministerium Informations- und Nach wuchskampagnen fördert, über die Werbung für Auszubilden de in diesem Bereich betrieben wird.
Tourismuspolitik ist Umweltpolitik. Das haben wir auch ge hört. Naturschutz ist kein Gegensatz zur touristischen Ent wicklung, sondern eine wichtige Bedingung dafür.
Ferienregionen brauchen intakte Landschaften. Ihre Entwick lung muss sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren. Das ist zwar angekommen, aber noch nicht überall. Wir geben durch den Nachhaltigkeitscheck – darauf komme ich noch ein mal – für die besucherstärksten Tourismusziele wichtige Im pulse für die weitere Entwicklung.
Die Landesregierung betont in ihrer Antwort auf die Große Anfrage mehrfach den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit. Sie benennt dabei das wichtige Prinzip der Barrierefreiheit, das Menschen mit Behinderungen Teilhabe ermöglicht. Soziale Nachhaltigkeit, wie wir sie verstehen, ist jedoch weit mehr, als aus der Antwort der Regierung hervorgeht. Wenn wir den Tourismus in unserem Land mit Steuergeldern unterstützen, müssen wir im Auge behalten, dass die Zuschüsse des Landes der gesamten Bevölkerung und nicht nur zahlungskräftigen Gruppen nützen müssen.
Der Tourismus steht gut da. Doch wir stellen uns weiter der Aufgabe und der Herausforderung, einen sozialen und nach haltigen Tourismus in unserem Land zu entwickeln.
Meine Damen und Herren, wir sind jetzt wohl am Ende der Aussprache angelangt. Der Empfang der Narren heute Mittag hat gezeigt,
dass gerade auch die fünfte Jahreszeit, vor deren heißer Pha se wir stehen, zum Tagestourismus wesentlich beiträgt. In die sem Sinn wünsche ich Ihnen eine glückselige Fastnacht.