Protokoll der Sitzung vom 08.11.2012

Beispielsweise kann er nicht die Flugrouten regeln. Das re gelt man nicht in einem Staatsvertrag.

Jetzt komme ich noch einmal auf einen Landrat zu sprechen. Der Landrat von Konstanz, Herr Hämmerle, schrieb am 10. Oktober Folgendes:

Bereits mit Mail vom 20. September

also auch deutlich viele Wochen, nachdem dieser Vertrag zustande kam –

habe ich mich in großer Sorge an Sie gewandt.

Er richtet sich an die politischen Vertreter der Region.

Weiter sagte er:

Die Befürchtung, die ich geäußert habe, hat sich nun re alisiert.

Im Oktober!

(Abg. Peter Hauk CDU: Nach der Vernehmlassung! – Gegenruf des Abg. Wolfgang Drexler SPD: Nein, nein!)

Ich habe den gerade veröffentlichten Bericht des Eidge nössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie... des Schweizer Bundesamts eingesehen, in welchem ver schiedene Flugbetriebskonzepte für den Flughafen Zü rich vorgestellt werden.

Jetzt kommt es:

Das Ostkonzept ist völlig anders, als es mir bei den Staatsvertragsverhandlungen zugesichert wurde. Auf mein Drängen habe ich vom Bundesministerium für Ver kehr, Bau und Stadtentwicklung sowie dem Schweizer Ver handlungsführer die Zusicherung erhalten, dass die Ostanflüge rechtzeitig über den Obersee und sodann über den Schweizer Seerücken unter Aussparung der Agglo meration Konstanz/Reichenau/Allensbach/Kreuzlingen geführt werden.

(Abg. Wolfgang Drexler SPD: So! Nächster Punkt! – Zuruf von der SPD: Aha!)

Er schrieb weiter:

Dies stellt sich nun gänzlich anders dar.

Auch dieser Landrat hat erst bei der Ausformulierung dessen, was denn dann praktisch Ergebnis des Staatsvertrags ist, ge merkt, welche Pferdefüße dieser enthält, und kam deshalb zu dieser Position.

Deshalb nenne ich es scheinheilig, wenn man heute so tut, als hätte man das alles von Anfang an gewusst.

Bei einem so umfangreichen Vertragswerk muss man natür lich auch an den weiteren Ausformulierungen dranbleiben. Wenn sich dann herausstellt, dass diese solche Pferdefüße ha ben, dann ist es richtig, davon abzurücken. Deshalb ist die SPD davon abgerückt, deshalb haben Sie offene Fragen ge stellt, deshalb sind die Grünen davon abgerückt, und deshalb ist auch die Regierung davon abgerückt. Deshalb ist es auch schäbig, heute noch einmal nachzukarten und zu sagen: „Sie hätten aber schon im Juli wissen müssen, was darin steht.“ Sie haben es nicht gewusst, wir haben es nicht gewusst. Erst bei der tiefer gehenden Beschäftigung mit diesem Vertrag kam heraus, welche Schäden für Südbaden drohen.

(Beifall bei der SPD und den Grünen – Abg. Fried linde Gurr-Hirsch CDU: Wieso machen wir dann ei ne solche Debatte? – Glocke der Präsidentin)

Herr Kollege Schmiedel, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Hauk?

Dann kann ich endlich einmal einen Schluck Wasser trinken.

Bitte?

Herr Kollege Schmiedel, ist Ihnen bekannt,

(Zuruf von der CDU: Mikro!)

dass die Kollegen Schreiner und Dörflinger im Deutschen Bundestag sowie Lehmann im Landtag von Baden-Württem berg alle bereits Anfang Juli auf Interpretationsprobleme hin gewiesen haben? Das war wohlgemerkt Anfang Juli. Uns geht es nicht um parteipolitische Fragen,

(Widerspruch bei den Grünen und der SPD)

sondern es geht nur darum: Hat die Regierung Hinweise – –

(Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU zu Grünen und SPD: Wieso habt ihr die Debatte dann überhaupt vom Zaun gebrochen? – Unruhe bei den Grünen und der SPD)

Hat die Regierung Hinweise sowohl aus den Oppositionsfrak tionen als auch aus den eigenen Fraktionen, die bereits im Ju li vorhanden waren, aufgenommen und bewertet, und was hat sie dazu veranlasst? Das ist unsere Frage. Nur das.

Ich kann jetzt nicht beantwor ten, wie die Regierung damit umgeht. Wenn es Anfragen an die Regierung waren, dann haben die entsprechenden Kolle gen sicher auch Antworten bekommen. Deshalb kann ich da zu auch nicht Stellung nehmen.

Ich will Ihnen sagen: Wir waren in Klettgau. Da war der Saal voll. Das war übrigens ganz lustig. Die Zeitung hat an diesem Tag getitelt: „Ramsauer zieht den Vertrag zurück“. Die Quel le war die CDU-Landesgruppe. Sie hat sich hier jedoch ge täuscht; denn Herr Ramsauer hat das am selben Tag demen tiert und erklärt, dass er dabei bleibe und den Staatsvertrag in den Bundestag einbringe. Das ist der Grund dafür, weshalb wir das hier machen: Am Ende wird es natürlich eine Ent schließung geben, und diese wird hoffentlich einvernehmlich getroffen. Jetzt spielen wir das aber parteipolitisch zu Ende.

(Zurufe: Aha! – Zuruf des Abg. Peter Hauk CDU – Unruhe)

Ich muss doch darauf eingehen. Wenn Sie austeilen, bekom men Sie natürlich auch zurück. Wo sind wir denn?

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Grünen – Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Aber dann von „scheinheilig“ und „schä big“ reden! – Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch: Wenn zwei dasselbe tun, ist das nicht dasselbe! – Zuruf des Abg. Volker Schebesta CDU – Unruhe)

Die Ouvertüre hat Herr Kollege Drexler gemacht.

(Abg. Wolfgang Drexler SPD: Die war so sanft!)

Er hat sich – für seine Verhältnisse wirklich fast unmöglich – auf die Fakten beschränkt.

(Heiterkeit – Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Sie haben das angefangen; jetzt müssen wir das zu Ende brin gen. In Klettgau gab es diese Veranstaltung. Der Saal war voll;

(Zuruf: Es war kein Wahlkampf!)

Herr Bollacher war da. Herr Bollacher, ein Landrat von der CDU,

(Zuruf: Herr Wütz war auch da!)

ging dann ans Mikrofon und hat erklärt, weshalb er diesem Vertrag zugestimmt habe. Er kommt aus der Region. Es ist nicht so wie bei uns; wir müssen erst einmal dort hinfahren, um es uns anzuschauen und das zu hören.

(Abg. Wolfgang Drexler SPD: Mit dem Flugzeug hin fliegen!)

Er aber lebt dort. Er hat erklärt, weshalb er zugestimmt hat. Mir ist das jetzt, da ich dieses Schreiben kenne, wirklich deut lich geworden.

(Der Redner hält ein Schriftstück hoch.)

Er hat gesagt, wie er das empfunden hat:

Wir haben bei den Verhandlungen einen Geist vorgefun den. Er war darauf aus,

das, was der Ministerpräsident in den Mittelpunkt gerückt hat –