Protokoll der Sitzung vom 18.07.2013

Das ist eine beeindruckende Bilanz, aber nicht im positiven Sinn.

(Abg. Dr. Dietrich Birk CDU: Sie sind auf einem sehr guten Weg dazu! Warminski-Leitheußer, Ruep, Öney! – Gegenruf des Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/ DVP: Auf dieses Niveau werden wir nicht kommen können! – Zuruf: Ruhe!)

Wenn Sie von einer beeindruckenden Bilanz reden und sich die Staatsschulden anschauen, dann können Sie feststellen, dass diese ebenfalls beeindruckend sind. 2008 lagen die Schul den von Bund, Ländern und Gemeinden bei 67 % des BIP; sie betrugen 1,6 Billionen €. Jetzt liegen sie bei 2 Billionen €. Das entspricht 81 % des BIP. Das sind keine positiven, sondern sehr alarmierende Entwicklungen, meine Damen und Herren.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der SPD)

Jetzt prahlen Sie damit, die Mütterrente ausbauen zu wollen. Gerade die Mütterrente ist ein Beispiel für nicht nachhaltige und unseriöse Finanzpolitik. Wie wollen Sie die 7,5 Milliar den € hierfür finanzieren? Wenn dies aus den Überschüssen in der Sozialversicherung erfolgen soll, dann würde das viel leicht gerade einmal für vier Jahre reichen. Was wäre danach? Ich kann nur sagen: Nachhaltige und seriöse Finanzpolitik sieht anders aus, meine Damen und Herren.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Reinhard Löffler CDU)

Wenn wir uns die Bilanz in weiteren wichtigen Themenfel dern anschauen, stellen wir fest, dass die Bilanz ganz mager ausfällt. Nehmen wir die Energiewende als Beispiel: Was ist bei der Energiewende los? Auch in diesem Bereich gab es in Berlin einen Ministerwechsel. Tatsache ist, dass die Bundes regierung und die CDU-Umweltminister die Bremser der Wende sind. Sie haben es geschafft, den Jobmotor „Erneuer bare Energien“ zum Stottern zu bringen. Das ist eine misera ble Bilanz, meine Damen und Herren, und das Gegenteil von dem, was wir für Baden-Württemberg brauchen.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Für die Energiewende im Land brauchen wir vom Bund Rü ckenwind und keine Stolpersteine. Wenn sich beispielsweise der Bundesumweltminister hinstellt und krakeelt, dass die Energiewende über eine Billion Euro kosten würde, macht er mit dieser Äußerung alle verrückt. Stattdessen sollte er seine Arbeit machen und schauen, wie er die Energiewende zwi schen Bund und Ländern koordiniert voranbringen kann. Da durch wäre uns schon viel geholfen. Auch in Sachen Energie wende – Sie haben Ihr Programm sicher gelesen – ist von der CDU keine Unterstützung zu erwarten, wenn wir in BadenWürttemberg einen Ausbau der erneuerbaren Energien,

(Abg. Peter Hauk CDU: Netze! Speicher!)

einen Ausbau der Windenergie – auch der Onshorewindener gie – benötigen.

(Abg. Winfried Mack CDU: Falsch!)

Für die Energiewende ist es erforderlich, dass endlich – auch von Bundesseite – Dampf gemacht wird. Wir brauchen nicht die schwarze Sparflamme, die wir in den letzten Jahren hat ten – insbesondere noch mit der FDP im Blockiererhäuschen, die beim Zertifikatehandel einfach nur auf der Bremse steht.

Meine Damen und Herren, so kann es nicht weitergehen.

(Abg. Thomas Marwein GRÜNE: Wird es auch nicht!)

Wenn es in Baden-Württemberg vorangehen soll, dann muss es auch im Bund vorangehen, dann müssen dort die Voraus setzungen für eine gute Entwicklung in Baden-Württemberg geschaffen werden. Mit der CDU und der FDP wird das nichts. Das sollten alle am 22. September 2013 bedenken.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Für die CDU-Fraktion erhält der Kollege Mack für eine kurze Stellungnahme das Wort.

(Zuruf des Abg. Peter Hauk CDU)

Herr Präsident, liebe Kollegin nen und Kollegen! Herr Minister Schmid hat hier gesagt, wenn Grün und Rot die Bundestagswahl verlieren würden, würde das den Landeshaushalt 1 Milliarde € kosten. In den „Stuttgarter Nachrichten“ spricht er heute von 1,2 Milliar den €.

(Abg. Edith Sitzmann GRÜNE: Er hat gesagt: Über eine Milliarde!)

Sie müssen aber hinzufügen, dass Sie im Falle Ihres Wahl siegs nichts für Familien tun wollen. Wir wollen ein Famili ensplitting zusätzlich zum Ehegattensplitting haben. Sie wol len das Ehegattensplitting abschaffen.

(Abg. Edith Sitzmann GRÜNE: Und wie finanzieren Sie das, Herr Kollege?)

Damit werden Sie die Familien in Baden-Württemberg schä digen. Das müssen Sie auch sagen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Als Zweites wollen Sie die kalte Progression nicht abschaf fen. Das ist leistungsfeindlich. Das schadet den Bürgerinnen und Bürgern in Baden-Württemberg. Wir müssen uns fragen, was den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland aus der Ta sche gezogen würde, wenn Rot und Grün die Wahl gewinnen würden.

(Abg. Thomas Marwein GRÜNE: Gar nichts! Da kommt noch etwas rein!)

Das würde die Bürger nach dem Wahlprogramm der SPD 40 Milliarden € und nach dem Wahlprogramm der Grünen 32 Milliarden € kosten. Nach Berechnungen der OECD neh men wir bereits Platz 3 ein, was die mangelnde Umverteilung anbelangt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir ha ben in Deutschland kein Einnahmeproblem, auch in BadenWürttemberg nicht, sondern ein Ausgabenproblem.

(Abg. Thomas Marwein GRÜNE: Wir haben ein CDU- Problem in Deutschland!)

Der Finanzminister Schäuble hat für 2014 einen ausgegliche nen, einen strukturell ausgeglichenen Haushalt vorgelegt.

(Abg. Claus Schmiedel SPD: Strukturell ist über haupt nichts ausgeglichen!)

Deshalb brauchen wir diese Steuererhöhungsorgie nicht.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP)

Für die SPD-Fraktion erteile ich das Wort Herrn Abg. Schmiedel.

Herr Präsident! Lieber Kollege Mack, der Bundesfinanzminister hat keinen strukturell ausge glichenen Haushalt vorgelegt. Er hat einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. Da sind wir uns einig. Wir unterstellen einmal, er ist seriös, die Annahmen sind seriös.

(Abg. Dr. Dietrich Birk CDU: Sehr gut! Endlich er kennen Sie es an! – Zuruf des Abg. Dr. Reinhard Löffler CDU)

Wenn diese Annahmen seriös sind, stellt sich die Frage, wie Sie Ihre milliardenschweren Wahlversprechen finanzieren. Dann könnten die Wahlversprechen nur über eine Erhöhung der Schulden oder der Steuern finanziert werden.

(Abg. Dr. Dietrich Birk CDU: Wirtschaftswachstum und Steuerwachstum! – Zuruf der Abg. Friedlinde Gurr-Hirsch CDU)

Oder aber sie sind nicht finanziert.

(Glocke des Präsidenten)

Kollege Schmiedel, ge statten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abg. Mack? – Bit te, Herr Abgeordneter.

Herr Abg. Schmiedel, sind Ih nen die Zahlen bekannt, die belegen, dass wir in Deutschland im Moment Rekordsteuereinnahmen haben?

(Staatssekretär Ingo Rust: Die haben wir fast jedes Jahr!)

Im Jahr 2012 waren es 600 Milliarden €, und für das Jahr 2017 sind 705 Milliarden € prognostiziert.

(Abg. Dr. Dietrich Birk CDU: Nicht bekannt? Set zen!)

Das ist interessant, aber es be antwortet nicht meine Frage, wie Sie Ihre milliardenschwe ren Wahlversprechen bezahlen wollen.

(Abg. Joachim Kößler CDU: Durch Wachstum und Steuermehreinnahmen! – Weitere Zurufe von der CDU)

Aber die Steuermehreinnahmen hat Herr Schäuble doch schon eingepreist. Oder hat er sinkende Steuereinnahmen ein gepreist?

(Abg. Joachim Kößler CDU: Nein!)

Wenn seriös ist, was er für seinen Haushalt annimmt, dann ist keines Ihrer Versprechen finanziert. Das sind Luftblasen.

(Abg. Dr. Dietrich Birk CDU: Konsolidieren und wachsen!)