Drittens. Die Frage nach den Leistungsanforderungen in der neuen Oberstufe ist eindeutig beantwortet. Der Leistungskurs wird künftig nicht mehr die Bezugsgröße sein. Das Grundkursniveau, fußend auf dem neuen Lehrplan, wird künftig der Orientierungsmaßstab sein. Das ist eine Konsequenz der höheren Gewichtung der Allgemeinbildung in der gymnasialen Oberstufe.
Viertens. Die Vorbereitung auf das Abitur ist eine Kernfrage. Deshalb hat das ISB den Auftrag erhalten, bis zum Halbjahr, ausgehend von früheren Abiturprüfungen, Aufgaben zu entwickeln, die dem künftigen Niveau des Abiturs entsprechen. Dies hängt auch damit zusammen, dass wir teilweise neue Prüfungsformate anbieten, die die alten Prüfungsformate ergänzen sollen. Diese Prüfungsformate müssen selbstverständlich erst in den Rhythmus der elften und zwölften Jahrgangsstufe einbezogen und erfahren werden. Das hat Herr Kollege Eisenreich vorhin gemeint. Diese ergänzenden Prüfungsformate werden bereits heute in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet. Die Schüler dieser Oberstufe sind jedoch nach knapp zwölf Wochen noch nicht in der Lage, dies zu bewerten. Dies wird erst in zwei Jahren der Fall sein, wenn sie diese Formate vollständig erlebt haben.
Das ISB wird bis zum Februar Aufgabenmaterial erarbeiten, ausgehend von Grundkurs-Abiturprüfungsaufgaben.
Fünftens. Wir wollen die Prüfungen, die kleinen Leistungserhebungen, im Zusammenwirken mit den Lehrkräften auf ein Minimum reduzieren.
Sechstens. Die Fachanforderungen in den Kollegien sollen künftig auf Grundkursniveau liegen. Frau Kollegin Will hat bereits angesprochen, dass dazu eine Beratungs- und Veranstaltungsreihe in Vorbereitung ist. Eines möchte ich deutlich sagen: Das Abitur und die
Vorbereitung auf die Allgemeine Hochschulreife ist und bleibt ein ambitionierter Bildungsgang. Ich bin Absolvent des ersten regulären Kollegstufenjahrgangs des Jahres 1980, zusammen mit Frau Kollegin Schopper. Aus eigener Erfahrung weiß ich deshalb, was dieser Systemwechsel unseren Schulfamilien abfordert. Deshalb begleiten wir diesen Prozess sehr intensiv.
Wir nehmen alle Hinweise von Eltern, Schülern und Lehrern ernst. Im ersten Jahrgang müssen die Erfahrungen im laufenden Betrieb beobachtet, begleitet und wenn nötig korrigiert werden. Das hat nichts mit Schönreden zu tun. Ich werde kein einziges Problem, das bei der Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums auftreten wird, beiseite schieben. Wir haben auf diese Probleme materielle und inhaltliche Antworten zu geben. Die Schulorganisation muss darauf entsprechend reagieren.
In diesen Tagen haben wir den Schulen umfangreiche Hinweise zur Verfügung gestellt. Die Einführung und Umsetzung einer neuen gymnasialen Oberstufe stellt für die Schulen eine große Herausforderung dar. Die Schüler des ersten Jahrgangs haben selbstverständlich einen Anspruch darauf, dass ihr Weg zum Abitur so gestaltet wird, dass eine Vergleichbarkeit mit dem letzten Jahrgang des neunjährigen Gymnasiums, der im Jahre 2011 die Abiturprüfung ablegen wird, gegeben ist. Hier muss volle Chancengleichheit gewährleistet sein.
Wir kehren nichts unter den Teppich. Jeder Schüler in diesem Land hat einen Anspruch darauf, an einem W- und P-Seminar teilzunehmen. Kein Schüler hat jedoch einen Anspruch auf ein bestimmtes Thema.
- Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Themen verlost werden. Die Schüler haben einen individuellen Anspruch auf die Teilnahme an einem W- und P-Seminar. Sie haben jedoch keinen Anspruch auf ein bestimmtes Thema. Ich nehme die Hinweise - gerade aus der Elternschaft - sehr ernst. Wir wollen und werden die neue gymnasiale Oberstufe begleiten. Sollten im laufenden Jahr Nachsteuerungen oder Umsteuerungen erforderlich werden, werden wir diese auf den Weg bringen. Die jungen Menschen, die im Rahmen des ersten Jahrgangs des achtjährigen Gymnasiums ihr Abitur ablegen, werden eine gute Startchance für eine akademische oder sonstige Laufbahn erhalten.
(Vom Redner nicht auto- risiert) Herr Staatsminister, Sie haben erwähnt, dass zunächst das Budget für die Oberstufe nachgebessert worden ist. Das geschah auf Anraten der Fraktionen dieses Landtags. Die Einführung der neuen Oberstufe ist somit von Beginn an als Nachbesserungsprozess zu verstehen gewesen. Das Kultusministerium hat Rechnungen von den Schulen erhalten, und daraufhin nachgebessert. Das bedeutet, dass wir uns wohl in einem ständigen Nachbesserungsprozess befinden. Alle Kolleginnen und Kollegen, die dieses Konzept von vornherein gelobt haben, sollten sehr vorsichtig sein.
Konkret: Sie haben über die Kurse und das Niveau der Pflichtfächer gesprochen. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie deutlich erklärt haben, dass es nicht um das Leistungskursniveau, sondern nur um das Grundkursniveau gehen kann. Ich frage Sie, wie Sie dem Vorwurf des Niveauverlusts begegnen wollen. Wie wollen Sie den Lehrerinnen und Lehrern erklären, dass sie jetzt auf niedrigerem Niveau unterrichten müssen? Entscheidend ist die Frage: Wie stellen Sie sicher, dass diese Niveausenkung in den Abituraufgaben, die jetzt erarbeitet werden, umgesetzt wird? Die Lehrkräfte werden sich zunächst die Abituraufgaben ansehen und ihre Schülerinnen und Schüler dementsprechend vorbereiten.
Ein Problem ist die Gruppengröße. In der Kollegstufe waren die Leistungskurse wesentlich kleiner. Jetzt haben wir Gruppengrößen zwischen acht und 30 Schülerinnen und Schülern. Das bedeutet eine Verschlechterung der Lern- und Unterrichtssituation. Ich möchte wissen, wie Sie dem begegnen und ob Sie hier etwas tun.
Ich habe Zweifel, ob das System der verpflichtenden Fächer tatsächlich die Allgemeinbildung verbessert. Wir stellen fest, dass es zumindest im Fach Mathematik, wo alle auf dem gleichen Niveau in einem vierstündigen Kurs zum Abitur geführt werden sollen, große Probleme gibt. Gleichzeitig stellen wir fest, dass es eher zur Abwahl naturwissenschaftlicher Fächer kommt. Deswegen gibt es Vorschläge, hier etwas zu verändern und die Möglichkeit zu eröffnen, ein naturwissenschaftliches Fach statt der Mathematik zu wählen. Ich glaube, da gibt es Nachbesserungsbedarf. Dazu sollten Sie sich äußern.
Die Zeit für die Zwischenbemerkung ist abgelaufen. Zu einer weiteren Zwischenbemerkung hat sich Herr Kollege Arnold ge
Herr Kollege Gehring, vor demjenigen, der im Besitz der absoluten Wahrheit ist, habe ich großen Respekt. Wenn man eine wichtige Reformmaßnahme verantwortlich umsetzt, dann gehört es zu Wahrheit und Klarheit, dass man gerade in der ersten Phase der Umsetzung eines Konzepts dazu verpflichtet ist, die Entwicklungen intensiv zu begleiten, wenn das Ganze systemisch ans Netz geht, und darauf zu reagieren, wenn Phänomene auftreten, die man im Sinne der jungen Generation, die das als erste durchlebt, korrigieren muss. Das ist doch eine klare Ansage. Ich kann Ihnen den Katalog gern zur Verfügung stellen. Wir verfügen über alle Fragen hinweg über eine angemessene Maßnahmenbegleitung, fußend auf der von uns selbst durchgeführten Erhebung an den bayerischen Gymnasien, wo die Problemfelder sind und wie wir darauf reagieren können. Wenn Sie in der Lage sind, das mit Ihren seherischen Gaben im bildungspolitischen Bereich, vor denen ich großen Respekt habe, zu bewältigen, finde ich das hervorragend. Wir gehen an die Sache nüchtern und orientiert am schulischen Alltag heran.
Die Frage der Einpendelung des Niveaus der Abiturprüfung ist - jetzt hätte ich beinahe gesagt - scheinheilig. Ich sage es lieber nicht, weil der Heiligenschein vor Weihnachten ein wichtiger Begriff ist. Wir haben die wissenschaftspropädeutischen Elemente, die in Leistungskursen insbesondere mit der erhöhten Stundenzahl verankert sind, ein Stück weit - das ist gerade die Errungenschaft der Seminare - in den Seminaren mit abgebildet. Das, was im Leistungskurs mit dem vertieften Befassen mit dem Stoff und der Einübung wissenschaftspropädeutischer Arbeitsformen möglich ist, bildet sich auch in den Seminaren ab.
Deswegen ist es logisch und nachvollziehbar, wenn die Stundenzahl des regulären Wochenunterrichts gerade in den Kernfächern abgesenkt wird. Dass man sich bei der Frage der stofflichen Verdichtung und des Anspruchsniveaus des Abiturs auf die Lösung verständigt, dass nicht mehr eine vertiefte Kurswahl stattfindet, sondern dass drei Fächer verpflichtend sind, ist verständlich.
Wir sind anders als andere Länder im südlichen Deutschland den Weg gegangen, dass wir sagen, nur drei Fächer sind verpflichtend. Zwei Fächer sind frei zu bewegen mit der Abdeckung der fachlichen Körbe. Da sind wir anders als Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg unterwegs, um der individuellen Schwerpunktsetzung nach wie vor Raum zu geben. Wenn wir ein solches Bezugsniveau haben, das für alle Schüler
eines Jahrgangs in den Pflichtfächern zu bewältigen ist, dann kann nicht das Leistungskursniveau bei der stofflichen Verdichtung das Prüfungsniveau sein.
Ich halte es für das Weinen von Krokodilstränen, wenn man behauptet, ein ganzer Jahrgang würde sich aus der Allgemeinbildung zurückziehen. Ich trage dem Rechnung, indem ich dafür sorge, dass sich die Allgemeinbildung in der Abiturprüfung abbildet und das Grundkursniveau, basierend auf den neuen Lehrplänen - insofern ist ein Vergleich 1:1 ohnehin nicht möglich -, eingehalten wird. Ich unterstreiche das auch gegenüber den Lehrkräften. Keine Maßnahme für die Oberstufe ist so intensiv mit den Lehrkräften vorbereitet worden wie die gymnasiale Oberstufe im achtjährigen Zug. Wir haben das noch einmal ganz deutlich unterstrichen, damit sich die gesamte Schulfamilie von der Bezugsgröße ausgehend in den Leistungserhebungen daran orientieren kann.
Herr Staatsminister, Stichwort: Evaluierung. Im Hinblick auf die Notwendigkeit, Unterricht überhaupt anzubieten, stellen wir immer häufiger fest, dass Lehrkräfte eingestellt werden, die null Komma null pädagogische Ausbildung haben. Diese werden auch in der Vorbereitung auf das Abitur eingesetzt. Haben Sie Kenntnis davon, welche Leute da eingestellt werden und wie erreicht wird, dass diese Lehrkräfte, von denen Sie sprechen, auch wissen, was Sie, Herr Staatsminister, wollen?
Das bayerische Lehramtsstudium setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Die erste Phase ist universitär abgestützt mit einem Praxisanteil von derzeit einem Semester. Die zweite Phase findet in der Form des Seminars statt. Einige norddeutsche Länder haben einen systemischen Vergleich der Lehrerbildung vorgenommen - die Studie ist nicht veröffentlicht, ich kann Ihnen aber das Ergebnis nennen - und haben als Referenzgröße die bayerische Form der Lehrerbildung herangezogen. Was für uns interessant ist, ist die Tatsache, dass die Form, in der in Bayern Lehrerbildung grundsätzlich organisiert ist, insbesondere in der zweiten Phase, in der Seminarstruktur mit der starken Verortung in der schulischen Praxis, als Vorbild empfunden wird. Das war Punkt eins.
Punkt zwei. Wir nehmen uns ein ganzes Jahr Zeit - das haben wir hier schon dargestellt -, um, basierend auf den Empfehlungen, die der Wissenschaftlich-Technische Beirat vor einem Jahr gegeben hat - ich durfte Anfang Dezember dort einen Zwischenbericht halten -, die offenen Fragen zu klären. Dabei geht es darum, wie wir strategische Personalentwicklung an den bayerischen Schulen betreiben. Es geht auch um die Frage der Bewerbung für das Lehramt und um die Frage, ob das Verhältnis zwischen fachwissenschaftlicher Tiefe und Fachdidaktik richtig ist und wie die Verzahnung zwischen erster und zweiter Phase verbessert werden kann. Da gibt es interessante Ansätze etwa an der Universität Eichstätt.
Wir beschäftigen uns auch damit, wie die Anbindung der Seminarrektoren, Seminarlehrer und Fachbetreuer an den wissenschaftlichen Fortschritt zu verbessern ist. Ich sage, sie ist verbesserungsbedürftig. Wir befassen uns mit der Frage, wie das zu organisieren ist.
Daneben prüfen wir, wie wir den wichtigen Bereich der Lehrerfortbildung, also die dritte Phase, unterstützen können. Gerade in der regionalen Lehrerfortbildung messe ich den Landesuniversitäten und deren Zentren für Lehrerbildung und -fortbildung eine zentrale Rolle bei. Wir bemühen uns um Klärung der Frage, wie eine stärkere Verzahnung der Lehrerfortbildung mit der wissenschaftlichen und universitären Wirklichkeit hergestellt werden kann.
Wir haben Möglichkeiten für Quereinsteiger nach dem Lehrerbildungsgesetz, die wahrgenommen werden. Dabei ist eine entsprechende pädagogische Nachbildung notwendig. Wenn sich eine vollakademische Kraft und eine Schule mit ihrem Budget für eine solche Lösung entscheiden, dann akzeptiere ich das. Wir wollen im Übrigen das Instrument, den einzelnen Schulen Mittel zur Verfügung zu stellen, um für ihr Profil passendes Personal anstellen zu können, auch in anderen Schularten ausweiten. Frau Kollegin Will hat dies bereits unter der Überschrift "eigenverantwortliche Schule" angesprochen. Da werden wir Sie überraschen - das können Sie mir glauben -, wenn wir im Februar mit unserem Entwurf kommen. Wir wollen diesen Weg weitergehen.
Wir wollen die Dinge von der Schule ausgehend mit allem Ernst betreiben. Wir werden Ihnen die Fortschreibung der Lehrerbedarfsprognose vorlegen. Wir müssen uns auch überlegen, wie wir den Lehrerbedarf mit den Möglichkeiten der jungen Menschen, die im Studium sind, stärker in Einklang bringen. Auch dazu
Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Die Aussprache ist geschlossen. Wir kommen zur Abstimmung, wobei über die ersten beiden Dringlichkeitsanträge der Fraktionen der GRÜNEN und der SPD in einfacher Form abgestimmt wird. Über den dritten Dringlichkeitsantrag wird wie angekündigt namentlich abgestimmt.
Wer dem Dringlichkeitsantrag auf Drucksache 16/2961 - das ist der Antrag der Fraktion des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN - seine Zustimmung geben will, den bitte ich um das Handzeichen. - Danke schön. Gegenstimmen? - Das sind die Fraktionen der CSU und der FDP. Dafür waren die Fraktionen der SPD und der GRÜNEN sowie Frau Pauli.
- Und die Freien Wähler selbstverständlich. Entschuldigung. Ich frage nach Stimmenthaltungen. - Die gibt es nicht. Dann ist der Antrag abgelehnt.
Wer dem Dringlichkeitsantrag auf Drucksache 16/2976 - das ist der Antrag der SPD-Fraktion - seine Zustimmung geben will, den bitte ich um das Handzeichen. - Das sind die Fraktionen der SPD, der Freien Wähler und der GRÜNEN sowie Frau Pauli. Gegenstimmen? - Das sind die Fraktionen der CSU und der FDP. Enthaltungen? - Keine. Damit ist der Antrag ebenfalls abgelehnt.
Wir kommen zum Dringlichkeitsantrag auf Drucksache 16/2978. Das ist der interfraktionelle Antrag von CSU und FDP. Hier erfolgt namentliche Abstimmung. Dafür haben Sie die Namenskarten. Die Wahlurnen sind wie immer aufgestellt. Die Abstimmung kann erfolgen. Wir haben dafür fünf Minuten Zeit.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich schließe den Wahlgang und bitte, die Stimmkarten außerhalb des Plenarsaals auszuzählen. Nach den Schlussworten werde ich das Ergebnis bekannt geben.
Die restlichen Dringlichkeitsanträge 16/2962 mit 16/2967 werden in die dafür zuständigen Ausschüsse verwiesen.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Atmen Sie durch, Sie haben es geschafft, wir haben es geschafft. Ich