Protokoll der Sitzung vom 02.02.2011

Ich denke an die Zeit.

Sie haben einen Dringlichkeitsantrag eingereicht. Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold hat bereits im Sommer 2010 die Rotstiftpolitik angeprangert und war Ihnen damit weit voraus. Er hat angemerkt, dass der Freistaat Bayern mit seinen 68 Bundeswehrstandorten überproportional hart getroffen wird und dass die Bundeswehr sehr gut vernetzt ist. Der wehrpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, betont dies auch immer wieder.

Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.

Ich komme zum Schluss. Der Standort Freyung ist ebenfalls mit der Bevölkerung sehr gut vernetzt, und wir wissen, dass die Wehrbereichsverwaltung Süd und das Wehrwissenschaftliche Institut in München wesentliche Standortfaktoren sind.

(Zurufe von der CSU)

Herr Kollege, Sie sind über eine Minute über der Zeit. Bitte kommen Sie zum Schluss.

Mit Ihrer Erlaubnis, die letzte Bemerkung: Schicken Sie nicht nur Worthülsen nach Berlin, sondern sorgen Sie dafür, dass Ihre Fraktionen, die in Berlin Verantwortung tragen, endlich die Finanzierung regeln und die Arbeitsplätze in Bayern sichern.

(Beifall bei der SPD)

Nächste Wortmeldung: Herr Kollege Hanisch für die Fraktion der Freien Wähler. Bitte schön.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wer die Bundeswehr verkleinert,

wer die Wehrpflicht aussetzt, muss wissen, welche Folgen das hat. Er muss wissen, dass wir im sozialen Bereich Probleme bekommen werden. Er muss wissen, dass Standorte geschlossen werden, und er muss auch wissen, dass die Wehrtechnik und die Wehrindustrie aus dem deutschen Bereich weniger Aufträge bekommen werden. Das ist nichts Neues.

(Zuruf des Abgeordneten Tobias Thalhammer (FDP))

Nur in Krisenzeiten brauchen wir Unterstützung.

Meine Damen und Herren, wir müssen kein Glaubensbekenntnis zur Wehrtechnik abgeben. Es reicht, wenn wir mitteilen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass wir die bayerische Wirtschaft und den bayerischen Mittelstand generell unterstützen und auch für die Wehrtechnikindustrie da sind, die jetzt Probleme bekommen wird. Mich wundert, dass der Telefondraht von München nach Berlin in das Verteidigungsministerium so schwach ist, dass das Problem unter Freunden und Parteikollegen nicht geklärt werden kann. Dass man den Landtag bemühen muss, nehmen wir zur Kenntnis.

Wir werden dem Antrag zustimmen, weil man ihn gar nicht ablehnen kann. Allerdings stelle ich infrage, dass er notwendig ist. Ich bin überzeugt, dass die kleinere Bundeswehr ebenfalls Wehrtechnik, aber andere Formen von Wehrtechnik, braucht. Da gibt es genügend Möglichkeiten. Die Frage wird sein, ob wir das Geld haben, um das alles zu bezahlen. Wir werden fragen müssen, was unsere Priorität hat. Unsere Truppen im Ausland hätten fürwahr eine bessere Ausstattung verdient, meine Damen und Herren.

Die Industrie, vornehmlich die Wehrtechnik, wird Lösungen für den drohenden Verlust dieser staatlichen Aufträge finden müssen. Sie ist clever genug, das auch zu tun. Die Industrie wird sich auf dem freien weltweiten Rüstungsmarkt bewähren. Wie gesagt, wir stimmen dem Antrag zu, obwohl wir die Notwendigkeit eigentlich nicht sehen.

(Beifall bei den Freien Wählern)

Herr Kollege Dr. Runge, Sie brauchen sich nicht so zu hetzen. Bevor Sie reden, läuft die Zeit nicht. Bitte sehr, Sie haben das Wort.

(Allgemeine Heiterkeit)

Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Wir werden diesem Antrag aus voller Überzeugung nicht zustimmen. Der Antrag enthält zwar viele wohlfeile Forderungen, die wir unter

schreiben könnten, aber die Antragsteller verfahren nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Die FDP geriert sich in diesem Antrag als Trommler für Staatswirtschaft. Ich zitiere: "planungssichere Auftragspolitik". Der Antrag beginnt mit den Worten. "Die leistungsstarke, innovative Wehrtechnik in Bayern macht unsere Bundeswehr unabhängig und einsatzfähig". Das ist genau das Gegenteil der Begründung der europäischen Verteidigungspolitik in der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Da war man der Auffassung, wir kommen durch eine Europäisierung zu mehr Effizienz. Als Stichwort verweise ich auf den Vertrag von Lissabon. Ich zitiere jetzt einige Sätze aus der Berichterstattung zu einer großen Presskonferenz des Bundesverteidigungsministeriums Ende des letzten Jahres. Erinnern Sie sich, was die Zeitungen daraus gemacht haben, und legen Sie das dann um auf den hier vorliegenden Antrag, bitte.

Auch die in der Vergangenheit völlig aus dem Ruder gelaufene Rüstungsbeschaffung will der Minister wieder unter Kontrolle bringen. In der Wehrtechnik setzt der Minister auf europäische Lösungen und eine europäische Steuerung.

Es ist also keine bayerische und keine nationale Steuerung seitens Ihres Ministers gewollt. Stattdessen heißt es, man müsse zu einem gemeinsamen Verständnis gelangen, in welchem Maße der Erhalt industrieller Potenziale zur Sicherheitspolitik beiträgt. Wenden Sie sich also bitte an Ihren Minister, er drückt genau das Gegenteil von dem aus, was Sie hier in diesem Antrag schreiben.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Ich habe viel zu schnell geredet. Ich könnte Ihnen eigentlich noch viel mehr erzählen. Wir hatten auch wesentlich mehr vorbereitet.

(Thomas Hacker (FDP): Es bleiben noch 51 Sekunden!)

- Es bleiben sogar mehr, denn einige Kolleginnen und Kollegen durften ordentlich überziehen.

(Tobias Thalhammer (FDP): Mittlerweile sind es noch 41 Sekunden!)

Es gibt eine Reihe von Punkten in dem Antrag, die man kritisch hinterfragen muss. Der Antrag enthält aber eine Forderung, die es uns unmöglich macht, dem Antrag zuzustimmen, und das ist die letzte Forderung. Ich zitiere aus Ihrem Antrag:

Die Staatsregierung wird aufgefordert…,

- bei der Exportkontrolle die Handhabung im Vollzug ohne Nachteile deutscher Unternehmer gegenüber europäischen verbündeten Nationen sicherzustellen.

Ich möchte gerne wissen, wie die Staatsregierung das machen kann, immerhin gibt es hier andere Zuständigkeiten. Ich denke, für Exportkontrollen und ähnliche Fragen ist Bundeswirtschaftsminister Brüderle zuständig. Sie reden hier einem laschen Vollzug bei dem Export von Rüstungsgütern das Wort. Das können wir nie und nimmer teilen. Ich darf deshalb aus voller Überzeugung unsere herzliche Ablehnung vortragen.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Herr Dr. Runge, Sie haben so schnell gesprochen, dass die Uhr fast rückwärts gelaufen ist.

(Dr. Martin Runge (GRÜNE): Wunderbar, vielen Dank! - Allgemeine Heiterkeit)

Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor.

(Alexander König (CSU): Die FDP hätte noch ein paar Minuten!)

- Die FDP hat schon gesprochen. Wie gesagt, weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Aussprache ist geschlossen. Wir kommen zur Abstimmung.

(Unruhe - Glocke des Präsidenten)

Wir kommen zur Abstimmung. Frau Staatssekretärin, hier spielt die Musik.

(Thomas Hacker (FDP): Aber Herr Präsident, mehr Charme bitte! - Alexander König (CSU): Keine Diskriminierung bitte! - Allgemeine Heiterkeit)

Wer dem Dringlichkeitsantrag auf Drucksache 16/7109 seine Zustimmung geben will, den bitte ich um das Handzeichen. - Das sind CSU, FDP, Freie Wähler und SPD. Gegenstimmen? - Das ist die Fraktion der GRÜNEN und eine Stimme aus der SPD. Enthaltungen? - Keine. Damit ist der Antrag angenommen.

Die Dringlichkeitsanträge auf den Drucksachen 16/7110 mit 16/7112, 16/7114 und 16/7132 mit 16/7134 werden in die zuständigen federführenden Ausschüsse verwiesen. Kein Widerspruch? - Dann so beschlossen.

Nun habe ich noch das Ergebnis der namentlichen Abstimmungen bekannt zu geben.

(Alexander König (CSU): Ach nein!)

- Herr Kollege König, auch Sie haben den Antrag auf namentliche Abstimmung gestellt. Jetzt hören Sie sich das Ergebnis auch an.

(Alexander König (CSU): Jawohl, Herr Präsident!)

- Danke schön.

(Allgemeine Heiterkeit)