Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Pisa-Studie hat uns nicht nur offenbart, dass die bundesdeutschen Schülerinnen und Schüler in manchen untersuchten Kompetenzbereichen im internationalen Vergleich alles andere als Spitze sind. Sie hat auch gezeigt, dass es im Schulalltag, in der Unterrichtspraxis und somit letztendlich auch in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer einige Defizite gibt. Zu den Defiziten gehören, der Kollege Mützelburg hat schon einige davon angesprochen, Mängel im Umgang mit sozialer und kultureller Heterogenität in den Klassen, Mängel in Methodik und Didaktik, Mängel in der Diagnose von Lernerfolgen beziehungsweise Lernmisserfolgen bei den Schülerinnen und Schülern, und daraus abgeleitet Mängel in der zielgenauen Förderung der Schülerinnen und Schüler, bei denen solche Erfolge oder Misserfolge dann schlecht diagnostiziert wurden.
Diese Mängelliste deckt sich in etwa mit Erkenntnissen, die auch schon bildungspolitische Fachkommissionen, die so genannte Oelkers-Kommission oder auch die Terhart-Kommission in den Jahren 2000 und 2001 zutage gefördert haben, Kommissionen, die die Zielsetzung hatten, Perspektiven und Reformen der Lehrerbildung Wege zu weisen. Meine Damen und Herren, die Diskussion ist also nicht neu, aber mit der Pisa-Studie hat sie für uns, gerade für uns hier in Bremen angesichts der miesen Ergebnisse, eine neue Dynamik bekommen und zeigt uns die Notwendigkeit, jetzt schnell zu sinnvollen Reformen zu kommen.
Aber, meine Damen und Herren, wir als Koalitionsfraktion und auch der Senator für Bildung und Wissenschaft haben bereits in diesem wichtigen Feld gehandelt. Es ist eben nicht so, Herr Mützelburg, ––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.
dass zweieinhalb Jahre nichts passiert sei. Das ist schlicht nicht richtig! Wir haben schon einige Dinge auf den Weg gebracht. Es gibt zum Beispiel jetzt ein verbindliches Kerncurriculum, oder zumindest wird das jetzt entwickelt, in den Bereichen der Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften, in der Fachdidaktik und auch in der fachlichen Ausbildung, um der Überforderung vieler Studierender bei der Integration dieser in der universitären Praxis noch sehr getrennten Teile der Ausbildung zu begegnen. Wir haben bereits das Halbjahrespraktikum eingeführt, Sie haben es angesprochen. Bremen ist das erste Bundesland, das einen derart hohen Praxisanteil in der Ausbildung hat, und hier sind wir wirklich klar vorwegmarschiert.
(Beifall bei der SPD – Abg. M ü t z e l - b u r g [Bündnis 90/Die Grünen]: Das wurde doch schon unter Frau Kahrs be- schlossen! – Abg. Frau H ö v e l m a n n [SPD]: Stimmt, gegen Herrn Zachau!)
Wir haben verpflichtende Lehrveranstaltungen, zum Beispiel ein zentrales Studienprojekt „Schulisches Lernen“ oder auch die Veranstaltung „Lernen mit technischen Medien“ in der neuen Prüfungs- und Studienordnung für die Lehramtsstudierenden festgeschrieben. Wir haben diese Studien- und Prüfungsordnung so überarbeitet, dass im Studium klarere Strukturen verordnet sind und dass auch mit einer Zwischenprüfung festgehalten wird, dass die Qualifikationszuwächse, der Kompetenzerwerb auch während des Studiums abgeprüft wird. Ich denke, das sind wichtige Schritte, und das ist nicht Nichtstun, Herr Kollege Mützelburg!
Sie erinnern sich sicher auch an die gemeinsame Sitzung der Wissenschafts- und der Bildungsdeputation im Juni dieses Jahres. Wir haben dort gemeinsam festgelegt, dass wir zum Ende des Jahres 2002 einen neuen Bericht über die Fortschritte in den auch von mir eben angerissenen Punkten erhalten, und wir wünschen uns, dass in dieser Sitzung zum Ende dieses Jahres auch darüber beraten wird, welche umfassenderen Strukturreformen, nämlich die Richtung, die Sie in Ihrem Antrag angerissen haben, dann zu realisieren sein werden. Ich sage Ihnen dazu nur relativierend: Unsere Position ist die Umsetzung dieses Maßnahmenpakets zur Stärkung der Kompetenzen der Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichten, im Erziehen, im Diagnostizieren und im gezielten Fördern, also in den Bereichen, was Lehren und Lernen im Kern wirklich ausmacht. Das hat für uns absolute Priorität und Vorrang vor der Strukturdebatte.
Jetzt aber zum Antrag vom Bündnis 90/Die Grünen! Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Fraktion kann sich dem Punkt eins in diesem Antrag wirklich nur uneingeschränkt anschließen, ich zitiere mit Genehmigung des Präsidenten: „Im Zentrum der Lehrer- und Lehrerinnenausbildung der Zukunft steht
die Fähigkeit zur Vermittlung von Wissen und zur Erziehung in der Schule. Die Lehrperson ist in erster Linie Experte für Unterricht, Lern- und Erziehungsprozesse. Dem Erwerb von pädagogischen, psychologischen und didaktischen Kenntnissen und Fähigkeiten wird mehr Raum und Zeit eingeräumt. Das Fachstudium erfolgt in fachdidaktischer Perspektive.“
Die folgenden Punkte allerdings skizzieren recht detailliert eine Reform der Studienstruktur, die wir nicht in Gänze so teilen. Das Ziel, das Sie beschreiben, ist die Ablösung des etablierten Systems einer universitären Lehramtsausbildung, das bisher mit einem ersten Staatsexamen endet, hin zu einem zweiphasigen Studium, das also gestuft mit Bachelor und Master abgeschlossen wird – und das sind universitäre Prüfungen – und eben nicht mehr mit einer Staatsprüfung abschließt. Meine persönliche Meinung zu dieser Umstellung des klassischen Lehramtsstudiums auf gestufte Abschlüsse entspricht in etwa dem, wie ich es ja auch schon in der Diskussion geäußert hatte, als wir diesen Punkt in der allgemeinen Debatte zur Studienstrukturreform hier diskutiert haben. Ich teile da die Position, die der jetzige Rektor der Universität, Professor Müller, damals noch als Konrektor für die Lehre, also sicherlich ein Fachmann auf diesem Bereich, geäußert hat: Modularisierung geht vor Bachelorisierung.
Das heißt natürlich nicht, dass wir Sozialdemokraten diese Entwicklung bremsen oder sogar blockieren wollen, aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, der erste Schritt muss vor dem zweiten erfolgen. Bezogen auf Ihren Antrag und bezogen auf die Strukturreform in der Lehrerausbildung heißt das, zuerst müssen die inhaltlichen Verbesserungen des Studiums umgesetzt werden, und wir dürfen diese schwierige Reformaufgabe nicht dadurch blockieren – bitte lassen Sie es mich etwas flapsig ausdrücken! –, dass wir hier eine Sau nach der anderen durchs Dorf treiben. Die Universität hat sich im Hochschulentwicklungsplan, vom Akademischen Senat im Dezember 2001 beschlossen, einen Zeithorizont von etwa zehn Jahren zur Umstellung des bisherigen Abschlusssystems auf Bachelor- und Masterabschlüsse gesetzt. Ich denke, das ist ein sinnvoller und vernünftiger Zeitrahmen, und in diesem Zeitrahmen sollten wir uns auch bewegen, das unterstützen wir.
Wir wollen uns natürlich dieser Diskussion über die gestuften Abschlüsse stellen, wir könnten uns dieser Diskussion auch gar nicht entziehen. Herr Mützelburg hat es angesprochen, in anderen Bundesländern wird die Diskussion geführt, der Wissenschaftsrat und auch die Kultusministerkonferenz haben ihre Position dazu abgesteckt, allerdings recht kontrovers. Länder wie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz führen verschiedene Modellversu
che durch beziehungsweise haben Modellversuche in diesem Sinne einer Studienstrukturreform gestartet. Alle Modelle unterscheiden sich in ihren Details aber erheblich. Wir haben in Bremen nur eine Universität, und wenn wir da einen Modellversuch starten, wird er kaum rückholbar sein, er muss also schon ausgegoren sein. Da ist unser Vorschlag, dass wir die Modellversuche in anderen Bundesländern aufmerksam verfolgen, die Evaluation dieser Modelle erst einmal abwarten, bewerten und dann aufgrund dieser Datenbasis entscheiden, was wir konkret als Strukturreform in Bremen anpacken sollten.
Das heißt ja nicht, dass man bis dahin Däumchen dreht. Es gibt auch in struktureller Hinsicht noch genügend Reformstau aufzulösen. Ich nenne nur die Einbindung der Lehramtsstudiengänge in die laufende Modularisierung des Studienprogramms der gesamten Universität, die Durchsetzung des Kerncurriculums in alle dazu gehörenden Studienordnungen, die weitere Stärkung von Praxisanteilen im Studium, den Aufbau eines Instituts für Fachdidaktik der Naturwissenschaften, was wir als ersten Schritt für den Aufbau eines Zentrums für alle Fachdidaktiken verstehen, was auch wirklich eine Stärkung der Fachdidaktiken in den Fächern, in den Fachbereichen bedeuten würde, und auch die schon angesprochene Stärkung der Lehr- und Lernforschung, eine Aufgabe, die wir uns vornehmen müssen in der Umsetzung des Wissenschaftsplans 2010.
Ich möchte noch einmal unsere zentralen Ziele für die Lehramtsausbildung formulieren! Das fachliche Lehramtsstudium darf nicht weiter ein Abfallprodukt des Studienangebots in den Fächern für die Magister-, Diplom-, Bachelor- oder Masterstudentinnen und -studenten sein. Das fachliche Studium muss für Lehramtsstudierende in allen Fächern aufeinander abgestimmte Angebote mit einer fachdidaktischen Perspektive bieten. Im fachlichen Studium muss sich das Gewicht vom Erwerb des reinen Fachwissens, des reinen Faktenwissens, hin zur Vermittlung, zum Herüberbringen dieses Wissens verschieben, und auf das gesamte Studium im Lehramt bezogen müssen die Fachwissenschaften zugunsten der Erziehungswissenschaften, der Fachdidaktik und -methodik zurücktreten. Insofern teilen wir Ihre Position aus Ihrem Antrag vollständig.
Wenn sich diese Ziele in einer Bachelor-/Masterstruktur besser als bisher realisieren lassen – das gilt es aber in der Praxis eben erst zu überprüfen –, dann werden wir diese Strukturreform auch beschleunigen. Wenn sich das nicht erweist, dann sind wir allesamt gut beraten, die Verbesserungen, die hier schon skizziert wurden, in der bestehenden Struktur zu realisieren.
Bildung, federführend soll die Deputation für Wissenschaft sein, denn der Antrag enthält zweifelsohne einige gute Ideen. Ich möchte das nur noch einmal schlagwortartig aufführen: Die Schwerpunktsetzung im Studium im Bereich Didaktik/Pädagogik teilen wir hundertprozentig, den geforderten hohen Praxisanteil, die späte beziehungsweise geringe Schulartendifferenzierung und den Schritt in Richtung eines einheitlichen Lehramtsstudiums in der ersten Phase des Studiums oder des Studiums zu einem einheitlichen Lehramt teilen wir, und auch die Vorschläge, stärkere Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen und zwischen den Hochschulen in Bremen und Oldenburg anzupeilen, sind sicherlich sinnvoll.
Ich komme zum Ende! Diese Vorschläge sollen in die Diskussion der Fachleute in den Deputationen einfließen, und wir erwarten dann Anfang 2003 eine Berichterstattung hier im Hause über die Diskussion. Der Handlungsdruck für das Land Bremen bezüglich Ergebnisse und Konsequenzen aus Pisa erlaubt es nicht, meine Damen und Herren, dass eine auch noch so große Koalition gute Ideen ablehnt, nur weil sie von der Opposition kommen. Deswegen können Sie sicher sein, dass wir uns ernsthaft damit auseinander setzen werden. – Vielen Dank!
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Reform der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer hat, insbesondere seit Veröffentlichung der Pisa-Studie im letzten Dezember, in der Bildungs-, aber auch in der Wissenschaftspolitik absolute Priorität, denn wir können hier zwar mehr Unterricht beschließen, wir können neue Inhalte für die Schule beschließen, wir müssen uns aber auch dann darum kümmern, dass dies mit neu ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern passiert, denn, das ist völlig richtig gesagt worden, in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer ist in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig passiert.
Von daher begrüßen wir es als CDU-Fraktion außerordentlich, dass Bündnis 90/Die Grünen hier einen Antrag vorgelegt hat, der sich in ziemlich großen Teilen mit den Forderungen deckt, die die CDUBürgerschaftsfraktion im Juni dieses Jahres als Konsequenzen aus der Pisa-Studie vorgestellt hat. Selbst ––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.
bei der Ausgestaltung des sehr detailreichen Antrags mit der genauen inhaltlichen Ausgestaltung kommen Sie dem, was wir als Prüfauftrag formuliert hatten, sehr nahe. Wir möchten Ihren Antrag hier trotzdem überweisen. Sie haben auch gerade gemerkt, wir haben dort noch die eine oder andere Diskussion auch mit dem Koalitionspartner zu führen, auch sicherlich, was das Tempo angeht. Ich finde, die zehn Jahre, die Herr Dr. Käse hier angesprochen hat, sind viel zu lange. Wir müssen hier schneller handeln, meine Damen und Herren! Das hat auch die Kultusministerkonferenz in der ersten Reaktion auf Pisa – –.
Nein, er hatte zehn Jahre gesagt! Aber ich freue mich, wenn es ein Missverständnis ist. Auch die Kultusministerkonferenz hat im letzten Dezember in ihrem Sofortprogramm nach Pisa die zwölf Punkte, die Reform der Lehrerausbildung, sehr weit oben angesiedelt.
Es geht nicht nur um die Diagnosefähigkeit, es geht auch wirklich darum, dass wir die Praxisnähe einführen, die wir in Bremen in Teilschritten schon beschlossen haben, dass wir aber auch zum Beispiel wieder auf eine Ausbildung aus psychologischen Komponenten kommen. Das fällt unter Diagnosefähigkeit. Dies war früher in der Lehrerausbildung verpflichtend, dies muss auch in Zukunft so sein, meine Damen und Herren. Wer eine Klasse von 30 verschiedenen Individuen zu betreuen und zu erziehen hat, der braucht ein psychologisches Rüstzeug, damit er Prozesse in der Klasse besser erkennen kann, damit er auf den Einzelnen viel genauer und gezielter eingehen kann.
Die Koalition hat dies erkannt, in den Beschlüssen des Koalitionsausschusses zur Bildungspolitik ist die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung berücksichtigt. Gerade hier ist auch das berücksichtigt, was Sie in Ihrem Antrag wollen, meine Damen und Herren vom Bündnis 90/Die Grünen, nämlich die größere Praxisnähe. Wir möchten auf Rheinland-Pfalz und auch auf Hessen eingehen, das haben Sie eben nicht erwähnt. Wir finden nicht, dass man die Ergebnisse aus diesen Bundesländern abwarten muss, soviel Zeit haben wir in Bremen nicht, meine Damen und Herren.
Wir müssen mit Oldenburg sprechen, Vechta ist auch in der Nähe, wir haben mehrere norddeutsche Universitäten, auch noch im Umland, mit denen man sprechen muss. Wir brauchen hier auf jeden Fall Gespräche, meine Damen und Herren, die dann aber zu einem Ergebnis kommen, und auch hier können wir nicht lange warten. Für uns als CDU-Fraktion ist es sehr gut vorstellbar, dass wir noch in dieser
Legislaturperiode bis zum Mai 2003 erst in der Deputation und dann hier im Hause die entsprechenden Beschlüsse fassen, um auch einen entsprechenden Bremer Vorstoß in der Lehrerausbildung hier auf den Weg zu bringen.
Ich möchte noch sagen, Dieter Mützelburg hat es ja auch gleich am Anfang seiner Rede gesagt, in Ihrem Antrag wollten Sie die Richtung der Diskussion angeben, dies begrüßen wir. Ich glaube nicht, dass Sie erwartet haben, dass dieser Antrag hier heute so beschlossen wird. Sie wissen aus der gemeinsamen Sitzung der Deputationen für Bildung und für Wissenschaft, dass hier noch viele Sachverhalte genau zu klären sind. Diese Sachverhalte wollen wir zügig klären. Wir werden sowohl mit unserem Koalitionspartner als auch mit dem Senator für Bildung und Wissenschaft eingehende Gespräche führen.
Ich darf daran erinnern, dass Rektor Müller, damals noch Konrektor, in der gemeinsamen Deputationssitzung auch darauf hingewiesen hat, dass die Universität mit ihren elf Fachbereichen, die schon Bachelor-/Master-Abschlüsse haben, sehr gut darauf vorbereitet ist, hier entsprechend eine Lehrerausbildung in Bremen einzuführen, die auf einen Bachelor-/Master-Abschluss gesteuert ist. Insgesamt ist es ganz wichtig, dass wir die Lehrerausbildung hier in Bremen dergestalt reformieren, dass der auch vom Koalitionsausschuss ausdrücklich begrüßte „Pita-Test“, das ist das Nachfolgeprojekt „Program for International Teachers Assessment“, der dann irgendwann auch Bremen erreichen wird, hoffentlich bessere Ergebnisse zeitigen wird, als es Pisa Student Assessment Test getan hat.
Wir wollen dies zügig angehen, wollen das auch mit Senator Lemke nach seiner Rückkehr in das Amt sofort besprechen. Wir werden das in der Wissenschafts- und der Bildungsdeputation auch entsprechend angehen, meine Damen und Herren. Ich möchte nur noch kurz sagen, weil ich nicht weiß, ob noch ein Redner vom Bündnis 90/Die Grünen das zweite Mal kommen wird, das Anliegen ist uns ernst, und zwar so ernst, dass wir hier entsprechend mit der Überweisung auch Skeptiker in der einen oder anderen Fraktion überzeugen konnten, es doch zu überweisen. – Danke schön!
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich kann es wirklich ganz kurz machen. Ich möchte doch nur darauf hinweisen, Herr Käse hat das, glaube ich, ausführlich und hinreichend auch schon gesagt, dass es nun nicht so ist, Herr
Mützelburg, dass wir zwei Jahre geschlafen haben, Sie wissen das auch. Wir haben Ihnen eine ausführliche Vorlage in der Deputation vorgelegt. Sie wissen auch, glaube ich, sehr viel besser, als Sie es hier dargestellt haben, dass an der Universität insbesondere der neue Rektor, Herr Professor Müller, hoch engagiert ist, den Bereich der Lehrerausbildung voranzubringen, und dass wir zusammen mit ihm und dem LIS in einer gemeinsamen Kommission daran auch intensiv arbeiten.
Ich möchte darauf hinweisen, dass wir selbstverständlich mit Niedersachsen in enger Kooperation sind. Die Niedersachsen werden nun in der nächsten Woche zum ersten Mal über ihr Programm mit den verschiedenen Hochschulen zusammensitzen, um das mit den Hochschulen zu erörtern. Also, so viel weiter sind sie nicht. Ich möchte ein bisschen darauf hinweisen, Sie haben das auch gesagt, dass in allen anderen Bundesländern zurzeit auch darüber nachgedacht wird, wie die Lehrerbildung zu reformieren ist. Es ist ja nicht zufällig, dass es mehrere Kommissionen in der letzten Zeit gegeben hat, zunächst die Terhart-Kommission für die KMK, aber erst in diesem Frühjahr der Wissenschaftsrat, dann wiederum in vielen Punkten gravierend abweichend von der Terhart-Kommission, Empfehlungen vorgelegt hat, mit denen man sich, glaube ich, wirklich ernsthaft auseinander setzen muss, und das geht eben nicht von heute auf morgen.
Ich will nicht bestreiten, dass die Lehrerbildung, insbesondere die Lernforschung in der Universität, in der Vergangenheit vielleicht nicht den Stellenwert gehabt hat, der notwendig wäre. Sie wissen und kennen aber auch die Schwierigkeiten, die man mit Professoren hat, die in Fachdidaktiken, in der Didaktik berufen werden. Das Problem ist, dass die Profilierung eines Professors in den Fachwissenschaften immer sehr viel schneller und offensichtlich für sie bequemer ist, als sich mit der Fachdidaktik wirklich auseinander zu setzen. Ich glaube aber, Herr Mützelburg, und so, wie ich Sie kenne, wissen Sie das auch, dass wir gerade in den letzten zwei Jahren hoch qualifizierte neue Fachdidaktiker an die Universität berufen haben. Ich würde nun das Beispiel der Sportmedizin nicht zum Zentrum dessen machen, wie ernst die Universität die Fachdidaktiken nimmt. Dann hätte sie nicht diesen großen Wert auf die Berufung qualifizierter Fachdidaktiker gelegt.
Sie wissen aber sicher auch, dass die Lehr- und Lernforschung insgesamt in der Bundesrepublik nicht so ausgeprägt ist wie international. In den USA, in den angloamerikanischen Ländern ist die Wissenschaft der Lehr- und Lernforschung völlig anders ausgeprägt als in der Bundesrepublik. Deswegen hat die deutsche Forschungsgemeinschaft gerade dort großen Wert darauf gelegt, dass sie dort mehr machen will, indem sie sehr viel Geld hineinstecken will, um diesen Bereich weiter auszubauen. Aber auch in diesem Bereich haben wir gerade in allerjüngster
Zeit einen der sehr hoch qualifizierten Hochschullehrer hier nach Bremen berufen, so dass ich guten Mutes bin, dass wir, wie in der Deputation versprochen, bis zum Ende des Jahres einen deutlichen Schritt weiter kommen und uns sehr bemühen werden. Wir wissen auch, dass wir diese Reform der Lehrerausbildung ernst nehmen müssen und dort zügig vorangehen müssen.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich will doch noch ein paar Bemerkungen machen, die in diese Diskussion irgendwie eingehen sollten. Ich war ja in dieser gemeinsamen Deputationssitzung zur Lehrerbildung dabei. Ich habe das für unsere Fraktion so zusammengefasst, dieser Termin war offensichtlich überflüssig, weil keine beratungsfähige Grundlage da war. Herr Senator Lemke hat dem ausdrücklich zugestimmt. Jetzt frage ich mich, wieso müssen Sie, Herr Köttgen, uns nur so etwas erzählen, wenn wir kritisieren, dass in den zwei Jahren nichts ausreichend gemacht worden ist, wenn der Senator sich dieser Beurteilung anschließt.