und wir haben eines der bedeutendsten Vorkommen dieser Art. Herr Focke, wir können das einmal bilateral machen, und ich würde gern mit Ihnen einmal ökologische Themen auch auf diese Weise vertiefen. Ich möchte aber, vielleicht ist das die Erinnerung, und ich nehme jetzt diesen Ansatz, dass Sie sagen, ein Kompromiss könnte sein, dass man nur die Binnensalzstelle im Hollerland meldet, wobei Sie hier dann irgendwie dann auch sehr wolkig und sehr, denke ich einmal, urwüchsig erklären, dass sie gar nicht so besonders wichtig ist, obwohl alle Fachgremien, vom Bundesamt für Naturschutz bis eben hin zu den Teilnehmenden auf der Konferenz der atlantischen Region, das sind nämlich Fachleute in Ökologie, Fachleute in Naturschutz, die haben alle nicht Recht, aber dafür hat Herr Focke Recht, aber bitte schön, lassen wir das so stehen!
Ich wollte Ihnen vielleicht, und ich wusste gar nicht, dass ich so vorausschauend bin, noch ein Geschenk machen hinsichtlich der letzten Debatte, in der Sie die Zusammenhänge von dem Schlammpeitzger dargestellt haben. Damals sagten Sie, neulich im Hollerland wären Sie mit Herrn Janssen gewesen und hätten dort versucht, den Schlammpeitz
ger zu sehen. Wir haben versucht, das einmal grafisch umzusetzen, und vielleicht ist Ihnen dann diese Grafik stete Erinnerung, dass der Kompromiss, den Sie gerade vorgeschlagen haben, absolut nicht trägt. – Danke schön!
Wer dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit der Drucksachen-Nummer 15/1195 seine Zustimmung geben möchte, den bitte ich um das Handzeichen!
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Reform der Lehrerausbildung in Bremen ist überfällig. Das stellen wir vom Bündnis 90/Die Grünen nicht nur heute fest, sondern das ist in diesem Haus von allen Fraktionen schon im Februar 2000 festgestellt worden, vor zweieinhalb Jahren, und Senator Lemke hat seinerzeit in der Debatte gesagt, er werde die vielen Punkte der Reform, die nun anstünden, schleunigst in den Deputationen, er meinte wohl die Bildungsdeputation und die Wissenschaftsdeputation, überprüfen und zu Lösungen führen. Heute, zweieinhalb Jahre später, ist davon immer noch nichts zu merken, ––––––– *) Vom Redner nicht überprüft.
Herr Senator Lemke hat damals auch gesagt, er hoffe bei diesem Prozess auf die Unterstützung durch die Opposition. Auch wenn er heute wegen Krankheit nicht da sein kann, versichere ich ihm, er hat unsere Unterstützung, und die nehmen wir heute genau dadurch wahr, dass wir einen Antrag einbringen, der endlich diesen Diskussionsprozess, den der Senat und die große Koalition seit zweieinhalb Jahren erst verschlafen, dann vertrödelt und jetzt zum Hinterherlaufen gezwungen hat, endlich in die Gänge bringen kann.
Meine Damen und Herren, die jetzige Struktur der Lehrerausbildung ist mit kleinen Veränderungen in Bremen über 25 Jahre alt. Das allein wäre schon ein Grund zum Nachdenken. Darüber hinaus hat die Pisa-Debatte, die wir nun seit einem Dreivierteljahr führen, deutlich ergeben, dass die Lehrer, die heute in der Schule unterrichten, große Probleme haben, die Leistungen zu erzielen, die sie vielleicht gern erzielen wollten mit ihren Schülern zusammen.
Zwei Gesichtspunkte, der eine ist schon lange bekannt, der andere ist jetzt durch Pisa besonders zutage getreten, sind dabei deutlich geworden. Der eine Punkt ist, dass die Lehrer immer weniger denn je, insbesondere die Lehrer, die an Gymnasien unterrichten, und die Lehrer, die in der gymnasialen Oberstufe unterrichten, aber auch die, die heute in der Sekundarstufe I, also Hauptschüler, Realschüler unterrichten, immer weniger dazu qualifiziert werden, mit ihrer heute völlig anders aussehenden Schülerschaft und Schülerinnenschaft als vor 25 Jahren umzugehen.
Ich will das nicht alles wiederholen. Jeder weiß, wie Klassen heute in bestimmten Stadtteilen zusammengesetzt sind, wie viele Kinder aus verschiedenen Nationen dort zusammen im Unterricht beschult werden müssen, mit welchen unterschiedlichen ethnischen, aber auch sozialen Herkünften sich Lehrerinnen und Lehrer heute auseinander zu setzen haben. Für die Probleme, die dadurch im Unterricht auftreten, zu lösen und diese Kinder nicht einfach abzuschieben, sei es in Sonderschulen oder in besondere Kurse, sondern gemeinsam zu unterrichten, sind die Lehrerinnen und Lehrer heute nicht ausgebildet und werden sie auch nicht ausgebildet. Dieses Faktum ist seit langem bekannt, wird aber auch seit langem in der Lehrerausbildung nicht ernsthaft angegangen.
Ein anderer Punkt, meine Damen und Herren, ist vor allen Dingen durch Pisa deutlich geworden. Die Lehrer sind dazu nicht gut in der Lage, wozu sie ei
gentlich in der Lage sein müssten, nämlich die Leistungsfähigkeit und den Wissensstand ihrer Schüler richtig einzuschätzen, kurz und gut zu diagnostizieren, wo die Schüler stehen, festzustellen, was sie eigentlich können müssten. Sie überschätzen ihre Schüler im Regelfall oder unterschätzen sie, das ist ganz unterschiedlich in den Schulen, und müssten schließlich auch sagen, was können wir tun, um diesen Schülern zu helfen. Es läuft die Debatte jetzt unter dem Stichwort Diagnosefähigkeit, das ist stark verkürzt, aber immerhin wirft es ein Licht darauf, was heute eigentlich jungen Lehrern und auch alten Lehrerinnen und Lehrern fehlt. Meine Damen und Herren, auch diese beiden Gesichtspunkte sind deutliche inhaltliche Hinweise darauf, dass eine Reform der Lehrerausbildung dringend nötig ist.
Wir haben nun einen Vorschlag gemacht, der nicht der Stein der Weisen sein will, sondern der eine Richtung der Diskussion vorgeben will, weil wir sagen, wenn wir jetzt nicht handeln, verpassen wir eine große Chance. In den nächsten vier Jahren wird ein Großteil, fast 40 Prozent, der Lehrerinnen und Lehrer, die heute in der Schule unterrichten, aus den Schulen verschwinden. Eine neue Generation von Lehrerinnen und Lehrern wird eingesetzt. Ich habe das alles vor zwei Jahren schon einmal gesagt. Wir haben über zwei Jahre verschlafen, meine Damen und Herren. Wenn wir jetzt die Chance nicht ergreifen, die Lehrer, die demnächst in die Schule kommen, neu auszubilden, diesen Umbruch zu nutzen, vertun wir eine große Chance für die Zukunft unserer Schulen. Ich glaube, auch das ist eine Konsequenz aus Pisa.
Was schlagen wir Ihnen vor? Erstens schlagen wir Ihnen vor, in der Ausbildung an der Universität die Gewichte anders zu verteilen und vor allen Dingen ein Schwergewicht erstens auf die Ausbildung in der Vermittlung des Wissens, insbesondere des Fachwissens zu legen, das nennt man im Fachchinesisch Fachdidaktik und -methodik, und zweitens einen Schwerpunkt auf angewandte problemlösende erziehungswissenschaftliche und psychologische Kenntnisse zu setzen, damit die Schule künftig einer ihrer Hauptaufgaben, nämlich Vermittlung von Wissen und Erziehung an Kinder, beides zusammen, wieder besser nachkommen kann, als sie das heute tut. Das ist der inhaltliche Kern unseres Vorschlags für die Ausbildung an der Universität.
Das allein genügt natürlich nicht, meine Damen und Herren. Wir sagen weiter, diese Ausbildung muss neu organisiert werden. Sie soll so organisiert werden, dass sie künftigen europäischen Maßstäben entspricht, das heißt, erstens gegliedert ist in ein so genanntes Bachelor- und ein Masterstudium, dass sie zweitens ein Studienangebot organisiert, das, wie man so schön sagt, modularisiert, also in einzelne
Elemente, die aufeinander aufbauen, verschieden kombiniert werden können und flexibel sind, ausgerichtet wird, und drittens, dass diese Ausbildung so gestaltet ist, dass vor allen Dingen in der ersten Phase des Studiums junge Studentinnen und Studenten die Chance haben, wenn sie sehen, sie sind nicht für den Lehrerberuf geeignet, aber für andere pädagogische Tätigkeiten, auszusteigen und dennoch einen Berufsabschluss zu haben und dass umgekehrt andere Menschen, die schon Berufe haben, die vielleicht nicht direkt etwas mit der Lehrertätigkeit zu tun haben, auch noch in den Lehrerberuf einsteigen können. Solche Menschen brauchen wir erstens tatsächlich in der Schule, die andere lebenspraktische Erfahrungen haben, und zweitens brauchen wir sie auch deshalb, weil in vielen Bereichen Lehrermangel an erstausgebildeten Fachlehrern bestehen wird.
Meine Damen und Herren, hinzu kommt, dass diese Lehrerausbildung künftig ein ganzes Stück an der beruflichen Praxis näher orientiert sein muss als heute. Ich weiß, wir hatten vor Jahren, das war noch in der letzten Legislaturperiode, die Debatte um die Einführung eines so genannten Praxissemesters. Ich will sie heute nicht wieder aufleben lassen. Im Grundsatz ist ein solcher Kontakt der Studierenden mit der Praxis völlig in Ordnung, wenn er ordentlich in der Schule und in der Universität betreut wird, wenn diese Studenten Anleitung haben und nicht einfach nur durch die Gegend schwirren. Darüber werden wir uns noch einmal unterhalten müssen bei der zukünftigen Ausgestaltung der Lehrerausbildung.
Die Lehrerausbildung endet nicht in der Universität, sondern sie muss dann in der weiteren Phase und am Anfang des Berufs, der so genannten Berufseingangsphase, fortgeführt werden, und zwar so, dass die Kenntnisse aufeinander aufbauen und dass die Lehrer immer praxisnäher und immer problemlösungsgerechter ausgebildet werden.
Wir sagen darüber hinaus in diesem Zusammenhang, das ist eine Aufgabe, die jetzt ansteht, weil in allen Ländern um uns herum diese entsprechenden Aktivitäten begonnen haben. Niedersachsen ist ein ganzes Stück weiter. Niedersachsen hat Reformempfehlungen für die Lehrerausbildung vorgelegt. Die Universität Oldenburg, wir haben das jüngst mit Fachleuten diskutiert, hat schon einen Reformvorschlag, der in die Richtung geht, die wir vorschlagen, vorgelegt und versucht jetzt, den auch umzusetzen. Das sollte für uns ein Anlass sein, eng mit der Universität Oldenburg bei der Entwicklung neuer Studienangebote für künftige Lehrerinnen und Lehrer zusammenzuarbeiten, weil Ressourcenvergeudung wäre, wenn zwei so nahe liegende Universitäten für den gleichen Beruf, den die Lehrerinnen und Lehrer ja sowieso entweder in Bremen oder
in Niedersachsen oder vielleicht auch noch in anderen Ländern ausüben werden, nicht zusammenarbeiten. Hier ist Zusammenarbeit das Gebot der Stunde, meine Damen und Herren.
Wir könnten jetzt noch viel Fachliches zur Lehrerausbildung sagen. Ich will das hier nicht vertiefen, sondern noch auf ein Problem hinweisen. Das Hauptproblem beim Beginn der Lehrerausbildung ist natürlich die Universität. Die Universität ist autonom, und die Lehrerausbildung in der Universität hat nach wie vor nicht den Stellenwert im Vergleich zu anderen Studiengängen, die die Universität hat. Ein Kernpunkt dabei ist, dass die Lehrerausbildung insbesondere den Bereich, den wir betonen wollen, Erziehungswissenschaften, pädagogische Psychologie, Fachdidaktik und Fachmethodik, in der Forschung der Universität kaum verankert hat. Es gibt keine ausreichenden und gut ausgestatteten Forschungseinrichtungen, wie sie in den Naturwissenschaften, in den Geowissenschaften und auch in anderen Bereichen der Universität seit langem aufgebaut worden sind.
Ich glaube, die Universität wird kein Interesse haben, auch nicht genug gute Leute werben und heranziehen und auch nicht in dem Bereich aktiv sein, wenn es nicht mehr Unterstützung als heute gibt, mehr als heute solche Forschungseinrichtungen, die eng in Zusammenarbeit mit der praktischen Lehrerausbildung stehen, einzurichten und dann auch zu fördern.
Kontraproduktiv in dem Zusammenhang ist es, wenn Stellen für Professoren für wichtige Bereiche, das ist hier schon einmal angesprochen worden, in der Universität zugunsten von Lehraufträgen abgelöst werden. Ich verweise da zum Schluss nur auf ein Beispiel: Im Studiengang Sportwissenschaften, der mir nun aus einigen Gründen ganz nahe steht, wird, das ist nicht so schlimm, eine traditionelle Stelle für Sportmedizin gestrichen, aber sie wird nicht, wie ursprünglich vorgesehen, durch eine Stelle für Körper und Bewegung besetzt. Wir haben gestern hier den ganzen Tag über Kinder diskutiert und über Mängel, die Kinder in der Schule haben, vor allem auch kleine Kinder in Kindergärten. Dazu gehören genau Bewegungsmängel, dazu gehören aber auch die Kenntnisse bei Lehrern darüber, welche motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten kann ich entwickeln, und welche Mängel bestehen!
Dass man einen solchen Bereich an der Universität nicht wissenschaftlich besetzt – das ist nicht nur ein pädagogisches Problem, sondern ein fachliches, ein medizinisches, ein gesundheitspolitisches Problem –, das finde ich einen ganz großen Mangel und
zeigt, wie gering nach wie vor, zumindest an der Universität, aber ich befürchte, auch im Hause des Senators für Bildung und Wissenschaft, die Wertschätzung solcher für die Schnittstelle von Fachlichkeit und Fachwissenschaft und Ausbildung von Lehrern erheblichen Stellen eingeschätzt wird.
Meine Damen und Herren, ich habe gehört, dieser Antrag wird überwiesen. Wir werden Druck machen, dass er nicht das gleiche Schicksal erleidet wie die Debatte vor zweieinhalb Jahren, bei der versprochen wurde, sie werde in der Deputation fortgeführt. Dort ist sie bisher eigentlich nur versickert. Wir sind damit einverstanden, dass der Antrag überwiesen wird, wir sind aber nicht damit einverstanden, dass er liegen bleibt wie beim letzten Mal.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Pisa-Studie hat uns nicht nur offenbart, dass die bundesdeutschen Schülerinnen und Schüler in manchen untersuchten Kompetenzbereichen im internationalen Vergleich alles andere als Spitze sind. Sie hat auch gezeigt, dass es im Schulalltag, in der Unterrichtspraxis und somit letztendlich auch in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer einige Defizite gibt. Zu den Defiziten gehören, der Kollege Mützelburg hat schon einige davon angesprochen, Mängel im Umgang mit sozialer und kultureller Heterogenität in den Klassen, Mängel in Methodik und Didaktik, Mängel in der Diagnose von Lernerfolgen beziehungsweise Lernmisserfolgen bei den Schülerinnen und Schülern, und daraus abgeleitet Mängel in der zielgenauen Förderung der Schülerinnen und Schüler, bei denen solche Erfolge oder Misserfolge dann schlecht diagnostiziert wurden.