Die sechste Anfrage trägt die Überschrift „Demenzdorf in Bremen?“ Die Anfrage ist unterschrieben von den Abgeordneten Bensch, Frau Grönert, Dr. vom Bruch, Röwekamp und Fraktion der CDU.
Welche Möglichkeiten sieht der Senat, die Gründung einer solchen Pflegeeinrichtung in Bremen zu unterstützen?
Welche Planungen oder Interessenbekundungen für eine solche Einrichtung sind dem Senat von Trägerseite bisher bekannt?
Zu Frage 1: Der Senat begrüßt Konzepte von stationären Altenpflegeeinrichtungen, die sich in besonderem Maß dem Thema Demenz zuwenden, insbesondere wenn es sich um kleinere Einrichtungen handelt, die sich zum Stadtteil öffnen und mit anderen Angeboten vernetzen. Das Demenzdorf in De Hogeweyk entspricht als größeres abgeschlossenes Areal nicht diesem Muster.
Zu Frage 2: Der Senat fördert die Gründung stationärer Altenpflegeeinrichtungen generell nicht. Die allgemeine Investitionsförderung für stationäre Altenpflegeeinrichtungen in Bremen wurde zum 31. Dezember 2007 beendet. Der Senat plant nicht, diese wieder aufzunehmen. Eine selektive Investitionsförderung für einzelne stationäre Einrichtungen würde dem Gedanken des fairen Wettbewerbs unter den Anbietern widersprechen und ist daher nicht vorgesehen.
Zu Frage 3: Dem Senat sind keine Planungen oder Interessenbekundungen für Demenzdörfer nach dem Muster von De Hogeweyk in Bremen, Bremerhaven oder dem nahen niedersächsischen Umland bekannt. – Soweit die Antwort des Senats!
Herr Staatsrat, Sie haben am Anfang die Bewertung des Senats kurz wiedergegeben. Können Sie mir die Grundlage Ihrer Bewertung nennen? Haben Sie oder Vertreter Ihrer Behörde sich das Dorf einmal angeschaut?
Ich habe es mir nicht persönlich angeschaut. Ich habe hier ausführliche Beschreibungen, auch Fotos, vorliegen. Das Demenzdorf wird auch von anderen sehr kritisch beurteilt. Es sind dort 150 Personen auf einem Areal untergebracht, das auch von einem Zaun umgeben und abgeschlossen ist. Die Frage wäre dann zum Beispiel, ob es sich um eine geschlossene Einrichtung handelt, denn dann bräuchten wir eine richterliche Verfügung, um Menschen überhaupt in solch einer Einrichtung unterzubringen. Unsere Politik ist eigentlich eine ganz andere, die in die entgegengesetzte Richtung geht! Wir wollen ja Inklusion,
und das gilt auch gerade für alte und auch für demente Menschen. Wir haben zum Beispiel hier in Bremen Einrichtungen, die bereits Angebote machen, zum Beispiel Demenzkranke auf Wochenmärkte begleiten und damit auch den Zusammenhang zum Stadtteil herstellen, denn das ist ja für das Erinnerungspotenzial besonders wichtig.
Ich entnehme Ihren Äußerungen, dass Sie das Konzept vielleicht nicht ganz kennen. Hat man Ihnen denn auch gesagt, dass gerade der Inklusionsgedanke im Vordergrund steht? Ist Ihnen bekannt, dass es in diesem Dorf Einrichtungen des Stadtteils für den kleinräumigen Versorgungsbedarf gibt, also Einkaufen, Friseure, Ärzte, Theater und Kinos, und dass die Menschen der näheren Umgebung quasi jeden Tag in das Dorf kommen, sodass Begegnungen zwischen Jung und Alt, zwischen Menschen mit und ohne Demenz stattfinden, dass also dieser Inklusionsgedanke gelebt wird? Ist Ihnen das auch gesagt worden?
Herr Abgeordnete Bensch, es ist mir nicht viel erzählt worden, sondern ich habe aus sehr vielen mir schriftlich vorliegenden Dokumenten entnommen, dass es nicht so ist, wie Sie es sagen. Es findet dort kein wirkliches Leben statt, sondern man hat dort einen Modellladen entwickelt, bei dem man so tut, als sei dies ein Laden.
Ich glaube, dass das nur schwer mit der Würde von demenzkranken Menschen vereinbar ist, wenn man alles Mögliche modellhaft aufbaut, was nicht wirklich existiert. Meine Erfahrungen mit solchen abgeschlossenen Einrichtungen sind nicht, dass viele Menschen aus dem Umland zu Besuchen in diese Einrichtung kommen. Es gibt in Deutschland Demenzdörfer, die ein anderes Konzept haben, ein davon abweichendes, nach dem beispielsweise ein realer Wochenmarkt im Demenzdorf stattfindet, und das ist in De Hogeweyk nicht der Fall.
Ihnen ist also nicht bekannt, dass man sich dort tatsächlich – ich habe dort einen Tag verbracht – die Haare waschen und schneiden lassen und einkaufen gehen kann? Ich habe das alles persönlich vor Ort erlebt, und meine abschließende Empfehlung ist: Schauen Sie sich einmal wirklich vor Ort um, und Sie werden gute Ansätze mitnehmen können! Ich habe keine weiteren Fragen!
Herr Staatsrat, ich möchte gern vom Senat wissen, ob es ein Überangebot an stationären Plätzen in der Altenpflege in Bremen gibt?
Wir haben zumindest ein Angebot, das auch für ein Wachstum der Zahl der pflegebedürftigen Personen ausreicht. Wir sind eher der Auffassung, dass wir verstärkt im ambulanten Bereich ausbauen müssen, denn dort haben wir große Bedarfe. Im Grunde genommen brauchen wir im ambulanten Bereich – wir waren ja gemeinsam in Bielefeld – sichere Angebote, die eine 24-Stunden-Bereitschaft vorsehen und ähnliches mehr. Ich glaube, das sind eher die Defizite, als dass wir größere Altenheimeinrichtungen benötigen.
Markt zu regeln und deswegen frage ich jetzt noch einmal: Wenn sich neue Einrichtungen ansiedeln wollen, wie viele Plätze sollten die Einrichtungen Ihrer Meinung nach maximal anbieten, um eine vernünftige Verzahnung mit dem Stadtteil erreichen zu können?
Sie haben den wichtigsten Aspekt gerade eben selbst benannt. Nach dem Bremischen Wohn- und Betreuungsgesetz wollen wir Einrichtungen etablieren, die sich zum Stadtteil öffnen. Sie wissen, dass die Bremer Heimstiftung als ein großer Heimträger versucht, Kindergärten in die bestehenden Altenwohnheime zu integrieren und selbst keine weiteren Wohnheim plant, sondern auf mehr andere Angebote setzt, die stärker mit dem Stadtteil verzahnt sind. Wir bemühen uns, dass eine Größenordnung von 60 Plätzen gerade noch die Möglichkeit eröffnet, diese Verzahnung mit dem Stadtteil gelingen zu lassen.
Herr Staatsrat, ich habe folgende Frage unter dem Gesichtspunkt der Inklusion: Was könnte sich Bremen davon versprechen, ein Demenzdorf einzurichten, wie es der Abgeordnete Bensch vorgetragen hat?
Herr Staatsrat, wir gehen ja in Bremen einen anderen Weg. Kennen Sie das Modell „Demenzfreundlicher Stadtteil“ in Obervieland? Wie stehen Sie zu diesem Modell?
Ich halte es für ein hervorragendes Modell! Ich denke, dass wir dieses Modell entwickeln müssen. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir im Stadtteil Demenzplätze in regulären Wohnbereichen einrichten. Ich glaube, dass eine gute Betreuung Problem des Weglaufens regelt, sodass es nicht nötig ist, diese Einrichtungen abzuschließen. Ich halte viel davon, solche Angebote in den Stadtteilen zu machen.
Ja, ich sehe das als Alternative an, wenn man es so will! Noch ein Satz zur Inklusion: Für mich ist das gelebte Inklusion!
Eine Einrichtung, in der ich alle Angebote vor Ort habe, veranlasst mich ja nicht dazu, mit Begleitung in die Stadt zu gehen. Das ist für mich keine Inklusion!
Ich möchte nun am liebsten Näheres ausführen, aber dazu habe ich jetzt keine Gelegenheit! Es ist ein echtes Dorf und ich war in einem echten Laden, in einem echten Restaurant und in einem echten Friseurgeschäft, nur zu so viel dazu! Herr Staatsrat, wie bewerten Sie denn die Aussage, dass eine Unterbringung am Ende den dementen Menschen gefallen und guttun soll, denn ich habe dort nur fröhliche und glückliche Menschen gesehen?