Herr Präsident, sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ahrens, Sie sind schon lange dabei. Es wundert mich, dass Sie hier solche Äußerungen von sich geben. So etwas Polemisches habe ich von Ihnen seit Langem nicht gehört.
Als ich diese Anfrage gesehen habe, habe ich zuerst gedacht, es sei eine gute Anfrage. So hätte ich eigentlich auch begonnen. Angesichts dieser Voraussetzung, unter der das Thema gerade artikuliert wurde, bin ich aber richtig entsetzt. Ich finde es unfair, nach außen hin so zu tun, als ob wir hier ein völliges Chaos hätten, als ob die Eltern Einrichtungen vorfänden, die die Kinder nicht mehr versorgten,
als ob alle plötzlich kündigten und in den letzten Jahren eine Verschlechterung des Personals eingetreten sei. Das ist faktisch falsch.
Sie können mir das glauben. Ich bin seit über 20 Jahren in diesem Bereich beruflich und auch verantwortlich tätig. Als Leitung weiß ich genau, was in einer Einrichtung benötigt wird, die inklusiv und in einem schweren Quartier arbeitet, das heißt, auch Kinder hat, für die der sogenannte Indexschlüssel oder der Schwerpunktschlüssel gilt. Bei all diesen Sachen weiß ich ziemlich genau Bescheid. Ich kann Ihnen auch erklären, wie diese 4,5 Stunden oder die 11,5 Stunden errechnet werden. Das kann ich Ihnen alles erklären, Frau Ahrens.
Jetzt gehe ich aber noch einmal auf die Sache ein. Dass der Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr eine große Herausforderung für uns alle darstellt, ist völlig klar. Klar ist auch, dass wir das Personal dafür organisieren müssen. Neu ist in den letzten Jahren schon, dass die Bedarfsentwicklung schneller zunimmt, als wir ursprünglich gedacht haben. Dass die Geburtenzahl gestiegen ist, konnten wir vor fünf Jahren nicht wissen. Dass eine verstärkte Zuwanderung erfolgt ist, konnten wir vor fünf Jahren nicht wissen. Die Nachfrage steigt auch, weil Eltern das Angebot annehmen wollen.
Die Nachfrage ist einfach gestiegen. Ich freue mich sehr darüber, dass das Angebot der Eltern für die frühkindliche Bildung so in Anspruch genommen wird. Das geschieht auf der einen Seite, weil sie es wollen, und auf der anderen Seite, weil sie es müssen, denn auch Eltern sind in Ausbildung oder berufstätig. Auf diese gestie
gene Nachfrage müssen wir reagieren. Ich wünsche mir noch mehr Angebote und das gerade in den Stadtteilen, in denen Eltern besonders darauf angewiesen sind, in der Bildung und Erziehung ihrer Kinder unterstützt zu werden.
Mir ist es besonders wichtig, dass gerade in diesen Einrichtungen sehr gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht. Die Angebotspalette an Arbeitsplätzen im Bereich der Kindertagesbetreuung ist bundesweit riesengroß, also nicht nur hier in Bremen. Die Konkurrenz steht vor der Tür. Das ist gesagt worden. Das stimmt, dem widerspreche ich gar nicht, denn Niedersachsen wirbt händeringend um Fachkräfte. Da das Personalgeschäft der Träger im Rahmen der Trägerautonomie erfolgt, konnte der Senat, wie zu erwarten war, eine Reihe der Fragen nur beschränkt beantworten, da die einzelnen Träger jeweils zuerst um diese Auskunft ersucht werden mussten. Nicht alle haben geantwortet. Nur etwa die Hälfte hat geantwortet. Das ist nicht gut. Die Träger sind zwar verpflichtet, dem Landesjugendamt Namen und Ausbildung der Leitung und der Betreuungskräfte mitzuteilen, und über den Referenzwert finanzierte Träger müssen jährlich Wirtschaftspläne vorlegen, die auch Stellenpläne umfassen. Doch werden weder Meldebögen noch Stellenpläne trägerübergreifend erfasst und auch keine umfassenden jährlichen Abfragen seitens des Fachreferats durchgeführt.
Nach meiner Einschätzung wäre es wichtig zu prüfen, mit welchen Maßnahmen und mit welchem Aufwand die Datenlage verbessert werden kann. Wichtig ist aber auch, dass alle Träger valide Daten zur Verfügung stellen, denn das Interesse an ausreichend qualifizierten Fachkräften liegt nicht nur beim Senat, sondern es liegt vor allem bei den Trägern, die ihre Kitas ohne Beschäftigte nicht in Betrieb nehmen können.
In der Antwort des Senats steht ausführlich, was nun in Bremen vorgesehen ist, welche Angebote, Ausbildungen, Weiterqualifizierungen und so weiter bereits laufen und welche noch geplant werden. Darauf möchte ich gar nicht im Einzelnen eingehen. Wenn ich mir anschaue, welche Maßnahmen in der Senatsmitteilung genannt werden, um dem hohen Fachkräftebedarf zu begegnen, habe ich den Eindruck, dass viele der Vorschläge, die im Frühjahr von den Arbeitnehmervertretungen an die Öffentlichkeit gebracht wurden, aufgenommen wurden.
Herr Präsident, meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich versuche, die von mir vor dieser Debatte vermutete relativ große Gemeinsamkeit in dieser Frage noch einmal herzustellen. Meine Interpretation der realen Situation und der Antwort auf diese Anfrage ist, dass das Problem groß, dass das Problem real, dass das Problem erkannt und noch nicht gelöst ist.
An dem Punkt haben wir eine Übereinstimmung. Das sehe ich ganz genauso. Ich habe in der Antwort des Senats auf diese Große Anfrage nirgendwo gelesen, was ich in den Medien vernommen habe. Danach glaubt der Senat, dass er das Problem des Fachkräftemangels im Erzieherbereich schon gelöst hat und es da gar kein Problem gibt. Das steht nirgendwo. Es wurde auch nirgendwo gesagt. Ich kann es hier gern noch einmal wiederholen. Ich glaube, dass das Problem sehr real und in der Tat noch nicht gelöst ist. Wir sind noch ein ganzes Stück davon entfernt. Ich dachte eigentlich, dass wir das so sehen, wäre die Gemeinsamkeit, die wir haben.
Der größte Träger in Bremen hat es nach der eigentlich vertraulichen Sitzung des Betriebsausschusses letzte Woche durch eine Pressemitteilung öffentlich gemacht und seine Personaldefizite mit mindestens 30 Vollzeitäquivalenten, die er zum 1. August benötigt, noch einmal öffentlich dargestellt. Insofern ist das alles kein Geheimnis. Es ist auch nichts, was von irgendeiner Stelle abgestritten würde.
Ich teile die Einschätzung, dass die Datenlage, die wir jetzt hier gewonnen haben, sehr unbefriedigend ist. Wenn man darauf angewiesen ist, die Träger abzufragen, und wenn man von einigen Trägern gar keine und von anderen nur Teilantworten erhält, ist die Datenlage zur Fachkräftesituation sehr unbefriedigend. Manchmal stehen dort sehr viele Nullen, gleichzeitig arbeiten aber sehr viele Erzieherinnen in den Einrichtungen, die über diese Abfrage nicht erhoben worden sind. Insofern haben wir alle gemeinsam gesehen, dass wir eine verlässlichere Datengrundlage für den Fachkräftebestand und damit auch für die Frage der Weiterentwicklung benötigen. Es sieht von Träger zu Träger unterschiedlich aus. Wir, die wir in dem Betriebsausschusses von KiTa Bremen sitzen, wissen, wie
dort die Situation bei einem großen Träger ist. Wir haben aber eine Vielzahl von weiteren großen und kleinen Trägern, die auch in der Kindertagesbetreuung unterwegs sind. Abzustreiten, dass es ähnlich wie bei einem Teil der Schulen eine große Herausforderung ist, nicht nur die baulichen, sondern auch die personellen Voraussetzungen für die extrem gestiegene Kinderzahl zu schaffen, wäre völlig falsch.
Ich bin der Meinung, dass die Umstellung auf die praxisintegrierte Ausbildung - also eine Form der dualen Ausbildung, wie wir sie von vielen anderen Ausbildungsberufen her kennen - die Zukunft ist. Das wurde in der Antwort des Senats auch angesprochen. Es geschieht leider erst ab dem nächsten Jahr, weil die Verfahren leider so sind, wie sie sind, und wir in diesen Dingen auch nicht schneller sind. Da es ein Modellversuch ist, schreibt der Senat völlig richtig, dass es ergänzend zu der vollschulischen Ausbildung erfolgt. Meine politische Mission der Sache ist, dass es mittelfristig ersetzend erfolgt, sodass wir irgendwann an den Punkt kommen, dass wir alle Erzieherinnen und Erzieher in der dualen Ausbildung ausbilden.
Da die Erzieherinnen ohnehin relativ wenig für diesen extrem harten Job verdienen, sollten sie nicht auch noch Schulgeld für die vollschulische Ausbildung bezahlen müssen, sondern eine gewisse Ausbildungsvergütung in der dualen Ausbildung bekommen. Das ist der richtige Weg.
Das ist nicht kurzfristig realisierbar. Wir werden auf die vollschulische Ausbildung noch eine ganze Reihe von Jahren setzen. Als Zukunftsperspektive finde ich es richtig, wenn wir dort irgendwann landen und alle während ihrer Ausbildung eine Vergütung erhalten, statt Schulgeld zu bezahlen.
Finanziell hätten sie einen Vorteil davon, wenn wir auf die duale Ausbildung umstellen. Darum sollte es gehen. Vielen Dank für den Zwischenruf!
bedenken ist, der im Moment aber vielleicht noch etwas rosa- oder blauäugig betrachtet wird. Es wird immer davon gesprochen, dass die Erzieherinnen den Gruppen während der dualen Ausbildung drei Tage in der Woche zur Verfügung stehen, und zwar - in Klammern sozusagen - quasi als zusätzliche Arbeitskräfte. Es wird aber weggelassen, dass die Erzieherinnen, die auch zu Ausbilderinnen werden, wenn wir die Ausbildung umstellen, einen Anteil ihrer Arbeitszeit für die auszubildenden Erzieherinnen zur Verfügung stellen müssten.
Das geht nicht gegen Sie. Wir haben im Betriebsausschusses schon besprochen, dass die Erzieherinnen dann auch einen Teil ihrer Arbeitskraft als Ausbilderin verbringen werden und man dies an der anderen Stelle berücksichtigen muss, um die Erzieherinnen, die jetzt schon in Arbeit sind, nicht vollständig zu überlasten.
Es gibt, so hat der Senat gesagt, unglaublich viel zu tun. Ich teile in all den Punkten, die jetzt angegangen werden - die Aufstockung der Zahlen, die Umstellung der Ausbildung, die Erleichterung des Quereinstiegs, die Erleichterung für die ausländischen Fachkräfte mit anderer Ausbildung -, die Meinung, dass wir das angehen sollten. Wir sollten es immer so schnell wie möglich und so konsequent wie möglich angehen, weil wir die Kitas, die wir neu planen, und weil wir auch die bestehenden Kitas nicht ohne die entsprechenden Fachkräfte hinbekommen. Deswegen müssen wir ganz extrem darum werben, diese Fachkräfte zu bekommen. Das ist eine große Aufgabe, die noch vor uns liegt, die aber in den wesentlichen Schritten jetzt angepackt worden ist.
Jetzt möchte ich eines noch zu Frau Ahrens sagen. Mich interessiert überhaupt nicht die Vergangenheit. Ich rufe weder den Namen Stahmann noch Bogedan oder sonst irgendeinen Namen in den Raum. Mich interessiert, ob wir jetzt gemeinsam bei der Aufstellung der Haushalte für die nächsten Jahre für mehr Mittel für Kinder und Bildung kämpfen, statt die Schlachten der Vergangenheit zu schlagen. - Vielen Dank!
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Suche nach Personal für Schulen und Kindertagesstätten gehört nicht nur für Bremen zu den großen Herausforderungen der kommenden Jahre. Der Erfolg hierbei wird ausschlaggebend sein für die Entwicklung der Bildung in Bremen. Hierbei geht es selbstverständlich nicht nur um die Quantität bei den Einstellungen, sondern auch um die Qualität des Personals.