Protokoll der Sitzung vom 17.03.2005

(Beifall bei der FDP)

Sie haben das wahrscheinlich leider nicht verstanden. Deshalb habe ich Ihnen die Informationsschrift des Bundesfamilienministeriums und der bundesweiten Koordinierungsstelle aus Bielefeld mitgebracht – ich werde sie Ihnen nachher geben –; denn auch sie weist sehr wohl darauf hin, dass Jungen integriert werden sollen. Das ist sehr wichtig. Sie reden gerne von Gender Mainstreaming. Aber wenn es hier um die praktische Umsetzung geht, dann denken Sie nicht an Chancengleichheit für beide Geschlechter, sondern konzentrieren sich auf Frauenförderung.

(Beifall bei der CDU und bei Abgeordneten der FDP)

Dabei vergessen Sie völlig, dass das Verständnis der Jungen für Frauenberufe dem zukünftigen Rollenverständnis der Männer zugute kommen kann. Deshalb hat die FDP in ihrem Antrag – vielen Dank – noch einmal darauf hingewiesen. Der Girls’ Day richtet sich im Sinne der Chan

cengleichheit bereits jetzt an Jungen, und deshalb brauchen wir das heute nicht mehr zu beschließen, Frau Henzler. Der Girls’ Day ist ein bundesweit konzipierter Tag, sodass wir im Hessischen Landtag auch nicht darüber zu beschließen brauchen, ihn beizubehalten.

Liebe Kollegen und Kolleginnen, alles Notwendige ist bereits gesagt und geregelt. Wir brauchen keine weitere staatliche Reglementierung, sondern eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und Wertschätzung dieses Tages. Statt dass wir uns hier im Landtag streiten, sollten Sie lieber gemeinsam mit uns die Betriebe, Institutionen und Hochschulen, aber auch die Schulen in Hessen aufrufen, sich in großer Zahl am Girls’ Day zu beteiligen.

(Beifall bei der CDU)

Meine Fraktion wird das jedenfalls tun, damit auch in diesem Jahr der Girls’ Day wieder ein Erfolg wird.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Florian Rentsch (FDP) – Abg. Claudia Ravensburg (CDU) übergibt Abg. Margaretha Hölldobler-Heumüller (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) eine Broschüre. – Margaretha Hölldobler-Heumüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das habe ich schon längst gelesen!)

Nächste Wortmeldung,Frau Abg.Dr.Pauly-Bender,SPDFraktion.

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Ravensburg, Sie haben Streit erwartet. Es muss aber gar kein Streit geführt werden; denn ich denke, dass das Thema Girls’ Day zwischen den Parteien zunächst unbestritten ist, sondern dass es heute darum geht, wie es in Hessen mit Leben erfüllt wird und was aus dem Girls’ Day gemacht wird.

Frau Henzler hat darauf hingewiesen,der Fraktionsantrag der SPD hätte den falschen Titel erwischt. Ich möchte gerne Frau Henzler in Erinnerung rufen: Der Tag Dachmarke Girls’ Day wird auch Mädchenzukunftstag genannt. Er soll ein Mädchenzukunftstag sein und wurde in Deutschland unter Beteiligung der Wirtschaftsverbände unter dem Motto eingeführt, dass man aus allen Begabungsressourcen die Begabungen schöpfen möchte, dass man die guten schulischen Ausbildungen der Mädchen ausschöpfen möchte, dass man die Mädchen aus ihren Karrierefallen herausholen möchte, dass man sie einladen möchte, auch in solche Berufe einzusteigen, die ihnen von ihrer Rollenvorprägung her eher ferner liegen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die GRÜNEN das Thema Girls’ Day, und was in Hessen aus diesem Tag gemacht wird, auf die Tagesordnung gesetzt haben. Wir wissen, dass unsere Ministerin in Berlin das im Moment begleitet.Daher habe ich die dickste Broschüre dabei. Frau Ravensburg, das werden Sie mir wohl nicht übel nehmen.

(Ministerin Silke Lautenschläger: Ich habe sie auch!)

In dieser Broschüre steht, dass in Hessen einige Aktivitäten im Rahmen des Girls’ Day durchgeführt werden und die zahlenmäßige Verankerung im Bundesvergleich gar nicht so schlecht aussieht, aber dass wir schon darauf achten müssen, was in den Schulen stattfindet, die in der Regel die Kooperationspartner sind.

Hierzu haben wir sehr unterschiedliche Rückmeldungen. In einigen Schulen werden Qualitätsprüfsteine hochgehalten. In anderen Schulen ist der Girls’ Day ein obligatorischer Tag, der zwar begangen wird, aber bei dem zum Teil Mädchen auch einen Einblick in den Beruf der Arzthelferin anstreben. Hier wäre es Sache der Pädagoginnen und Pädagogen, das anders zu gestalten.

Deshalb denken wir, dass man den bundesweit bekannten Girls’ Day als Tag der Mädchen nicht nur erhalten sollte, sondern in Hessen ausprofilieren und auch pflegen sollte. Wir dürfen ihn nicht nivellieren.

(Beifall bei der SPD)

Meine Damen und Herren, jetzt komme ich zu der beliebten Streitfrage, die nicht nur in Hessen gestellt wird. Auch meine Fraktion hat es sehr interessiert – das fand ich bemerkenswert –: Sollte dieser Mädchentag auch den Jungen geöffnet werden? Hierzu gab es die Frage, wie das Bundesministerium und diejenigen, die es mit dem Girls’ Day ehrlich meinen, dazu stehen.

Frau Henzler, wenn man diese dicke Broschüre hat, kann man nachschlagen und feststellen, wie die Empfehlungen des Ministeriums lauten. Ich denke, das sollten wir im Ausschuss noch einmal gemeinsam diskutieren. Dort steht nämlich:

Vereinzelt gibt es Nachfragen, ob es auch einen bundesweiten Boys’ Day geben sollte. Die fördernden Ministerien erachten Angebote für Jungen in sozialen bzw. als männeruntypisch geltenden Berufen als sinnvoll.Um jedoch für die Jungen einen tatsächlichen Nutzen zu erreichen, wäre es erforderlich, zunächst die Zielstellungen zu klären und ein klares Konzept festzulegen. Ein Boys’ Day, der am selben Tag wie der Girls’ Day stattfände, wäre eher nachteilig, da der gewollte Fokus auf die Mädchen verloren ginge.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Das haben wir nun alle festgestellt, das ist wichtig. Jetzt möchte ich begründen, warum es so wichtig ist. Es ist auch bundesweit evaluiert worden, was die Mädchen tun, wenn sie mit eingeladen werden, sich am Girls’ Day zu beteiligen. Ich gucke Herrn Dr. Jung an. Sie haben heute so gegen das Antidiskriminierungsgesetz protestiert. Ich denke, umso mehr muss Sie die geschlechtsrollenbewusste Erziehung der hessischen Schülerinnen und Schüler interessieren. Deshalb möchte ich gerade Ihnen sagen, dass sehr viele Jungen Unterricht nach Plan erfahren haben, dass sehr viele Jungen, die zum Girls’ Day eingeladen wurden, nichts hatten außer einem Schulausflug für Jungen. Das kann es wirklich nicht sein. Wenn wir in Hessen weiter so verfahren, brauchen wir erst recht das Antidiskriminierungsgesetz, weil wir dann den Rollenzement in den hessischen Schulen immer weiter pflegen und die Jugendlichen dementsprechend erziehen.

Deshalb meinen wir im zweiten Punkt unseres Antrags, dass wir seriöse Konzepte für die Jugend an den hessischen Schulen brauchen, sich rollenbewusst damit auseinander zu setzen, wie sie erzogen werden, wie ihre Erwartungen sind und wie sie sich in Zukunft verhalten.

Schließlich haben wir ein drittes Anliegen, und zwar auch unter dem Gesichtspunkt – –

(Unruhe)

Herr Präsident, insbesondere die Boys sind bei diesem Thema ganz besonders laut.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass Ihre Redezeit zu Ende ist.

(Heiterkeit)

Das trifft sich gut. Da ich so sehr gestört wurde, halte ich mich jetzt gerne kurz. Dann verlässt man auch gerne das Mikrofon.

Ich möchte nur noch kurz am Schluss unseren dritten Punkt erwähnen. Ich bin auch der Auffassung, dass wir in Hessen eine Diskussion darüber brauchen, wo wir Männer in Frauenberufen brauchen. Hierzu möchte ich Ihnen zurufen, dass es nicht nur um geschlechtsrollenbewusste Erziehung von Jungen geht, sondern wir haben auch Patienten in den Altenpflegeheimen, die mehr Altenpfleger sehen wollen. Auch in den Krankenhäusern möchten die betroffenen Patienten gerne auch von männlichen Krankenschwestern betreut werden.Wir haben in den Kindertagesstätten männliche Erzieher nötig, und zwar umso mehr, je mehr allein erziehende Mütter es gibt.

(Beifall bei der SPD)

Frau Kollegin, ich bin sehr großzügig mit der Redezeit. Ein großzügiger Boy bin ich. Vielleicht kommen Sie jetzt zum Ende.

Darf ich das noch beenden? – Das ist sehr liebenswürdig. Schließlich musste ich vorhin so schreien, und zwar fast die gesamte Redezeit.

Wir wünschen uns, dass die Anträge dem Ausschuss überwiesen werden. Dort können wir uns auf einen einheitlichen Diskussionsstand bringen, uns sortieren und dann gemeinsam vereinbaren, wie wir unseren hessischen Girls’ Day in Zukunft weiter pflegen.

(Beifall bei der SPD)

Das Wort hat Frau Sozialministerin Lautenschläger.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Es ist schon spannend, wie jetzt über den Girls’ Day debattiert wird. Ich will auch sagen, es ist etwas befremdlich, wie die GRÜNEN über ihn debattieren. Frau Henzler hat dankenswerterweise wiederholt, wann der Girls’ Day überhaupt bekannt wurde,woher er kommt.Es war damals der Daughters’ Day. Schon 1993 ist das Thema Girls’ Day, Mädchen in Männerberufen, aufgekommen.

Interessanterweise wurde der Girls’ Day in Hessen erst nach 1999 eingeführt. Daran sollte man an dieser Stelle vielleicht auch erinnern, Frau Hölldobler-Heumüller; denn wir haben uns dafür eingesetzt, dass es in Hessen einen Girls’ Day gibt, dass die Schulen mitmachen, dass wir breit informieren über den Girls’ Day.

(Frank-Peter Kaufmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN):Was seid ihr toll!)

Wir waren eines der ersten Bundesländer, die überhaupt daran teilgenommen haben und die mit dazu beitragen, dass viele hessische Unternehmen mitgemacht haben,und zwar vor allem mit dem Schwerpunkt Frauen in Männerberufen.

Auch das will ich sagen:Wir haben uns von Anfang an an der Bundesinitiative beteiligt, an der alle Länder mitmachen. Es wurde eben schon von Frau Dr. Pauly-Bender angesprochen, dass es dort gemeinsame Empfehlungen gibt, gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium, wie mit Jungen umgegangen werden soll.

Das haben wir dieses Mal noch deutlicher nach vorne gestellt, weil wir festgestellt haben, dass viele Schulen nicht so richtig wissen,was sie in dieser Zeit mit den Jungen machen sollen. Dort gibt es die Initiative, und ich will aus dem Heft der Bundesfamilienministerin zu den Jungen am Girls’ Day zitieren:

Sie erhalten die Chance für einen besonderen Tag in der Schule, nehmen an Veranstaltungen für Berufsorientierung eines regionalen Anbieters teil, bearbeiten die Themen Vereinbarkeit von Familie und Beruf,

(Margaretha Hölldobler-Heumüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):Wunderbar!)

erkunden typische Arbeitsplätze von Frauen wie Kindergärten, Altenpflegeheime oder Krankenhäuser.

All diese Punkte sind dort aufgeführt. Ich möchte Ihnen sagen, der Klamauk, den Sie um die Frage Abschaffung des Girls’ Day machen, ist dem Girls’ Day und dem, was Mädchen und Jungen an diesem Tag machen können, abträglich.

(Beifall bei der CDU und der FDP)

Er verunsichert Betriebe, er verunsichert Mädchen, aber er verunsichert auch Jungen. Sie wollen es wieder zu einem rein politischen Thema machen.

Ich dachte, zumindest an dieser Stelle wäre die Möglichkeit vorhanden, breit zu informieren, gemeinsam zwischen vielen Bundesländern, ob es Nordrhein-Westfalen ist, Brandenburg, Niedersachsen oder Hamburg, die sich sehr stark an diesem Tag beteiligen, tatsächlich auf diese Unterschiede hinzuweisen, Mädchen in typische Männerberufe zu stecken, aber auch Jungen entweder die Möglichkeit zu geben, Material in der Schule sinnvoll mit den Lehrern zu erarbeiten, oder sie in frauentypische Berufe zu schicken.

Wenn Sie jetzt dazwischenrufen, all das wollten Sie auch, frage ich mich, warum Sie solch einen unsinnigen Antrag gestellt haben.

(Beifall bei der CDU)