Das hätte genau dieselben Effekte erzielen können, die wir jetzt haben – ohne den negativen Rattenschwanz.
47.000 Fluggäste sind im letzten Jahr gezählt worden. Das war ungefähr die Hälfte derer, die kommen sollte. Die Fluggastprognosezahlen für die nächsten Jahre sind noch nicht einmal korrigiert worden. Man glaubt immer noch an Wunder. By the way: Ich habe gehört, die Fallschirmspringer würden mitgezählt, damit die Zahlen halbwegs erträglich sind.
Ich wüsste gerne, wie viele Fallschirmspringer in die Statistik hineingemogelt worden sind. Ich glaube nämlich, die überwiegende Zahl der Menschen, die sich auf diesem Flughafen bewegen, sind Fallschirmspringer.
Ich finde es schön, dass sie da sind, das macht ein tolles Bild, und es ist gut, dass der Platz genutzt wird. Aber wenn sie dazu dienen, den Flughafen zu rechtfertigen, dann ist das nicht in Ordnung.
Es gab auch das Argument, Kassel-Calden werde den Flughafen Frankfurt entlasten. Die 47.000 Menschen machen zwar nur die Hälfte der erwarteten Fluggäste aus – aber auch nur die Hälfte der Fluggäste, die Frankfurt an einem Tag in einem ganz schlechten Wintermonat abwickelt.
(Janine Wissler (DIE LINKE): Aber für die Fallschirmspringer hätten wir keinen Platz! – Heiterkeit bei der LINKEN)
Das heißt, eine Entlastung des Frankfurter Flughafens ist nicht möglich. Das muss man an der Stelle einmal deutlich sagen.
Ein wichtiges Infrastrukturprojekt? Sagen Sie mir bitte, an welcher Stelle dieses „wichtige Infrastrukturprojekt“ zu irgendetwas geführt hat. Niemand, der sich dort angesiedelt hat, braucht einen Flughafen in der Form, wie er da ist und was er uns kostet. Von daher stimmt diese Argumentation vorne und hinten nicht. Es gibt zwar Betriebe, die sich dort angesiedelt haben; die hätten sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen aber auch dann angesiedelt, wenn man den Luftlandeplatz ordentlich saniert hätte.
Es gibt keine Chance, dass sich dieser Flughafen jemals selbst tragen wird, und es gibt außerdem einen mächtigen Druck, den die Billigflieger aufbauen. Aber alle Beteiligten sagen, man muss das beenden.
Sie sind gelandet, danke schön. Ich habe bei dieser Rede zusätzliche Zeit in der Größenordnung einer Verspätung bei der Bundesbahn gegeben.
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Kennen Sie das? Da steht jemand vor einer Prüfung und ist von vornherein überzeugt, durchzufallen. Sie werden denken: Mit der Einstellung kann die Prüfung nicht erfolgreich bestanden werden.
Auf unseren Tagesordnungspunkt übertragen heißt das: Was permanent nicht nur hinterfragt – das ist völlig legitim –, sondern gleich infrage gestellt wird, hat es schwer, sich erfolgreich zu entwickeln. Damit will ich den LINKEN nicht die Schuld am Start des Flughafens Kassel-Calden geben, der ohne Wenn und Aber hinter den Prognosen und Erwartungen zurückgeblieben ist.
Aber linke Forderungen nach Schließung des Flughafens und Ausstiegsszenarien helfen eben auch nicht, den Flughafenbetrieb zu beflügeln.
Am 4. April letzten Jahres wurde der Regionalflughafen in Kassel-Calden termingerecht eröffnet. Das ist heute bei solchen Großprojekten keine Selbstverständlichkeit, und deshalb sage ich: Kassel-Calden ist nicht Frankfurt, Kassel-Calden ist aber auch nicht BER. Die Medienberichterstattung hat bedauerlicherweise die nur langsam wachsende Zahl der Flugverbindungen für Urlaubsflüge in den Fokus gestellt. Das wird jedoch der Bedeutung dieses Flughafens nicht gerecht.
Wenn der Eindruck vermittelt wird, es gebe nichts Langweiligeres, als in Kassel-Calden Economy-Flieger zu sein, dann klingt das zwar witzig, wird aber den Zahlen nicht gerecht.
Ich will Ihnen mit einem Rückblick auf das Jahr 2005, als die Planung für diesen Flughafen aufgenommen wurde, die Situation von damals noch einmal schildern. Wir hatten in Kassel-Calden einen alten Flughafen, dem die Genehmigung entzogen zu werden drohte. Um diese Genehmigung weiterhin zu erhalten, standen Investitionen in Höhe von bis zu 90 Millionen € an. Dann hätten wir aber immer noch einen alten Flughafen mit all seinen Beschränkungen und Restriktionen gehabt, also mit wenig Entwicklungspotenzial für die Zukunft.
Die CDU-geführte Landesregierung entschied sich damals richtigerweise dafür, mehr Geld als diese 90 Millionen € in die Hand zu nehmen, einen neuen Flughafen Kassel-Calden zu bauen, die nordhessische Region infrastrukturell zu
stärken sowie Menschen und Unternehmen Zukunftschancen an und im Umfeld des neuen Flughafens zu geben.
Unternehmen bezeichnen vier Standortfaktoren als die mit Abstand wichtigsten – das will ich bei den LINKEN in Erinnerung rufen –: problemloser Zugang zu Märkten und Kunden, Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, Qualität der Telekommunikation und Verkehrsanbindung auf der Straße und auf dem Luftweg.
Eine dynamische Region wie Nordhessen benötigt neben Straßen, Autobahnen und Eisenbahnverbindungen eben auch eine Luftverkehrsanbindung.
Die Entscheidung fand im Jahre 2005 zu einem Zeitpunkt statt, als noch von signifikanten Steigerungen der Passagierzahlen ausgegangen werden konnte. Die Passagierzahl in Deutschland lag 2003 bei 147 Millionen. Man prognostizierte für das nächste Jahr 256 Millionen Passagiere. Das war das Umfeld, in dem die Entscheidung für den Flughafen Kassel-Calden getroffen wurde.
Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und der im Jahre 2011 eingeführten Luftverkehrsabgabe waren damals nicht absehbar.
Dem Flughafen Kassel-Calden ist eine gute Position im Wettbewerb nicht in die Wiege gelegt. Eine Etablierung am Markt ist ein mehrjähriger Prozess, in für den Luftverkehr harten Zeiten zumal ein schwieriger. Ein Erfolg für Kassel-Calden wird sich nicht daran ablesen lassen, wie viele Urlauber über den Flughafen ihre Reise ans Meer antreten. Aber auch in diesem Bereich tut sich aktuell einiges. Zudem hat Turkish Airlines, eine der führenden Airlines dieser Welt, die Grundsatzentscheidung getroffen, Kassel-Calden an ihr Drehkreuz Istanbul anzubinden.
Glauben Sie mir: Niemand freut sich über die Defizitzahlen, aber man muss sie auch einordnen können. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, kurz ADV, erklärte unlängst, dass von 22 internationalen deutschen Verkehrsflughäfen nur sechs profitabel arbeiten. Rote Zahlen beim Betrieb sind also kein Kasseler, nicht einmal ein deutsches, sondern ein europäisches Phänomen.
Die betriebswirtschaftliche Rechnung weist Defizite aus. Allerdings werden sie über eine Umwegrentierlichkeit mehr als ausgeglichen. Wertschöpfung sowie Beschäftigungs- und Fiskaleffekte im Umfeld des Flughafens sorgen dafür.
Die Zielvorgabe der Landesregierung ist, dass sich der vom Land zu tragende Verlustausgleich künftig jährlich um 10 % des Ausgleichs für 2014 verringert. 2017 kommt Kassel-Calden auf den Prüfstand. Sie sehen also, wir lassen die Dinge nicht einfach laufen. Wir wollen dem Flughafen aber die Zeit geben, die er braucht. Auch Brüssel gibt ihm Zeit. Zehn Jahre bleiben den Provinzflughäfen noch, um ihre Defizite zu beseitigen. Kassel-Calden hat sogar eine Fristverlängerung bis 2028 erhalten. Wir alle wollen kein Subventionsgrab, aber wir wollen das Kind auch nicht mit dem Bade ausschütten.
Bisher konnten Starts und Landungen nur nach Sicht erfolgen. Wenn mit der Aufnahme des Sommerflugplans am heutigen Tag Kassel-Calden die Genehmigung für den Allwetterflugbetrieb erhält, wird der Flughafen noch ein Stück attraktiver. Sie von den LINKEN sind allerdings nach wie vor im Blindflug der Ungeduld, des Schlechtredens und der radikalen Ansätze. Daher können wir Ihrem Antrag nicht zustimmen.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Etwas unüblich, aber sehr bewusst beginne ich mit einem Zitat aus der „HNA“.