Ich merke schon, es funktioniert an dieser Stelle, darüber zu reden. Dann wacht selbst die Opposition auf, die sich bei den eigenen Rednern müde auf den Bänken geräkelt hat.
Herr Buss, jedes Jahr um 100. Er berücksichtigt die Schwankungen bei den Schülerzahlen, er berücksichtigt das Abitur nach zwölf Jahren, er berücksichtigt die Herausforderungen neuer Ganztagsangebote, er berücksichtigt die dritte Sportstunde, er berücksichtigt die Fluktuation mit dem Umland sowohl was die Lehrer als auch was die Schüler angeht. Er ist durch und durch solide, aber er ist eben kein Wunschkonzert, wo man sich Bedarfe und Eventualitäten herbeiredet, wie Sie es in Ihrer Großen Anfrage gemacht haben, um dann wieder neue unbezahlte Mogelpackungen aufzumachen.
Je länger ich Rotgrün in Berlin an der Regierung sehe, je mehr Sorgen mache ich mir um die Finanzen unserer Stadt und umso mehr denke ich, dass wir alle am Ende dieser Legislatur sehr froh sein werden, dass unser Lehrerplan
feststeht. Die Logistik hinter diesem Plan ist – zugegebenermaßen – eine sehr komplexe. Das geben sowohl die Fragen Ihrer Großen Anfrage wieder als auch die sehr detaillierten Antworten, die die Behörde gegeben hat. Das fängt schon bei den Bedarfsgrundlagen an, wobei schon da der erste Unterschied zwischen der alten und der neuen Regierung zu sehen ist. Während Sie auf der Grundlage einer Selbsteinschätzung der Schulen die Bedarfe ermittelt haben, hat die neue Behördenleitung die Zählung statt der Schätzung zur Grundlage gemacht. Näheres dazu haben Sie vielleicht in meiner Kleinen Anfrage, Drucksache 17/1666, nachlesen können.
Weiter geht es mit dem Umland. Sie tun plötzlich so, als wenn Hamburg alleine auf der Welt wäre. Es ist geradezu niedlich, wie Sie vorsichtig dann doch eine Frage diesem ganz wichtigen Komplex widmen und nach den Bewerbern aus Mecklenburg-Vorpommern und aus anderen Bundesländern fragen. Glauben Sie doch nicht, wie Sie hier behauptet haben, wir würden als Weltstadt Hamburg die schlechtesten Bewerber bekommen, wenn andere Bundesländer zu viel ausbilden und sich jemand entscheidet, nach Hamburg zu gehen, weil er hier Lehrer werden möchte. Das spricht dann für unsere Stadt und es spricht für unser Schulsystem.
Es hat ganz bestimmt nichts damit zu tun, dass die Schlechtesten nach Hamburg kommen, sondern, wenn wir die Auswahl haben, dann werden wir sicherlich auch die Besten nehmen und lassen uns die auch von Ihnen nicht schlecht reden.
Wenn also in Mecklenburg-Vorpommern die Menschen weglaufen, wenn dort die Schülerzahlen absehbar sinken und die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern die Lehrer entlässt, sie freisetzt – es ist Ihre Landesregierung, die uns sozusagen die Lehrer herüberschiebt –, dann ist es doch legitim zu schauen, wie diese in unser Anforderungspotenzial passen und wie wir uns die besten Lehrer heraussuchen können. Wenn wir Lehrer und auch Absolventen aus anderen Bundesländern bekommen, brauchen wir uns keinen selbst produzierten Lehrerstau auszubilden, während gut ausgebildete Menschen bei uns an die Tür klopfen.
Stichwort Referendariat. Dazu ist schon einiges gesagt worden. Sie laufen durch die Stadt und erzählen etwas von Kürzungen. Natürlich sind es 25 Prozent weniger, aber wenn die Referendariatszeit auch um 25 Prozent sinkt, dann sind diese 25 Prozent auf der einen Wagschale der Ausgleich für die 25 Prozent auf der anderen Wagschale. Das ist also eine ganz einfache Rechnung, mit der Sie offensichtlich nicht zurechtkommen und aus der Sie Ihr politisches Kapital schlagen wollen.
Eines muss man jedoch im Blick behalten und das geht in Ihrer Anfrage gar nicht so hervor. Das hätte ich an Ihrer Stelle mitgefragt. Diejenigen, die sich jetzt um ein Referendariat bewerben, brauchen optimale Beratung, da in der Übergangszeit der Verkürzung sonst die Gefahr besteht, dass sie in ein Loch fallen.
Ich habe mit einigen von denen, die in den vergangenen Tagen mit dieser Problematik in der Presse gestanden haben, schon Wochen davor gesprochen, also mich die
ses Falles angenommen, bevor es in den Zeitungen gestanden hat. Man muss so fair sein und jedem Absolventen in Hamburg sagen, dass wir in Hamburg zuletzt nie die Situation hatten, dass alle, die es wollten, auch gleich ins Referendariat übernommen werden. Man muss es ihnen so rechtzeitig sagen, dass sie sich auch in anderen Bundesländern bewerben könnten. Es ist zwar ungewöhnlich, dass jemand aus Hamburg weggeht, es sind eher diejenigen, die hier herkommen, aber man muss ihnen die Chance dazu geben. Hier hat es an klaren Ansagen der Behörde gefehlt, muss ich ganz selbstkritisch sagen.
Deshalb fordere ich die Behörde an dieser Stelle auf, hier mit den Betroffenen Übergangslösungen im Rahmen von Lehraufträgen an Schulen zu finden.
Wer Lehrerbedarfe berechnet, muss viele Faktoren auf dem Zettel haben. Das haben wir heute gelernt. Er muss den Blick über den Tellerrand der Hamburger Stadtgrenzen hinaus richten. Das haben Sie in Ihren Debattenbeiträgen nicht gemacht. Er muss die schulpolitischen Vorgaben des neuen Schulgesetzes ausfüllen können. Auch dazu sind Sie nicht in der Lage. Und er muss den einzelnen Lehrern in seiner Arbeitsbelastung vor Ort und den jungen Absolventen mit seinen Lebenszielen im Blick haben und er muss auch – das haben Sie in Ihrer Anfrage vergessen – einen aufwachsenden und ausfinanzierten Lehrerstellenplan vorgelegt haben. Das haben Sie nicht getan, wir haben es getan.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Das insbesondere von den Grünen immer wieder heraufbeschworene Menetekel eines dramatischen Lehrermangels in unserer Hansestadt, das von der SPD nur lauwarm unterstützt wird, ist so abgenutzt wie falsch.
Frau Goetsch, in geradezu Mitleid erregender Art haben Sie sich geistig verrenkt, um Ihre falsche Argumentation irgendwie zu begründen, denn Sie wissen ganz genau, wir haben derzeit viel zu viele Lehrer. Wir können gar nicht alle einstellen. Die haben Sie mit auf die Straße gestellt, weil zu viele ausgebildet wurden, und Sie reden von einem Lehrermangel.
Wahr ist, dass es bisher einen Riesenüberhang gab und derzeit auch noch gibt und dass von einem Mangel auch in Zukunft nicht die Rede sein kann.
Wir haben für die nächsten Jahre die Zahlen festgeschrieben – Sie kennen Sie –: zwischen 13700 und 13 900 plus Junglehrerprogramm. Das Einzige, was man bedenken muss, ist, dass wir im Gymnasialbereich einen Mangel in den naturwissenschaftlichen Fächern haben, speziell im Fach Physik. Hier müssen wir etwas tun. Dieser Mangel besteht in der ganzen Bundesrepublik. Hier steuern wir so gut es geht dagegen. Wir stellen seit dem 1. August Seiteneinsteiger ein.
Ich nenne Ihnen ein paar Zahlen zu den Seiteneinsteigern, die Sie zwar alle kennen, aber nicht wahrnehmen wollen: Von 1000 Bewerbern, die eine andere Ausbildung hatten und sich in das Referendariat einklinken wollten, konnten wir im letzten Jahr nur 16 nehmen. Es entspricht natürlich auch Ihrem unseriösen Argumentationsmuster, Frau Goetsch, dass Sie diesen kleinen, wenn auch sehr wichtigen Teilaspekt zu dem zentralen Teil hochstilisieren. Neben diesen Mangelfächern können wir alle Lehrerbedarfe aus zwei Quellen verlässlich decken. Das eine sind diejenigen, die wir selber in Hamburg ausbilden. Derzeit sind es 800 pro Jahr. Wir haben sogar die Kapazität am Studienseminar Anfang des Jahres erhöht und wir werden das auch in Zukunft können, selbst wenn wir ab 2005 die Zahl auf 540 herunterfahren. Sie wissen genau, die zweite Quelle, aus der sich die Hamburger Lehrerschaft zusammensetzt, sind die auswärtigen Bewerber. Derzeit sind es immer noch weit über 1000 pro Jahr. Deswegen haben wir insgesamt über 1600 Personen, die hier eingestellt werden möchten. Jeden Zweiten können wir leider nur nehmen und von einem Mangel kann jetzt und in Zukunft nicht die Rede sein.
Auch die Pensionierungszahlen, die wir alle kennen, gehen nie über 700 pro Jahr hinaus. Derzeit sind es erst 300 bis 400, aber dann steigt das natürlich an. Das ist alles bekannt und alles festgelegt. Das kennen Sie auch, maximal sind es also 700. Dagegen steht die Zahl von mindestens 1600 Bewerbern.
Worum Sie sich nicht kümmern, sind die qualitativen Bereiche, sondern Sie können nur in Quantitäten argumentieren. Hier hat der neue Senat in der Tat bereits angesetzt.
Sie wissen, dass wir die Lehrerausbildung reformieren, dass wir vor allen Dingen aber den Lehrern bessere Hilfestellung geben, indem wir verlässliche Standards gesetzt haben, indem wir die Lehrpläne jetzt alle in die Schulen gegeben haben, nicht nur beschleunigt in die Sekundarstufe I, sondern auch zum ersten Mal nach 27 Jahren in die Grundschulen, weil das ein ganz besonders wichtiger Bereich ist.
Deswegen braucht man überhaupt keine Befürchtungen zu haben. Für die gesicherte Versorgung durch die frühzeitig festgeschriebenen Zahlen, die auch nicht angerührt werden – es ist ja angesichts der von Rotgrün in Berlin verursachten Misere der Staatsfinanzen darauf hingewiesen worden –, werden wir alle noch einmal sehr dankbar sein. Auch Sie und die GEW, darauf freue ich mich schon heute.
Die Inhalte des Unterrichts sind für die Lehrerversorgung wichtig. Wenn die Lehrer klare Standards haben, wenn sie wissen, was unterrichtet werden soll, kann man auch einen gezielteren Unterricht durchführen und kann die Standards, die für die Kinder gelten, zu den einzelnen Abschlüssen besser erreichen. Das ist das Ziel der neuen Regierung. Von daher kann ich nur sagen, dass Ihr Menetekel leider verblasst ist. Das war nicht einmal ein Graffiti oder etwas Ähnliches, es war gar nichts. Ich wiederhole es noch einmal: Schon jetzt und auch zukünftig kommen auf jede Stelle, die wir besetzen können und wollen, mindestens zwei Bewerber. – Danke schön.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Lange, Ihr Wort in Gottes Ohr. Es ist müßig, darüber zu streiten, denn die Zahlen stehen in der Antwort auf meine Großen Anfrage.
Es ist immer interessant, dass die schulpolitischen Sprecherkollegen sagen, dass dies soundso wäre. Das steht doch alles in der Antwort. Ich greife mir meine Argumente doch nicht aus der Luft, sondern aus der relativ schlampig beantworteten Anfrage. Die Antwort hinkt an mindestens fünf Stellen. Es wird doch darauf verwiesen, dass man alles noch nicht so genau sagen könne.
Es war sehr spannend, als Herr Woestmeyer sagte, dass das zwölfjährige Abitur und andere Dinge schon mit eingerechnet worden wären. In der Antwort stand aber, dass man noch nichts sagen könne, weil noch nicht alles eingeplant sei.
Zur Qualität der Antwort. Herr Drews hat netterweise gleich über etwas gesprochen, was ich überhaupt noch nicht erwähnt habe.
Wir haben die Hamburger Lehrerrevisionskommission auf den Weg gebracht und es ist gut, dass sie von Ihnen fortgeführt wird. Das geschieht jedoch mit einem kleinen Makel. Sie haben sich nämlich mit der Berufseingangsphase gebrüstet, die wir verbindlich festgelegt haben. Sie haben diese jetzt aber zu einer freiwilligen Aktion verkommen lassen. Ich bin gespannt, wie es mit der Qualität weitergehen wird.
Ich schlage vor, Herr Senator Lange, wenn Sie uns ein Personalentwicklungskonzept vorlegen, das länger hält als nur bis 2004, dann könnten wir vielleicht miteinander reden. Aber bisher gibt es nur die berühmte Milchmädchenrechnung, deren Zahlen wir uns gegenseitig um die Ohren werfen. Auch die Pensionierungswelle sagt etwas anderes. Ich bin gespannt, wie das bei der Reduzierung von 345 Lehrerstellen in diesem Jahr hinhauen soll. Ich denke, wir sprechen uns in einem Jahr wieder. – Danke.