Protokoll der Sitzung vom 25.08.2005

Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 46, Drucksache 18/2579 in der Neufassung, Bericht des Kulturausschusses zum Thema "50er Schuppen".

[Bericht des Kulturausschusses zum Thema: "50er Schuppen" (Selbstbefassungsangelegenheit) – Drucksache 18/2579 (Neufassung) –]

Hierzu liegt Ihnen als Drucksache 18/2749 (Neufassung) ein Antrag der SPD-Fraktion vor.

[Antrag der Fraktion der SPD: Hafenmuseum im Aufbau – Drucksache 18/2749 (Neufassung) –]

Diesen möchte die CDU-Fraktion an den Kulturausschuss überweisen.

Wird das Wort gewünscht? – Das ist der Fall. Der Abgeordnete Buss hat es.

(Wolfgang Beuß CDU: Unser Barmbeker Jung! – Zurufe – Glocke)

Egal, aus welchem Stadtteil Sie auch kommen mögen, der Abgeordnete Buss hat das Wort – ausschließlich.

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Zum Schluss des heutigen Debattenabends kommen wir zu etwas sehr Positivem, über das wir uns parteiübergreifend einig sind. Ich erinnere mich noch daran, Herr Rusche, als wir beide an einem Tag des offenen Denkmals zum ersten Mal im Kopfbau des 50er Schuppens waren, der damals noch etwas provisorisch hergerichtet war, und wie angetan wir von der Atmosphäre waren, die man dort authentisch erleben kann.

Seit 1997 gibt es eine Initiative – Herr Ohlsen, das dürfte gerade Sie interessieren –, das maritime Erbe des Hamburger Hafens zu erhalten. Nach nur drei Jahren konnte

von der Außenstelle des Museums der Arbeit, unter der Führung von Herrn Achim Quaas, eine Sammlung vorgelegt werden. Dass die Senatorin das Museum Ende April eröffnen konnte, hat ihr sicherlich auch viel Spaß gemacht. Ich war erfreulicherweise mit dabei. Die Senatorin hatte am 16. Juni in der Kulturausschussschusssitzung festgestellt, wie beeindruckend die Zusammenarbeit war, nämlich eines staatlichen Museums – des Museums der Arbeit –, mit einer Stiftung, der Stiftung Hamburg Maritim. Man konnte sehen, was in den wenigen Jahren geleistet wurde, um zum Beispiel die 50er Schuppen als Teil des maritimen Erbes des Hamburger Hafens zu erhalten. Es zeigte sich, wie hervorragend das Engagement von circa 600 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern war. Diese immer wieder zusammenzuführen und unter der Leitung des Museums der Arbeit zu fokussieren, damit sowohl die Kenntnis über die Geschichte des Hamburger Hafens weitergegeben wird als auch die Weitergabe dieses Erbes an die nächsten Generationen gelingt, war ein wichtiges Anliegen.

Im Kulturausschuss waren sich alle einig – die Senatorin hatte es zusammengefasst –, dass hervorragende Grundlagen gelegt worden sind, um dieses Erbe nicht verloren gehen zu lassen und an die nächsten Generationen weiterzugeben.

Als wir darüber beraten haben, wurde für mich die Notwendigkeit deutlich – das war, glaube ich, auch für viele Abgeordnete greifbar –, dass es eine Weiterentwicklung zu einem Hafenerlebnismuseum geben muss. Dafür gibt es die einzigartige Chance aufgrund der hervorragenden Arbeit, die Herr Kaiser in der Stiftung Hamburg Maritim und die das Museum geleistet hat, der einzigartigen Lage – heutzutage würde man Location sagen – und dessen, was dort vorhanden ist und was erhalten werden konnte, sowie der realen Begegnungen mit den Fünfziger- und Sechzigerjahren, mit Gerätschaften, mit Hafenschiffen, Hafenschuten, Baggern und insbesondere mit Kränen. Dadurch könnte man einen unmittelbaren Einblick in die Geschichte des Hamburger Hafens und seines Umschlags bekommen.

Die Zusammenarbeit mit der Handelskammer und der Hamburger Tourismus-Zentrale liegt greifbar vor uns. Jetzt muss man darangehen.

Es wurde deutlich, man kann eine optimale Hafenarbeit erlebbar machen, aber man braucht dafür professionelle Projektentwickler. Diese bekommt man aber nicht umsonst, das ist eines der Probleme. Weiterhin kommt hinzu, dass man in solchen Institutionen nicht die personelle Kapazität hat. Wer soll ein solches Konzept entwickeln? Sollen es diese Institutionen nebenher machen? Deutlich wurde in der Beratung, dass es für die beiden Institutionen nicht leistbar ist.

Darum ist unser Antrag damit begründet, dass man so etwas professionell in Auftrag geben und sich überlegen muss, wie man die Kosten dafür zusammenbekommt.

Der nächste Punkt ist, wie wir das kulturelle Erbe – in diesem Fall das maritime Erbe –, weitergeben. Dafür braucht man auch die nächsten Generationen. Wie es beispielsweise zwischen der Schule und den Bücherhallen gemacht wird, wäre es wichtig, eine Zusammenarbeit zwischen Kulturbehörde und den entsprechenden Museumsstiftungen und der Bildungsbehörde herzustellen. Dadurch wäre es für alle Hamburger Grundschulklassen deutlich, dass es notwendig ist, sich beim Thema Hafen

nicht nur mit einer Hafenrundfahrt zu begnügen, sondern auch dieses Museum zu besichtigen und sich von dem einmaligen Flair einfangen zu lassen.

(Beifall bei der SPD)

Es ist in der Sitzung weiterhin deutlich geworden, dass es eine wesentlich verbesserte Verkehrsanbindung geben muss, wenn die Besucherzahlen und somit der Erfolg dieses Museums gesteigert werden sollen. Dazu bedarf es einer neuen Barkassenlinie, die uns in Umrissen deutlich gemacht wurde und von der auch die Senatorin erfreulicherweise gesprochen hat. Sie sagte, es könnte nach 2007 eine solche Barkassenlinie geben mit einem eigenen Anleger vor Ort, die dort natürlich nicht ihre Endstation haben dürfte. Die Stiftung Hamburg Maritim hat gesagt, das sei leistbar, aber man brauche die Verlängerung. Dann würde man auch für die BallinStadt und die Veddel einen entsprechenden Gewinn erzielen, weil man über diese Verknüpfung und entsprechende Zusteige- und Ausstiegsmöglichkeiten das maritime Erbe Hamburgs – über Cap San Diego, Schifffahrts- und Meeresmuseum Peter Tamm, 50er Schuppen und BallinStadt – erreichen könnte. Das wäre ein großer Schub für Hamburger, aber vor allen Dingen für die Touristen, wenn es gelingen würde, mehrere Institutionen gleichzeitig einzubinden.

(Klaus-Peter Hesse CDU: Die Rede soll gekürzt werden!)

Das ist mit diesem Antrag gewollt und deswegen bitte ich Sie, dieses entsprechend positiv zu werten und diesem Antrag seine Zustimmung zu geben.

Zum Schluss ist festzuhalten, dass alle Vertreterinnen und Vertreter im Kulturausschuss unisono beeindruckt waren von der Arbeit, die sie dort sehen konnten und von den Perspektiven, die dort geboten wurden. Jetzt kommt es darauf an, dass die Bürgerschaft – auch auf Bitten der CDU damals im Ausschuss – dem Ganzen entsprechende Taten folgen lässt. Deshalb folgen Sie bitte unserem Antrag. – Danke schön.

(Beifall bei der SPD)

Das Wort erhält der Abgeordnete Rusche.

Meine Damen und Herren! Dem Schlusswort meines Vorredners Herrn Buss kann ich zustimmen. Wir waren alle, die dort waren, außerordentlich beeindruckt. Ich war so beeindruckt, ich könnte jetzt eine Stunde darüber reden. Aber keine Angst, das mache ich nicht.

Ich werde nur noch eines deutlich machen, weil ich glaube, dass es notwendig ist. Herr Buss hatte darauf hingewiesen, wie viele ehrenamtliche Helfer an dieser großartigen Sache mitarbeiten. Es sind über 600 – erlauben Sie mir, das im Namen der Bürgerschaft zu sagen –, die den Dank der Bürgerschaft verdient haben.

(Beifall bei allen Fraktionen)

Ich möchte zu dem Antrag, den Herr Buss hier begründet hat, inhaltlich nicht viel sagen. In den meisten Punkten stimme ich ihm zu, in einem entscheidenden allerdings nicht und den lassen Sie mich kurz begründen.

Es wird heutzutage – das gilt auch für den heutigen Tag – viel zu schnell gesagt, wir brauchen mal wieder ein Gut

achten. Diese "Gutachteritis" ist in Deutschland seit Jahren ein Grundübel. Meistens sind es nur Alibifunktionen, um sich dahinter zu verstecken, das Geld mit leichter Hand auszugeben. Hier geht es um 100 000 Euro. So viel soll dieses Gutachten kosten. Ich bin strikt dagegen, dass wir – ohne weitere Vertiefung dieses Themas – 100 000 Euro aus dem ohnehin schmalen Kulturetat ausgeben. Weil wir gerade von der Kulturbehörde reden, so gibt es dort ein sehr gutes Beispiel, wie man ohne Geld zu guten Ergebnissen kommen kann, indem man sich Berater holt, die kompetent und bereit sind, es auch ohne Geld zu machen. Ich erinnere an das Stichwort Bücherhallen, wo eine Expertenrunde von der Kultursenatorin eine hervorragende Arbeit geleistet hat. Das hat die Behörde keinen Euro gekostet.

Wir haben in Hamburg Experten auf dem Hafensektor, wir haben Experten, die sich mit Kosten und Erlösen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen auskennen. Wir haben alles, was wir brauchen. Versuchen wir doch einmal, eine solche Expertenkommission zusammenzustellen. Deswegen plädiere ich dafür, diesen Antrag hier nicht zu verabschieden, sondern ihn an den Kulturausschuss zu überweisen, in der sicheren Erwartung und in der Hoffnung, dass wir ein ähnliches Ergebnis zustande bekommen wie bei den Bücherhallen. In diesem Sinne plädiere ich dafür, dass Sie alle mit mir gemeinsam für eine Überweisung stimmen. – Danke schön.

(Beifall bei der CDU und bei Tanja Bestmann SPD)

Das Wort erhält der Abgeordnete Dr. Maier.

Die Einigkeit ist groß an diesem Punkt. Ich möchte nur an einem Punkt ein bisschen Essig in den Wein gießen, der ist zwar bitter, aber muss sein.

(Michael Neumann SPD: Essig – das ist ja ganz übel! – Gesine Dräger SPD: Wasser würde auch reichen!)

Als wir im Juni diesen Termin machten – ich weiß nicht, ob ich vielleicht ein bisschen hilflos in der geografischen Orientierung bin –, bin ich mit dem öffentlichen Personennahverkehr dort hingefahren und habe mich schlicht verlaufen. Ich habe das nicht gefunden. Deswegen bewundere ich die 22 500 Leute, die das im Jahre 2004 geschafft haben, dort hinzukommen.

Herr Wolf von der Stiftung Hamburg Maritim möchte aber, dass da zehnmal so viel hinkommen. Das ist auch nötig, damit sich das rechnet. Wenn ich nun rechne – ich liege in etwa im Durchschnittsquotient der Intelligenz der Bevölkerung –, dass sich da 225 000 Leute dauernd verirren, dann gibt es Ärger bis in den Senat hinein.

(Bernd Reinert CDU: Es kommt darauf an, wer sich verirrt!)

Also muss es klare Zuwege geben.

(Beifall bei der GAL und vereinzelt bei der SPD)

Das ist auch für die 600 ehrenamtlichen Helfer eine richtige Würdigung ihrer Tätigkeit, wenn das der Fall ist. Das Entscheidende ist, dass dort nicht nur der öffentliche Personennahverkehr besser herangeführt werden muss, sondern auch die Barkassenverbindungen. Deswegen haben wir das sehr begrüßt, als die Senatsvertreter be

richteten, dass bis zum Jahre 2007 eine Barkassenlinie ausgebaut werden soll, die das Anlegen von Barkassen an attraktiven Punkten, wie dem Tamm-Museum, 50er Schuppen, BallinStadt ermöglichen soll, so die Aussage der Senatorin.

Aber hier ist es wieder einmal so: "Oft war ich wohlgemut und froh und später kam es doch nicht so". Denn mir ist von einer Senatsdrucksache zu Ohren gekommen, in der die Zufahrten neu geregelt werden sollen.

(Petra Brinkmann SPD: Das ist ja interessant!)

Die Müggenburger Durchfahrt soll bleiben, aber die Niedernfelder Durchfahrt, also die Verbindung vom Hansahafen in den Müggenburger Zollhafen, soll einer Deichlösung weichen.

(Antje Möller GAL: Das ist ja lustig!)

Das heißt, diese schöne Barkassenlinie – für 2007 angekündigt – wird von der Port Authority zugeschüttet.

(Olaf Ohlsen CDU: Abwarten!)