Protokoll der Sitzung vom 10.04.2014

Und damit sind wir wieder bei Ihren schrägen Vorschlägen, wie Sie am liebsten mit Flüchtlingen umgehen wollen,

(Stefan Köster, NPD: Wie denn?)

wie Sie mit den Schwächsten unter den Schwachen, denen, die am meisten Hilfe brauchen,

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

die alles verloren haben,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

deren Familien zerrissen und deren Lebensplanungen zerstört wurden, wie Sie mit diesen Menschen umgehen wollen.

(Zuruf von David Petereit, NPD)

Anhand dieser Vorschläge wird nun auch hoffentlich dem Letzten in diesem Land klar,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Oh, Petereit, es ist gut!)

welche seelischen Abgründe sich in der NPD auftun.

(Stefan Köster, NPD: Mehrere Einsätze pro Tag in den Asylantenheimen. – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Richtig. Aber da habt ihr die Hosen voll, ne? – David Petereit, NPD: Das ist so ein Blödsinn, was Sie da erzählen.)

Wer gegen die Schwächsten der Schwachen, nämlich Flüchtlinge, die alles verloren haben, kämpft

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

und vor diesen Angst hat, muss sich doch in einem ganz jämmerlichen Gemütszustand befinden.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Herr Saalfeld, einen kleinen Moment.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, also so schwierig die Debatte hier ist, bitte ein bisschen Ruhe, damit Herr Saalfeld seine Rede beenden kann.

Vielen Dank, Frau Präsidentin!

Wer gegen die Schwächsten der Schwachen polemisiert, wie es die NPD tut,

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

dessen Selbstachtung muss doch bis zur Selbstverleugnung devastiert sein.

(Udo Pastörs, NPD: Was?!)

Finden Sie nicht auch, Herr Pastörs, dass es sich um eine sehr traurige Gestalt handeln muss,

(Stefan Köster, NPD: Was?!)

die ihre ganze Energie dafür verwendet, die Schwachen und Hilfebedürftigen mit Füßen zu treten? Ist das nicht jämmerlich? Das muss ich Sie einfach mal fragen.

(Stefan Köster, NPD: Oi, oi, oi, oi!)

Ich frage mich, wo die NPD eigentlich diese Verlustängste gegenüber den Ärmsten der Armen und diesen Hass gegen die Schwächsten der Schwachen herhat.

(Stefan Köster, NPD: Vielleicht Verantwortung für die eigenen.)

Wurden Sie vielleicht früher in der Schule gehänselt oder von Ihren Eltern drangsaliert? Ich weiß es nicht. Vielleicht, Herr Pastörs, weil Sie diesen putzigen Sprachfehler haben.

(Patrick Dahlemann, SPD: Oh!)

Sie können ja nicht „München“ sagen, Sie sagen immer „Münschen“. Oder Sie können nicht Ihr Lieblingswort sagen: „Heuchler“. Das benutzen Sie so gerne, wir hören hier aber immer nur „Heuschler“. Oder, wie eben gerade auch erfahren, Sie können nicht „Durchführung“ sagen, wir hören „Dorschführung“. Ich will Sie damit gar nicht beleidigen, sondern Ihnen zeigen, dass niemand perfekt ist, niemand höherwertig oder niemand minderwertig ist, dass jeder vermeintliche Defizite hat.

(Udo Pastörs, NPD: Auwei, auwei, auwei!)

Sie wünschen sich vermutlich, Zeit Ihres Lebens mit all Ihren Eigenheiten und vermeintlichen Defiziten akzeptiert und respektiert zu werden.

(Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das war schon in der Sandkiste so.)

Gleichzeitig haben Sie offenkundig einen solchen Hass auf alle Abweichungen von einer imaginären Durchschnittsnorm entwickelt, dass Sie nun das gesellschaftliche System bekämpfen, welches gerade die Individualität und Besonderheit der Einzelnen schätzt und schützt.

(Michael Andrejewski, NPD: Haben Sie irgendwo eine Psychologiezeitschrift gelesen ausnahmsweise?)

Ja, offensichtlich können Sie sich keinen Psychologen leisten,

(Michael Andrejewski, NPD: Doch das könnte ich.)

denn es wäre vielleicht manchmal angebracht. Aber man muss sich ja auch mal mit den Problemen beschäftigen.

(Stefan Köster, NPD: Wenn Sie weitere Spenden brauchen …)

Diese offenkundige Widersprüchlichkeit, die wir hier Tag für Tag bei Ihnen erleben, muss über die Jahre doch zu einer innerlichen, kaum zu ertragenden Zerrissenheit bei Ihnen geführt haben. Niemand ist perfekt, niemand ist mehr wert als jemand anderes. Alle haben ihre Eigenheiten und jeder ist einzigartig. Aber genau das macht Ihnen Angst, genau das ist die Realität, der Sie selbst unterliegen.

(David Petereit, NPD: Sie sind irgendwie ganz weit weg vom Antrag. – Stefan Köster, NPD: Nicht nur vom Antrag.)

Meine Damen und Herren Abgeordnete,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

wie Sie sicherlich in der Presse vor wenigen Tagen gelesen haben, ist die Flüchtlingszahl im Libanon auf über 1 Million Menschen gestiegen. Der Libanon hat offiziell 4,5 Millionen Einwohner. Das wäre so, also ob in Deutschland 20 Millionen Flüchtlinge wohnen würden. Das muss man sich erst mal vorstellen!

(Michael Andrejewski, NPD: Das hätten Sie gerne, nicht?)

Momentan kommt aber in etwa auf 650 Deutsche ein Asylbewerber. Also ich weiß nicht, in welcher Parallelwelt Sie leben, Herr Pastörs,

(David Petereit, NPD: Das ändert doch an der Rechtslage nichts.)

wenn Sie uns hier in einem Paranoiawahn erklären,

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)