Protokoll der Sitzung vom 18.09.2014

Wat?! Wie kommt

das denn? – Torsten Renz, CDU:

Ganz hoch angesiedelt bei den LINKEN,

ganz hoch angesiedelt, der Antrag. –

Weil er jetzt der

höchste Repräsentant in der Fraktion ist. –

Zuruf von Minister Harry Glawe)

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Rücktritt von Ministerinnen und Ministern wird im Landtag von meiner Fraktion nicht jeden Tag gefordert. Wenn wir das tun, dann nicht ohne triftige Gründe

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Da bin ich aber gespannt.)

und nicht, ohne vorher abzuwägen, ob es nicht andere Mittel gibt

(Udo Pastörs, NPD: Oh!)

wie die Kritik an dieser oder jener Entscheidung des Regierungsmitgliedes oder die Aufforderung, dieses oder jenes zu tun oder eben besser zu lassen.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Bei Minister Brodkorb konnte meine Fraktion auch nach langer und intensiver Diskussion keine Argumente bezie

hungsweise Gründe erkennen, die es rechtfertigen könnten, von einer Rücktrittsforderung abzusehen.

(Heiterkeit bei Vincent Kokert, CDU)

Als Minister eigentlich zuständig für Bildung, Wissenschaft und Kultur erwarben Sie sich schon früh den Ruf eines Ministers für Pleiten, Pech und Pannen.

(Tilo Gundlack, SPD: Woher Sie das wissen?! – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Sehr fundiert, sehr fundiert!)

Sehr geehrter Minister Brodkorb, Sie sind zweifelsohne ein kluger, redegewandter Mensch. Als Minister trafen Sie aber viele, unserer Auffassung nach zu viele unkluge Entscheidungen.

(Udo Pastörs, NPD: Was ist klug?)

Einige waren geradezu töricht.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Sie haben damit der Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Kultur in unserem Land geschadet.

(Zuruf von Tilo Gundlack, SPD)

Ihr Umgang mit der Veröffentlichung des umstrittenen Buches war lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

(Tilo Gundlack, SPD: Ihr Fass! – Zurufe von Andreas Butzki, SPD, und Torsten Renz, CDU)

Ob es die Schülerbeförderung, die Schülergesundheit, Schulabbrecher oder unzählige offene Schulleiterstellen betraf – Schweigen, Chaos oder Aktionismus im Bildungsministerium, Unfrieden bei allen Beteiligten. Und Kritik dazu kam nicht nur von der Opposition, vielfach auch vom Koalitionspartner, und dies öffentlich.

(Vincent Kokert, CDU: Ja, wo denn?)

Und wenn Sie sich dann doch zu einer Kehrtwende aufmachen, wie etwa beim Thema „Schulen in freier Trägerschaft“, dann tun Sie das nicht etwa aus Einsicht oder Überzeugung, Sie tun das erst nach massivem und anhaltendem Druck von außen und auch auf Druck des Koalitionspartners.

(Zuruf von Vincent Kokert, CDU)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, zu all diesen Sachverhalten hat meine Fraktion wiederholt Kritik geübt, Sie zum Handeln aufgefordert, Herr Bildungsminister, oder Alternativen und Lösungsvorschläge unterbreitet. Sie, Herr Minister, haben aber in der Regel die Kritik meiner Fraktion abgewiegelt, ignoriert, bestritten oder das Problem kleingeredet oder Sie haben Abgeordnete der Opposition bei Lehrerinnen und Lehrern öffentlich angeschwärzt, weil diese angeblich zu viele Kleine Anfragen stellten und damit Schuld an einem hohen Verwaltungsaufwand haben.

(Andreas Butzki, SPD: Fragen Sie mal die Schulleiter!)

Sie werden sich auch, Herr Butzki, an die Berichterstattung in der „Ostsee-Zeitung“ erinnern, als an den SPDLandtagsabgeordneten Brodkorb erinnert worden ist, als er noch eine völlig andere Auffassung hatte. „Niemand habe früher“, so heißt es dort, „das Bildungsressort derart mit Anfragen bombardiert wie Brodkorb. So beschwerte sich der damalige SPD-Bildungsexperte Brodkorb am 4. Dezember 2008 vor dem Bildungsausschuss des Landtages bei dem damaligen Bildungsminister Henry Tesch“. Und jetzt hier wieder ein Zitat: „Ich finde es unangemessen und nicht hinnehmbar, dass bei der Beantwortung einer Frage der Hinweis gegeben wird, diese sei nicht sachgerecht. Ich habe wenig Verständnis dafür, dass Ministeriumsmitarbeiter beurteilen, was sie für sachgerecht halten.“ Zitatende. So Brodkorb, als er noch Abgeordneter war.

Und, sehr geehrter Minister, gestern zitierten Sie aus einem Brief einer Schulleiterin an Sie. Davon abgesehen, dass ich es unredlich finde, aus einer an Sie persönlich gerichteten und somit nicht öffentlichen E-Mail zu zitieren, stellt sich für mich die Frage, warum die Schulleiterin ihre wertvolle Arbeitszeit opfert, um sich an Sie zu wenden, obwohl sie eigentlich Frau Oldenburg sprechen will. Und ich finde es schon merkwürdig, Herr Minister, dass Sie offenbar selbst ausgerechnet permanent in der Schule von Frau Oldenburg nachfragen, um sich diese oder jene Hintergründe übermitteln zu lassen. Warum fragen Sie nicht in der Schule von Herrn Butzki

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Macht er doch auch.)

oder in der Schule von Herrn Tesch? Das also, Herr Minister, das alles, Herr Minister, sagt viel über Ihren Charakter,

(Zurufe von der Fraktion der SPD: Oh!)

und das finde ich schäbig, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – Heinz Müller, SPD: Mutige Behauptung!)

Und, meine Damen und Herren, nun könnte man vielleicht meinen, die Linksfraktion hat überzogen

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Das könnte man meinen, in der Tat.)

oder sie stehe mit ihrer Einschätzung allein, als Oppositionsführerin müsse sie ja übertreiben. Dem ist nicht so. Ich möchte nur beispielhaft an einige Äußerungen erinnern, die ausnahmslos vom Regierungspartner CDU kommen, und zwar aus öffentlich zugänglichen Quellen. Ich möchte nicht wissen, was in den Vorstandsprotokollen des CDU-Landesvorstandes alles so drinsteht,

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU – Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE – Heiterkeit bei Andreas Butzki, SPD)

sei es vom stellvertretenen Landesvorsitzenden Eckhardt Rehberg, vom Fraktionsvorsitzenden Vincent Kokert oder den Abgeordneten Marc Reinhardt, Egbert Liskow, Torsten Renz oder, oder, oder.

(Zuruf von Minister Harry Glawe)

Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion, sollte ich jemanden von Ihnen vergessen haben,

(Vincent Kokert, CDU: Wir werden Sie erinnern.)

bitte ich um Nachsicht, so viel Redezeit habe ich leider nicht.

Herr Minister, hier eine kleine Auswahl von Einschätzungen Ihrer Regierungspolitik vom Koalitionspartner, wenn Sie so wollen, Ihre Kopfnoten: „Das Land könne sich eine überdurchschnittliche Quote bei den Schulabbrechern nicht mehr leisten. Aber leider … sei das Risiko, ohne Abschluss die Schule zu verlassen, ,bei uns mehr als doppelt so hoch wie etwa in Bayern oder Hessen‘“, so Herr Kokert im NDR.

(Vincent Kokert, CDU: Ja, na!)

Herr Rehberg meint hierzu: „Trotz Problemerkennung und politischer Zuständigkeit verweigert das Land die Weiterführung“ des „für Mecklenburg-Vorpommern“ so bedeutenden Schulverweigererprogramms „und entzieht sich somit seiner Verantwortung. Es ist beschämend, dass … Herr Brodkorb keinerlei Vorsorge für die Zeit nach der Anschubfinanzierung getroffen“ hat.