Protokoll der Sitzung vom 04.06.2015

(Zuruf von Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die sieben hauptamtlichen Stellen – ich betone nochmals, sage und schreibe sieben Stellen,

(Andreas Butzki, SPD: Wie viele waren das? Ich hab das nicht verstanden. – Zurufe von Dr. Norbert Nieszery, SPD, und Vincent Kokert, CDU)

deren Ausschreibung offensichtlich in ganz Deutschland für Aufsehen gesorgt hat, die überaus große Anzahl an Bewerbungen spricht zumindest dafür –

(Zuruf von Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

sind überdurchschnittlich gut dotiert, das wissen wir.

(Vincent Kokert, CDU: Die Sie schlecht- geredet haben, Tausend Bewerbungen.)

Das ist durchaus ein Schlag ins Gesicht all derer zu werten, die sich tatsächlich ehrenamtlich, also unentgeltlich, für gesellschaftliche Belange, das solidarische Miteinander und den Zusammenhalt einsetzen, oftmals gar ohne jegliche Aufwandsentschädigung. Die Höhe der Ausgaben für die Personalkosten steht in einem deutlichen Missverhältnis zur Höhe der Zuwendungen für die ehrenamtlich geleistete Arbeit zahlreicher Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

(Vincent Kokert, CDU: Das war ja auch nicht Hauptzweck der Stiftung, die Zuwendung. – Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Ja, es ist schon traurig. Dies ist ein großes Ärgernis, wie wir meinen.

(Zurufe von Dr. Norbert Nieszery, SPD, und Martina Tegtmeier, SPD)

280.000 Euro werden allein noch in diesem Jahr aus Landesmitteln für das Stiftungspersonal ausgegeben,

(Zuruf von Manfred Dachner, SPD)

wohingegen nur 242.000 Euro für die tatsächlich ehrenamtlich geleistete Arbeit zur Verfügung stehen.

(Manfred Dachner, SPD: Sie haben das Prinzip überhaupt gar nicht verstanden.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, hierin eine Stärkung und Unterstützung des Ehrenamtes in Mecklenburg-Vor- pommern zu sehen, fällt schon schwer. Wir sehen die Gefahr, dass hier öffentliche Mittel über den Umweg einer Stiftung privatisiert werden, die dann den eigenen Verwaltungsstrukturen der Stiftung zugutekommen. Die ehrenamtlich tätigen Menschen erreichen diese Gelder nicht in dem Maße, wie wir es uns wünschen würden.

(Manfred Dachner, SPD: Was wünschen Sie sich denn?)

Außerdem haben wir die Befürchtung, dass die bereits seit vielen Jahren etablierten Strukturen und Projekte zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements,

(Zuruf von Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

wie zum Beispiel das „Netzwerk freiwilliges Engagement Mecklenburg-Vorpommern e. V.“, die Arbeit vieler Vereine und Verbände und auch die Mitmachzentralen, auf Dauer nicht weiter wie bisher gefördert werden. Sie verdienen es eher, gestärkt zu werden. Deshalb ist es eine berechtigte Frage, ob es nicht effektiver gewesen wäre, die 1,4 Millionen Euro direkt in die bestehenden Strukturen fließen zu lassen

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Genau.)

und so die konkrete Arbeit vor Ort voranzutreiben.

(Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE)

Meine Damen und Herren, auch wir sind der Meinung, dass das Vorgehen der Landesregierung bei der Konstituierung der Stiftung kein Musterbeispiel für demokratisches

Handeln abgibt, unterstützen daher die in Punkt 1 des Antrages formulierte Haltung der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und missbilligen den Prozess.

In der Presse war erst kürzlich die Rede von vergifteter Stimmung im Umfeld der Ehrenamtsstiftung

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja.)

und schmerzlichen Erfahrungen engagierter Menschen,

(Martina Tegtmeier, SPD: Wer hat denn das geschürt?)

von den Befürchtungen einzelner, Repressalien ausgesetzt zu werden,

(Heinz Müller, SPD: Wer hat denn so geredet?)

wenn man sich kritisch gegenüber der Vorgehensweise der Landesregierung äußert

(Heinz Müller, SPD: Wer selber eine Stinkbombe wirft und sich dann über schlechte Luft beschwert!)

und von „viel zerschlagenem Porzellan“ spricht.

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Schauen Sie in die SVZ vom 28. Mai 2015!

(Martina Tegtmeier, SPD: Ja, das haben sie gut hingekriegt.)

Das sind wahrlich keine guten Startbedingungen für das so sehr durch den Ministerpräsidenten persönlich vorangetriebene Projekt.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja, wir warten mal ab.)

Das ist schade, denn auch die Linksfraktion hatte, wie viele andere auch, Hoffnungen und Erwartungen an dieses Instrument geknüpft und sich nicht grundsätzlich gegen eine solche,

(Vincent Kokert, CDU: Schon nach drei Tagen total zerschellt. – Zuruf von Wolf-Dieter Ringguth, CDU)

wenn auch zusätzliche Einrichtung zur Unterstützung des Ehrenamtes ausgesprochen.

(Julian Barlen, SPD: Das ist ja Heuchelei.)

Ein professionelles Agieren hätte der Landesregierung in dieser so wichtigen Angelegenheit ganz gut zu Gesicht gestanden.

(Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE und Silke Gajek, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber eine leise Hoffnung hegen wir dennoch, dass es ab sofort zu Entscheidungen kommen kann, die von Überparteilichkeit geprägt sind. Die Erarbeitung und Vorlage eines entsprechenden Konzeptes bis zum 1. Oktober 2015 halten wir daher für einen guten und notwendigen Schritt, um das beschädigte Vertrauen wieder herzustellen und eine

gute Grundlage für die strategische und inhaltliche Ausrichtung der Stiftung zu schaffen. – Vielen Dank.

(Beifall vonseiten der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Rösler.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Julian Barlen für die Fraktion der SPD.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren!