Lassen Sie mich zusammenfassen: Viele Punkte in Ihrem Antrag sind überflüssig oder überholt, vieles nur Allgemeinplätze. Viel Wichtiges fehlt. Lassen Sie uns im Ausschuss weiter darüber beraten, was wir für die musische, also auch für die musikalische Bildung tun können! Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.
Vielen Dank, Herr Kollege. - Für die FDP-Fraktion hat nun Frau Kollegin von Below-Neufeldt das Wort. Bitte!
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist gar nicht so leicht, einen richtig guten Antrag schlechtzureden. Das kam richtig rüber. Ihre Begeisterung für die Musik kam auch rüber. Dafür schon einmal vielen Dank!
Es ist eine gute Idee, die Erfolgsgeschichte der 16. Wahlperiode fortzusetzen. Es geht hier nicht um mehr Geld, sondern darum, diese Marke „Musik“ deutschlandweit zu verbreiten, ihr mehr Bedeutung einzuräumen und sie bekannter zu machen. Das ist richtig und gut.
Musik erreicht alle Altersstufen, ist generationenübergreifend, integrierend und schließt die Inklusion mit ein. Das ist alles das, was auch Sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. Musik macht auch Spaß, es sei denn, Frau Nahles singt auf der falschen Bühne.
Sie macht auch Heimatverbundenheit aus und schafft Identität. Auch Frau Ministerin Dr. HeinenKljajić hat Ähnliches gesagt, als sie in Leer war, und sie hat die Musik in ihrer Bedeutung ebenfalls herausgestellt.
Nun zum Modell „Wir machen die Musik!“: Frau Ministerin, Sie haben gesagt: Dieses Modell ist so gut. Wenn es nicht schon erfunden worden wäre, müsste man es erfinden. - Deshalb haben Sie zugesagt, dass das Modell „Wir machen die Musik!“ fortgesetzt und auch finanziell abgesichert wird. Das freut mich, und das haben auch viele Kollegen aus dem Landtag gehört.
Nun liegt der erste Entwurf des neuen Landeshaushalts vor. Vor dem Hintergrund dieses Antrags habe ich erst einmal nachgeschaut, wie die Mittelplanung im Bereich Musik aussieht. Enttäuschte Zielgruppen Ihrer Politik machen Ihnen bis jetzt ja
nicht so viel aus; man denke nur an die Demo der 10 000 Lehrer. In diesem Fall aber ist es tatsächlich so: Die Musik ist zurzeit ausfinanziert. Daran werden Sie sich nun messen lassen müssen. Die politische Liste muss ja schließlich auch noch abgebildet werden. Wenn Sie nachher an dem Kleinen sparen, um die Studienbeiträge gegenzufinanzieren, dann haben Sie nur eines verdient: eine Zitrone für gesellschaftliche Ungerechtigkeit.
Der positive Einfluss von Musik ist unbestritten. Musik ist geradezu einer der wichtigsten Impulsgeber für vernetztes Denken, für bessere Lern- und damit Bildungsfähigkeit. Musik zu machen ist mit mentalen und physischen Ansprüchen verbunden. Stimmbildung, Artikulation und Atemtechnik sind Lehrinhalte. Der Antrag ist gut und richtig, unterstützt frühkindliche und schulische Bildung und betrifft damit auch die so wichtige Ganztagsbetreuung in Schulen. Es werden Netzwerke gefördert, und Niedersachsen gibt mit diesem Antrag ein Stück weit den Ton an, wenn dieses Erfolgsmodell auf die Bundesebene transferiert wird. Wenn verschiedene Angebote evaluiert werden sollen, so trifft das ganz und gar meinen Geschmack.
Ich freue mich schon auf die Ausschussberatung. Musik ist ein wichtiges Stück Kultur. Wenn man mit der Musik den Schlüssel zur Kultur erhält, also den Zugang hat, dann muss sich auch niemand mehr Sorgen um die Besucher von Theatern, Museen und Konzerten von morgen machen.
Ich hoffe, dass sich Deutschland ein Stück weit ein Beispiel an unserem schönen Land Niedersachsen und seiner Musik nimmt.
Vielen Dank, Frau von Below-Neufeldt. - Für die Landesregierung hat nun die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Frau Dr. Heinen-Kljajić, das Wort. Bitte!
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als ich den Antrag zum ersten Mal gelesen habe, Frau Kohlenberg, ist es mir ein bisschen so gegangen wie Herrn Bajus. Ich habe gedacht, das ist ein eingeschränktes oder sehr reduziertes Ver
ständnis von dem, was man unter die Marke „Musikland Niedersachsen“ subsumiert. Das ist nämlich mehr als nur musikalische Bildung und auch mehr als nur Nachwuchsgewinnung in der Laienmusik. Dazu gehören unsere Festivals. Dazu gehören die Opernhäuser in Braunschweig, Hannover und Oldenburg. Dazu gehören die Musiktheater in Lüneburg, Osnabrück und Hildesheim. Dazu gehören auch die Göttinger Symphonie oder die NDR-Radiophilharmonie. Dazu gehören vor allem aber auch die vielen Chöre, die wir hier in Niedersachsen haben. Wir haben ja erst heute Mittag eine Kostprobe bekommen.
An der Stelle kann man gar nicht oft genug wiederholen, dass wir, was Chöre angeht, in Deutschland wirklich eine Spitzenposition einnehmen, weil es kaum einen Landstrich gibt, in dem es so viele gerade auch ehrenamtlich organisierte Chöre gibt wie bei uns in Niedersachsen. Die machen einen durchaus sehr wichtigen Pfeiler des Musiklandes Niedersachsen aus.
Was Sie auch ausgeblendet haben, liebe Frau Kohlenberg, ist der Bereich Rock/Pop. Ich glaube, dass dieser Bereich gerade im Zusammenhang mit kultureller Bildung besonders wichtig ist, weil er dadurch, dass er einen erleichterten Zugang zu Jugendlichen hat, hier sicherlich von besonderer Bedeutung ist.
Dass Sie die professionelle Musikszene ausblenden, kann man ja durchaus noch nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann ich aber, warum Sie den Landesmusikrat und die Landesmusikakademie ausgeblendet haben; denn der Landesmusikrat ist der wichtigste Partner, den wir in Niedersachsen haben, wenn es um Musik geht.
Ich fand es schon bemerkenswert, dass Sie den in keiner Weise bzw. nur im Zusammenhang mit den Kontaktstellen am Rande erwähnt haben.
Unter Nr. 1 fordern Sie uns quasi zu einem Bekenntnis zur musikalischen Bildung auf. Ich glaube, an dieser Stelle ist Ihr Antrag - Sie erlauben mir diese Formulierung - tatsächlich überflüssig; denn diese Landesregierung hat sich das Thema „kulturelle Teilhabe“ wie bisher keine andere auf ihre Fahnen geschrieben. An dieser Stelle tragen Sie
Wichtig ist mir an dieser Stelle aber auch - ich glaube, das war auch ein Punkt, den schon Herr Bajus angesprochen hatte; ich will gar nicht unterstellen, dass Sie da nicht meiner Meinung wären; ich glaube, man muss es an dieser Stelle aber noch einmal ausdrücklich sagen -: Musische Bildung ist mehr als musikalische Bildung; denn bei der musischen Bildung geht es auch darum, Kinder und Jugendliche individuell zu fördern. Individuell hat man nun mal unterschiedliche Schwerpunkte oder in diesem Fall unterschiedliche Talente. Ich möchte das an diese Stelle noch einmal ausdrücklich sagen. Ich glaube nämlich, dass man dann, wenn man darüber diskutiert, immer wissen muss, welche Mittel man zusätzlich in den Bereich der musikalischen Bildung stecken oder welchen Stellenwert man musikalischer Bildung geben will. Sie ist sehr wichtig. Sie ist aber auch nur ein Teil des Ganzen.
Es ist auch immer wichtig, grundsätzlich alle Kultursparten mit einzubeziehen, weshalb wir auch die Kooperation zwischen Kulturschaffenden und Schulen grundsätzlich spartenübergreifend ausbauen wollen. Wir haben in diesem Sinne beim LKJ, also beim Landesverband Kulturelle Jugendbildung, noch in dem laufenden Haushaltsjahr eine zusätzliche halbe Stelle eingerichtet, damit das Bundesprojekt „Kultur macht stark“ ordentlich begleitet werden kann und auch Antragsteller hier eine gewisse Unterstützung bekommen.
Die Nr. 2 Ihres Entschließungsantrages lautet sinngemäß: keine Kürzung der Musikförderung. Auch hier, liebe Kolleginnen und Kollegen der Oppositionsfraktionen, kämpfen Sie gegen Windmühlen. Ich weiß, Sie machen das schon seit vielen Wochen. Aber faktisch wird es in diesem Bereich keine Kürzung geben. Ich hoffe, wenn der Haushalt in den Ausschuss eingebracht ist, ist dieses Thema endlich erledigt.
Ich kann hier nur noch einmal wiederholen: Wir werden weder die Mittel für „Wir machen die Musik!“ noch für den Landesmusikrat, noch für die Projektförderung kürzen. Wir stärken den Rock
Dieser Bereich ist unter CDU und FDP aus der institutionellen Förderung herausgefallen. Aus meiner Sicht war dies eine falsche Entscheidung, die wir jetzt wieder korrigieren werden. Zum einen werden wir die Förderung der LAG verstetigen, weil wir auf eine institutionelle Förderung umstellen, und zum anderen werden wir die Fördersumme noch einmal anheben.
Auch das Projekt „Wir machen die Musik!“ setzen wir fort. Ich glaube, nach den Ausführungen von Frau von Below-Neufeldt muss ich dazu nichts mehr sagen. Wo immer ich mit diesem Projekt in Kontakt gekommen bin, habe ich das deutlich gemacht.
Unter Nr. 4 fordern Sie in Ihrem Entschließungsantrag, das Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik!“ - also das, was bereits gut läuft - weiter auszubauen und zu evaluieren. Wie gesagt, dieses Programm ist ein Erfolgsmodell; das steht außer Zweifel. Ich finde, am spannendsten ist dabei der vorschulische Bereich. Dort kann man Kinder in einem Alter erreichen, in dem das aktive Musikmachen noch jedem Spaß macht und man für sich selbst noch nicht die Wahrnehmung hat, ob man dafür talentiert ist oder nicht. Genau das ist eine wunderbare Ebene, auf die man aufsetzen kann, wenn man in diesem Bereich Teilhabe haben oder das Interesse an Musik wecken möchte.
Wir werden das Programm „Wir machen die Musik!“ selbstverständlich auch evaluieren. Das war immer so angedacht. Und dann werden wir sehen, wie wir es fortführen werden.
Wir müssen zunächst schauen, wie es in der Fläche wirkt; denn von dem Ziel, das wir ursprünglich erreichen wollten, sind wir immer noch weit entfernt. Ich will hier gar nicht den Eindruck erwecken, als würde es uns gelingen, das Programm flächendeckend anzubieten. Aber man müsste sich trotzdem einmal ansehen, ob es nicht Unwuchten gibt, die es sich lohnen würde, zu korrigieren. Man müsste sich ferner anschauen, wie die Kooperationen im Einzelnen funktionieren. Und dann müsste man prüfen, wie nachhaltig dieses Programm auf die Kinder wirkt. Erst dann kann man eine Aussage darüber machen, wie das Programm weiter laufen soll. - Ich hoffe, dass wir uns insofern einig sind;
Unter Nr. 5 Ihres Entschließungsantrags fordern Sie, dass das Schulentwicklungsprojekt „Musikalische Grundschule“ als niedersächsisches Projekt fortgeführt wird. Frau von Below-Neufeldt hat das hier eben so dargestellt, als dass der frühere Kultusminister das Projekt aufgesetzt hätte. Aber da muss ich Sie leider korrigieren: Es ist kein niedersächsisches Projekt, sondern ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung.