Protokoll der Sitzung vom 23.10.2014

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Deswegen nochmals - letzter Satz -: Hallo SPD! Nehmen Sie die falschen Entscheidungen zurück! - Mit „Sach- und Rechtslage“ werden Sie die Situation in unseren Schulen nicht wieder in den Griff bekommen.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Herr Kollege, es gibt noch eine Frage des Kollegen Bratmann an Sie. Möchten Sie die zulassen?

Ja, gerne.

Bitte!

Herr Seefried, ich habe eine ganz einfache Frage an Sie als schulpolitischen Sprecher der CDUFraktion: Begrüßen Sie diese Form des Protests? Halten Sie das Absagen von Klassenfahrten und von Schulveranstaltungen für die richtige Form, oder sehen Sie alternative Möglichkeiten?

(Lachen bei der CDU und bei der FDP - Christian Dürr [FDP]: Dass Sie Ihre Poli- tik ändern, das wäre die Alternative!)

Ich muss die Frage gleich zurückgeben, Herr Bratmann: Welche alternative Möglichkeit sehen Sie denn, wie die Lehrkräfte ihren Protest zum Ausdruck bringen bzw. ihre Arbeitszeit ausgleichen sollen, weil Sie angeblich ja die Arbeitszeit nicht erhöhen, sondern nur die Unterrichtsverpflichtung?

(Petra Tiemann [SPD]: Diese Form des Protests ist falsch! - Detlef Tanke [SPD]: Darauf haben Sie keine Antwort! - Un- ruhe - Glocke der Präsidentin)

Es ist der entscheidende Punkt, zwischen Ursache und Wirkung - - -

(Anhaltende Unruhe)

Moment! Der Redner entscheidet selbst über seine Antwort.

Das Schöne ist, dass ich noch 1:46 Minuten habe. Wunderbar!

Der entscheidende Unterschied ist eben der zwischen Ursache und Wirkung. In den Diskussionsveranstaltungen machen Abgeordnete von SPD und Grünen immer wieder deutlich, dass das jetzt eine Maßnahme gewesen ist - das sagen sie selber -, die sie getroffen haben und die möglicherweise das Fass zum Überlaufen gebracht hat, dass einfach die Belastungsgrenze unserer Lehrkräfte überschritten ist.

Wenn Sie aber alle zu dem Ergebnis kommen, dass die Belastungsgrenze unserer Lehrkräfte überschritten ist und man eigentlich nichts mehr draufsatteln kann, dann ist doch die Frage: Wäre, wenn man das alles so wahrnimmt, nicht die politische Reaktion notwendig, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Sie hier politisch gemacht haben?

(Detlef Tanke [SPD]: Also keine Ant- wort! Immer noch keine Antwort!)

Sie haben genau das Gegenteil von dem getan, was Sie in der Öffentlichkeit darzustellen versuchen. Sie haben gesagt: Die Belastung ist schon hoch, da packen wir noch eine Stunde obendrauf. - Wie sollen sich unsere Lehrkräfte dann noch Gehör verschaffen? Wir haben Verständnis dafür, dass die Lehrkräfte dafür werben und dafür eintreten - - -

(Petra Tiemann [SPD]: Auf dem Rü- cken der Kinder!)

SPD und Grüne gehen mit ihnen in einer Art und Weise um, die wir in unserem Land noch nicht gehabt haben.

(Detlef Tanke [SPD]: Jetzt die Ant- wort!)

Nach einem Jahr mit SPD und Grünen in Niedersachsen haben wir eine Situation in den Schulen, wie wir sie in unserem Land noch nicht gehabt haben. Es wird darauf ankommen, dass wir alle jeden Tag daran arbeiten, diese Situation schnell wieder zu ändern.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Detlef Tanke [SPD]: Haben Sie keine Antwort?)

Vielen Dank. - Nun spricht Herr Kollege Scholing, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, zur gleichen Eingabe.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Da muss ich allerdings doch auch noch einmal sagen: Hallo Grüne! - Denn wir haben diese Entscheidung immer mitgetragen.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD - Christian Dürr [FDP]: Ja, das richtet sich auch an die Grünen!)

Ich sage das hier ganz deutlich; ich will mich da überhaupt nicht verstecken.

Zwei Punkte sind mir in diesem Kontext wichtig.

(Unruhe - Glocke der Präsidentin)

Punkt 1: Es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Maßnahme, die wir ergriffen haben, nur aus dem Kontext heraus zu begründen und zu rechtfertigen ist. Sie ist nicht aus sich heraus zu rechtfertigen. Wir haben sie damit begründet, dass die Baustelle Ganztagsschule weggeräumt werden muss, dass aus dieser Baustelle ein zukunftsfähiges, tragfähiges pädagogisches Konzept werden muss. Dazu haben wir entscheidende Schritte gemacht. Dieser Kontext muss benannt werden.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Punkt 2: Es geht in der Petition dieses Mädchens, die ich übrigens in Teilen sehr gut nachvollziehen kann, um das Thema Klassenreisen. Ich sage hier ganz deutlich - auch wenn ich nicht weiß, welcher Kollege, welche Kollegin das hören wird -: Ich halte es pädagogisch für eine wirklich falsche Entscheidung - pädagogisch! -, beim Streichen von Klassenreisen zu bleiben.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Es ist im Übrigen auch nicht zielführend, durch das Streichen von Klassenreisen die Zeit, die die Landesregierung sozusagen weggenommen hat, für die Unterrichtsvorbereitung und Sonstiges zurückgewinnen zu wollen. Dieser Ansatz ist insofern falsch, als Lehrerarbeitszeit nur in ihrer Ganzheitlichkeit zu verstehen ist. Dazu gehören Klassenreisen.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Klassenreisen können auch immer wieder ein wichtiger Beitrag zur Entlastung der Unterrichtstätigkeit sein, weil Schüler auf einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrgenommen werden können. Insofern ist eine solche Unternehmung eine pädagogische Veranstaltung, die entlastende Wirkung haben kann.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Sie nur als Stück Torte zu sehen, das man einfach herausnimmt, ist pädagogisch ausgesprochen fragwürdig. Insofern fordere ich von dieser Stelle die Lehrkräfte auf, in den Dialog mit uns zurückzukehren und diese Maßnahme bitte einzustellen.

Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Einen Moment, bitte, Herr Kollege Scholing! Kollege Thiele möchte Ihnen eine Frage stellen. Lassen Sie diese zu?

Herr Thiele, ich freue mich auf Ihre Frage.

Bitte!

Herr Scholing, wenn Sie die Lehrerarbeitszeit als ganzheitlich bezeichnen und betrachten, dann möchte ich von Ihnen gern wissen, warum sich SPD und Grüne im Ausschuss zweimal auf Antrag der CDU-Fraktion und der FDP-Fraktion und auch hier im Landtag dagegen gewehrt haben, dass wir diese ganzheitliche Erfassung durch eine ordentliche Lehrerarbeitszeiterfassung durchführen, um zu wissen, auf welcher Basis wir die Belastung überhaupt diskutieren können.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Dr. Stefan Birkner [FDP]: So ist es! - Gegenruf von Miriam Staudte [GRÜ- NE]: Haben Sie Herrn Scholing nicht zugehört? Er hat etwas ganz anderes gesagt!)

Herr Thiele, dazu kann ich gern etwas sagen. Zunächst einmal: Diesen Tagesordnungspunkt rufen wir ja noch auf. Dann haben wir noch Möglichkeiten, intensiv auf diese Frage einzugehen. Aber ich kann das auch jetzt schon tun. Ich nehme das aus meinem Wortbeitrag vorweg.

Mittlerweile stellen wir fest, dass die reine Unterrichtstätigkeit in Bezug auf die gesamte Arbeitszeit der Lehrkräfte sinkt. Das heißt, die sonstigen Tätigkeiten, die Lehrkräfte zu tun haben, nehmen spürbar zu.

(Ulf Thiele [CDU]: Und Sie packen immer noch oben etwas darauf!)

Das hat unterschiedlichste Ursachen. Dazu werde ich noch etwas sagen.

Das heißt, das ist der Punkt, an dem wir ansetzen müssen. Das weiß ich schon jetzt, Herr Thiele. Stellen Sie sich vor, das weiß ich jetzt schon. Ich habe jetzt schon eine Menge Ideen, was geschehen kann, um an diese Stellschraube heranzukommen.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD - Jens Nacke [CDU]: Noch mehr Stunden!)