Protokoll der Sitzung vom 21.07.2011

Herr Laumann, wer eine solche Unterstützung von seinen Mitstreitern hat, der braucht keine politischen Gegner mehr.

(Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

Wir wollten Ihnen hier Chance geben, mit uns gemeinsam festzustellen und als Botschaft des Landtags Nordrhein-Westfalen nach Berlin zu senden, dass im Augenblick, was viele Ministerpräsidenten der Union ganz deutlich gesagt haben und was Herr Laumann zutreffend in der „Emsdettener Volkszeitung“ betont hat, keine Spielräume für Steuersenkungen da sind. Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU, dass Sie Ihrem Fraktionsvorsitzenden so in den Rücken fallen, dass Sie das offensichtlich nicht mitmachen wollen, ist, denke ich, dem Herrn Laumann gegenüber nicht fair,

(Zurufe von der FDP: Oh!)

aber es ist sogar ein Bärendienst, den Sie uns hier für das Land Nordrhein-Westfalen erweisen.

(Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

Ich will bezogen auf die pseudowirtschaftswissenschaftliche Argumentation der Angemessenheit von Steuersenkungen in der gegenwärtigen konjunkturellen Situation noch einen kleinen Hinweis, der insbesondere die Kolleginnen und Kollegen der FDP interessieren sollte, loswerden. Wenn der Chef der Bundesbank vor Steuersenkungen warnt, erstens weil dadurch die öffentlichen Defizite massiv nach oben getragen werden, zweitens weil der konjunkturelle Zeitraum dafür total verfehlt ist und drittens weil das die Inflationsgefahr steigern würde, muss es selbst einem durchschnittlichen Liberalen eingängig sein, dass das so und jetzt nicht geht.

(Vereinzelt Beifall von der SPD)

Ich will mit einem Hinweis auf das, was wir Ihnen hier vorschlagen, schließen. Meine Damen und Her

ren, Sie haben zwei Möglichkeiten: Zum einen hat die ehemalige Regierungskoalition die Möglichkeit – bei Herrn Sieveke habe ich da schon ein gewisses Einlenken gemerkt –, bezogen auf die Hotelsteuerproblematik durch tätige Reue und Bekenntnis eines Irrtums tatsächlich ein Signal zu setzen.

(Lachen von der FDP)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, da ich so viel Einsichtsfähigkeit bei Ihnen aber nicht voraussetze, hat der Kollege Börschel Ihnen – zweitens – ein Angebot gemacht, wie wir finden, ein ganz faires Angebot. Sie können hier, wenn Sie schon nicht mit Ihrer Vergangenheit aufräumen wollen, zumindest etwas für die Zukunft tun. Deshalb werden wir hier getrennt abstimmen, liebe Kolleginnen und Kollegen: damit Sie die Gelegenheit haben, insbesondere Sie von der CDU, den Herrn Laumann zu unterstützen, der im Augenblick wohl noch Überzeugungsarbeit seinen maßgeblichen Finanzpolitikern gegenüber leistet.

(Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)

Herr Kollege Körfges, würden Sie jetzt eine Zwischenfrage des Abgeordneten Börschel zulassen?

Ach ja, von dem Herrn Börschel gerne.

(Heiterkeit von der SPD – Zurufe von der FDP: Oh!)

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Körfges, ich will nur fragen, ob Sie angesichts des erheblichen Abstimmungsbedarfs, den die finanzpolitische Spitze der CDU-Fraktion mit ihrem Vorsitzenden hat, bei der Präsidentin gegebenenfalls eine Sitzungsunterbrechung beantragen wollen.

(Allgemeine Heiterkeit)

Ich weiß nicht, wie viel Zeit der Herr Laumann nötig hätte, um seine Finanzpolitiker hier vernünftig zu machen, Kollege Börschel.

(Heiterkeit und Beifall von den GRÜNEN)

Von daher glaube ich, dass die Alternativen klar sind, dass im Himmel mehr Freude über einen reuigen Sünder als über 99 Gerechte herrscht und ich insoweit davon ausgehe, dass die CDU jetzt ihrem Fraktionsvorsitzenden ausnahmsweise mal folgt. Wo der Herr Laumann recht hat, hat er recht.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Deshalb wollen wir genau das, was Sie gesagt haben, Herr Laumann, als Botschaft des Landtages in Richtung Berlin senden.

Die FDP haben wir – das sage ich ganz ehrlich – bei diesem Thema weitestgehend abgeschrieben.

(Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN – Rai- ner Schmeltzer [SPD]: Die Wähler auch!)

Bei der CDU hoffen wir aber auf staatsbürgerliche Verantwortung bezogen auf die Interessen unseres Landes und unserer Kommunen.

(Armin Laschet [CDU]: So ein Buntschwät- zer! – Weitere Zurufe)

Ich darf erinnern – das hat auch Herr WalterBorjans gemacht – an die spektakuläre Verknüpfung, …

Herr Körfges.

… die Sie selber zwischen Landeshaushalt und WestLB-Umstruk

turierung vorgenommen haben. Was vor 14 Tagen für Sie galt, Herr Laschet, das muss auch jetzt noch gelten.

Herr Körfges.

Aber Sie zeichnen sich ja vor allen Dingen dadurch aus, dass Sie hier substanzlosen Krawall veranstalten.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Herr Körfges.

Von daher, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollten wir jetzt zur Tat schreiten.

Herr Körfges.

Ich sehe genug finanzpolitischen Sachverstand in diesem Haus, …

Herr Körfges.

… dass wir das zur Not auch ohne Ihre Hilfe hinbekommen. – Vielen Dank.

(Beifall von der SPD)

Herr Körfges, ich habe jetzt schon fünfmal versucht, Sie zu fragen, ob

Sie eine Zwischen-, jetzt Nachfrage von Herrn Brockes zulassen.

Ich glaube, zur Frage der FDP und zur Finanzpolitik habe ich genügend ausgeführt.

(Beifall von der SPD)

Herr Brockes, wenn Sie wollen, können Sie sich sicherlich in geeigneter Art und Weise bei den Menschen in Nordrhein-Westfalen für Ihre Verirrungen entschuldigen.

(Lebhafter Beifall von der SPD und von den GRÜNEN – Zurufe von der FDP)

Danke, Herr Körfges. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht jetzt Herr Mostofizadeh.

(Unruhe – Zurufe von der CDU und von der FDP)

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die FDP ist geradezu aufgescheucht bei dem Thema. Sie haben eben minutenlang geklatscht. Das macht deutlich: Das ist das letzte Wiederbelebungsprogramm, das Sie auf Lager haben.

Lieber Herr Kollege Sieveke und lieber Herr Schittges, Sie, Herr Kollege Sieveke, haben gesagt, es wären ungelegte Eier. Ich frage mich: Was ist denn dann der Entschließungsantrag der FDP dazu? In dem Antrag wird der Landtag aufgefordert, den Plänen der Bundesregierung zur Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen zuzustimmen. Da müssen Sie sich schon entscheiden. Offensichtlich gibt es unterschiedliche Informationen innerhalb der Fraktionen.