Die Gefahr durch multiresistente Keime verunsichert die Menschen, insbesondere jeden, der sich ärztlich behandeln lässt oder der ins Krankenhaus kommt. Europaweit sterben angeblich ca. 25.000 Menschen jährlich an Infektionen, die mit Antibiotika nicht mehr behandelt werden können.
Als Mediziner hat Herr Dr. Romberg seinen Antrag hier detailliert erläutert. Ich möchte als Nichtmediziner, als Bewohner des ländlichen Raums und als praktizierender Landwirt an diese Thematik herangehen.
Ausgelöst wurde die aktuelle Diskussion durch eine Untersuchung von Hähnchenfleisch durch Umweltverbände. Von 20 untersuchten Proben waren zehn belastet. Heute wurde eine neue Untersuchung des „stern“ bekannt – Sie haben das angesprochen –,
Bei diesem Untersuchungsumfang kann man sicherlich nicht unbedingt von repräsentativen Erhebungen sprechen. Da muss man schon mal fragen: Wo und wann wurde was untersucht? Durch welche Hände ist dieses Fleisch eigentlich gegangen? – Trotzdem ist die ganze Sache natürlich nicht beruhigend. Wir brauchen hier unbedingt belastbare und repräsentative Untersuchungen.
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen startet in diesen Tagen eine umfassende Untersuchung zum Einsatz von Antibiotika – zunächst in Geflügelbeständen und dann in Schweinebeständen. Eingebunden sind über 2.000 Geflügelhalter, fast 40.000 Schweinehalter und 2.000 Tierärzte. Im Sommer dieses Jahres werden wahrscheinlich Ergebnisse vorliegen. Dann werden wir einen Zusammenhang zwischen der Keimbelastung der Tiere, des Fleisches selbst und der damit arbeitenden Personen herstellen können, jedenfalls besser, als das heute möglich ist.
Schon heute ist sicherlich unbestritten, dass Personen, die mit Tieren arbeiten und leben, überdurchschnittlich häufig von multiresistenten Keimen befallen sind. Ebenfalls ist unbestritten, dass auch in der Abluft von Ställen und in Stäuben eine erhöhte Keimbelastung festgestellt wurde.
Vor diesem Hintergrund ist natürlich auch mal die Frage zu stellen – Sie haben es angesprochen, Herr Dr. Romberg: alle werden nicht krank –, ob Personen aus diesem Kreis tatsächlich kranker sind. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Landbewohner kranker sind und öfter ins Krankenhaus müssen als andere.
Was man heute aber mit Sicherheit sagen kann, ist: Eine keimfreie Umwelt hat es nie gegeben und wird es sicherlich auch nie geben.
Meine Damen und Herren, der FDP-Antrag befasst sich hauptsächlich mit den möglichen Ursachen, die aus der Tierhaltung kommen. Die Berücksichtigung der Humanmedizin kommt mir da etwas zu kurz. Nach Untersuchungen ist es doch wohl so, dass nur ein verhältnismäßig geringer Teil der multiresistenten Keime, die in Krankenhäusern gefunden wurden, ursächlich auf die Tierproduktion zurückzuführen sind.
Ein großer Rest ist auf die oft nicht sachgerechte Verwendung von Antibiotika in der Humanmedizin zurückzuführen. Wenn man bei jedem kleinen Schnupfen meint, man müsse Antibiotika nehmen, ist das sicherlich nicht hilfreich.
Im Interesse einer sachlichen Debatte sollte man auch nicht bei dieser einseitigen Sichtweise bleiben. Warum besteht das Problem multiresistenter Keime zum Beispiel in den Krankenhäusern unseres
Nachbarlandes Holland kaum, obwohl der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung dort nicht unbedingt geringer ist? Ich will das jetzt nicht näher kommentieren. Aber es liegt sicherlich auch daran, dass man in den Krankenhäusern der Niederlande ein sehr konsequentes Hygienemanagement verfolgt und die Zahl der MRSA-Fälle dort massiv reduziert wurde.
Meine Damen und Herren, wir sind uns alle einig, dass der Antibiotikaeinsatz in der Fleischproduktion dringend zurückgefahren werden muss.
Dass eine drastische Reduzierung durch ein gutes Management in den Ställen zu erreichen ist, beweisen viele Betriebe schon heute.
Ich stelle außerdem fest, dass Bundesverbraucherschutzministerin Aigner den Einsatz von Antibiotika auf ein absolut notwendiges Mindestmaß beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden deutlich erweitern will.
Diesen Forderungen stimmen wir also zu. Wir sollten die gezielte Verbesserung der Krankenhaushygiene aber ebenfalls nicht aus dem Auge verlieren.
… und wir leben im europäischen Binnenmarkt. Auch deswegen sollte man den europäischen Ansatz nicht vergessen. Das EU-Parlament hat dazu Vorschläge unterbreitet.
chen, und sehe den Ausschussberatungen, bei denen wir hoffentlich erhellende Ergebnisse bekommen werden, …
Vielen Dank. Das war eine relativ lange Überschreitung der Redezeit. – Für die SPD-Fraktion spricht der Kollege Sundermann.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wie soll ich anfangen? Ich habe erst überlegt, ob ich mich dafür bedanken soll, dass Sie den Antrag gestellt haben; denn er schmückt ja ein bisschen die Anträge aus, die wir gestellt haben. Dann habe ich gelesen, welche Kleinen Anfragen Sie schon gestellt haben, und gedacht: Ist es dann notwendig, dass wir hier heute noch mal darüber sprechen? Ihre Ausführungen haben mich nicht unbedingt darin bestätigt, dass es notwendig war. Allerdings haben die Ausführungen des Kollegen Ortgies dann schon ein bisschen dazu beigetragen. Aufgrund dessen möchte ich das eine oder andere an dieser Stelle dazu sagen.
Anfangen möchte ich mit dem ersten Satz Ihres Antrags, der lautet: „Die Verbraucher in NordrheinWestfalen sehen sich mit einer neuen Gefahr konfrontiert.“ Das hört sich gut an, stimmt aber nicht. Es stimmt insofern nicht, als das Bundesinstitut für Risikobewertung die Analysen schon im Jahr 2009 gemacht und auch sehr umfangreich berichtet hat. Das hat nur in der Presse keinen Niederschlag gefunden. Der BUND war da ein bisschen pfiffiger, ich habe das schon im Ausschuss gesagt. Es war aus Marketinggründen sicherlich sehr gut, 20 Proben zu ziehen, eine Analytik drüberzuziehen und dann die Presse in Bewegung zu setzen. Das war schon ganz enorm.
Uns wird oft vorgeworfen, wir würden instrumentalisieren und mit Ängsten spielen, gerade wenn es um Intensivmastanlagen geht. Ich lese den Satz noch mal vor: „Die Verbraucher in Nordrhein-Westfalen sehen sich mit einer neuen Gefahr konfrontiert.“ Ich sehe gerade den Kollege Abruszat. Er würde jetzt so hier stehen
und sagen: Meine Damen und Herren von RotGrün! – Ich muss sagen: 20 Proben sind nicht wissenschaftlich, und auch die Einleitung war es nicht.
Die Einleitung Ihres Antrags ist zumindest ein bisschen wissenschaftlich, vielleicht auch populärwissenschaftlich – so fand ich es zumindest beim ersten Lesen. Aber dann habe ich noch mal Ihre Anfragen gelesen und gedacht: Vielleicht hat er auch von sich selber abgeschrieben. – Aber das ist ja nicht schlecht. Lieber von sich selber abschreiben als von irgendeinem anderen.
Meine Damen und Herren, ich möchte jetzt kurz zu den Forderungen kommen, die Sie aufgestellt haben. Lebensmitteluntersuchungen: Da fällt uns Sozialdemokraten zunächst einmal auf – wir haben die Haushaltsberatung vor der Nase –, dass Sie ein bisschen von dem abweichen, was Sie sonst wollen. Sie sagen immer: Untersuchungen ja, aber Leute geben wir Ihnen nicht. – Sie müssen sich schon entscheiden, was Sie wollen. Die Frage ist auch: Was heißt an der Stelle „engmaschig“ und „veröffentlichen“?
An dieser Stelle lohnt es sich wiederum, beim Bundesinstitut für Risikoforschung nachzuschauen. Denn das BfR muss klären, wie die spezifischen Risiken von resistenten Keimen auf Lebensmitteln zu bewerten sind. Daraus muss eine Rechtsgrundlage entwickelt werden. Aktuell – so habe ich es jedenfalls festgestellt – gibt es diese Rechtsgrundlage nicht.
Die zweite Forderung in Ihrem Antrag betrifft die Emissionen aus Intensivmastanlagen. Auch hier wieder der Verweis auf das BfR: Es gibt einen Forschungsverbund, der Ende letzten Monats sehr intensiv berichtet hat; das haben Sie sicherlich auch gelesen. Die Problematik ist an der Stelle also bekannt.
Im Bericht zur Anhörung des rot-grünen Antrags zu Intensivmastanlagen wird auf den Bericht des LANUV eingegangen. Auf den haben auch Sie verwiesen. Es geht um die Frage: Wie sieht es mit Keimen in der Abluft aus? Da haben Sie zu Recht kritisiert: Bei einer Grundgesamtheit von drei kann man sicherlich nicht von wissenschaftlichen Ergebnissen ausgehen.