Über den Inhalt will ich gar nicht weiter diskutieren. Frau Ministerin Löhrmann, da gebe ich Ihnen recht: völlig absurd. Aber die Sprachwahl ist schon bezeichnend. Wenn ich sie an dieser Stelle einmal aufnehmen darf, möchte ich gar nicht wissen und erfahren wollen, wie viele grüne Funktionärskinder sich hier in Nordrhein-Westfalen an Gymnasien „tummeln“. Ich nehme mal den Begriff tummeln. Wenn wir so anfangen, über Schulformen zu sprechen, dann gute Nacht, Marie!
Ich komme zu einer weiteren Geschichte, die mich in diesem Zusammenhang erschreckt hat. Ich nehme es mal vorweg, Herr Hecke: Ich hoffe, dass Sie an diesem Tag einen schlechten Tag hatten. Sie sind von jungen Philologen nach dem Alleinstellungsmerkmal des Gymnasiums gefragt worden. Ihre Antwort war – ich zitiere –: Am Gymnasium haben wir G8, an der Gesamtschule G9. – Weitere Unterscheidungsmerkmale, so die jungen Philologen, fielen dem Staatssekretär nicht ein. – Wie bereits gesagt, gehe zu Ihren Gunsten davon aus, dass Sie einen schlechten Tag hatten. Aber auch das ist eine indirekte Form der Benachteiligung.
Frau Birkhahn hat vorhin schon von der schleichenden und gefährlichen Entwertung der Abschlüsse an allen Schulformen – nicht nur an der Schulform des Gymnasiums – gesprochen. Da stimmen wir sicherlich mit Ihnen allen überein, wenn wir sagen: Durch entsprechende individuelle Förderung wollen wir die Talente der Kinder bestmöglich entfaltet wissen, damit sie zu bestmöglichen Abschlüssen geführt werden können. Aber das darf nicht dadurch passieren, dass wir die Abschlüsse verschenken und das Niveau immer weiter nach unten schrauben.
Zum Abschluss möchte ich noch Herrn Prof. di Fuccia zitieren, der das Handeln einer Politik, wie Sie sie in Nordrhein-Westfalen betreiben, treffend beschrieben hat. Ich darf zitieren:
„Der wirkliche Mechanismus des sozialen Aufstiegs war und ist der Aufstieg durch Bildung, nicht aber der Aufstieg durch Abschluss.“
Meine Damen und Herren der Regierungsfraktionen, ich sage Ihnen: Handeln Sie nach diesen Ausführungen und sorgen Sie für eine faire Behandlung aller Schulformen und somit auch für eine faire Behandlung des Gymnasiums! Sorgen Sie für den Abbau der Benachteiligung dieser Schulform! – Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin Gebauer. – Für die Piratenfraktion erteile ich Frau Kollegin Pieper das Wort.
Vielen Dank, Herr Präsident. – An dieser Stelle halte ich mich wirklich kurz, Frau Ministerin Löhrmann. Das Interessanteste an dieser ganzen Auseinandersetzung vom letzten Thema zu diesem scheint der Aspekt „Leistung“ zu sein, wie ich das gerade erwähnt habe. Der propagierte Leistungsverfall ist ein weites Feld.
Wir müssen aufgreifen, was wir unter Leistung verstehen. Ich habe das Gefühl, da tun sich hier Gräben auf. Es scheint ganz unterschiedliche Definitionen zu geben.
Zunächst mal müssen wir zu dem Antrag festhalten, dass das Gymnasium die beliebteste Schulform in NRW ist. Das ist unstrittig. Die meisten Eltern wählen diese Schulform für ihre Kinder, und dafür werden sie ganz bestimmt gute Gründe haben. Einer dieser guten Gründe ist sicherlich, dass die Gymna
sien in NRW eine sehr gute, engagierte Arbeit machen und unsere Schülerinnen und Schüler sehr erfolgreich auf das Berufsleben und/oder das Studium vorbereiten.
Zu den Anträgen von CDU und FDP kann ich mich daher den Ausführungen von Frau Keens, der Leiterin eines Duisburger Gymnasiums, nur anschließen. Die Anträge gehen von einer Sorge aus, dass an Gymnasien nicht genug Leistung erbracht wird, die Gymnasien strukturell benachteiligt werden und diese Strukturen einer Weiterentwicklung des Gymnasiums im Wege stehen.
Diese Sorge teile ich nicht. Offensichtlich tun das auch die Eltern in diesem Land nicht. Sonst würden sie die Kinder nicht dahin schicken.
Schauen wir uns mal den Beschlussteil des CDUAntrags an! Dort wird gefordert, dass sich die Gymnasien ihre Schüler entsprechend dem Profil der Schule aussuchen können. Diese Forderung führt meines Erachtens zu einem mehr als intransparenten Auswahlverfahren, weil nicht mehr nachvollziehbar ist, warum bestimmte Schüler genommen werden, andere aber nicht. Ich finde es sehr gewagt, nach der vierten Klasse schon zu sagen, welche Talente eine Schülerin, ein Schüler entwickelt.
Daneben sehe ich es ein bisschen anders als die Kollegin Beer, die sich darüber freut, dass das Gymnasium für Inklusion offen ist. Ich kann diesen Absatz, in dem steht, dass Gymnasien, die auch zieldifferenzierte Inklusion machen möchten, Unterstützung brauchen, so nicht lesen.
Deshalb noch einmal die Frage an die CDU: Ist das so ein bisschen der versteckte Versuch, sich hier in Bezug auf das Gymnasium als einzige Schulform aus der Verantwortung zu ziehen? – Das habe ich nicht richtig verstanden.
Danke schön. – Frau Kollegin Pieper, ich möchte einen Punkt im Antrag der CDU ausdrücklich loben. Dabei geht es um die Debatte, dass am Gymnasium nicht zieldifferent unterrichtet werden kann und unterrichtet werden soll. Das kommt ausdrücklich nicht in dem Antrag vor. Des Weiteren steht ganz deutlich – das wird nicht abgewiesen – etwas von zieldifferentem Lernen darin. Wir haben ja schon andere Debattenlagen gehabt.
Ja, das ist richtig. Das sehe ich genauso. Für mich liest sich das so ein bisschen, als ob das in der Freiwilligkeit des Gymnasiums liegt. Damit habe ich so ein bisschen Schwierigkeiten. Darüber kann man diskutieren.
Noch kurz zum Antrag der FDP, der ja schon in der Überschrift die Benachteiligung des Gymnasiums unterstellt. Diese Meinung teile ich einfach nicht. Ich sehe die strukturelle Benachteiligung nicht. Eine Schule, wie zum Beispiel eine Gesamtschule oder Sekundarschule, die von einem Förderschulabschluss über einen Hauptschulabschluss, über einen Fachoberschulabschluss bzw. über ein Abitur alle Abschlüsse anbietet, hat sicherlich andere Schwierigkeiten und Bedürfnisse als ein Gymnasium, das für sich beansprucht – das fordern Sie ja auch ganz konkret –, nur aufs Abitur vorzubereiten.
Sie, Herr Kaiser, haben das in Ihrem Antrag auch ausgeführt. Sie schreiben: „Ungleiches muss ungleich behandelt werden“. Ja, das sehe ich auch so. Insofern haben die Gesamtschulen und die Sekundarschulen durchaus recht, dass sie eine etwas andere Schüler/Lehrer-Relation haben wollen. Insofern habe ich damit kein Problem.
Ich habe schon im Ausschuss gesagt: Wir haben wirklich verzweifelt nach Argumenten gesucht, uns zu diesen beiden Anträgen zumindest enthalten zu können. Wir haben sie nicht gefunden, und deshalb lehnen wir die Anträge ab. – Danke.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich hatte den Eindruck, Frau Gebauer, dass Sie Frau Voigt-Küppers bewusst missverstanden haben.
Sie haben dann im Rahmen Ihrer Unterstellung – als Frau Beer versuchte, es zu erklären –, etwas zusätzlich missverstanden, weil Sie unbedingt einen Widerspruch aufbauen wollen. Das finde ich gerade in den Bildungsdebatten nicht förderlich.
Unsere Gymnasien sind leistungsstarke Schulen, die bei hoher Bildungsqualität eine zunehmend heterogene Schülerschaft fordern und fördern. Sie haben ihren festen Platz in unserer nordrheinwestfälischen Schullandschaft. Diesen positiven Eindruck, den ich hier abstrakt formuliert habe, bekomme ich auch bei meinen vielen Schulbesuchen. Er wird auch von Professor Baumert den Gymnasien in Deutschland insgesamt attestiert. Der Befund von Professor Baumert – er ist, glaube ich, unverdächtig – lautet wie folgt: Bei gleichem Qualitätsanspruch und dem Halten eines Qualitätsniveaus gelingt es den Gymnasien, mehr Schülerinnen und Schüler zu diesen Ergebnissen zu führen. Und das ist Ausweis von Qualität. – Darüber sollten wir uns alle gemeinsam freuen, meine Damen und Herren!
Diese Einschätzung hat sich aus meiner Sicht auch in der Anhörung im Wesentlichen bestätigt. Natürlich haben die Expertinnen und Experten unterschiedliche Akzente gesetzt. Sie waren sich aber einig, dass die Gymnasien die vielfältigen Herausforderungen mit großem Engagement meistern. Da nehme ich die Inklusion ausdrücklich mit hinzu. Auch die Förderung der Lern- und Leistungsbereitschaft sowie der Leistungsfähigkeit ist von zentraler Wichtigkeit, um die individuellen Potenziale der Schülerinnen und Schüler mit Blick auf das anspruchsvolle Ziel der allgemeinen Hochschulreife zu entwickeln.
Ich verstehe unter Leistungsentwicklung, dass man hohe Ansprüche setzt und dass es darauf ankommt, die Leistungspotenziale der Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu entwickeln und sie individuell zu fördern. Dieser Anspruch gilt aber ausdrücklich für alle Schulformen. Da sollten wir keinen Unterschied machen, meine Damen und Herren!
Es ist schon – da bin ich Frau Pieper, aber auch Frau Birkhahn dankbar – dazu Stellung genommen worden. Frau Birkhahn hat nämlich im Ausschuss ausdrücklich betont, dass es der CDU jetzt nicht darum ginge, zu behaupten – das hätte sie auch nicht getan –, dass durch diese Landesregierung die Gymnasien in irgendeiner Weise systematisch benachteiligt worden wären. Ich bin der CDU ausdrücklich dafür dankbar, dass Sie das hier gesagt haben.
Natürlich fordern die Expertinnen und Experten sowie die Sachverständigen mehr Ressourcen. Das fordern sie für die Gymnasien, das fordern aber auch Vertreter anderer Schulformen für ihre Schulen, wenn Sie sie danach fragen. Das ist doch ganz normal.
In der Expertenanhörung sind der Unterricht und die Kompetenz der Lehrkräfte als die eigentlich entscheidenden Faktoren benannt worden. Dem kann ich nur nachdrücklich zustimmen und auch da wie
der eine Gemeinsamkeit in Bezug auf das, Frau Birkhahn, was Sie hier formuliert haben, feststellen. Auch das, was die Lehrkräfte können sollen, ist klar. Das gilt auch dafür, dass sie Methodenvielfalt anwenden sollen. Frau Birkhahn, Sie kommen aus der Lehrerbildung. Auch das gilt, glaube ich, für alle Kolleginnen und Kollegen an allen Schulformen.
Ich stimme auch der Einschätzung zu, dass der Unterricht an Gymnasien vor der besonderen Herausforderung steht, einerseits die Leistungsspitze zu fördern und zu verbreitern und andererseits die Kultur des Behaltens weiter auszubauen. Dies wurde in einem bereits diskutierten Gesetzentwurf, dem Schulkonsens und der Bildungskonferenz folgend, heute Morgen vereinbart und gemeinsam von den Schulkonsensfraktionen auf den Weg gebracht.
Ich verstehe auch, dass die Experten beinahe ausnahmslos in Zusammenhang mit der Bildungsqualität auch das Thema G8 angesprochen haben. Die Ergebnisse des runden Tisches wurden im Landtag im Dezember bekräftigt. Ich finde, wir hatten letzte Woche im Schulausschuss dazu eine sehr konstruktive Diskussion. Alles ist sozusagen in Arbeit, und wir sind kurz davor, das auch noch einmal im Schulausschuss insgesamt zur Zustimmung vorzulegen.