Mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ haben wir ein systematisches Übergangssystem zwischen Schule und Beruf geschaffen. Gerade hier war das Thema „Geschlechtersensibilität“ ein ganz wichtiger Schwerpunkt. Bei Studienorientierung und Studienberatung haben wir auch erste Schritte gemacht. Wir haben zudem Talentscouts in die Schulen gebracht, die gerade jungen Menschen aus bildungsfernen Milieus zugutekommen. Diese Angebote müssen nun weiterentwickelt und ausgebaut werden.
Ich weiß, Sie sehen es anders, aber wir schätzen die Arbeit der Kompetenzzentren Frau und Beruf sehr hoch ein. Auch die Kompetenzzentren leisten einen wichtigen Beitrag, damit Mädchen und junge Frauen bei der Berufswahl ungewohnte Wege einschlagen.
Einen weiteren wichtigen Beitrag leisten außerschulische Lernorte, die junge Menschen an die MINTFächer heranführen. In meinem Wahlkreis, in Dortmund, gibt es zum Beispiel ein hervorragendes Kindertechnologiezentrum, das auf ganz spannende und faszinierende Art und Weise junge Menschen für Naturwissenschaften begeistert. Solche Einrichtungen müssen wir stärker einbinden und sie mit den notwendigen Ressourcen ausstatten.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Girls’Days und Boys’Days sind gute Aktionen, die helfen, junge Menschen, Eltern und Arbeitgeber aufzurütteln. Sie sind aber bei Weitem noch kein Konzept für eine umfassende geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung. Ihrem Antrag können wir in dieser Form daher leider nicht zustimmen.
Das Abschreiben aus dem Koalitionsvertrag ist für uns kein Konzept. Wir sind doch sehr enttäuscht, dass Sie keine eigenen Ideen zur Weiterentwicklung haben und stattdessen den Regierungsapparat bemühen müssen.
Wir sollten den Antrag dennoch überweisen. Wir möchten Ihnen schließlich nicht die Chance verwehren, Ihre Hausaufgaben noch nachzuholen und uns ein schlüssiges Konzept vorzulegen. – Ich danke Ihnen. Glück auf!
Vielen Dank. – Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die freundliche Zusammenfassung dieses Antrags könnte „dürr“ lauten. Weniger freundlich könnte man allerdings auch „Arbeitsverweigerung“ sagen, wenn man sich die Beschlussfassung anschaut. Dort heißt es:
„Die Landesregierung soll Frauen in ‚Männerberufen‘ und Männer in ‚Frauenberufen‘ fördern. Daher wird sie beauftragt, die Aktionstage Girls‘Day und Boys‘Day mit eigenen Aktionen zu unterstützen und weiterzuentwickeln.“
Ich gehe davon aus, dass sich die Landesregierung derzeit auch schon am Girls’Day und am Boys’Day beteiligt. Zumindest hat die alte Landesregierung das getan. Ich weiß nicht, ob Ihre Landesregierung einen derartigen Nachholbedarf hat. Aber das könnte man auch auf der Arbeitsebene klären, dafür muss man kein so dünnes Papierchen auf den Tisch legen.
Wichtig ist allerdings die Fragestellung, wie wir tatsächlich mit geschlechtersensibler Berufswahlorientierung umgehen. Da ist mehr abzuliefern, als den Girls’Day und den Boys’Day fördern zu wollen.
Ich habe mir beispielsweise einmal in dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums den Anteil der jungen Mütter und Väter an den Auszubildenden angeschaut. Dort kann man leider die recht schlechte Bilanz lesen, dass 50,4 % aller jungen Mütter und
34,1 % aller jungen Väter zwischen 16 und 24 Jahren ohne Berufsabschluss sind, keine Schule besuchen und keine Berufsausbildung machen. Hier wäre ein konkreter Ansatzpunkt, um junge Eltern durch das konkrete Instrument der Teilzeitausbildung zu unterstützen.
Frau Butschkau hat gerade schon darauf hingewiesen, welche Berufe mehrheitlich von Frauen gewählt werden und welche Berufe mehrheitlich von Männern gewählt werden, dass sich Frauen nach wie vor auf relativ wenige Berufe konzentrieren. 75 % aller Frauen wählen aus ungefähr 25 Berufsarten, bei den Männern sind es ein paar mehr. Nach wie vor lässt sich feststellen, dass es viel Luft nach oben gibt, vor allem wenn wir uns anschauen, dass junge Frauen vergleichsweise selten in Handwerksberufe gehen. Da ist auf jeden Fall Luft nach oben.
Mit wem könnten Sie das besprechen? – Das können Sie mit Ihrer Landesregierung besprechen. Es wäre aber sinnvoller, Maßnahmen zusammen mit den Kammern zu planen und zu sagen: Liebe Handwerkskammer, das ist das Potenzial, das ihr heben müsst. Das ist das Potenzial, das eure Betriebe brauchen, um zukunftsfähig zu werden.
Gleichermaßen besteht natürlich auch noch Luft nach oben, wenn wir uns anschauen, dass Männer in erzieherischen, sozialen und gesundheitlichen Ausbildungsberufen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Aber auch da braucht es doch mehr als die warmen Worte, dass Sie mehr Männer in Frauenberufe bringen möchten. Auch da wäre es doch sinnvoll, zu wissen, wie man das eigentlich anstellen möchte. Aber wir bleiben mit Ihnen offensichtlich leider nur auf der appellativen Ebene: Möglicherweise könnte es doch gut sein.
Frau Butschkau hat darauf hingewiesen: Die rotgrüne Landesregierung hat konkrete Maßnahmen ergriffen. Mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und „GenderKompetent“ haben wir Projekte zur Weiterqualifizierung in der Berufswahlorientierung junger Männer und Frauen aufgelegt, was genderbezogene Kompetenzen angeht. Es kommt doch darauf an, dass diejenigen, die in der Berufswahlorientierung wichtig sind – die Lehrerinnen und Lehrer, die Beraterinnen und Berater, sowohl bei den Arbeitsagenturen als auch in der Studienberatung –, Genderkompetenzen haben, damit dort geschlechtersensibel beraten werden kann.
Eines will ich Ihnen noch mit auf den Weg geben, weil es mir zu einfach ist, wenn Sie nur sagen, Sie möchten mehr Frauen in Männerberufen und mehr Män
ner in Frauenberufen: Ich möchte, dass die Menschen einen Beruf nach ihren Fähigkeiten und danach auswählen, was sie interessiert. Das bedeutet aber auch, dass viele Mädchen, die heute einen „klassischen“ Frauenberuf auswählen, in der Konsequenz davor stehen, dass diese Berufe schlechter bezahlt sind und schlechtere Aufstiegschancen bieten.
Wie wäre es, wenn wir gemeinsam die Initiative dafür ergreifen, dass die Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, die gesellschaftliche Wertschätzung erfahren, die Ihnen zusteht, und gleichermaßen auch besser bezahlt werden? Damit würden die hoch wichtigen Tätigkeiten in den sogenannten Care-Berufen endlich aufgewertet.
Damit müssten wir die Frauen für ihre Aufstiegschancen und für ihre Existenzsicherung nicht davon überzeugen, in technische Berufe zu gehen. Damit könnten wir ihnen sagen: Mach, was du möchtest und worin dein Interesse besteht, davon kannst du leben. Das ist unsere Verantwortung, der Sie mit diesem Antrag leider überhaupt nicht gerecht werden.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Verfasst hat das Zitat noch 1989 der Verbrecher Erich Honecker als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED der DDR. Wir alle wissen, dass dieses zweite sozialistische Schreckenssystem auf deutschem Boden nur wenige Monate nach Honeckers Ausspruch zusammenbrach. Letzte Woche jährte sich der Fall der Mauer zum 28. Mal – ein glückliches Ereignis für uns alle.
Man sollte nun glauben, der Staatssozialismus in Deutschland sei damit endgültig auf dem Abfallhaufen der Geschichte entsorgt. Das ist er aber nicht. Das Schreckgespenst des lachenden Sozialismus taucht nun im Gewande des „Genderismus“ erneut auf.
Das Ziel ist dabei dasselbe: Es ist die Gleichmacherei, liebe Kollegen, und es war ein schleichender Vorgang seit 1989, gefördert durch Menschen wie Frau Bundeskanzlerin Merkel, die noch höchstpersönlich in der untergegangenen DDR, sagen wir einmal, „sozialistisiert“ wurde.
Neben Sprach- und Gedankenpolizei und in Bälde durchgegenderten Personalausweisen trifft es erneut unsere Kinder. Ich zitiere aus Ihrem Antrag:
„Sowohl der Girls‘Day wie auch der Boys‘Day stellen einen wichtigen Beitrag zur geschlechtersensiblen Berufsorientierung dar. … Die Landesregierung soll Frauen in ‚Männerberufen‘ und Männer in ‚Frauenberufen‘ fördern.“
Damit, sehr geehrte Damen und Herren der alten Parteien, verfolgen Sie Gleichmacherei unter dem Dogma der Quote.
Gérard Bökenkamp hat recht, wenn er sagt, dass später auf dem freien Markt nicht Geschlechter miteinander konkurrieren, sondern Individuen. Frau Müller beispielsweise konkurriert um einen Aufsichtsratsposten mit Herrn Meier und damit nicht die Frauen dieser Welt mit den Männern dieser Welt.
Frau Müller ist möglicherweise Katholikin, und Herr Meier ist Protestant. Wenn sich Herr Meier gegenüber Frau Müller durchsetzen würde, wäre das natürlich kein Erfolg des männlichen Geschlechts gegenüber dem weiblichen. Ebenso wäre ein Erfolg von Frau Müller kein Triumph des Katholizismus gegenüber dem Protestantismus.