Warum sage ich das? Sind diese Beobachtungen, die jetzt natürlich nur willkürlich auf dieses eine Grundstück bezogen sind, Indikatoren für abnehmende Populationen, für gleichbleibende oder für wachsende?
Wir sprechen uns dafür aus – am 22. November haben wir dank eines ausführlichen Berichtes der Ministerin im Umweltausschuss schon darüber beraten –, den Dingen tatsächlich auf den Grund zu gehen. In diese Richtung geht auch der Antrag der SPD, der vom Grundtenor in die richtige Richtung weist; wir werden darüber noch diskutieren.
Aber Sie können dann der Versuchung nicht erliegen – und das war ja eben auch der Rede von Frau Watermann-Krass zu entnehmen –, dass Sie schon alles wissen.
Ich frage mich: Warum machen wir – als erstes Bundesland übrigens – ein Monitoring an 120 Standorten in Nordrhein-Westfalen, die im sechsjährigen Turnus beprobt werden – also jedes Jahr 20 Standorte –, um die Entwicklung der Insekten nach Masse und Arten genauer beurteilen zu können und darüber Erkenntnisse zu gewinnen? Sie sagen, durch staatlichen Flächenkauf würde das Insektenleben gefördert. Den Zusammenhang, warum sich Insekten auf staatlichem Grund besser fühlen als auf privatem Grund, kann ich nicht nachvollziehen. Die bisherigen Untersuchungen des Krefelder Instituts geben das auch nicht her.
Daher plädieren wir dafür, uns die Dinge genau anzuschauen, ohne Zeitverzug – es geht nicht darum, etwas zu verzögern –, und die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst zu nehmen. Immer wieder wird das Institut aus Krefeld angeführt. Auch da kann man
durchaus zu anderen Interpretationen kommen. Nicht ohne Grund ist die Darstellung der Statistik – nicht die Statistik selber – im vergangenen Monat von einem renommierten Institut in Dortmund zur „Unstatistik des Monats“ erklärt worden.
Wenn Sie nur zwei Bezugsjahre austauschen und sich nicht auf das Jahr 1989 beziehen, als die Untersuchung begonnen hat, sondern auf das Jahr 2016, dann hätten Sie eine gleichbleibende Anzahl von Insektenarten festgestellt. Und wenn Sie zwei Jahre zurückgehen, auf das Jahr 2014, wäre sogar die etwa sechsfache Anzahl von Arten festgestellt worden.
Ich will die Untersuchung gar nicht relativieren, sondern nur sagen: Wir müssen uns die Dinge genau ansehen. Wenn wir die Arten und die Mengen erfasst haben, wissen wir immer noch nichts über die Ursachen. Sie machen es sich etwas zu einfach und geben, wie immer, der Landwirtschaft die Schuld. Da sind wir vollkommen anderer Meinung. Es wird viele Ursachen geben.
Auch im Stadtgebiet von Düsseldorf, wo es so gut wie keine Landwirtschaft gibt, ist der Insektenbestand zumindest gefühlt zurückgegangen, ebenso wie in anderen Städten. Es gibt keine monokausalen Ursachen und sicher auch keine monokausalen Lösungen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Insektensterben beschäftigt uns alle. Niemand ignoriert die Warnungen von Naturschützern und Forschern. Die Landesregierung hat deshalb am 17. November einen ausführlichen Bericht dazu vorgelegt und startet ein systematisches Insektenmonitoring, weil wir uns natürlich für einen nachhaltigen Schutz einsetzen.
Das Thema ist jedoch zu ernst und zu komplex für einseitige und schnelle Schuldzuweisungen. Dafür reicht die aktuelle Datengrundlage nicht aus, und auch die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Deshalb begrüße ich in dem Antrag der SPD den Einsatz für den Schutz der gesamten heimischen biologischen Vielfalt.
Besonders heben Sie auch Fische hervor. Ich setze in dem Zusammenhang schon einmal auf Ihre Unterstützung für ein vernünftiges Kormoranmanagement. Hier haben nämlich einseitige und emotional aufgeladene Positionen fast zum Verschwinden einiger
Das ist einer der Gründe, warum ich vor einseitigen Schuldzuweisungen warne, so wie wir sie hier im Haus und vor allem im Bund gerade beim Thema „Glyphosat“ erlebt haben und erleben.
Im Rahmen der so viel beachteten Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld lohnt auch ein Blick in die Umgebung eines der Standorte der Studie, nach Orbroich bei Krefeld, wo es den großen Rückgang gegeben hat. Dort gibt es seit einigen Jahren ein großes Naturschutzgebiet. Es besteht heute aus Wald und Grünland. Früher gab es dort noch Ackerland; dieses wurde aber von den Naturschutzbehörden in Grünland umgewandelt. Seit rund 15 Jahren wird dort auch keine Viehhaltung mehr betrieben, weil das Grünland in Magerwiesen umgewandelt werden sollte. Damit entfallen auch die Kuhfladen, welche bekanntlich eine wichtige Brutstätte für Insekten sind.
Das Grünland wird regelmäßig geschnitten und das Heu abgefahren, damit die Wiesen nährstoffärmer werden. Das ist so gewollt. Mit dem Heu werden natürlich auch viele Insekten abtransportiert. Mit den Nährstoffen, die man nicht will, verschwinden viele Blühpflanzen, die für Insekten wichtig sind, zum Beispiel der Löwenzahn.
Wie in vielen Naturschutzgebieten hat sich dafür dort mit dem Jakobskreuzkraut eine sehr giftige Pflanze breitgemacht – eine Pflanze, die seit Jahrhunderten von Landwirten in Schach gehalten wurde, weil schon geringe Mengen der Pflanze im Futter ausreichen, um Vieh verenden zu lassen.
In Naturschutzgebieten ist eine effektive Bekämpfung jedoch untersagt. Der Honig, den zum Beispiel Bienen dort produzieren, darf nicht verkauft werden, er muss vernichtet werden. Auch die Larven der Bienen werden durch den Giftstoff massiv geschädigt.
Während der letzten Jahre wurden dort von der Naturschutzbehörde mit Baggern mehrere künstliche Erdsenken angelegt, in denen sich Regenwasser zu Tümpeln sammelt. Am Rande dieser Tümpel leben nun eingewanderte Nutrias, die neben Pflanzen gerne auch Insekten und Larven verzehren.
Natürlich hat sich auch die Landwirtschaft rund um das Gebiet verändert. Gülle und Mist sind nicht mehr ganzjährig verfügbar, sondern werden in geschlossenen Behältern gelagert, dann nach Vorschrift innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums ausgebracht und innerhalb weniger Stunden in den Boden eingearbeitet. Dort kommen Insekten nicht mehr mit der Gülle
Das war nur eine kurze Beschreibung der Situation vor Ort. Sie ist natürlich nicht abschließend, und sie soll auch gar nicht werten. Sie soll nur dazu dienen, dafür zu sensibilisieren, wie viele unterschiedliche Einflüsse es in unserer Umwelt gibt, was bei einer solchen umfassenden Debatte zu berücksichtigen ist und dass einseitige und zu schnelle Schlussfolgerungen dem Anliegen des Insektenschutzes schaden würden.
Ich freue mich deshalb auf eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Debatte im Ausschuss. – Vielen Dank.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Diekhoff, manchmal denke ich, dass man über Dinge reden sollte, von denen man eine Menge versteht, und bei Dingen, von denen man nicht so viel versteht, besser schweigen sollte.
(Beifall von den GRÜNEN – Dr. Christian Blex [AfD]: Warum reden Sie dann hier? – Zuruf von Dietmar Brockes [FDP] – Lachen von der FDP)
Diese Weiden werden extra erst nach Mai gemäht, um genau dafür zu sorgen, dass die Pflanzen erst einmal ausblühen und Insekten Nahrung bieten. Danach werden sie vom Landwirt geschnitten – mit dem Nachteil, dass der Futterwert natürlich geringer ist.
Ich empfehle Ihnen: Besichtigen Sie mal, bevor Sie solche Allgemeinplätze raushauen, ein Naturschutzgebiet. Schauen Sie sich das an; denn der Zustand ist nicht so, wie Sie ihn dargestellt haben.
Ich möchte zum eigentlichen Thema kommen. Wir alle haben seit mehreren Jahren Untersuchungen einzelner Arten auch hier in Nordrhein-Westfalen vorliegen: über die Bestände von Hummeln, über die Entwicklung der Bienenbestände. Jetzt kam noch die
Untersuchung aus Krefeld dazu, die über drei Jahrzehnte darstellt, wie der Bestand zurückgegangen ist.
Herr Deppe, man kann natürlich viel kritisieren, und das ist ja auch passiert. Wenn Sie auf „top agrar online“ nachschauen, sehen Sie, dass die Untersuchung in, meiner Meinung nach, ziemlich fieser Art und Weise heruntergemacht worden ist. Diejenigen, die die Studie betreiben, sind als Hobbyforscher bezeichnet worden. – Nein, das haben Sie nicht gemacht.
Da sind jede Menge Diplom-Biologen tätig, die das in ihrer Freizeit weitermachen, die das, wofür wir vielleicht nicht genügend Gelder bereitstellen, zu ihrem Hobby erklären und Insektenforschung betreiben. Vielleicht wäre es die Aufgabe des Staates, das zu ermöglichen. Ich finde, diesen Menschen gebührt ein Dankeschön dafür, dass sie diese Forschung über drei Jahrzehnte gemacht haben. Nur deshalb haben wir die Ergebnisse.
Wenn wir den Befund, dass es 75 % weniger Insekten gibt, mal in Relation zu dem setzen, was bei den Vogelbeständen passiert ist – da haben wir eine bessere Datengrundlage, weil dort auch Ehrenamtliche, Naturschutzverbände, die Ornithologen-Gesellschaft usw. schon seit sehr langer Zeit Daten erheben –, kommen wir zu ziemlich ähnlichen Zahlen. Ob Kiebitz oder Uferschnepfe, auch bei diesen Tieren haben wir einen Rückgang von etwa 70 %.
Wir können also festhalten: Das Insektensterben reiht sich nahtlos ein in das, was wir an Befunden zu Feldvögeln haben.
Es ist deshalb gut, dass die SPD diesen Antrag heute einbringt. Es ist auch richtig, dass wir noch einmal genau schauen, wo die konkreten Ursachen liegen. Woran liegt es, dass die Insekten sterben? Herr Deppe, ich unterstütze Sie, wenn Sie sagen, dass wir den Dingen auf den Grund gehen müssen.
Es kann aber nicht sein, dass wir nur jahrelang forschen, forschen, forschen und diese Legislaturperiode mit der Forschung nach Ursachen quasi verplempern. Dazu ist die Lage, glaube ich, zu dramatisch.
Wir sind jetzt aufgerufen, die Indizien ernst zu nehmen. Es gibt natürlich starke Hinweise darauf, wo die Ursachen liegen könnten.