Kinder sollen Freude am Lernen haben und nicht schon im Alter von zehn Jahren nach dem Motto Daumen hoch oder Daumen runter für oder gegen das Gymnasium reduziert werden.
Wir haben die völlig unnötige Hürde, die die Schulartempfehlung für viele Bildungskarrieren darstellt, durch etwas weit Besseres ersetzt: Die Eltern werden informiert und beraten, sie werden über die stärker und schwächer entwickelten Kompetenzen ihres Kindes aufgeklärt und erhalten so eine Grundlage für eigenverantwortliche Entscheidungen ohne die völlig unnötige Vorgabe der Grundschule darüber, welchen Bildungsweg ihr Kind einschlagen soll. Auch für den Fall, dass sich diese Entscheidungen als Irrtum erweisen sollten, haben wir eine Reihe von Möglichkeiten zur Korrektur, um der Entwicklung des einzelnen Menschen Rechnung zu tragen.
Der Gesetzentwurf der FDP wurde im Bildungsausschuss in einer Anhörung selbstverständlich einer Prüfung unterzogen, die wenige Überraschungen erbracht hat. Die Usual Suspects haben sich auf die Seite geschlagen, auf die sie sich immer schlagen. Etwas überraschend für uns waren die Stellungnahmen von zwei Landesschülervertretungen, die zwar die Wiedereinführung der Schulartempfehlung unterstützt, aber dies gleichzeitig durch erhebliche Einschränkungen relativiert haben, die mit dem Konzept der FDP unvereinbar sind.
Es wird Sie nicht wundern, dass wir auch in zweiter Lesung Ihre Gesetzesinitiative ablehnen werden. Hier zuzustimmen hieße, den gesamten Bildungsdialog, den wir seit 2012 geführt haben, als sinnlose Zeitverschwendung für hunderte, gar Tausende von Menschen in die Tonne zu treten.
Die Küstenkoalition ist für den Schulfrieden. Wir haben im Vergleich zu unserer Maximalprogrammatik erhebliche Abstriche gemacht. Wir haben gesagt - ich sage es hier gern noch einmal -, dass eine Abschaffung der Gymnasien definitiv nicht auf unserer Agenda steht. Ich will ergänzen: Dasselbe gilt für die Förderzentren. Wir haben die G-9-Gymnasien nicht gezwungen, gegen ihren Willen auf G 8 umzusteigen. Wir haben die Notengebung in die pädagogische Eigenverantwortung der Grundschulen gestellt, statt zwingende Vorgaben zu machen, wie die FDP das wollte.
Wir stehen zum Schulfrieden. Wenn die FDP das anders handhaben möchte, stelle ich Ihnen, Frau Kollegin Klahn, gern anheim, dass Sie die Frage der Schulartempfehlung zum Gegenstand einer Volksinitiative machen, wie Sie das mit anderen schulpolitischen Initiativen mit bekanntem Erfolg getan haben. Viel Glück dabei!
Ich bitte um Zustimmung zur Beschlussempfehlung des Bildungsausschusses und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die FDP will künftig allen Neun- und Zehnjährigen auf den Kopf zusagen, welchen Abschluss sie in fünf bis neun Jahren erreichen werden. Das ist wirklich hanebüchen, meine Damen und Herren.
Es geht also nicht um eine Schulartempfehlung, sondern es geht eigentlich um eine Lebenswegprognose für Viertklässler. Das ist komplett verrückt!
Frau Franzen wirft uns Ideologie vor. Frau Franzen, ich nenne Ihnen ein paar Argumente. Mir fällt auf, dass auf den, der in Diskussionen auf jemanden zeigt und den Vorwurf der Ideologie erhebt, mindestens drei Finger zurückzeigen.
Die Stressstudie - sie ist vor einem Jahr erschienen - macht deutlich, dass die Ausgestaltung der Schulartempfehlung für unglaublichen Stress auch in den Familien der Grundschulkinder, der Viertklässler sorgt. In Bayern zeigen sich in 50 % der Familien Stresssymptome. In Hessen, wo es so ähnlich geregelt ist wie hier, betrifft es 25 % der Familien. Das ist viel zu viel. Wir wissen, dass 7 % der elfjährigen Jungs Ritalin nehmen.
Unser Ziel war also, den Druck aus den Grundschulen herauszunehmen. Ansporn, nicht Angst! Das bringt ein besseres Lernklima. Das ist auch besser für die Leistung.
Wir wissen, dass die Prognosen oft falsch sind. Wir wissen auch: Es gibt eine soziale Verschiebung. Wir wissen, dass es für Schüler mit den Namen Kevin oder Karim bei gleicher Leistung im Vergleich zu Schülern mit dem Namen Karl noch immer viel unwahrscheinlicher ist, eine gute Empfehlung zu bekommen. Das ist keine Legendenbildung. Schau
en Sie sich an, was Bildungsforscher aus Kiel wie Herr Professor Köller - ich könnte weitere Wissenschaftler nennen - in den letzten Jahren dazu auf Grundlage der Bildungsforschung bewiesen haben. Das ist wirklich keine linke Speerspitze.
Wir haben uns zu Folgendem entschieden: Natürlich wollen wir den Rat der Lehrkräfte weiterhin einbeziehen. Aber wir wollen, dass dies mündlich und nicht schriftlich geschieht. Ich konstatiere, dass es auch im zweiten Durchgang bei den Viertklässlern nicht überall reibungslos geklappt hat. Ich glaube, dies hat zwei Gründe: Zum einen sind viele Lehrkräfte noch immer unsicher. Sie fragen sich: „Was darf ich eigentlich konkret empfehlen?“ Aber ich weiß auch von vielen Lehrkräften - diese äußern sich nicht so laut -, die sagen: „In vielen Bereichen bin ich selbst unsicher. Ich kann nicht sagen: Ja oder Nein, schwarz oder weiß. Ich bin froh, dass ich dieses Kreuz für die Empfehlung nicht mehr setzen muss; ich brauche ein differenziertes und umfängliches Gespräch.“
Dass die Entscheidung - ja oder nein - nicht so einfach ist, das haben auch Sie gemerkt. Deswegen haben Sie sich für eine Krücke entschieden. Sie haben sich nicht für eine Schulartempfehlung ausgesprochen, sondern wollen eine Prognose, welchen Schulabschluss ein Kind später erreichen wird.
Frau Franzen: Es ist unfair zu behaupten, dass wir im Ausschuss nicht darüber geredet hätten; es gab eine schriftliche Anhörung. Frau Klahn hat sich aus wichtigen politischen Gründen entschuldigt, war bei einem anderen wichtigen parlamentarischen Termin und hat sich in der Sitzung von einem Nicht-Politiker vertreten lassen.
- Ich meinte einen Nicht-Bildungspolitiker. - Dass dann nicht in die Tiefe gegangen wurde - - Alles andere wäre schlechter Stil gewesen. Das möchte ich hier deutlich machen. Deswegen ist Ihr Vorwurf unfair.
Ich möchte auf die gute Absicht des FDP-Entwurfs eingehen. Die FDP gibt zu bedenken, dass an den Gymnasien inzwischen andere Schülerinnen und Schüler sind. Damit macht sie deutlich, dass sie blind für alles andere als den gymnasialen Abschluss ist. Die Schülerschaft hat sich tatsächlich
Frau Klahn, ich glaube, der Kern Ihrer Aussage ist möglicherweise, dass Sie sagen, einige Kinder seien auf dem Gymnasium nicht glücklich. Selbst wenn die Eltern dieser Kinder vorher beraten würden und es eine intensive Förderung der Kinder gäbe, haben Sie den Eindruck, diese Kinder blieben auf dem Gymnasium und blieben unglücklich. Das ist der einzig gute Punkt, den ich in diesem Gesetzentwurf, der ansonsten schlecht ist, erkenne.
Aber um in diesen Einzelfällen zu helfen - ich habe in der letzten Zeit mit mehreren Schulleitungen gesprochen -, wollen Sie allen Kindern in der vierten Klasse auf den Kopf zusagen, wo die Kinder mit 15 oder 18 Jahren landen werden. Dieser Preis ist viel zu hoch. Das passiert zu einer wirklich wichtigen Phase, wenn sich die Viertklässler selbst entdecken und selbst finden: „Wer bin ich eigentlich?“.
Das ist total hinderlich. Das ist falsch. Das ist ein viel zu hoher Preis. Es gibt gute Gesetze wie den Gesetzentwurf, über den wir vorhin gesprochen haben, und es gibt schlechte Gesetzentwürfe; der vorliegende Gesetzentwurf ist ein schlechter. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein Beitrag wird nicht unbedingt besser, wenn er laut vorgetragen wird, Kollegin Erdmann.
Meine Damen und Herren, der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule ist für jedes Kind ein ganz wichtiger Schritt in seiner Schullaufbahn. Von daher ist es nur natürlich, dass sich Eltern frühzeitig mit der Frage beschäftigen, welche Schulform für ihr Kind die richtige sein wird. Viele Eltern wünschen sich, über diese Frage frühzeitig gemeinsam mit den Lehrkräften zum Wohle ihres Kindes zu beraten.
Diesen Wunsch greift unser Gesetzentwurf auf. Wie die Stellungnahmen zeigen, gibt es eine breite Mehrheit - bei den Eltern, den Schülern und der
Lesen Sie die Stellungnahmen, auf die Herr Vogel verwiesen hat, die Stellungnahme der Landesschülervertretung, vom Landeselternbeirat für Grundschulen, von den Förderzentren etc.
Es mag sein, dass Ihnen der Inhalt dieser Stellungnahmen nicht gefällt. Aber wenn Sie hier äußern, Sie wollten Schulfrieden, dann beschäftigen Sie sich auch mit den Argumenten derjenigen, die gute Ideen haben, die aber nicht unbedingt mit Ihren Vorstellungen übereinstimmen.
Herr Abgeordneter Arp, wir haben das Problem, dass Ihre Stimme so durchdringend ist, dass man sie überall hört.