Eine Neuordnung der Lehramtsstudiengänge ist unbestritten notwendig. Die Vorgängerregierung hatte sie angepackt. Die neue Landesregierung möchte aus unserer Sicht einen leider politisch motivierten Weg gehen, den wir nicht gutheißen können. Man hört von vielen Gesprächsterminen. Auch Sie haben gerade bestätigt, es laufen derzeit sehr viele Gesprächstermine mit den Universitäten in Kiel und Flensburg. Die Frage der Neuordnung der Lehrerausbildung ist, glaube ich, keine Frage, die nur mit den Universitäten besprochen werden muss, sondern die auch mit den Lehrerverbänden besprochen werden muss. Die großen Bedenken der Lehrerverbände müssen Sie zur Kenntnis nehmen. Da wäre wirklich ein Dialog gefragt.
Die Argumente, die Sie auch heute hier wieder für das geplante Modell genannt haben, rechtfertigen aus unserer Sicht diese doch sehr umfassende Reform nicht, weil die negativen Auswirkungen auf
das Gymnasien aus unserer Sicht zu groß sind. Wir können uns gern über die Inhalte der einzelnen schulartbezogenen Studiengänge unterhalten. Den Wunsch nach mehr Praxisbezug können wir nachvollziehen. Auch die stärkere pädagogische Komponente finden wir richtig. Manchmal habe ich das Gefühl, da wird Pädagogik mit Didaktik verwechselt.
Wenn sich die Schulformen in Schleswig-Holstein in den letzten Jahren so deutlich verändert haben, wie sie es haben, muss natürlich auch das bei der Lehrerausbildung stärker berücksichtigt werden. Das teilen wir. Wir sind aber der Auffassung, dass das schulartbezogen erfolgen muss. Denn es macht natürlich einen großen Unterschied, ob man Lernstoff an einer Gemeinschaftsschule oder an einem Gymnasium vermitteln soll. Insofern, glaube ich, muss das stärker in die Ausbildung einbezogen werden.
Das Grundproblem bleibt bestehen, und die Befürchtungen werden Sie auch heute nicht ausgeräumt haben. Sie machen an dieser Stelle Schulstrukturpolitik auf sehr subtile Weise. Dieses Problem werden Sie auch mit Ihrem Bericht nicht gelöst haben. Die Lehrerausbildung muss sich an den bestehenden Schulformen orientieren und nicht andersherum, Frau Ministerin.
Meine Damen und Herren, es wird immer deutlicher, die Gymnasien werden von dieser Landesregierung bestenfalls geduldet, aber leider nicht fair behandelt.
Es gibt schon jetzt zahlreiche Beispiele, an denen man das ablesen kann. Sie sorgen leider für große Unruhe an den Schulen. Wir haben uns in den letzten drei Jahren teilweise hoch emotionale Redebeiträge anhören müssen. Da wurden sehr viele Krokodilstränen vergossen, da wurde dem Kollegen Ekkehard Klug vorgeworfen, er würde für große Unruhe an den Schulen sorgen. Das mögen Sie so sehen. Die Frage ist nur, das scheint Ihnen bei Ihrer Schulpolitik doch nicht so wichtig zu sein. Auch jetzt haben wir große Unruhe an den Schulen. Dieses Problem haben Sie mit Ihrer Politik leider nicht gelöst.
- Frau Erdmann, ich lasse keine Zwischenfrage zu. Ich habe keine Lust, mich wie schon eben wieder für das Abstimmungsverhalten von FDP-Mitgliedern in Gemeindevertretungen entschuldigen zu
- Herr Eichstädt, ich glaube, dass Sie das interessiert. Sie sind ein immer interessierter Typ. Kollege Eichstädt, vielleicht interessiert Sie auch, dass Sie sonst immer vor Alleingängen Schleswig-Holsteins warnen. An dieser Stelle machen Sie einen Alleingang. Ich glaube, das wird das Lehramtsstudium in Schleswig-Holstein nicht attraktiver machen.
Dem CDU-Antrag werden wir zustimmen. Wir haben zwar unsere Bauchschmerzen mit dem letzten Satz, Kollege Günther, aber wir werden diesem Antrag zustimmen, nicht aus alter Verbundenheit, sondern weil wir konstruktiv mit Anträgen von den Fraktionen umgehen und weil wir der Auffassung sind, dass die Lehrerausbildung auch in Zukunft schulartbezogen sein muss. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will, bevor ich der Ministerin für ihren Bericht danke, der FDP ganz herzlich dafür danken, dass sie diesen Berichtsantrag gestellt hat. Wenn ich ehrlich bin, wir haben uns im August über dieses Thema im Landtag unterhalten, und da haben die regierungstragenden Fraktionen einen Antrag gestellt, der auch eine Mehrheit gefunden hatte, mit dem die Ministerin darum gebeten wurde, ein entsprechendes Gesamtkonzept vorzulegen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in diesem Antrag gestanden hat, dass die Ministerin dieses Konzept am Rande des Buffets in der Mittagspause des Hochschulkongresses vorstellt, sondern ich hätte mir schon gewünscht, dass sie dieses Konzept dort präsentiert, wo es hingehört, nämlich hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag.
Die Wahrheit ist - ich war beim Hochschulkongress dabei -: Es war mitnichten so, dass das, was die Ministerin da vorgestellt hat, irgendwie Ergebnis dieses Kongresses gewesen ist. Da ist mit keinem Wort darüber gesprochen worden. Vielmehr kam es ihr so in den Sinn, etwas zu diesem Thema zu sa
gen. Das kennzeichnet, finde ich, Ihre Politik, die Sie in Schleswig-Holstein machen. Dialog findet immer nur dort statt, wo Sie es wichtig finden, wo vielleicht die Menschen es in unserem Lande wichtig finden, dass sie beteiligt werden, setzt die Landesregierung überhaupt nicht auf Dialog.
Sehr verehrter Herr Kollege Günther, können Sie sich vorstellen, wie ein Wissenschaftsminister Klug, der netterweise wieder im Raum ist, reagiert hätte, wenn es Zeitungsberichte über Befürchtungen an einzelnen Standorten gegeben hätte, mit denen der Regierung alles Mögliche unterstellt worden wäre? Wäre dann die Antwort Ihrer Meinung nach gewesen, dazu zu schweigen und gar nichts zu sagen? Hat die Ministerin nicht das Recht, falschen Vorhaltungen etwas entgegenzusetzen und ihre Überlegungen öffentlich darzustellen?
Herr Stegner, ich kann mir das nicht vorstellen. Herr Klug kann sich das sicher auch nicht vorstellen, weil er nie Wissenschaftsminister in diesem Land war.
Frau Ministerin, Sie haben unglaublich viel Vertrauen verspielt und Misstrauen gesät, insbesondere an der Universität in Flensburg. Es ist nicht anders zu deuten, dass im Senat der Universität Flensburg ein Antrag vorliegt, den Herr Professor Reinhart, der Ihr Nachfolger dort ist, gestellt hat. Dabei geht es genau um den letzten Punkt, bei dem die FDP ein bisschen Bauchschmerzen hat zuzustimmen. In diesem Antrag wird die Landesregierung explizit aufgefordert, das Akkreditierungsverfahren fortzusetzen. Das schreiben sie doch deshalb dort hinein, weil sie Bedenken haben, dass das fortgesetzt wird. Sonst würde die Universität das doch gar
Schuld daran ist das von Ihnen angerichtete Chaos in diesem Bereich. Frau Wende, zu dem im Koalitionsvertrag erwähnten Stufenlehrermodell sagen Sie öffentlich, dass es vorne und hinten nicht funktioniere. Umgekehrt kanzelt der Kollege Habersaat Ihren Vorschlag, den Sie jetzt gemacht haben, öffentlich als ein erstes Rohmodell ab.
Der Herr Innenminister und der Herr Wirtschaftsminister, die ich im Grundsatz für vernünftige Menschen halte - ich habe nicht von guten Ministern, sondern von vernünftigen Menschen gesprochen -, haben in den Bereichen, in denen im Koalitionsvertrag Murks vereinbart worden ist, ihre Schlüsse daraus gezogen und Veränderungen herbeigeführt.
- Kommunales Haushaltskonsolidierungsgesetz. Ich könnte noch andere Sachen auch aus dem Verkehrsbereich nennen. Ich traue Ihnen die Einsichtsfähigkeit in diesem Bereich allerdings nicht zu. Der Landtag muss Sie in diesem Augenblick stoppen, weil Sie in diesem Bereich nicht die erforderliche Einsichtsfähigkeit haben. Sie werden sich nicht nur eine blutige Nase holen, sondern Sie geben im Moment auch noch Vollgas.
Frau Ministerin, Ihr Ziel des Einheitslehrers - lieber Kollege Vogt, ich nenne ihn auch so, weil er nämlich einer ist - ist falsch, weil ein Land, das zukünftig noch Gymnasien haben wird, wenn wir Ihnen Glauben schenken dürfen, selbstverständlich auch ausgebildete Gymnasiallehrer braucht. Kaum ein anderes Bundesland macht das anders. Warum sollen wir dann in Schleswig-Holstein diesen Weg gehen?
Ich halte Sie übrigens auch für einen vernünftigen Menschen. Ihre Ausführungen kann ich an vielen Stellen inhaltlich aber nicht teilen.
Wenn Sie sagen, dass es weiterhin Gymnasien gebe und es deswegen auch weiterhin Gymnasiallehrer geben müsse, wie ist dann zu erklären, dass die Große Koalition damals Gemeinschaftsschulen und Regionalschulen eingeführt hat, die entsprechende Lehrerausbildung aber nicht reformiert hat?
- Diese Frage hätten Sie Frau Ute Erdsiek-Rave stellen sollen, die zu diesem Zeitpunkt Ministerin war und in der Verantwortung stand.
Ich will allerdings nicht schönreden, dass wir dieses Thema zu lange vor uns hergeschoben haben, Frau Kollegin Erdmann. Ich will das nicht schönreden. Das hat viel zu lange gedauert. Die Konsequenz daraus, dass wir das damals nicht gemacht haben, kann aber doch nicht sein, dass wir heute nicht das umsetzen, was wir beschlossen haben, nämlich dass wir die Lehrerausbildung an den Schulen orientieren, die wir bei uns im Lande haben. Das muss doch die richtige Konsequenz sein.