Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vieles wurde schon gesagt, nur nicht von jeder. Ich will aber auch nicht alles wiederholen.
Ich will mich zunächst einmal bedanken, Heiner Rickers. Ich freue mich, dass wir mit diesem Antrag Zustimmung finden. Ich freue mich auch, dass Zustimmung gefunden hat, erst einmal von einer Vielschichtigkeit des Problems auszugehen. Das trifft auch das, was wir denken. Niemand hat im Moment die Lösung.
Aber das Bienensterben ist so dramatisch und nimmt solche Ausmaße an, dass Handeln dringend überfällig wird und dass wir die Imkerinnen und Imker damit nicht alleine lassen - nicht nur Peter Harry Carstensen. Wir wollen auch die anderen unterstützen.
Zwei Dinge wurden angesprochen: Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind sich viele Wissenschaftler einig - nicht bis ins Detail oder mit letzter Sicherheit -, dass dieser zumindest mit ursächlich für das Bienensterben sein kann.
Dann wurde das mangelnde Nahrungsmittelangebot in unserer Kulturlandschaft angesprochen. Der Kolibri wurde genannt, den wir vielleicht aufgrund des Klimawandels hier demnächst haben werden, aber noch nicht haben.
Das hat damit zu tun, dass wir immer weniger Sorten Pflanzen anbauen - nicht nur im Garten, sondern insbesondere auch Nutzpflanzen. Diese Bienen brauchen Blumen. Das haben wir alle gelernt. Frau Eickhoff-Weber hat es uns schon eindringlich erklärt; das muss ich nicht wiederholen.
Genau diese Vielfalt müssen wir in unserer Landschaft wieder herstellen. Das kann man in seinem Garten tun. Das kann man mit Blühstreifen an Straßenrändern machen. Aber wir müssen es vor allem auch in der Landschaft tun.
Da - ich konzentriere mich auf diesen Punkt, um nicht alles zu wiederholen, was schon gesagt wurde - wünsche ich mir, dass man im Rahmen der Veränderung, der Erneuerung, der Modernisierung der Agrarpolitik und der Landnutzung zu einer größeren Diversität käme. Das Greening, Herr Rickers, wäre eine wunderbare Gelegenheit. Man könnte dort Blühstreifen und Leguminosenanbau unterbringen. All das würde Bienen und anderen Insekten nutzen.
Ich vernehme, dass das Greening aus Reihen der Agrarlobby - ich nenne das jetzt allgemein - immer mehr zu einem Green Washing degradiert und diese Chance vertan wird. Aus meiner Sicht sägen sich die Bauern einen Ast ab, auf dem sie heute schon nur höchst unsicher sitzen.
Ich möchte abschließend darauf hinweisen, welche Artenvielfalt an Bienen und bestäubenden Insekten wir im Land hatten. Dann wird vielleicht auch die Dramatik deutlich, wenn wir über das Bienensterben sprechen.
Die Rote Liste der Wildbienen und Wespen in Schleswig-Holstein - der letzte verfügbare Stand ist von 2001 - nennt für Schleswig-Holstein sage und schreibe 612 Arten Wildbienen und Wespen - niemand von uns hier hätte das geahnt -, davon sind al
Die Aufstellung der Liste ist jetzt zwölf Jahre her. Ich könnte mir vorstellen, dass der Artenrückgang mittlerweile dramatisch zugenommen hat. Deswegen wäre es notwendig, nicht nur direkt etwas für die Honigbienen oder für die wildlebenden Bienen zu tun, sondern wir alle sollten darüber nachdenken, ob wir anders wirtschaften und leben müssen. Vielen Dank.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich möchte die Gerüchte gleich im Keim ersticken und bekanntgeben, dass ich den Kollegen Oliver Kumbartzky vertrete. Ich habe nicht die Bienenpolitik in meiner Fraktion an mich gerissen.
Aber ich denke, das ist vorübergehend erst einmal okay. Ich komme zum eigentlichen Thema dieses Tagesordnungspunktes.
Wir sind uns alle einig, dass wir Bienen schützen wollen. Bienen sind wertvolle Nutzinsekten und für unser landwirtschaftlich geprägtes Land von enormer Bedeutung; die Kollegen haben es gesagt. Das Bienensterben in ganz Europa in den vergangenen Jahren muss uns alle aufhorchen lassen.
Es ist daher richtig, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung seit 2010 gemeinsam mit den Bundesländern das Deutsche Bienenmonitoring finanziert, um eine gute wissenschaftliche Grundlage zu erhalten, welchen Einfluss zum Beispiel Pflanzenschutzmittel auf Bienenvölker haben und welche Rückstände im Honig verbleiben.
Allein im Jahr 2012 wurden im Rahmen des Monitorings 1.105 Bienenvölker von 110 Bienenständen untersucht. Im Monitoring soll neben dem Einfluss von Pflanzenschutzmitteln aber auch geklärt werden, ob es andere Gründe für das Bienensterben gibt. So werden auch Daten über Parasitenbefall wie durch die Varroamilbe erhoben, der den Bienenstock so weit schwächen kann, dass viele der befallenen Bienenvölker den Winter nicht überstehen.
Gegen diese Milbe wird seit Jahren das Mittel Akarzid verwendet, das im Monitoring nachgewiesen wurde. Der Einsatz von Arkazid ist nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen unverzichtbar, um die Überlebenschance des Bienenstocks zu erhöhen.
In den Ergebnissen der letzten Jahre konnte keine bienentoxische Konzentration von Pflanzenschutzmitteln in Pollen nachgewiesen werden, aber dennoch waren relativ viele Proben durch unterschiedliche Mittel belastet.
Daher wird es wichtig sein zu untersuchen, ob das Vorhandensein verschiedener Pflanzenschutzmittelrückstände in Pollen zusammen nicht zu einer kombinatorischen oder chronischen Wirkung der Mittel führt. Es sollten also keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Herr Dr. Stegner, das sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen.
Vielmehr sollten zunächst die abschließenden Erkenntnisse abgewartet werden, bevor über ein endgültiges Verbot von Neonicotinoiden - ich wusste, dass ich das Wort nicht richtig aussprechen kann entschieden wird.
Die zwei Jahre des Moratoriums müssen daher dazu genutzt werden, um zu beobachten, ob ein Verbot eine positive Auswirkung auf die Bienenpopulation hat. Es muss jedoch auch betrachtet werden, inwieweit sich durch das Verbot von Neonicotinoiden jetzt habe ich es geschafft
der Einsatz von anderen Pflanzenschutzmitteln verstärkt. Wir sollten dieses Thema auf jeden Fall noch einmal im Ausschuss beraten. Dem Koalitionsantrag können wir auch gern schon heute zustimmen.
Auch die FDP-Fraktion hält es für wichtig, dass sich Schleswig-Holstein aktiv am Bienenmonitoring beteiligt, sodass vernünftige Daten über die Anzahl von Bienenvölkern und ihren Zustand zustande kommen.
Dennoch dürfen wir unsere Landwirte bei all dem nicht vergessen. Sollten die zwei Jahre des Moratoriums in Bezug auf die Neonicotinoide keine neuen Erkenntnisse bringen, muss den Landwirten im Zweifel wieder die Möglichkeit gegeben werden, diese Insektizide zu nutzen. Das zweijährige Verbot darf nicht ohne wissenschaftliche und fachliche Begründung als dauerhaftes Verbot weitergeführt werden.
Trotzdem sollten wir im Bereich der Landwirtschaft auch nach Alternativen zu den Insektiziden suchen und versuchen, den Einsatz möglichst gering zu halten beziehungsweise sogar zu vermeiden.
Am Ende muss das Ziel sein, den Schutz der Bienen zu gewährleisten und den Landwirten trotzdem ihre Handlungsfreiheit zu lassen.
Landwirtschaft und Imkerei sind in einem gewissen Umfang voneinander abhängig. Eine gegenseitige Information und eine gute Kooperation bringen für beide Seiten Vorteile. Dazu gehört auch die gegenseitige Anerkennung der Erfordernisse von Pflanzen- und Bienenschutz.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. Das ist ein wichtiges Thema. Insofern sollten wir es weiter im Ausschuss beraten. Herr Dr. Stegner, vielleicht haben Sie auch Zeit, dazuzukommen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Der starke Rückgang der Bienen ist kein Phänomen, das sich allein auf SchleswigHolstein erstreckt, sondern weltweit gehen die Bestände der Bienen dramatisch zurück.
Die Gründe dafür sind unterschiedlich, wenngleich noch nicht komplett erforscht - aber häufig von Menschenhand gemacht. Der Verlust von Nahrungsflächen, der Einsatz von Pestiziden, der Befall durch Milben und andere Parasiten sowie Krankheiten machen den Bienen seit einigen Jahren schwer zu schaffen.
jüngst die EU-Mitgliedstaaten mehrheitlich für ein Teilverbot von drei umstrittenen Pestiziden ausgesprochen, und es wurde ein EU-weites Verbot für drei Mittel erlassen. Die Sperre gilt zunächst für zwei Jahre und soll wissenschaftlich begleitet werden, bevor die Maßnahme erneut auf den Prüfstand kommt.
gelten als ein Auslöser des Bienensterbens, weil ihnen nachgesagt wird, die Bienen in ihrer Orientierungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Sie können sich nicht mehr um den Nachwuchs kümmern. Zudem haben die Mittel Auswirkungen auf das Immunsystem.
Die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturflächen und der Verlust von Blühpflanzen bedeuten für die Bienen einen Verlust von Nahrungsflächen. Zwar finden sie in der Zeit der Obstblüte noch genug Nahrung, aber danach wird es eng. Bei den Imkern ist bundesweit bereits eine Landflucht zu verzeichnen, weil das Nahrungsangebot für ihre Bienen in den Städten mittlerweile größer ist als auf dem Land.