Protokoll der Sitzung vom 20.11.2013

(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Steht da auch etwas zur Kastration?)

- ja, Herr Stegner, indirekt schon -,

(Zurufe)

in den Sie hineingeschrieben haben:

„Wir werden gemeinsam mit den Tierschutzverbänden und den Kommunen nach Wegen suchen, die Tierheime zu entlasten.“

(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Ja, das steht da drin!)

Das hätte die Landesregierung im Hinblick auf die Kastration von Katzen seit eineinhalb Jahren tun können, aber sie hat nichts getan. Sie hat auf Anfragen und Anträge vor einem Jahr bekanntgegeben, dass sie ein Faltblatt veröffentlichen wird.

(Beifall PIRATEN und Dr. Heiner Garg [FDP])

Ein Faltblatt! Als PIRAT finde ich das richtig gut. Das ist nach langem Zögern sogar inzwischen elektronisch eingestellt und nach Aussage von Staatssekretärin Nestle in einer Auflage von 5.000 Stück für das ganze Land erstellt worden. 5.000 Flyer gegen die Not von 75.000 wildlebenden Katzen!

(Zurufe: Für jede Katze ein Flyer! - Heiter- keit)

Als wir unseren zweiten Runden Tisch mit Tierschützern, Jägern und anderen hatten, ist uns gesagt worden: Das kann nicht ernst gemeint sein. Die Druckkosten für 5.000 Flyer machen ungefähr 100 € aus, und 100 € kostet die Kastration einer Katze. Da können wir von der Landesregierung nicht einmal erwarten, dass sie die 100 € spendet, um eine Katze zu kastrieren.

(Zurufe)

(Minister Reinhard Meyer)

Es gibt die 75.000 Katzen ohne Halter. Eine Katze ohne Halter erreichen Sie mit Ihrem Faltblatt nicht.

(Beifall, Heiterkeit und Zurufe)

Es wäre natürlich fantastisch, wenn eine wildlebende Katze Ihren Flyer nähme, zum Tierarzt ginge und freiwillig sagte: Hier bin ich, kastriert mich, und wenn ihr könnt, gebt mir einen Zuschuss dazu!

(Beifall, Heiterkeit und Zurufe)

Aber das wird nicht eintreten. Deswegen haben wir die Initiative ergriffen. Es wird keinen überraschen, dass für gute Modellprojekte wie vom Kreis Nordfriesland ehrenamtliches Engagement nicht reicht. Durch eine öffentliche Debatte konnten wir erreichen, dass Menschen anfangen zu handeln. Neulich Abend klingelte bei mir ein verzweifelter Nachbar und sagte: „Ich habe eine wildlebende Katze eingefangen. Frau Beer, was sollen wir jetzt machen? Fahren Sie damit zum Tierheim?“ Da habe ich gesagt: „Lassen Sie uns erst einmal gucken.“ Es war mein eigener Kater, und der ist kastriert.

(Beifall PIRATEN - Dr. Heiner Garg [FDP]: Haben Sie den selber kastriert? - Heiterkeit und weitere Zurufe)

- Nein, ich habe schon dafür gesorgt.

Es gibt die Diskussion über eine Kastrationsverordnung. Das würde bedeuten, dass wir von den Haltern verlangen, ihre Katzen zu kastrieren. Ich bin durchaus dafür, aber wir müssen auch fragen, was wir mit den Haltern machen sollen, die sich eine Kastration finanziell nicht leisten können. Das ist auch eine soziale Frage. Die populistische Forderung daraufhin lautet allenthalben: Dann sollen sie die Katzen einfach abgeben. Aber was heißt das? Sie geben sie entweder im Tierheim ab, wenn sie sie nicht kastrieren können, töten sie - das kommt nicht selten vor, auch das ist strafbar -, oder sie setzen sie aus, und dann sind wir wieder bei der Vermehrung von wildlebenden Katzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sehe, die Zeit drängt. Ich möchte zum Schluss noch einmal darauf aufmerksam machen: Eine Katze bekommt im Jahr ungefähr 35 Junge, wenn sie nicht kastriert wird. Je länger wir in den Ausschüssen diskutieren, desto mehr Katzen werden wir haben. Fassen Sie sich ein Herz, seien Sie nicht so ablehnend wie Herr Matthiessen! Herr Matthiessen, sorgen Sie dafür, dass die Gebührenordnung für Tierärzte verändert wird, dass die umsonst oder zu einem geringeren Preis kastrieren können! Es gibt viele Möglichkeiten. Ich freue mich auf die Debatte und die Ausschussberatung.

(Beifall PIRATEN - Zurufe)

Herr Abgeordneter Hauke Göttsch von der CDUFraktion hat das Wort.

(Unruhe)

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der PIRATEN behandelt ein sehr emotionales Thema. Für mich gehört dieser Antrag in den zuständigen Ausschuss und nicht in den Landtag, auch wenn es ein einschneidendes Ereignis für die Katzen ist.

(Vereinzelter Beifall, Heiterkeit und Zurufe)

Frau Beer, trotzdem herzlichen Dank dafür, dass Sie sich dieses Problems mit den Katzen angenommen haben, das schon lange nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern in unserem ganzen Land besteht und medial breites Interesse gefunden hat.

Grundsätzlich sind wir uns einig. Aber das Problem fängt dann an, wenn sich Bürger und Bürgerinnen eine Katze oder überhaupt ein Tier anschaffen. Die Haltung des Tieres ist eine große Verantwortung. Darüber müssen sich viele mehr Gedanken machen.

(Vereinzelter Beifall PIRATEN)

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit gibt es viele, die die Überlegung haben, sich ein Haustier oder eine Hauskatze anzuschaffen. Wenn sie dann nach Neujahr oder zum nächsten Urlaub der Katze wieder die Freiheit schenken und sie in unserer Natur ist, ist das für mich kein Kavaliersdelikt.

(Zuruf Angelika Beer [PIRATEN] und Dr. Kai Dolgner [SPD])

Frau Beer, Sie haben es bereits gesagt: Wir haben in Schleswig-Holstein circa 75.000 wild lebende und somit auch wildernde Katzen. Wenn eine Katze einen Nahrungsbedarf von 200 g hat, sind das bei der Anzahl 15 t Nahrung.

(Heiterkeit - Beifall CDU, vereinzelt SPD und FDP)

Wir sind in der glücklichen Lage, dass viele wild lebende Katzen auch gefüttert werden, aber der Schaden in der Natur ist immens, gerade bei unseren Singvögeln.

(Heiterkeit - Unruhe)

(Angelika Beer)

- Ich finde, dass das ein ernstes Thema ist.

(Beifall)

Bundesweit, so sind die Hochrechnungen, gibt es etwa 2 Millionen Katzen. Bei der Rate der Vermehrung wären wir in zehn Jahren bei über 240 Millionen Katzen

(Johannes Callsen [CDU]: Wie viele Ton- nen?)

ein Horrorszenario, nicht nur für uns Jäger, sondern für alle naturliebenden Menschen.

(Dr. Heiner Garg [FDP]: Aber manche gehen ja auch von uns! - Heiterkeit)

Es muss jetzt gehandelt werden,

(Beifall Johannes Callsen [CDU] und Dr. Heiner Garg [FDP])

da es jetzt schon ein Riesenproblem in Tierheimen ist; denn 90 % der Plätze sind meist mit Katzen belegt. Ein Anfang wäre da die Kastrationspflicht, zumindest schon einmal bei der Anschaffung einer Hauskatze.

Der Landesregierung kann ich keine Nachlässigkeit vorhalten. Ich muss sagen, dass dieses Faltblatt hervorragend ist. Alle haben es hoffentlich gelesen. Es lag draußen aus. Es könnten natürlich ein paar mehr sein. Hoffentlich kommt es bei den entsprechenden Leuten an.

(Vereinzelter Beifall SPD)

Es soll nicht die wild lebenden Katzen ansprechen, sondern es soll Menschen ansprechen, die eine Katze haben.

(Heiterkeit und Beifall CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es gibt aber auch einfache erprobte Lösungen - Aktionen in den Kommunen -: Die wild lebenden Katzen fängt man in Lebendfallen, bringt sie zur Katzenhilfe, und dort werden sie - natürlich unter Betäubung - kastriert, aber wir müssen sie auch kennzeichnen und danach freilassen.