Liebe Kollegin Beer, ich denke, dass Sie mit Ihrem Antrag den Minister nicht zum Jagen tragen, sondern offene Türen einrennen, im Übrigen nicht nur bei dieser Landesregierung, sondern - auch das wurde schon gesagt - ebenfalls und schon sehr früh bei den Vorgängerlandesregierungen, als man noch nicht erwartet hat, dass sich der Wolf häufiger in Schleswig-Holstein aufhalten würde. Man muss tatsächlich darüber nachdenken, ob es zu Rudelbildungen kommen wird. Damals hatte man noch ganz andere Vorstellungen davon. Schon damals wurde das Wolfsmanagement eingerichtet und hat, wie gesagt, bis heute gute Arbeit geleistet.
Weil vieles Grundsätzliche bereits gesagt wurde, möchte ich auf ein paar Punkte eingehen, die Herr Göttsch genannt hat. Herr Göttsch, ich kann Ihren Vorwurf in Bezug auf den Minister, er habe die Schafhalter alleingelassen, vor allem den einen Schafhalter, den Sie angesprochen haben und der in der Tat eine schlimme Situation mit dem Wolf überstehen musste, überhaupt nicht nachvollziehen. Minister Habeck ist direkt zu ihm hingefahren. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann gab es sofort und unmittelbar Hilfe für diesen Schäfer, was zum Beispiel das Einzäunen anging. Das ist schnell und unbürokratisch erfolgt. Sie insinuieren, man hätte sozusagen selber initiiert, dass es zu diesem Übergriff gekommen ist. Das kann ich in keinster Form stehenlassen.
- Das wurde insinuiert, auch mit der Märchenstunde von PHC, dass irgendwelche Wölfe ausgesetzt werden.
Der Vorwurf, der hier im Raum stand, es werde nichts gemacht, ist in keinster Weise substanziiert worden. Das ist vollkommen richtig. Das haben Sie selber gut erkannt. Aber er wird insinuiert. Ich denke, Sie wissen, was das heißt.
Im Übrigen ist mit der Übernahme des Wolfsmanagements ins LLUR, mit der zusätzlichen Stelle und der Wiederaufnahme der Gespräche am Runden Tisch sowie mit der großen Veranstaltung vor zwei Tagen hier in Kiel deutlich gemacht worden, dass dieses Thema von jedem sehr ernst genommen wird und dass auch die Ängste und Sorgen - wie ich finde, zu Recht - sehr ernst genommen werden. Ich
finde sie auch vollkommen legitim. Man sollte sich nicht darüber hinwegsetzen und sagen: „Die Leute haben alle keine Ahnung. Der Wolf gehört hierher.“ Ja, er fragt nicht danach, ob er hierher kommen darf. Er kommt, und damit ist er hier. Damit müssen wir umgehen. Aber es bedarf einer Menge Aufklärung, damit die Menschen über das Verhalten und die Biologie der Wölfe aufgeklärt werden. Man muss sozusagen erst wieder lernen, in gewisser Weise den Lebensraum mit diesem wilden Tier zu teilen. Das ist dringend nötig. Dafür brauchen wir keine weiteren Märchenstunden. Dafür brauchen wir endlich Aufklärung und einen offenen Dialog.
Ein letztes Wort zu der Frage, ob der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden soll: Auch da erleben wir eine Märchenstunde. Es wird so getan, als ob das die Lösung des Problems wäre. Eine solche Aufnahme wäre verfassungswidrig. Sie verstieße gegen EU-Artenschutzrecht. Sie ist also schon rechtlich gar nicht machbar. Das ist also eine wohlfeile Forderung.
Sie haben eben nicht recht, Herr Göttsch, wenn Sie sagen, dass der Meldeweg zu lange dauert. Es würde noch länger dauern - das ist Ihnen alles gesagt worden, ich weiß nicht, wie häufig, und Sie könnten es auch schriftlich bekommen -, wenn man den Wolf im Jagdrecht verankern würde, weil dann die Kaskade von Meldungen quasi eine doppelte wäre. Der Weg, bis man zu einer Lösung käme, wäre doppelt so lang.
Ich finde es vollkommen unangemessen, hier immer wieder die gleichen Märchen zu erzählen. Noch einmal: Aufklärung tut not, und es ist wichtig, dass wir selber so viel Distanz zum Wolf halten, dass der Wolf Distanz zu uns hält. Damit wäre, glaube ich, allen gedient. Mit solchen komischen Zusammenfügungen, wie sie hier immer wieder versucht werden, ist niemandem gedient. - Danke schön.
lität: Der Wolf ist wieder da. Es ist zweifelsohne ein großer Erfolg der Bemühungen im Natur- und Artenschutz, dass in Deutschland wieder Wölfe leben.
Man muss sich im Klaren darüber sein, dass der Bestand weiter steigen wird, auch in SchleswigHolstein. Schließlich ist der Wolf sehr anpassungsfähig, und er hat keine natürlichen Feinde.
Nach den jüngsten Vorfällen - insbesondere dem in Schierensee - ist auch klar, dass wir bei uns in Schleswig-Holstein eine ehrliche und sachliche Debatte darüber führen müssen, wie wir mit den Wölfen umzugehen haben. Zu einer ehrlichen Debatte gehört eben auch die Frage, ob Schleswig-Holstein ein geeigneter Lebensraum für Wölfe sein kann. Natürlich brauchen wir eine Debatte über diesen Punkt. Man darf hier nicht ausblenden - das tun die PIRATEN in ihrem Antrag leider -, dass Schleswig-Holstein das waldärmste Bundesland ist und dass wir hier ein engmaschiges Straßen- und Wegenetz, weiträumige Weidehaltung und viel Naturtourismus haben. Das alles dürfen wir in dieser Diskussion nicht vergessen.
Meine Damen und Herren, das vor einigen Jahren eingerichtete Wolfsmanagement war aus damaliger Sicht absolut richtig. Den ehrenamtlichen Wolfsbetreuern gebührt selbstverständlich Dank und Anerkennung.
Aber wir müssen uns den neuen Gegebenheiten stellen, das vorhandene Wolfsmanagement kritisch überprüfen und weitere Maßnahmen ergreifen. Das hat der Umweltminister zumindest teilweise erkannt, leider - es ist schon gesagt worden - ein bisschen spät. Er hätte früher auf den einzigen Wolf hören sollen, der sprechen kann, nämlich Wolf von Schenck, der sich heute im „Hamburger Abendblatt“ mit den Worten zitieren lässt:
Kollege Göttsch sagte, dass Minister Habeck nichts getan habe. Ich will es anders ausdrücken: Sie wirken zumindest doch sehr hilflos, Herr Minister.
(Dr. Heiner Garg [FDP]: Zahm! - Wolfgang Kubicki [FDP]: Zurückhaltend! - Heiterkeit Lars Harms [SSW])
Meine Damen und Herren, es ist doch jetzt die Aufgabe der Landesregierung, die Sorgen von Schäfern und anderen Nutztierhaltern sowie die Ängste der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen. Dass es diese Ängste gibt, dürfen wir nicht ausblenden.
Erstens. Die Landesregierung muss ihre Informationspolitik zum Thema Wolf deutlich verbessern. Da bin ich ganz auf Ihrer Seite, Frau Kollegin Redmann. Wir brauchen schnell aktuelle Hinweise und Informationen für alle Menschen, die mit dem Wolf in Kontakt treten könnten. Das gilt sowohl für Wanderer und Hundehalter als auch für die Jäger und Landwirte. Nur durch aktive Aufklärung können Vorurteile und Ängste gegen Wölfe abgebaut werden.
Zweitens. Es bedarf klarerer Regelungen für Prävention und Schadenersatz. Gerade der Schadenersatz muss unbürokratisch, schnell und vollständig erfolgen. Wolfsangriffe auf Schafherden belasten den Schäfer und seine Familie nun einmal enorm, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch mental.
Die langen Wartezeiten für den Wolfsnachweis strapazieren die Geschädigten zusätzlich. Dieses Verfahren muss deutlich optimiert werden.
Drittens ist folgende Frage zu beantworten: Wie ist mit einem Wolf umzugehen, der spät nachts nach einer Kollision mit einem Fahrzeug am Straßenrand liegt und mit dem Tode ringt? Wer erlöst dieses Tier? Sollten hier, meine Damen und Herren, nicht die gleichen Regeln gelten wie bei anderen Wildtieren auch? - Ich finde, der Umweg über das Ministerium beziehungsweise einen Amtstierarzt kann nicht tierschutzgerecht sein, Frau Fritzen. Es kann doch nicht sein, dass erst lange Meldestränge durchlaufen werden und Ferndiagnosen via Telefon erfolgen müssen, ehe jemand mit Sachkunde und Genehmigung vor Ort ist.
Wir sollten wirklich offen und ehrlich eine Debatte darüber führen, ob man den Wolf ins Jagdrecht überführt - selbstverständlich unter ganzjähriger Schonung. Ich halte es wirklich für falsch, die Aufnahme ins Jagdrecht von vornherein auszuschließen. Ich finde es gut, dass wir jetzt eine Anhörung
im Umweltausschuss durchführen werden. Da können wir diese Frage klären. Ich finde es falsch, von vornherein zu sagen: Nein, das wollen wir nicht.
Dazu gehört natürlich auch die Frage: Wie gehen wir mit verhaltensauffälligen Wölfen um, die keine Scheu haben? - Auch hier könnte die Jägerschaft Unterstützung leisten.
Meine Damen und Herren, um es zusammenzufassen: Die alleinige Zuständigkeit einiger Wolfsbetreuer ist wirklich kritisch zu überprüfen. Eine Einbindung der Jägerschaft wäre angebracht, und sie wird ja auch angeboten. Auf dieses Angebot zu verzichten, Herr Dr. Habeck, wäre wirklich sträflich.
Wir brauchen im Land mehr Fach- und Sachkundige, die im Fall der Fälle Rückendeckung aus dem Ministerium und die entsprechenden Befugnisse haben, um schnell reagieren zu können. Die momentane Hilflosigkeit wird weder dem Wolf noch den Menschen und den Nutztieren gerecht. Die vorhandenen Regelungen passen nicht mehr zur aktuellen Situation.
Es hat in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle - nicht in diesem Hause - viel Verharmlosung gegeben. Die ist zurückzuweisen. Aufgrund der neuen Situation bedarf es jetzt ganz klarer neuer Spielregeln. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die Diskussion um den zurückkehrenden Wolf wird in den betroffenen Bundesländern bereits seit Längerem sehr kontrovers und leider nicht immer sachlich geführt. Auf der einen Seite wird er dämonisiert, auf der anderen romantisiert. Beides ist falsch. Der Wolf ist weder Dämon, noch ist er in seinem Wesen romantisch. Trotzdem polarisiert er wie kein anderes Tier. Es gibt vielerlei Gründe, warum dies so ist.
Richtig ist: Der Wolf ist wieder da, er ist real. Dazu müssen wir als Politik uns verhalten. Es wird von uns erwartet, dass wir Antworten und Lösungen finden, wie wir mit dem Wolf umgehen wollen.
Seit dem 19. Jahrhundert galt der Wolf bei uns als ausgestorben. Die erste Sichtung eines Wolfes gab es dann 2007. Im Jahre 2010 wurde in SchleswigHolstein der erste Wolfsmanagementplan aufgestellt, unter Einbeziehung der Naturschutzverbände, des Jagdverbandes und von Vertretern der Landwirtschaft. Daraus resultierte seinerzeit die Wolfsrichtlinie, die unter anderem die Entschädigung von Wolfsschäden unbürokratisch regeln sollte, sowie eine gemeinsame Position zur Wiederbesiedlung Schleswig-Holsteins durch den Wolf. Damit waren wir zu diesem Zeitpunkt gut aufgestellt.
Die Situation hat sich seitdem aber geändert. Seit 2012 gibt es immer wieder verschiedene Nachweise von Wölfen bei uns im Land. Es gab gesicherte Spurenfunde, Wölfe wurden bei Verkehrsunfällen getötet, und es gab Fälle von gerissenen Schafen, die eindeutig Wölfen zugeordnet werden konnten zuletzt im Kreis Rendsburg-Eckernförde, wo 28 Schafe getötet wurden.
Für die betroffenen Tierhalter ist dies natürlich erschreckend und ängstigend zugleich; denn es trifft sie in ihrer Existenzgrundlage. Die Berichterstattung über derartige Vorfälle lässt kaum jemanden unberührt. Die Diskussion um den Wolf wird dadurch neu angefacht, und sie ist häufig sehr emotional geprägt.