ter der Gemeinwohlökonomie, Christian Felber, der an die Bewegung für eine Plurale Ökonomik anknüpft, in einem Interview heraus, ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis:
„Neben dem sozialen Desaster ist die Wirtschaftswissenschaft für das ökologische Desaster hauptverantwortlich, weil es als Ziel eben gerade nicht das ‚ökologische Gleichgewicht‘ anstrebt, sondern permanentes BIPWachstum...“
Da weiß man also, woher der Wind weht, und ahnt auch, welche Fraktion aus der kunterbunten Jamaika-Koalition sich hier etwas wünschen durfte. Herr Vogt hat es eben leider schon verraten, es stand vorher schon so in meinem Manuskript. Dafür musste man kein Prophet sein.
Aber neben dieser undifferenzierten Pauschalkritik gibt es durchaus Aspekte, die weniger kontrovers sind; denn die Forderung nach Methodenvielfalt und der Einbeziehung weiterer Denkschulen, also nach paradigmatischer Offenheit werden von vielen Wissenschaftlern durchaus geteilt. Greift etwa die theoriegeschichtliche Ausbildung zu kurz, dann droht in der Tat eine Verengung des Spektrums.
Eine Einbeziehung und eine Kooperation mit sozialwissenschaftlichen oder geisteswissenschaftlichen Disziplinen trägt durchaus zu einer Erweiterung dieses Spektrums bei. Das ist vollkommen unstrittig und in vielen Fällen auch notwendig.
Herr Dr. Brodehl, bevor ich Ihnen weiter zuhören muss, möchte ich Sie fragen: Kennen Sie das Netzwerk „Plurale Ökonomik“?
Nein, es geht immer so: Eine Frage wird gestellt, und dann kommt eine Antwort. Man kann dann noch versuchen, eine zweite Frage stellen zu können.
- So geht das nicht. Wir machen hier kein Gespräch, sondern Sie dürfen eine Frage stellen und dann gibt es eine Antwort. Sie können anschließend den Versuch unternehmen, eine zweite Frage zu stellen. Wollen Sie eine weitere Frage stellen?
Das war wohl mehr der Versuch, mich vorzuführen. Warum Sie das nötig haben, weiß ich auch nicht. Aber die Frage ist, meine ich, beantwortet. Tatsächlich war mir so nicht der Ablauf bekannt, in welcher Phase das gerade in Flensburg ist.
Wie dem auch sei, auf der anderen Seite müssen wir darauf achten, dass wissenschaftlich mit harten Fakten entscheidbare Fragen nicht von vornherein und darum geht es - mit den Werturteilen der Sozialwissenschaften vermengt werden und es nicht von vornherein zu einer unnötigen Politisierung kommt.
Es geht uns zu weit, wenn etwa im internationalen studentischen Aufruf für eine Plurale Ökonomik gefordert wird, die Bandbreite an Denkschulen um die feministische und marxistische Tradition zu erweitern. So etwas lehnen wir ab. Ausführungen zum Marxismus und Feminismus erspare ich uns.
Mir ist wichtig festzustellen: Es darf bei aller gebotener Pluralität nicht zu ideologisch aufgeblasenen Kontroversen kommen.
Mit der Errichtung einer Professur „Plurale Ökonomik“ würden wir hier in Schleswig-Holstein einen neuen Weg einschlagen. Zu entscheiden, ob wir das sollten, ist nicht zuletzt eine politische Grundsatzentscheidung. Gewährleisten die bestehenden universitären Strukturen genügend notwendigen Spielraum, um auch künftig Fragen beantworten zu können oder brauchen die Wirtschaftswissenschaften tatsächlich eine weitere Säule? Vor allem deshalb, und daraus mache ich keinen Hehl, weil nicht wenige Protagonisten der Pluralen Ökonomik ideologisch sehr aufgeladen argumentieren, sollten wir hier nichts über das Knie brechen.
Jetzt in der Sache abzustimmen, halte ich in der Tat für den falschen Weg. Besser wäre es gewesen, wir hätten uns im Bildungsausschuss darüber noch einmal unterhalten. Idealerweise wäre sogar eine schriftliche Anhörung ein guter Weg gewesen.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir alle haben selbstredend ein Interesse daran, dass die Hochschullandschaft in SchleswigHolstein vielfältig, innovativ und leistungsstark ist. Theorie und Praxis sollten dabei Hand in Hand gehen, damit die Absolventinnen und Absolventen befähigt und ermutigt werden, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dies gilt insbesondere auch für die Wirtschaftswissenschaften.
Die globale Wirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen, keine Frage. Entsprechend komplex gestalten sich Gegenwartsdiagnosen und Zukunftsstrategien.
Die Jamaika-Koalition will darauf nun also unter anderem mit der Errichtung einer neuen politisch motivierten Professur reagieren. Ob eine solche Einflussnahme der Politik grundsätzlich nicht doch eine zu große Einflussnahme auf die Freiheit der Forschung und Lehre ist, ist zumindest eine Fragestellung, die vorab hätte geklärt werden müssen, meine Damen und Herren.
Diese Professur soll das wirtschaftswissenschaftliche Fachangebot, ich zitiere, „sinnvoll ergänzen“. Zumindest wird das politisch gefordert. Nun stellen sich dazu folgende Fragen: Woran wird festgemacht, ob und dass eine derartige Ergänzung sinnvoll ist? Braucht es tatsächlich einen zusätzlichen Lehrstuhl, oder ließe sich die erwünschte Ergänzung des Fachbereichs nicht auch aufwandsärmer in die bestehende Struktur integrieren? Und überhaupt: Wie wäre die neue Professur ausgestaltet, und welche Inhalte würden vermittelt? Der Dreizeiler im vorliegenden Antrag gibt dazu ja keine wirklich erhellende Auskunft.
Wie man erfährt, wäre die Einrichtung einer solchen Professur die Umsetzung eines entsprechenden Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag. Wirklich viel Hintergrundinformationen gibt es aber noch nicht. Meine Vorredner haben ja nun ein wenig dazu ausgeführt, und dennoch bleibt einiges im Nebel des Unkonkreten zurück.
Die Professur soll als eine von vier neuen Professuren aus dem Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der
Europa-Universität Flensburg angesiedelt werden. Das ist natürlich schön; so etwas findet der SSW natürlich immer schön.
Aber die inhaltliche Ausrichtung und damit die Definition des Fachs „Plurale Ökonomik“ an sich ist nach unserer Ansicht ein sensibler Punkt. Vertreter der Pluralen Ökonomik kritisieren hauptsächlich die in ihren Augen realitätsferne Theoriebildung der derzeitigen Lehre auf diesem Gebiet. Der sogenannten Mainstream-Ökonomie wird die Annahme eines zu einfach gestrickten Menschenbildes unterstellt. Darüber hinaus sei diese geschichtsvergessen, habe im Hinblick auf die Finanzkrise 2008 versagt und sei überhaupt generell von einer - so sagt man geistigen Monokultur geprägt. Das ist schon ein recht harter Vorwurf, den man durchaus hinterfragen sollte.
Es macht definitionsgemäß schon Sinn, dass die Studierenden eines Studiengangs zumindest die Standardinhalte der eigenen Disziplin beherrschen. Auf die Mainstream-Inhalte kann man deshalb auch nicht verzichten. Das schließt allerdings nicht aus, dass man auch andere Dinge kennenlernt. Drolligerweise habe ich bei all dem, was ich gehört habe, an mein Studium gedacht; das ist ja schon ein bisschen länger her. Wir haben nicht nur Wirtschaft studiert, sondern wir haben auch Wirtschaftsethik und Wirtschaftsökonomie studiert, und ich bin ein BWLer und noch nicht einmal ein VWLer. Das war für uns völlig normal.
Ich habe mich total darüber gewundert, dass es da jetzt auf einmal einen Gegensatz geben soll. Ich glaube vielmehr, eine solche Geschichte kann man auch gut in die Studiengänge integrieren.
Jedenfalls merken wir jetzt, dass es durchaus so ist, dass alle Fragen, die da eine Rolle spielen, in den in der Vergangenheit und den derzeit geltenden Curricula vorhanden waren beziehungsweise sind. Es ist also gar nicht so, dass Wirtschaftswissenschaftler nur neoliberal durch die Gegend laufen und denken, sondern es gibt durchaus kluge Leute, auch kluge Professorinnen und Professoren, die da wirklich schon wesentlich weiter sind. Deshalb glaube ich, ist es wichtig, dass wir einen möglichst breit gefächerten Fächerkanon innerhalb der Wirtschaftswissenschaften hinbekommen.
Grundsätzlich spricht deshalb nichts dagegen, die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre um innovative Ansätze zu bereichern, gerade auch in puncto Nachhaltigkeit. Es wäre nach unserer Auffassung jedoch zu klären, ob es dazu tatsächlich
einer eigenen Professur bedarf. Man müsste dann genau darauf achten, wie eine derartige Professur in die bestehenden Strukturen eingebaut wird. Eine radikale „Gegensatz“-Professur zu den bestehenden Lehrstühlen wäre womöglich eher kontraproduktiv, und zwar auch an der Hochschule selber. Dort einen Kleinkrieg zu veranstalten, wäre nicht so schön. Schlau wäre es dann eben doch, diese Dinge im Rahmen der Volkswirtschaftslehre mit zu beachten. Ich glaube, das kann auf vielerlei Art und Weise bewerkstelligen.
Letztendlich ist und bleibt es das Ziel, auf ökonomische Fragen die richtigen Antworten zu finden. Hierfür brauchen wir eine breite, fundierte Ausbildung, und zwar klassischer Art, aber auch mit einer neuen Lehre. Genau das müssen wir in Flensburg installieren. Dann wären wir auf dem richtigen Weg. Daran, dass eine Professur wirklich der richtige Weg ist, haben wir noch unsere Zweifel. Deswegen können wir dem Ganzen nicht zustimmen, wollen uns aber auch einem neuen Weg nicht versperren. - Schönen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss dann doch zu dem, was Lars Harms gesagt hat, einiges ergänzen. Es ist vielleicht nicht deutlich geworden: Die Professur gibt es schon. Das heißt, wir stehen gar nicht vor der Frage, ob wir sie wollen. Die Professur wird also ausgeschrieben, und die einzige Frage, die wir uns stellen können, ist, wie wir sie ausstatten wollen. Das heißt, das wäre, wenn wir das unterstützen würden, eine Frage der Ressourcen.
Ob wir sie einrichten wollen, ist völlig nebengleisig, weil sie, ich glaube, heute im Senat der Universität schon beschlossen worden ist und ausgeschrieben wird. Das heißt, das Programm hat sie schon zugewiesen. Die Frage stellt sich also nicht mehr. Es stellt sich nur die Frage, ob wir sie - das habe ich hier ja auch gesagt - entsprechend mit Ressourcen ausstatten, weil die Ausstattung sehr begrenzt ist. Das können wir besser machen. Wenn wir das machen können, dann umso lieber. Aber wir haben sie
Das Wort für die Landesregierung hat die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ja, die Begeisterung für die Plurale Ökonomik ist hier im Haus unterschiedlich ausgeprägt; das ist in der Debatte deutlich geworden. Nichtsdestotrotz ist es eine Vereinbarung der Koalitionsfraktionen,