Protokoll der Sitzung vom 25.06.2003

Leve Vörsitter – een „Präsidenten“ giff dat op Plattdüütsch jo man gor nich –, leve Kolleeginnen un Kolleegen Afordnete! Dat ik dat eerste Mol en Rede hier in't Hoge Hus in uns plattdütsche Modersprak vördrägen dörp, licht da an, dat ik de eenzig Afordnete vun de FDP bünn, de in Hamborg boren is. Ik kann en lütt beten Platt, ik kann ook Lateinisch, aver ik kann ook Plattdüütsch, dat is jo wichtig. Un dat lütt beten Platt, dat ik kann, dat heff ik in mien Volksschool anne Ifflandstroot lehrnt, inne dritten un vierten Klass, weil mien Schoolmeesterin dat wichtig wor.

Wi hebbt interfraktionell ünner de Överschrift „Plattdüütsch in de School“ vörnehm op Platt formuleert den Andrag inbrocht, dat de Kinner mehr Platt lehren künnt und de Senoot de Börgerschop all twee Johrn en Bericht doröver geven mutt.

De Anlaß dorvör ist ni de lustigste, weil wi uns wedder mol dormit uteneensetten möten, dat dat Plattdütsche schwor to plegen, to erholn is, an Utbrieden mach man gor ni denken. Dat wi no mehr för de Plattdüütsche Sprook doon mutt, seht wi all, denn veele Kolleeginnen un Kolleegen – und nich blot de Togeristen – verstahn nix vun de Debatt. De Afordnete Rumpf versteiht Platt un is ut de Pfalz.

(Högen bi alle Frakschoonen)

Ik frog aver togliek: Hölpt dat wieder? Möt wi nich doch fasstelln, dat dat Plattdütsche op lange Sicht uttostarven droht? Mien Computer jedenfalls, as ik da an schrieben weer, hett dat allns rot anstreken mit sin „Rechtschreibautomatik“, all de plattdütschen Wör gefulln em nich.

(Högen bi alle Frakschoonen)

Kinner worden mit Platt nich mehr groot. Dat Lock, dat sück dor updeiht, dat könnt wi in 't School eenfach nich mehr dichtscheppen. Dor kummt wohl nich vöör mehr bi ut, as dat de Kinner mal Platt hört hebben. Aver dat is ja nu jümmers so, wenn Kultur erholden blieben sall: Ook wenn Plattdüütsch so wat wie en Fremdsprook för de Kinner is, wichtig is, dat se Plattdüütsch no verstahn. So hett schon Georg Droste 1910 in „Plattdütsch!“ – ene Rede, de Georg Droste in den plattdütschen Verein Bremen holen hett – seggt:

„Ja... de hochdütsche Suster hett wunnen. Un wat de Swartkiekers sund, de wickt us ja sogaar, dat use schöne ohle Platt noch maal ganz un gaar uutrott' ward. Wenn wi aber bedenkt, dat doch de drudde Deel von use dütsche Volk, – dat noch binah twentich Millionen Minschen Platt verstaht, denn bruukt wi dat mit dat Verswinnen noch nich all to eernst to nehmen, un willt dat for't Eerste noch maal as swarte Grappßen beteeken.“

Dat weer Bremer Platt.

Hüüt sünn dat längs keene twentich Millionen mehr, de Plattdüütsch versteiht.

Wi hebbt dat tosamen henkregen, dat Plattdüütsche in de Europäische Charta för Regional- und Minderheitenspraken to verankern. Dor köönt de Lüüd denn ook wohrhaftig von uns verlangen, dat wi de Politik, de wi proklameert, ook ernst nehmt un uns konkret för de Nedderdüütschen un dat Nedderdüütsche insett. An'n Senoot gerichtet heet dat eben: Unnericht voor de Kinner, de dat wüllt, besonners in Gegenden, wo Plattdüütsch Alldags no snackt ward.

Also, wi bemöht uns dorüm, dat de Kinner dat all leern künn. Dat use schöne ohle Platt noch maal ganz un gaar uutrott't ward, so geiht dat ni. Dagegen mütt wi uns weern. Un dat dot wi hier hüt mit en gemeinsamen Andrag.

(Bifall bi alle Frakschoonen)

Wer wünscht weiter das Wort? –

(Zurufe von der SPD: Der Senator!)

Ich sehe, das ist nicht der Fall. Es liegen mir nun keine weiteren Wortmeldungen mehr vor. Wir kommen zur Abstimmung.

Wer möchte den Antrag aus der Drucksache 17/2840 annehmen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Damit ist der Antrag einstimmig angenommen.

Ich rufe Tagesordnungspunkt 25 auf, Drucksache 17/2869, Bericht des Wissenschaftsausschusses zum Thema: Bericht der Kommission zur Strukturreform der Hochschule.

[Bericht des Wissenschaftsausschusses zum Thema Bericht der Kommission zur Strukturreform der

Hochschule (Selbstbefassung) – Drucksache 17/2869 –]

Wer wünscht das Wort? – Herr Brandes.

Herr Präsident, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das jetzige Thema beinhaltet den Bericht des Wissenschaftsausschusses. In diesem Fall handelt es sich um die Strukturreform der Hamburger Hochschulen. Durch diese Reform wird eine Weichenstellung der akademischen Bildung angestoßen, die in der Bundesrepublik Deutschland Vergleichbares sucht.

Seit dem Regierungswechsel vor gut eineinhalb Jahren haben sich die Bürgerkoalition und die Wissenschaftsbehörde damit beschäftigt, die bestehenden Probleme der Hochschulen zu erkennen und aufzudecken. Dabei handelt es sich um die bildungspolitischen Rahmenbedingungen für Lehre und Forschung, die sich seit der letzten großen Hochschulreform in Deutschland vor mehr als 30 Jahren grundlegend verändert haben, aber leider wurde die Hochschule darauf nicht hinreichend weiterentwickelt.

Um die erkannten sichtbaren Schwachstellen schnellstens zu beseitigen, wurde durch den Senat das Hochschulmodernisierungsgesetz erarbeitet. Darüber wurde diskutiert und schließlich auch abgestimmt. Um den Weg für die Zukunft zu bahnen, wurde daneben vor gut einem Jahr eine Expertenkommission unter Begleitung von Herrn Dr. von Dohnanyi einberufen. Diese sollte hochschulübergreifende Empfehlungen für eine Strukturreform, insbesondere zu Aufgaben, Kapazitätenorganisation und Finanzbedarfen, des Hamburger Hochschulwesens abgeben. Das Ergebnis des Berichtes wurde im Januar dieses Jahres vorgestellt.

Die dadurch angestoßenen Diskussionen finden nicht nur hier und heute im Hamburger Parlament statt, denn die von Herrn Senator Dräger in der letzten Woche vorgestellten Leitlinien für die Entwicklung der Hamburger Hochschulen basieren auf den Ergebnissen der Kommission, sondern auch weit über die Grenzen Hamburgs hinaus hat die Arbeit der Kommission zum Nachdenken und Handeln angeregt.

Lassen Sie mich die bisherige Ausgangslage der Hamburger Hochschulen kurz zusammenfassen. Die Problemschwerpunkte sind die zu hohen Abbrecherquoten von Studierenden, die fehlende Schwerpunktsetzung durch eine sehr kleinteilige Organisationsstruktur, die schlechte Betreuung der Studierenden, zu lange Studienzeiten und letztlich eine niedrige Studienerfolgsquote. Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass eine inhaltliche und strukturelle Korrektur vorgenommen werden muss.

Dabei handelt es sich:

Erstens um die flächendeckende Einführung des konsekutiven Bachelor- und Master-Studiensystems. Hierbei soll der Bachelor-Abschluss den grundständigen Regelabschluss darstellen. Dieser kann nach sechs beziehungsweise acht Semestern erreicht werden. Die Basis des Studiengangs soll eine breite fachwissenschaftliche Grundlage darstellen, die aber auch berufliche Elemente integriert.

Der Master-Studiengang soll danach zwei beziehungsweise vier Semester dauern. Hierbei handelt es sich um eine fachwissenschaftliche Vertiefung, wobei dieser Stu

diengang grundsätzlich nur noch von jenen aufgenommen werden kann, die sich durch bisherige Studienleistungen und Auswahlverfahren für ein Weiterstudium qualifiziert haben. Bachelor- und Master-Studiengänge tragen maßgeblich zur Internationalisierung und damit zum Zusammenwachsen der Nationen bei.

Zweitens um die Verbesserung der Betreuungsintensität. Hierbei soll die Betreuungsintensität im Bachelor-Bereich an den Universitäten um circa 40 Prozent erhöht werden. Gerade in der Anfangszeit des Studiums ist es wichtig, sich verstärkt um die Studenten zu kümmern. Für diese Unterstützung sollen Professorinnen und Professoren sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanzielle Anreize erhalten, um diese intensive Pflege zu gewährleisten.

Drittens um die Erhöhung der Studienerfolgsquoten. Neben der Einführung von Bachelor- und MasterAbschlüssen und der Verbesserung der Betreuung sieht die Kommission einen weiteren Schritt vor. Die Hochschulen sollen ihre Studierenden durch ein Eingangsverfahren selbst auswählen können. Dieses Auswahlverfahren habe ich im Rahmen des Master-Studiengangs angesprochen.

Für die ZVS-Studiengänge wird die bisher nicht zulässige Hochschulauswahl der Studierenden aufgrund der von der KMK beschlossenen Änderung wohl ab Wintersemester 2004/2005 möglich sein. Dann können 50 Prozent der Studierenden von den Hochschulen selbst ausgewählt werden.

Viertens – der letzte Punkt – um die organisatorische Neugliederung des Hochschulsystems. Die Hochschulen sollen weitergehend selbstständige Studien- und Erfolgsfakultäten mit aufgabenfeldspezifischen Ausprägungen schaffen. Die Fakultäten charakterisieren sich dabei durch weitgehende Eigenständigkeit, Professionalisierung der Leitungen, Interdisziplinarität in Lehre und Forschung und durch bereits angelegte grundständige BachelorStudiengänge, die auch eine frühe Spezialisierung zulassen.

(Vizepräsident Farid Müller übernimmt den Vor- sitz.)

Bleiben wir bei diesem Punkt, Frau Dr. Brüning. Wir wissen, dass wir gerade darüber reden, weil im Rahmen der Fusion von bestimmten Fachbereichen und auch Hochschulen – wie zum Beispiel bei der HWP – wirklich Fingerspitzengefühl eingesetzt werden muss. Aus einer Verschmelzung von zwei gleichwertigen, aber dennoch profilverschiedenen Einrichtungen darf es nicht nur einen Gewinner geben. Wer nimmt, muss auch geben, und wer gibt, soll auch nehmen. Der in diesem Fall vom Senat gegangene Weg des Einzelentscheides wird von unserer Fraktion ganz ausdrücklich begrüßt.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Lokomotive Hochschule ist in Bewegung, sie ist der Motor der zukünftigen Metropolentwicklung der Stadt Hamburg. Die Gleise für die Zukunft sind durch die oft genannte Dohnanyi-Kommission verlegt worden. Regelwerke sind von der Wissenschaftsbehörde eingebaut worden, sodass die Akademikerbedarfszahlen alle drei bis vier Jahre wieder überprüft werden. Das fraktionsübergreifende Ziel, der Wettbewerb im nationalen und internationalen Be

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reich, die Profilbildung und die Autonomie, liegt klar vor uns. Dafür hat Senator Dräger mit den Leitlinien für die Entwicklung der Hamburger Hochschulen den Startschuss gegeben. Dafür bedanken wir uns. In diesem Sinne: Vivat Academia!

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Das Wort hat Frau Dr. Brüning.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Brandes, um das Bild aufzugreifen, dass die Hochschulen die Lokomotive sein sollen: Sie kann nicht so schnell fahren, wenn einige Bremsen nicht funktionieren. Sie haben einige positive Dinge der geplanten Reform hervorgehoben, ich möchte aber auf einige hinweisen, die vielleicht zur Verlangsamung des Zuges führen könnten.

Die SPD-Fraktion begrüßt natürlich auch die geplante flächendeckende Einführung des Bachelor- und des Master-Abschlusses; darüber haben wir im Wissenschaftsausschuss ausführlich diskutiert. Wir wollen allerdings, dass die Master-Studiengänge allen Studierenden offen stehen. Wir wollen aber nicht – wie es die Dohnanyi-Kommission vorgeschrieben hat –, dass es bestimmte Quoten geben soll. Das lehnen wir ab.

(Beifall bei Jan Quast, Uwe Grund und Dr. Andrea Hilgers, alle SPD)

Ich möchte auch an dieser Stelle darauf hinweisen – das steht so zwar nicht im Kommissionsbericht, ist aber für die SPD besonders wichtig –, dass die Masterstudiengänge auch in Zukunft gebührenfrei bleiben sollten. Master-Studiengänge und Promotions-Studiengänge müssen allen Studierenden offen stehen; einen gekauften Doktorhut lehne ich ab.

(Beifall bei der SPD und bei Christa Goetsch GAL)

Soviel zu den Master- und Bachelor-Studiengängen. Ich möchte noch auf andere Punkte kommen.

Positiv bewerten wir natürlich auch die von der Kommission vorgeschlagene Kooperation von Hochschulen, die ähnliche Studiengänge anbieten. Allerdings sollte die Kooperation von den politisch Verantwortlichen nicht gegen den Willen der Hochschulen durchgedrückt werden. Wir erwarten, dass die Vorschläge der DohnanyiKommission mit den betreffenden Hochschulen weiter in den Arbeitsgruppen diskutiert werden. Dazu gehört beispielsweise, was mit den Fachbereichen Architektur oder Design bei der Hochschule für Angewandte Wissenschaften passiert. Der Fachbereich Design möchte – wie es die Dohnanyi-Kommission vorschlägt – zur HfbK gehen, soll jetzt aber komischerweise an der HAW verbleiben. Wir erwarten, dass hier eine Konfliktlösung stattfindet.

Herr Brandes, Sie sagten, die Vorschläge der DohnanyiKommission würden bundesweit diskutiert; das ist gut. Aber sie müssen auch mit den Hochschulen diskutiert werden, und zwar so, dass deren Ratschläge und Wünsche auch eingehen. Ich habe das Gefühl, dass Herr Dräger zwar Gespräche führt, dass im Grunde genommen aber der Dialog so stattfindet, dass die Hochschulen ihre Wünsche äußern und Herr Dräger entscheidet, ohne dass diese berücksichtigt werden.