Es dreht sich gerade bei der Frage, ob ein Wettbewerbsergebnis gefällt und umgesetzt wird, um die Materialien.
(Bernd Reinert CDU: Das ist der Stein des Ansto- ßes! – Dr. Willfried Maier GAL: Was wollen Sie uns sagen?)
Der Abgeordnete, Herr Maier, will Ihnen damit sagen, wir haben rechtliche Grundlagen, die bei dieser ganzen Debatte bisher keine Geltung hatten. Diese Aspekte haben wir heute mit hineingebracht.
Wir müssen die Architektur-Akademie, die in der HafenCity geplant ist, als etwas sehr Positives sehen, denn die Qualität der Materialien in den Bauwerken, die wir künftig in der HafenCity haben werden, kann auch dadurch bereichert werden, dass man denjenigen, die an der Architektur-Akademie studieren werden, die Möglichkeit gibt, an Wettbewerben mitzuwirken. Das heißt auch, dass diejenigen, die eigentlich wissen, welchem wirtschaftlichen Wettbewerb sie sich stellen müssen, auch die Frage der Materialien in diesen städtebaulichen Wettbewerben beantworten müssen. Die Politik ist gefordert, über die Auslobungstexte die Debatte zu führen, die Vielfältigkeit ermöglicht. Das macht eine spannende Architektur für mich aus, Herr Maier. Ich weiß nicht, ob Sie es schön finden, wenn alle Gebäude gleich aussehen, aber Vielfältigkeit auch in historischen Bauphasen zeichnet sich durch Materialien aus.
Ich glaube nicht, dass wir eine einheitliche Architekturrichtlinie für die Stadt brauchen, die regelt, wie Gebäude aussehen sollen, ob sie einen bestimmten Anteil von Klinker oder Beton haben sollen, weil die verschiedenen Quartiere durch ihre Materialien bereits geprägt sind. Wir haben die Möglichkeit, über die Bezirke, über die Preisgerichte auf die aktuellen Bauvorhaben einzuwirken. Das machen wir.
Nun können wir feststellen, dass diese Architekturdebatte jetzt um drei Punkte erweitert ist. Ich würde mich freuen, wenn sie diese aufgreifen, weil das die tatsächlichen Gestaltungsmöglichkeiten bei dieser Debatte etwas erweitert. – Meine Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU! Als ich Ihre Große Anfrage zum Thema Klinker, Stahl und so weiter und die Antworten darauf gelesen habe, habe ich nicht tatsächlich damit gerechnet, dass Sie die Anfrage zur Debatte anmelden würden.
Ich finde es ausgesprochen mutig, denn schon in Ihrer Fragestellung verkürzen Sie das Thema um seine entscheidenden Dimensionen.
Die eigentliche Frage, nämlich die nach der Stadtbildgestaltung der HafenCity oder für die Stadt insgesamt, die Sie zum Teil auch im Titel aufwerfen – deshalb vergaloppiere ich mich jetzt nicht im Thema –, und damit die Frage nach der Qualität von Architektur, wird weder aufge
ja, er ist das Gegenteil von offener und beflügelnder, kompetenter und verantwortungsbewusster Debatte über zeitgenössische Architektur und Stadtbildgestaltung.
In der HafenCity, immerhin dem größten innerstädtischen Erweiterungsbauprojekt in Europa, entsteht in den nächsten Jahrzehnten eine Bebauung und auch andere zentrale Orte in Hamburg sollen überplant werden. Da ist ein breiter, öffentlicher Diskurs über Baukultur, über qualitätsvolle Architektur und qualitative Vielfalt notwendig und schlicht unabdingbar.
Wir müssen uns darüber auseinander setzen, was unsere Stadt lebendig, lebenswert und schön macht, was Lebensqualität in gebauter Architektur bedeutet, wie Identität, Geschichtlichkeit und Respekt vor historischen Bauwerken gewahrt, wie die einmalige Stadtsilhouette Hamburgs bewahrt und wie zeitgenössische Architektur in den Stadtkörper integriert wird.
Sie lassen sich in Ihrer Anfrage die Anzahl der Wettbewerbsverfahren aufzählen, die in den vergangenen zwei Jahren zur Entscheidung über Bauvorhaben geführt haben, und versuchen damit zu belegen, dass sich neue Architektur in Hamburg auf eine im Wesentlichen breite Basis stützen kann und sich nicht in den Einzelentscheidungen von Architekten erschöpft. Das ist auch gut so, denn Hamburg darf keine Stadt einzelner Investoren sein, die, wie es Briegleb in der "Süddeutschen" schrieb, zu "isolierter Angeberei" neigen.
Die Zahl der Wettbewerbe ist aber noch kein Beleg dafür, dass in Hamburg eine breit angelegte Debatte über die Qualität von Architektur geführt wird, und auch nicht dafür, dass wir sie hier führen. Also verengen Sie bitte – mit "Sie" meine ich die CDU – die Debatte über das Stadtbild nicht auf die Frage der zu verwendenden Materialien. Die gehören auch dazu, aber sie sind nicht alleine ausschlaggebend.
Der Bund Deutscher Architekten und Architektinnen in Hamburg hat sich im März mit seinen zehn Thesen zu Wort gemeldet und für eine qualitätsvolle Architektur geworben. Unter der Überschrift "Identität mit Selbstbewusstsein: respektvoll, maßvoll, qualitätvoll" zeigt der BDA die wichtigsten Anforderungen für Architektur und Stadtentwicklung auf. Die Thesen sind nach meiner Überzeugung eine sehr gute Basis für einen breiten öffentlichen Diskurs, den ich hier noch einmal unterstreichen will.
Noch ein Einzelaspekt: Internationalität. Das Stadtbild von Hamburg soll im internationalen Vergleich auch in Zukunft herausgehoben gewürdigt werden und ein hohes Ansehen haben. Wenn das das Ziel ist – ich denke, darüber sind wir uns einig –, dann sollten wir uns davor hüten, Internationalität oder internationale Ausstrahlungskraft mit der Errichtung von Hochhäusern zu verwechseln – das wäre einfältig –, auch nicht mit der Verwendung einzelner Materialien.
Die Qualität von Architektur und Stadtbild, die Urbanität unserer Stadt bemisst sich nicht daran, dass zum Beispiel
einzelne Bauten die 100-Meter-Linie überschreiten. Der Diskurs um qualitätsvolle Architektur muss wesentlich weiter gefasst werden. Damit komme ich zur in der Anfrage erwähnten Binnenalsterverordnung, die aus dem Jahre 1949 stammt und der wir es in der Tat zu verdanken haben, dass das Stadtbild um die Binnenalster herum heute gerühmt wird.
Stimmen Sie mir zu, dass gerade unter sozialdemokratischer Regierungszeit eine Reihe von Hochhäusern fragwürdiger Architektur gebaut wurden, zum Beispiel am Klosterwall, an der Königstraße, das "Horrorhaus" am Steindamm?
Es geht nicht um die Frage, ob einzeln stehende Hochhäuser an dieser oder jener Stelle gebaut worden sind. Ich habe nur gesagt, man darf den Bau von Hochhäusern nicht mit Internationalität verwechseln. Das wäre einfältig. Hochhäuser können durchaus gebaut werden, wenn sie in die Umgebung passen und integriert werden, warum nicht? Die Ansammlung von mehreren Hochhäusern, die – ich sage das noch einmal – eine bestimmte Ziellinie von 100 Metern überschreiten, markieren noch nicht, dass Hamburg international herausragend ist.
Noch einmal zurück zur Binnenalsterverordnung. Diese stand oder steht in der Tradition der Baukulturdebatte, die es in Hamburg im Wesentlichen in der Weimarer Zeit des letzten Jahrhunderts gegeben hat und – deswegen erwähne ich es hier – in der Tradition des im Jahre 1912 verabschiedeten Hamburger Baupflegegesetzes, das zum Ziel hatte, das Stadtbild als kulturelles Gut der Allgemeinheit im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Nach diesem Baupflegegesetz gab es diese Baukulturdebatte in der Stadt. Das Gesetz schuf mit der Einsetzung einer Baupflegekommission ein Gremium, in dem Vertreter aus verschiedenen Institutionen, auch Legislative und Exekutive, Architekten, Bauherren und andere, eine intensive Auseinandersetzung über Baukultur und die Gestaltung einzelner Bauvorhaben auch an der Binnenalster führten.
Warum beziehe ich mich heute darauf? Der Prozess ist wichtiger als die Vorschrift. Das heißt, der Diskurs über die Gestaltung, also über die Baukultur, ist entscheidender als die Festlegung von Normen und Vorschriften. Im Prozess entsteht die Verabredung für qualitätsvolle Architektur, nicht unmittelbar entspringt sie immer aus der Verordnung, wenngleich ich damit nicht sagen will, dass es solche gar nicht geben sollte.
Um eine allgemein akzeptierte qualitative Architektur und Stadtplanung in Hamburg zu verankern, brauchen wir heute den lebendigen Diskurs. Das gilt natürlich nicht nur für die HafenCity, sondern zum Beispiel auch für die Bebauung des Domplatzes, der einer der bedeutendsten historischen Plätze in Hamburg ist. Die Fehler der
Europa-Passage müssen vermieden werden. Weder ein Investor noch ein Architekt können hier alleinentscheidend sein. Für den Domplatz brauchen wir die besten Ideen, die beste Architektur, die besten Materialien, die aus einem Wettbewerb und einem öffentlichen Diskurs hervorgegangen sind.
Je intensiver der Dialog über die Architektur und die Stadtplanung in Hamburg geführt wird, umso breiter wird die Akzeptanz der Menschen in der Stadt sein, wenn neue Gebäude oder neue Stadtteile wie die HafenCity entstehen und zeitgenössische Architektur das Stadtbild neu prägen wird.
Herr Vorsitzender, Meine Damen und Herren! Herr Finck, Sie sind mit Ihrer Glas-StahlKlinker-Debatte tatsächlich vollständig auf der Oberfläche geblieben. Das ist alles, was Ihnen dazu einfällt. Sie sprechen nur über die Materialien, aber Sie stoßen in das, was darüber hinausgeht, worum es eigentlich geht, leider nicht vor. Das ist wirklich bedauerlich.
Insofern kann ich mich Frau Stapelfeldts Worten nur anschließen, denn auch ich habe mich gewundert, wieso Sie diese Anfrage zur Debatte angemeldet haben.