Protokoll der Sitzung vom 10.03.2005

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Maier hatte eine gute Bemerkung gemacht, die vielleicht erklärt, warum die CDU sich offenbar gegen Lärmschutz richtet. Der Grund könnte dafür sein, dass sie

sonst ihre vielen Lautsprecher in ihrer Fraktion ausstellen müsste. Davon hätte diese Stadt allerdings viel.

(Vereinzelter Beifall bei der GAL und der SPD)

Herr Hecht, zu einigen Argumenten, die Sie vorgetragen haben. Sie haben uns vorgeworfen, wir würden uns nicht um die Kosten kümmern, die die Umsetzung der Richtlinie verursacht. Richtig ist, dass die Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie Kosten verursacht. Richtig ist jedoch auch, dass die Richtlinie umgesetzt werden muss, und richtig ist auch, dass schlichtes Abwarten diese Kosten in keiner Weise irgendwie reduziert. Das ist einfach nicht der Fall. Auch Sie werden diese Richtlinie umsetzen müssen. Sie kommen nicht drum herum.

(Vereinzelter Beifall bei der GAL und der SPD)

Nun kann man sich entweder legal verhalten und sie rechtzeitig umsetzen – das wäre unser Vorschlag – oder man kann sich illegal verhalten und sie nicht umsetzen. Das schlägt die CDU vor. Na super, dann haben wir einen rechtsfreien Raum beim Lärmschutz.

(Beifall bei der GAL und der SPD – Dr. Willfried Maier GAL: Wer finanziert die Strafgelder?)

Das kommt noch.

Ein weiter Einwand von Ihnen war Paragraph 47 a des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Der sei heute schon ein Superparagraph und die Lärmminderungsplanung könne auch auf dieser Rechtsgrundlage getätigt werden.

Wenn dieser Paragraph 47 a wirklich so super ist, dann frage ich mich allerdings, warum er um Himmels willen nicht angewendet wird. Es gibt nach meiner Kenntnis nicht einen einzigen Lärmminderungsplan in Hamburg und Sie sagen, das sei eine Supervorschrift. Unter einem guten Paragraphen verstehe ich etwas anderes als einen Paragraphen, den man schlicht ignoriert.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Dann haben Sie sich am Schluss noch zu einer sonderbaren Äußerung verstiegen, nämlich dass die Richtlinie an sich überflüssig sei, Lärmschutz praktisch überflüssig sei. Wir könnten im Prinzip auf die Umsetzung verzichten, so habe ich Sie verstanden. Dann muss ich Sie aber auch einmal nach einem Gegenfinanzierungsvorschlag fragen. Wenn man die Umsetzung der Richtlinie ignoriert, dann führt das in aller Regel dazu – der Europäische Gerichtshof hat schon mehrere Exempel statuiert –, dass man zu Strafgeldern verurteilt wird, die um die 100 000 Euro am Tag lauten können.

(Volker Okun CDU: Davon hätte die rotgrüne Bun- desregierung viel!)

Herr Hecht, wo ist Ihr Gegenfinanzierungsvorschlag für die Bußgelder, die uns in Hamburg drohen?

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Das Einzige, was man an Ihrer Rede begrüßen kann, ist, dass wir Klarheit haben, dass Lärmschutz für die CDU offenbar überflüssig ist. Das ist schön zu hören, das bringt tatsächlich Klarheit auch für die Leute, die unter Lärm leiden. Ihr Verhalten ist gerade denjenigen gegenüber, die mit ihren Familien tagtäglich Lärm ausgesetzt sind, die darunter leiden und dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzen – Herr Lieven hat die genauen Zahlen für Hamburg genannt, es sind zehntausende Bürgerinnen und Bürger –, nur noch zynisch.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Das Wort bekommt der Abgeordnete Hecht.

(Dr. Willfried Maier GAL: Eine stocktaube Frak- tion!)

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Frau Dr. Schaal hat sich eben gerade entlarvt, als sie sagte, man müsse irgendetwas tun. Genau das ist es, dieser blinde Aktionismus, ohne zu überlegen, was man eigentlich macht.

Wenn Sie sich die Richtlinie genau angeguckt haben – Herrn Maaß traue ich das zu –, werden Sie gesehen haben, dass dort viele Begriffe aufgeführt sind. Ein Beispiel ist der Ballungsraum, der dort gar nicht definiert ist. Wir haben Lärmkarten. Es ist nicht festgelegt, wie die aussehen sollen.

(Unruhe im Hause – Glocke)

Meine Damen und Herren! Es gilt immer noch dasselbe.

Wir haben Lärmminderungspläne, in denen die Kriterien nicht festgelegt sind. Das Ganze soll dazu dienen, dass man eine europaeinheitliche Vergleichsbasis schafft. Das ist aber mit dieser Richtlinie nicht gegeben, weil diese Festlegungen fehlen. Deswegen ist sie unzweckmäßig in der Umsetzung. Frau Dr. Schaal sprach von Durchsetzung. Es ist wunderschön, wenn man eine Lärmkarte und eine Lärmminderungsplanung hat. Aber die Richtlinie geht in keiner Weise darauf ein, wie die dort gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen sind.

(Dr. Andrea Hilgers SPD: Mit ein bisschen Fanta- sie!)

Lärmschutz ist uns ungemein wichtig, der ist bei der CDU in guten Händen und das können Sie mir ruhig glauben. – Danke.

(Beifall bei der CDU)

Das Wort bekommt die Abgeordnete Dr. Schaal.

Meine Damen und Herren! Herr Hecht, wenn Sie denn so versessen darauf sind, im Detail zu diskutieren über die Definition von Ballungsräumen, über das, was in Lärmminderungsplänen steht oder über die Datenerhebungen zu diskutieren, warum überweisen Sie den Antrag nicht? In den Ausschuss gehört die Fachdiskussion und nicht ins Plenum.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Am 18. März ist das Thema zum soundsovielten Mal auf der Tagesordnung im Bundesrat. Ich bin gespannt, Herr Hecht, wie sich Hamburg dort verhalten wird. Ich werde das genau verfolgen und bin neugierig, ob sie dort die Richtlinie endlich auf den Weg bringen. – Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir kommen zur Abstimmung.

Wer stimmt dem Überweisungsantrag zu? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Das ist mehrheitlich abgelehnt.

Ich lasse in der Sache abstimmen.

Wer möchte den Antrag aus der Drucksache 18/1853 annehmen? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Der Antrag ist mehrheitlich abgelehnt.

Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 14, Drucksache 18/1825 und 18/1826, Berichte des Eingabenausschusses.

[Bericht des Eingabenausschusses: Eingaben – Drucksache 18/1825 –]

[Bericht des Eingabenausschusses: Eingaben – Drucksache 18/1826 –]

Zunächst zum Bericht 18/1825.

Wer möchte der Empfehlung folgen, die der Eingabenausschuss zu der Eingabe 53/05 abgegeben hat? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Das ist mehrheitlich angenommen.

Wer stimmt den Empfehlungen zu den übrigen Eingaben zu? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Das ist einstimmig so beschlossen.

Zum Bericht 18/1826, zunächst zur Ziffer 1.

Hierin sind nur einstimmige Empfehlungen enthalten. Wer möchte diesen folgen? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Das ist einstimmig so beschlossen.

Zu den Ziffern 2 bis 4 werden Kenntnisnahmen empfohlen. Die sind erfolgt.

Die in der Geschäftsordnung für bestimmte Punkte der Tagesordnung vorgesehene

Sammelübersicht

haben Sie in einer Neufassung erhalten. Ich stelle fest, dass die Bürgerschaft die unter A aufgeführten Drucksachen zur Kenntnis genommen hat.

Wer stimmt den Überweisungsbegehren unter B zu? – Gegenstimmen? – Stimmenthaltungen? – Das ist einstimmig so beschlossen.