Protokoll der Sitzung vom 11.09.2009

(allgemeine Unruhe)

Herr Pastörs, es sind hier wieder von Ihnen völkerrechtswidrig...

(allgemeine Unruhe – Peter Ritter, DIE LINKE: Die Begründung hat sich erledigt, Herr Pastörs.)

Völkerrechtswidrig? Ich kann doch hier freie Rede …

(Irene Müller, DIE LINKE: Das war der dritte.)

Herr Pastörs, Sie haben bereits zwei Ordnungsrufe.

(Raimund Frank Borrmann, NPD: Man darf keine unterschiedlichen Meinungen haben.)

Ich erteile Ihnen einen weiteren Ordnungsruf und entziehe Ihnen damit das Wort.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Abflug, Freund Blase! – Udo Pastörs, NPD: Ja, so funktioniert Ihre Demokratie. Ab nach Stettin! – Reinhard Dankert, SPD: So, wie Sie sich das vorstellen, funktioniert es ja eben nicht. – Raimund Frank Borrmann, NPD: Dann werde ich die Begründung vornehmen. – Vizepräsident Hans Kreher spricht bei abgeschaltetem Mikrofon. – Raimund Frank Borrmann, NPD: Ja, das übernehme ich. – Peter Ritter, DIE LINKE: Noch ein Versuch.)

In wenigen Tagen ist der Bundestagswahlkampf zu Ende.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ach!)

In wenigen Tagen wird der Wettbewerb der Parteien beendet sein. Es ist daher dringend geboten...

(Vizepräsident Hans Kreher spricht bei abgeschaltetem Mikrofon.)

Ja, ja, mache ich...

(Udo Pastörs, NPD: Nun lassen Sie ihn doch mal ausreden, Mensch! Das gibt’s doch nicht hier! – tumultartige Unruhe – Zurufe aus dem Plenum: Raus! Raus!)

Dürfte ich bitte meine, dürfte ich die Replik bitte fortsetzen, Herr …

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE – Vizepräsident Hans Kreher spricht bei abgeschaltetem Mikrofon. – Egbert Liskow, CDU, und Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Mikro! Mikro!)

Ich möchte ja nur die Dringlichkeit begründen.

Der Bundestagswahlkampf ist in wenigen Tagen zu Ende. Es soll ein Wettbewerb, ein gleichwertiger Wettbewerb von den zur Wahl antretenden Parteien herrschen. Und es ist sicher ein polemischer Wahlkampf, das geben wir auch zu,

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

aber es kann nicht angehen, dass auf Weisung des Innenministeriums und der nachgeordneten Behörden Wahlinformationen,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Sagen Sie mal bitte was zur Dringlichkeit, Herr Borrmann!)

Wahlplakate abgehangen werden. Das ist unzulässig. Wir fordern, dass es dringend geboten ist, dass die Landesregierung sich aus diesem Bundestagswahlkampf heraushält und ihre parteipolitische Neutralität durchsetzt und sich zurückhält.

(Präsidentin Sylvia Bretschneider übernimmt den Vorsitz.)

Das ist wichtig, denn es kann nicht angehen, dass Meinungen unterdrückt werden, wenn sie keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Dafür können wir sorgen, Herr Borrmann.)

Staatsanwaltschaftlich ist das geprüft worden.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Wenn das Ihre einzige Sorge ist.)

Es gibt hier keine Anzeigen beziehungsweise es gibt keine strafrechtliche Relevanz.

(Irene Müller, DIE LINKE: Anzeige gab’s schon.)

Deshalb ist das vielleicht eine polemische Meinung, die wir dort vertreten auf diesen Wahlinformationen,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ob Sie mal die Dringlichkeit begründen?!)

aber es ist wichtig, dass auch diese Meinungen der Bevölkerung kundgetan werden. Und die Bevölkerung soll dann in der Bundestagswahl selbst entscheiden, für welche Partei sie sich entscheidet. Der Bürger ist mündig genug.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Hallo!)

Wir leben ja in einer Demokratie und da kann das Volk selbst entscheiden und bedarf keiner Zensur durch eine Landesregierung, welche Plakate aufgehängt werden können und welche nicht und welche abgehängt werden. Deshalb ist diese Sache dringend, ist es dringend geboten, darüber zu verhandeln und darüber zu sprechen. Wenn Sie eine andere Auffassung haben, dann legen Sie die bitte dar. – Danke.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der NPD)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, bevor ich jetzt dem Abgeord

neten Heinz Müller zur Gegenrede das Wort erteile, werde ich gemäß Paragraf 99 unserer Geschäftsordnung Absatz 1 Herrn Udo Pastörs des Saales verweisen. Bitte schön.

(Stefan Köster, NPD: Oh, oh, oh, ist die Frau unfähig!)

Herr Köster, ich erteile Ihnen einen weiteren Ordnungsruf und mache Sie darauf aufmerksam, dass ein weiterer Verstoß in Bezug auf unsere Geschäftsordnung in dieser Form dann eine Wortentziehung nach sich zieht.

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Herr Köster, ich erteile Ihnen den dritten Ordnungsruf und verweise Sie des Saales. Bitte verlassen Sie beide den Raum.

(Stefan Köster, NPD: Am besten, wir gehen alle zusammen.)

Das Wort...

(allgemeine Unruhe – Peter Ritter, DIE LINKE: Ja, ja, nun geht und haltet den Betrieb nicht auf! – Jörg Heydorn, SPD: Zack, zack! Schneller!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich mache Sie darauf aufmerksam, dass unabhängig davon, ob die Entscheidung des Präsidiums hier vorne gut- oder schlechtgeheißen wird, bitte keine Kommentare dazu abzugeben sind.

Ich erteile jetzt dem Abgeordneten Herrn Heinz Müller das Wort zur Gegenrede.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Auch in einem scharf und engagiert geführten Wahlkampf gibt es eine klare Grenze zwischen Plakaten, mit denen man sicherlich pointiert die eigene parteipolitische Linie der Bevölkerung anbietet, und Plakaten, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Diese Grenze gibt es.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und FDP – Michael Andrejewski, NPD: Das tun sie nicht, das tun sie nicht.)

Und Plakate mit dem Inhalt, polnische Bürger,

(Raimund Frank Borrmann, NPD: Das tun sie aber nicht.)