Und deswegen, Herr Eifler, können Sie sich erinnern an Ihr Gespräch mit Herrn Schwarz? Auf der ITB haben Sie faktisch einen Auftrag mitgenommen. Ich habe es im Ohr. Sie haben gesagt, ich werde mich sachkundig machen und darum kümmern. Und die Frage, die ich Ihnen jetzt stelle, ist: Was haben Sie denn getan in der Zwischenzeit, damit diese Arbeit aufrechterhalten werden kann? Wir haben gewartet, sage ich Ihnen deutlich, wir haben gewartet, ob es eine Aktivität aus Sicht der Landesregierung und der Koalitionsfraktionen gibt. Es gab keine Entscheidung, dieses Projekt fortzuführen.
Und darum geht es mir und deswegen haben wir hier diesen Antrag gestellt, weil schon jetzt ein Großteil der Arbeit nur noch ehrenamtlich erfüllt wird. Und gerade wegen der großen Verdienste dieser Arbeitsgemeinschaft und dieser beiden Personen macht es mich wütend, wenn heute über das Aus der Arbeitsgemeinschaft gesprochen wird.
Ich will Ihnen sagen, das kann einfach nicht sein, dass ein Erfolgsrezept von Mecklenburg-Vorpommern möglicherweise morgen begraben wird.
(Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE – Regine Lück, DIE LINKE: Und andere Länder übernehmen es.)
Mit unserem Antrag, meine Damen und Herren, fordern wir die Regierung auf, die Koordinierungsstelle für den Kinder- und Jugendtourismus zu erhalten. Bis zum 31. Mai, das hatte ich gesagt, wird die AG noch arbeiten, aber dann ist offiziell Schluss. Der Grund dafür liegt in den Rahmenbedingungen, unter denen die Arbeit dort stattfindet. Bisher lief alles im Rahmen des Projektes, ich komme zum Schluss, des Projektes Bildungs- und Qualifizierungsoffensive. Jetzt haben sich die Bedingungen verändert, sodass das, was in dem Bericht gewürdigt wurde, und das, was Herr Müller gewürdigt hat, nicht mehr Alltag sein kann.
Und ich habe einfach die Sorge, dass die Qualität und die Quantität im Kinder- und Jugendtourismus darunter leiden werden. Das können wir uns im Sinne unseres Landes nun wahrlich nicht leisten.
Im Ältestenrat wurde eine Aussprache mit einer Dauer von bis zu 60 Minuten vereinbart. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Entsprechend dem An- trag der Fraktion DIE LINKE, Landtagsdrucksache 6/1906, wird die Landesregierung „aufgefordert, die Koordinierungsstelle für den Kinder- und Jugendtourismus zu erhalten und … weiterhin langfristig Möglichkeiten zur nachhaltigen Unterstützung der Entwicklung des Kinder- und Jugendtourismus in Mecklenburg-Vorpommern zu sichern“.
Zum letzten Teil: Die Entwicklung des Kinder- und Jugendtourismus werden wir weiter unterstützen. Dafür gibt es gute Gründe. Dieses Segment hat einen hohen Stellenwert, das belegt schon die Fortschreibung der Tourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahre 2010. Der Gästeanteil des Kinder- und Jugendtourismus in der Tourismuswirtschaft ist mit annähernd 10 Prozent erheblich. Von 27,9 Millionen Übernachtungen im Jahr 2012 waren 2,8 Millionen Übernachtungen im Kinder- und Jugendtourismusbereich.
Der Kinder- und Jugendtourismus stellt zudem mit jährlich knapp 84 Millionen Bruttoumsatz ein wichtiges Segment im Tourismus dar. Rund 2.500 Menschen inklusive Saisonkräfte sind in diesem Bereich tätig. Das jugendtouristische Angebot in Mecklenburg-Vorpommern umfasst 254 Einrichtungen. Hierzu gehören 28 Jugendherbergen, 15 Schullandheime, 3 Jugendlandheime, 147 gemeinnützige jugendtouristische Einrichtungen und 61 gewerblich jugendtouristische Betriebe mit rund 20.500 Betten.
Kinder- und Jugendtourismus ist von strategischer Bedeutung für die touristische Entwicklung im Land. Zwar wird das Gesamtvolumen aufgrund des demografischen Wandels schrumpfen, doch diese Zielgruppe wird wirtschaftlich immer interessanter. Mecklenburg-Vorpom- mern hat den Stellenwert des Kinder- und Jugendtourismus rechtzeitig erkannt und sich dementsprechend ausgerichtet. Dies ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Andere Bundesländer verzichten auf solche Bearbeitungen in diesem Bereich. Das halte ich für eine falsche Positionierung, denn Reisegewohnheiten werden im Kindes- und Jugendalter geprägt, Herr Holter hatte gerade vorhin darauf hingewiesen.
Wir haben Kinder und Jugendliche in der Fortschreibung der Tourismuskonzeption als Kernzielgruppe aufgenommen. Mecklenburg-Vorpommern hat das Ziel, den Kinder- und Jugendreisebereich auszubauen, denn Kinder und Jugendliche sind unsere Urlaubsgäste von morgen. Es kommt jeder gern als Erwachsener mit eigener Familie dorthin zurück, wo es ihm in den Ferien in der Jugend oder als Kind gefallen hat.
Weiterhin behalten Kinder und Jugendliche, die heute im Rahmen eines Familienurlaubes, einer Klassenfahrt in Form von Kanu- und Reiterferien das Land besuchen, dieses in positiver Erinnerung, also werden sie als Erwachsene Multiplikatoren für diese Bereiche werden.
Und denken Sie mal an Ihre eigenen Entscheidungen zu Art und Ziel des Urlaubs, wie oft wird das Urlaubsland nach den Wünschen der Kinder ausgewählt. Daher ist es bedeutsam, sich um diesen Bereich besonders zu kümmern. Wir müssen die Kinder frühestmöglich begeistern und auf uns als Urlaubsland aufmerksam machen.
Nicht zuletzt deshalb ist im Herbst 1999 beim Tourismusverband die Arbeitsgemeinschaft „Junges Land für Junge Leute“ ins Leben gerufen worden. Die Struktur im Kinder- und Jugendtourismus bedarf der Koordinierung. Kinder- und Jugendtourismus ist sehr heterogen. Der Verteilungskampf um Marktanteile hat begonnen, der Wettbewerb in Sachen Qualität ist deutschlandweit voll im Gang.
Hier war unser Land vor zehn Jahren mit der Einführung des Qualitätsmanagements Jugendreisen Vorreiter. Die Übernahme dieses Systems vom Deutschen Tourismusverband und dem BundesForum Jugendreisen erfolgte auf der Bundesebene im Jahr 2007.
In Mecklenburg-Vorpommern ist der Umstrukturierungsprozess insbesondere bei der Qualität der Angebote und des Personals noch nicht abgeschlossen. Viele Einrichtungen haben zwar die Sanierung ihrer Objekte komplett oder auch in Teilabschnitten vollzogen. Nachdem zunächst die Bausubstanz im Mittelpunkt stand, wurden Außenanlagen und Ausstattung erneuert, in vielen Einrichtungen das Qualitätsmanagement Jugendreisen ein- geführt sowie das Personal qualifiziert.
Hier hat in den letzten zwölf Jahren die AG „Junges Land für Junge Leute“ als Koordinierungs- und Bildungsservice und Beratungsstelle einen wertvollen Beitrag geleistet. Für ihre Arbeit im Marketingbereich, Entwicklung bedarfsgerechter thematischer Angebote beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern haben sie sogar den ersten Platz für die besten jugendtouristischen Angebote von den Weltjugendorganisationen im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse im Jahr 2007 erhalten.
1,25 Millionen Euro in sieben Projekten. Im Ergebnis kann festgestellt werden, dass das Land inzwischen eine Vielzahl von jugendtouristischen Einrichtungen mit sehr gutem Standard und hervorragenden Angeboten hat. Dennoch gibt es immer noch Einrichtungen, vor allem im gemeinnützigen Bereich, die den heutigen Markterfordernissen nicht entsprechen und es sind weiterhin noch Marktlücken vorhanden.
Bei Klassen- und Gruppenfahrten werden gerne erlebnispädagogische Angebote genutzt. Hier ist das Land Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland, das über derartige Angebote verfügt. Diese müssen entsprechend der Nachfrage erweitert und angepasst werden.
Eine Unterstützung des Kinder- und Jugendtourismus erfolgt begleitend durch die Landesregierung über die Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendreisen unter Federführung meines Hauses. Weiterhin arbeiten neben dem Tourismusreferat im Wirtschaftsministerium die Arbeits- und Gesundheitsabteilung des Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, das Bildungsministerium und der Bereich Ländliche Entwicklung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, das Landesforstamt, die Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung sowie der Tourismusverband
Spezielle Aufgaben der interministeriellen Arbeitsgruppe sind: Schaffung einer interministeriellen Kommunikationsplattform, Förderung von investiven Maßnahmen für die gewerbliche und gemeinnützige Entwicklung des Kinder- und Jugendtourismus, Förderung der Bildung und Beratung der Einrichtungen für den Kinder- und Jugendtourismus.
Basis für die Tätigkeit der interministeriellen Arbeitsgruppe ist das Strategiekonzept Kinder- und Jugendreisen, welches 2002 durch die Arbeitsgruppe Qualitätstourismus initiiert wurde. Die Koordinierung der verschiedenen Belange jugendtouristischer Einrichtungen ist hier nicht Aufgabe der Landesregierung, Herr Holter. Diese erfolgt unter dem Dach der Landesmarketingorganisationen, dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern entsprechend dem neuen Kommunikations- und Marketingkonzept des Verbandes für den Jugendtourismus in der Urlaubswelt „Lifestyle und Trends“. Eine dominierende Rolle wird dieses Konzept dort spielen.
Von daher, denke ich, sollten wir die Diskussion nicht immer in Richtung Regierung führen, sondern die Diskussion da führen, wo sie hingehört, zu den Institutionen. Da biete ich auch meine Hilfe mit an. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen! Ich will es gleich zum Anfang sagen, ich bin nicht der neue tourismuspolitische Sprecher, ich vertrete hier den Kollegen Müller, der heute dienstlich in Brüssel ist und mich gebeten hat, für ihn einige Worte dazu zu sagen.
Ich werde ihm auch ausrichten, Herr Kollege Holter, dass Sie so vehement Bezug auf ihn genommen haben.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich an dieser Stelle nur zwei Sätze dazu sagen. Letztendlich den entscheidenden Satz hat Herr Minister Glawe eben schon gesagt: Für die eigentliche Organisation, wie dann auch die Koordinierungsstelle für den Bereich des Kinder- und Jugendtourismus durchgeführt werden soll, sind letztendlich nicht vorrangig die Landesregierung und das Land zuständig, sondern der Tourismusverband. Und dieser Tourismusverband hat eine klare Entscheidung getroffen, er möchte die Koordinierungsstelle eingliedern in seine Marketingabteilung.
Ich denke mal, es ist auch im Respekt vor der entsprechenden Organisation, dass man schaut, wie sich das dort entwickelt. Falls man sehen sollte, dass es Defizite gibt, kann man entsprechend steuernd eingreifen, aber zunächst sollte man erst mal denjenigen, die sich dort fachlich engagieren und auch auskennen, so viel Vertrauen entgegenbringen, dass sie die erfolgreiche Ar- beit – und Herr Kollege Holter hat ja zu Recht auf die Erfolge der Koordinierungsstelle hingewiesen –, dass sie diese erfolgreiche Arbeit dann auch im Bereich oder im Zusammenhang mit dem Marketing, mit der Marketing-
abteilung des Tourismusverbandes erfolgreich weiterführen können. Wir werden deswegen diesen Antrag heute hier an dieser Stelle ablehnen. – Danke schön.
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Arbeitsgemeinschaft „Junges Land für Junge Leute“, Herr Holter sagte das schon, in Mecklenburg-Vorpommern ist wahrlich eine Erfolgsgeschichte, die weit über unser Bundesland hinaus bekannt ist und in Deutschland wirklich ein Leuchtturm ist. So beurteilt das BundesForum Kinder- und Jugendtourismus die hier im Land geleistete Arbeit der letzten Jahre. Und dieser Erfolg resultiert daraus, dass in Mecklenburg-Vorpommern insbesondere die Vernetzung von Leistungsträgern, also der Jugendherbergen, der Schullandheime, der Jugendcampingplätze durch die Koordinierungsstelle „Junges Land für Junge Leute“ hervorragend funktioniert.
Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie mich ein Beispiel anführen. Auf der internationalen Tourismusmesse, wo wir gemeinsam gewesen sind mit dem Wirtschaftsausschuss im letzten Jahr, gab es wieder sehr gute Prospekte, „Jugendreisen in Mecklenburg-Vorpom- mern“ nannte sich das, an dem Stand der Koordinierungsstelle und wir sind gemeinsam bei Reinhard Schwarz vor Ort gewesen. Ich habe mitbekommen, dass einige von diesen Prospekten dann auch in SchleswigHolstein gelandet sind und dort speziell im Landkreis Dithmarschen, unter anderem auch im Gymnasium Heide aufgeschlagen sind, und inzwischen sind vier Schulklassen aus dem Landkreis Dithmarschen mit Klassenausflügen zu uns gekommen. Ich finde, das ist ein sehr schöner, positiver Effekt.
Diese konzentrierte Werbung sowohl nach innen in unser eigenes Land hinein als auch überregional nach außen in andere Bundesländer ist ein positiver Effekt, von dem ich bereits sprach. Eine solche, von hoher Qualität gezeichnete Imagebroschüre von Jugendreisen mit einem ausgezeichneten Überblick für Übernachtungsmöglichkeiten und Veranstaltungsangeboten ist nicht überall zu finden.
Diese Koordinierungsstelle leistet im Weiteren einen gemeinsamen Internetauftritt mit dem Tourismusverband, verfügt über eine Telefonhotline, informiert bereits Herbergen und Quartiere und nicht zuletzt die Gäste. Zudem ist sie eine Kontrollinstanz hinsichtlich der Überprüfung des Qualitätsmanagements der angebotenen Unterkünfte.
All dieses würde ohne eine gesicherte zukünftige Finanzierung wegfallen. Im Ergebnis stünde dann ein Rückgang der genannten Übernachtungszahlen, touristische Jugendeinrichtungen müssten geschlossen werden und davon profitierende Unternehmen wie gastronomische Einrichtungen, Busunternehmen oder aber auch kulturelle Anbieter wie zum Beispiel Museen wären definitiv von einem Nachfragerückgang betroffen.
Nun zum Thema Finanzierung. Beim Projekt „Junges Land für Junge Leute“ handelt es sich verstärkt um eine inhaltliche Arbeit, die geleistet wird und sehr viele Früchte trägt und getragen hat. Uns ist bekannt, dass die Ko
ordinierungsstelle beim für sie zuständigen Tourismusverband keinen Nachfolgeantrag auf Finanzierung gestellt hat. Das liegt daran, dass sich die Strukturfondsförderung verändern wird und sich die Ausrichtung der Aufgaben der Koordinierungsstelle nicht nur auf berufsbegleitende Weiterbildungen bezieht, welche durch das Bildungsministerium finanziert werden.