Protokoll der Sitzung vom 09.12.2005

Ich möchte Ihnen noch etwas zu dem Argument mit der Kinderlosigkeit sagen. In erster Linie sind es doch die gut Verdienenden, die nicht so viele Kinder bekommen. Deswegen müssen wir doch nicht ausgerechnet denen etwas geben.

Und: Man kann doch wirklich nicht sagen, dass wir keine Kinder mehr bekommen, liegt daran, dass wir keine Lehrmittelfreiheit mehr haben. Das ist doch wirklich absurd. Insofern lassen Sie uns bei dem bleiben, was wir begonnen haben.

(Beifall bei der FDP)

Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor.

Wir kommen zur Abstimmung.

Wer der Beschlussempfehlung des Ausschusses zustimmen will - sie lautet auf Ablehnung -, den bitte ich um ein Handzeichen. - Die Gegenprobe! Stimmenthaltungen? - Das Erste war eindeutig die Mehrheit.

Wir kommen nun zu

Tagesordnungspunkt 22: Zweite Beratung: Niedersächsische Jugendpolitik neu ausrichten - Antrag der Fraktionen der CDU und der FDP - Drs. 15/1683 - Beschlussempfehlung des Ausschusses für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit - Drs. 15/2408

und

Tagesordnungspunkt 23: Erste Beratung: Niedersächsisches Jahr der Jugend 2006 Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen - Drs. 15/2423

Die Beschlussempfehlung zu Tagesordnungspunkt 22 lautet auf Annahme.

Eine Berichterstattung ist nicht vorgesehen.

Das Wort hat Herr Kollege Albers von der SPDFraktion.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die ersten Jahre Regierungszeit von CDU und FDP wurden zu einer langen Durststrecke für die Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen.

(Beifall bei der SPD - Widerspruch bei der CDU)

Mit diesem einen Satz lässt sich die bisherige Bilanz leider zusammenfassen. Einerseits spielte seit 2003 das Thema Jugend in der Landespolitik kaum eine Rolle, andererseits wurden in kaum einem anderen Bereich prozentual so viele Mittel gestrichen wie in der Jugendarbeit und in der Jugendhilfe.

(Zuruf von der CDU: Das ist doch Blödsinn!)

- Das stimmt exakt. - Grundsätzlich muss man sagen, dass der Stellenwert der Jugend in der Landespolitik auch darunter leidet, dass der damals sehr erfolgreich arbeitende Ausschuss für Jugend und Sport von CDU und FDP abgeschafft wurde.

(Beifall bei der SPD)

Ich hoffe, meine Damen und Herren, nach der nächsten Landtagswahl wird es wieder einen echten Jugendausschuss geben.

Doch nun zu Ihrem Antrag, meine Damen und Herren von CDU und FDP. Ihr Antrag geht komplett an der Realität der Jugendlichen vorbei. Das will ich in drei Punkten kurz erläutern.

Erstens. Sie setzen den Schwerpunkt in der ehrenamtlichen Jugendarbeit auf die internationalen Begegnungen.

(Unruhe)

- Es ist ein bisschen laut, Frau Präsidentin.

Dann machen Sie eine Pause, bis es wieder ruhig ist, Herr Albers.

Ja, die Uhr läuft.

Das mit der Uhr kriegen wir schon hin.

(Karl-Heinz Klare [CDU]: Oder du musst dich mit überzeugenden Argu- menten durchsetzen!)

- Herr Klare, bitte seien Sie jetzt auch mal ruhig! Bitte schön, Herr Albers!

Lieber Karl-Heinz, auch mal ruhig sein! Hör auf die Präsidentin!

(Karl-Heinz Klare [CDU]: Wenn du ein bisschen überzeugender wärst!)

Sie setzen den Schwerpunkt in der ehrenamtlichen Jugendarbeit also auf die internationalen Jugendbegegnungen, selbstverständlich ohne für diesen sehr kostenintensiven Bereich adäquate Mittel in den Haushalt einzustellen. In der Realität machen die internationalen Begegnungen übrigens nur 1 % bis maximal 2 % der internationalen Jugendarbeit aus. Und das definieren Sie als Schwerpunkt!

Zweitens. Der alleinige Schwerpunkt Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist für uns als Begründung zum Jahr der Jugend 2006 nicht ausreichend.

Drittens. Erst zum Ende Ihres Antrages kommen Sie auf den Kern Ihrer Forderung. Sie wollen das SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe - reformieren. Ihre Forderung, den Spielraum der Jugendhilfeträger zu erweitern, bedeutet einen massiven Einschnitt in das Hilfeangebot für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche. Eine Kinder- und Jugendhilfe reinweg nach Kassenlage der Jugendhilfeträger können, dürfen und werden wir im Sinne der Kinder und Jugendlichen nicht mitmachen.

(Beifall bei der SPD)

Es wird Sie daher nicht verwundern, dass wir Ihren Antrag nicht mittragen können.

(Zurufe von der CDU: Schade!)

Meine Damen und Herren, es gab erhebliche Bemühungen der jugendpolitischen Sprecherinnen und Sprecher aller vier Fraktionen, eine gemein

same Beschlussempfehlung zum Jahr der Jugend auf den Weg zu bringen. Leider scheiterte der erste Versuch, mit einer gemeinsamen Sprache gen Jugend zu sprechen.

Umso mehr begrüße ich es, dass sich heute CDU und FDP unserem Antrag anschließen. Ich denke, ein einstimmiger Beschluss des Landtages zum Jahr der Jugend ist ein sehr deutliches Zeichen gerade an die jungen Menschen in Niedersachsen, dass wir beim Thema Jugend die Parteipolitik beiseite lassen können und wir alle sehr wohl die Situation der Kinder und Jugendlichen in Niedersachsen Ernst nehmen. Für dieses Zeichen danke ich allen Abgeordneten recht herzlich.

Wir beantragen das Jahr der Jugend, um der Jugend endlich wieder den Stellenwert in der öffentlichen Diskussion, aber auch in der politischen Diskussion zu geben, der ihr zusteht. Mit dem Jahr der Jugend wollen wir einerseits die hervorragenden Leistungen in der ehrenamtlichen Jugendarbeit herausstellen. Auf der anderen Seite gilt es, die häufig sehr individuellen Probleme der niedersächsischen Jugendlichen Ernst zu nehmen und vor allem auch echte Hilfen anzubieten.

Unser Antrag zum Jahr der Jugend soll die Situation der Jugendlichen in Niedersachsen eben nicht durch die rosarote Brille sehen, sondern die ungeschönte Alltagsrealität mit all ihren Widrigkeiten sollen im Mittelpunkt stehen, meine Damen und Herren.

Daher liegt der erste Schwerpunkt des Antrages auch auf der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, dem derzeit dringendsten Problem unserer jungen Menschen in Niedersachsen. Für Jugendliche bedeutet Arbeitslosigkeit in fast allen Fällen Perspektivlosigkeit.

(Astrid Vockert [CDU]: Das sehen wir auch so!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, jeder einzelne Jugendliche, der in die Arbeitslosigkeit und in die Perspektivlosigkeit fällt, ist ein Trauerfall und eine Klage gegen unsere doch so reiche Gesellschaft in Niedersachsen.

(Beifall bei der SPD)

Des Weiteren gilt es, bei der Jugendhilfe konsequent den Weg des präventiven Ansatzes zu beschreiten, frei nach dem Motto „Prävention vor

Reparatur“. Dies gilt auch bei der Bekämpfung von Jugendgewalt und Jugendkriminalität.

Die ehrenamtliche Jugendarbeit in Niedersachsen ist ein sehr wichtiger Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Ich bin mir sicher, ohne die hervorragende Arbeit in den Vereinen, in den Verbänden, aber auch in der kommunalen Jugendarbeit würde unser Gesellschaftssystem zusammenbrechen.

(Zustimmung bei der CDU)

- Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Sie da zustimmen. Ich denke, das ist auch über alle Parteien, über alle Fraktionen einhellige Auffassung.