Bezeichnend, meine Damen und Herren - und damit möchte ich zum Schluss kommen -, waren Beiträge - Herr Althusmann, vielleicht haben Sie sie auf Hallo Niedersachsen am letzten Freitag gesehen -, als Abiturientinnen aus Hannover gefragt wurden, was sie jetzt nach dem Abi als Erstes vorhätten. Auf diese Frage antwortete eine ganze Reihe von Schülerinnen: Nach dem Turbostress erst einmal ein Jahr ausspannen, endlich einmal den eigenen Interessen nachgehen,
ins Ausland gehen, Freiwilliges Jahr machen. Glauben Sie eigentlich immer noch, sie hätten mit dem Turboabi ein Jahr gewonnen?
(Beifall bei den GRÜNEN und Zu- stimmung bei der SPD - Ulf Thiele [CDU]: Glauben Sie, dass sich dabei irgendetwas gegenüber früheren Abi- jahrgängen geändert hat? - Unruhe)
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch ich möchte den Abiturienten beider Jahrgänge und generell allen Schulabsolventen dieses Schuljahres zu ihren bestandenen Prüfungen gratulieren und ihnen alles Gute für den weiteren Lebensweg wünschen.
Dass sich manche nach dem Abitur entscheiden, nach dieser wichtigen Prüfung, nach diesem wichtigen Abschnitt ihres Lebens zunächst einmal ein Jahr lang abzuchillen, ist doch gang und gäbe. Manche machen das sogar noch länger. Oder, Herr Kollege Perli? - Das kommt durchaus vor. Auch in unserem Abiturjahrgang hat es so etwas ja gegeben.
Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es die Oppositionsfraktionen scheinbar nicht vertragen können, dass wir immer gesagt haben: Natürlich funktioniert die Umstellung vom Abitur nach 13
Jahren auf das Abitur nach 12 Jahren nicht reibungslos. - Ich glaube aber, diese Landesregierung hat es in den letzten Jahren vermocht, diesem Jahrgang stets als starker und verlässlicher Partner zur Seite zu stehen und ihn dabei zu unterstützen, seine Abiturprüfung erfolgreich abzulegen. Ich möchte einmal an die zwei Aktionspläne, die aufgelegt worden sind, und an die zusätzlichen Förderstunden erinnern. Wir haben es geschafft, den doppelten Abiturjahrgang zum Erfolg zu führen. Es hätte Ihnen gut angestanden, meine sehr geehrten Damen und Herren, von den Oppositionsfraktionen, sich hier hinzustellen und zu sagen: Das ist nicht unsere Vorstellung. Nach unserer Auffassung sollten alle das Abitur nach 13 Jahren machen. Wir müssen aber anerkennen, dass Sie es geschafft haben, das Abitur nach 12 Jahren reibungslos zu Ende zu bringen. - Das hätte Ihnen gut angestanden, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Stattdessen hören wir seit Jahren aber nur einen Unkenruf nach dem andern. Frau Heiligenstadt hat im Januar noch vom „Versuchskaninchen-Jahrgang“ gesprochen. Herr Hagenah hat im Januar in der Debatte suggeriert, die würden in Mathematik alle viel, viel schlechter abschneiden als die übrigen Schülerinnen und Schüler. Es wurde auch gesagt, dass man den Schülerinnen und Schülern den doppelten Abiturjahrgang eingebrockt habe. Sie müssen jetzt aber auch einmal diejenigen Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen lassen, die öffentlich darauf hingewiesen haben, dass sie durch das Turboabitur ein Jahr gewonnen haben. Auch die muss man sich einmal anhören.
Ständig wird davon gesprochen, dass da so viele auf der Strecke geblieben seien. Diejenigen, die im nächsten Jahr, also nach 13 Jahren, das Abitur machen, bleiben nicht auf der Strecke. Im Vergleich zu Ihrem Alternativmodell, das Abitur generell erst nach 13 Jahren anzubieten, ändert sich bei uns für die Schülerinnen und Schüler überhaupt nichts.
Wer bei Ihrer Politik aber auf der Strecke geblieben wäre, das sind die 22 500 Schülerinnen und Schüler, die das Abitur nach 12 Jahren erfolgreich abgelegt und jetzt ein Jahr mehr Lebenszeit außer
Wer sich dann hier hinstellt und sagt, wir könnten das nicht als Erfolg werten, weil noch gar nicht klar sei, wie erfolgreich dieser Abiturjahrgang später in der Berufsausbildung oder im Studium sein wird, der macht dasselbe wie der Kollege Hagenah, nämlich zunächst einmal zu suggerieren, dass die alle dümmer seien als die anderen.
Aus meiner Sicht verhalten Sie sich hier sehr scheinheilig, wenn Sie den Abiturientinnen und Abiturienten zu Beginn Ihrer Rede gratulieren, gleich im Anschluss daran aber sagen: Eigentlich seid ihr doch ein bisschen dümmer als die anderen. - Das ist schon sehr scheinheilig.
Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass die ihr Studium und ihre Berufsausbildung erfolgreich absolvieren; denn die haben den Stoff nicht nur reingedrückt bekommen und dann zu den Prüfungen abgerufen. Sie müssen einmal in die Schulen gehen. Die Lehrerinnen und Lehrer berichten dort sehr wohl davon, dass sie am Ende in den einzelnen Kursen der zweijährigen gemeinsamen Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe kaum noch Unterschiede festgestellt haben und nicht sagen konnten, welcher Schüler aus welchem Jahrgang gekommen ist. Ich glaube, Sie hätten selbst dann, wenn sie die Berufsausbildung und das Studium erfolgreich absolviert haben, nicht so viel Anstand, sich hier hinzustellen und zu sagen: Na ja, es hat doch funktioniert. - Sie würden wahrscheinlich viel eher sagen: Lassen Sie uns noch einmal 40 Jahre warten, dann gucken wir, ob die auch dieselben Rentenansprüche haben wie die anderen.
Sie können einfach nicht sagen, dass wir Erfolg hatten. Dieser Erfolg wird sich für die Schülerinnen und Schüler fortsetzen; denn es wurde auch mit der ausbildenden Wirtschaft gesprochen. Sie hat erkannt, dass sie diesen doppelten Abiturjahrgang nutzen kann, um Fachkräfte zugunsten der Wirtschaftsfähigkeit unseres Landes zu gewinnen. Außerdem wurden Studienplätze geschaffen.
Das heißt: Diese erfolgreichen Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs haben alle Chancen und zudem noch ein Jahr mehr. Das haben wir ihnen erfolgreich ermöglicht. Das sollten Sie anerkennen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Kollege Klare, aber auch der Kollege Försterling ausdrücklich recht haben.
Es muss Sie so richtig wurmen - auch Ihre Reaktionen zeigen dies sehr deutlich -, dass dies alles so geräuschlos, so geplant und so exzellent gelaufen ist, dass Sie als Opposition eigentlich gar keinen Ansatz mehr haben, uns zu kritisieren.
Stellen Sie sich einmal vor, was hier im Parlament los gewesen wäre - Sie wären hier doch über Tische und Bänke gesprungen -, wenn die Aufgabenstellungen fehlerhaft gewesen wären und wenn alle durchgefallen wären. Ich weiß gar nicht, wie vielen Rücktrittsforderungen ich hier ausgesetzt gewesen wäre, wenn dieses Abitur nicht so verlaufen wäre, wie es am Ende verlaufen ist, nämlich exzellent erfolgreich.
Meine Damen und Herren, schauen Sie doch nur einmal nach Nordrhein-Westfalen. Eine rot-grüne Landesregierung musste dort noch nicht einmal ein doppeltes Abitur vorbereiten, sondern nur ein einfaches; das doppelte Abitur kommt erst im nächsten Jahr. Ich denke, die Nordrhein-Westfalen wissen, was jetzt auf sie zukommt. Dort mussten zunächst einmal die Abituraufgaben noch einmal
verändert werden, weil sie eklatante Fehler enthalten haben. Dann wurden die neuen Aufgaben vorgelegt, und auch die neuen Aufgaben haben Fehler aufgewiesen, sodass am Ende eine Vielzahl von Klausuren nachgeschrieben werden musste.
So kann man es wahrlich falsch machen. Dort allerdings ist nicht die CDU an der Landesregierung, meine Damen und Herren.
Aller Hysterie zum Trotz: Die Sorge um eine Benachteiligung der G8-Schüler war und ist unberechtigt. Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen G8 und G9. Wir haben inzwischen die Ergebnisse von 64 % aller Schulen vorliegen. Daran können wir ermessen, dass es in Wahrheit keine entscheidenden Unterschiede gibt. Die Unterschiede bewegen sich allenfalls im Null-KommaNull-Bereich, Frau Korter. Insofern glaube ich, dass wir hier mit ein wenig Stolz sagen können, dass es die Leistungen der Schüler, der Eltern und auch der Lehrer waren, die dazu beigetragen haben, dass das G8 in Niedersachsen insgesamt zu einem Erfolg wurde.
Herr Minister, können Sie dem Parlament vielleicht erläutern, warum die Abituranforderungen für das G8 im Bundesland Bayern im Nachhinein korrigiert werden mussten, weil die Ergebnisse so schlecht ausgefallen sind?
Auch das kann ich Ihnen erklären: Die Bayern haben nicht das gemacht, was wir in Niedersachsen konsequent richtig gemacht haben. Wir haben die Schülerinnen und Schüler im G8- und im G9-Jahrgang von Anfang an gemischt. Wir haben sie in gemeinsamen Lerngruppen zusammengeführt.