Protokoll der Sitzung vom 27.03.2009

Wahlen zum Europaparlament Radiosendungen zu diesem Thema macht

(Ulf Thiele [CDU]: Das heißt Europäi- sches Parlament!)

und dass es weitere Medienpartnerschaften geben wird.

Jetzt sagen Sie natürlich, das hat nichts damit zu tun. Jeder kann Ihnen sagen, dass das anders gelaufen ist.

Frau Kollegin, Sie müssen jetzt zum Schluss kommen.

Es hat ja auch einige Störungen gegeben.

Das habe ich schon gemerkt, aber Sie sollten nicht darauf eingehen.

Abschließend möchte ich jedenfalls die konstruktiven und vernünftigen Kräfte in der CDU und der FDP ausdrücklich ermuntern und ermutigen, sich dafür einzusetzen, dass ein demokratischer Umgang mit allen demokratisch gewählten Fraktionen in diesem Landtag einzieht.

(Beifall bei der LINKEN)

Frau Kollegin, ich ermuntere Sie zum letzten Mal, jetzt zum Schluss zu kommen. - Vielen Dank.

Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, ein Hinweis an die Gäste in der linken Loge. Wir haben vorhin bemerkt, dass mehrere Aufnahmen gemacht wurden, auch mit Blitzlicht. Ich bitte, das einzustellen.

Ich erteile Herrn Kollegen Riese von der FDPFraktion das Wort.

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Da bei der Zahl der Drucksachen, die hier zur Abstimmung vorliegen, die Übersicht an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas verlorengeht, zunächst einmal die klare Handlungsanweisung, mit der Sie es auf jeden Fall richtig machen: Zustimmen bei 1049 und zustimmen bei 1054 (neu).

(Kreszentia Flauger [LINKE]: Netter Versuch!)

Wenn Sie das tun, liegen Sie richtig.

(Zustimmung bei der FDP)

1054 (neu) enthält alle Anregungen, die aus diesem Parlament gekommen sind und die die Wahlbeteiligung erhöhen sollen. Das ist der richtige Weg. Niemand wird irgendetwas in 1054 (neu) finden, das ihm politisch zuwiderläuft. Das ist der richtige Weg, weil es für Niedersachsen ganz besonders wichtig ist, dass wir eine hohe Wahlbeteiligung im Lande erreichen, damit auch die niedersächsischen Bewerber für das Europaparlament - eine Bewerberin sehe ich in diesem Saal gerade - eine gute Chance haben, das Land Niedersachsen im Europaparlament zu vertreten.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Das ist unabhängig von der Parteizugehörigkeit ein Ziel, das wir auf jeder politischen Ebene betrachten können. Vom Gemeinderat über den Landtag und den Bundestag bis zum Europaparlament gibt es ja nicht nur die parteipolitische Orientierung, sondern auch immer das Herkunftsprinzip. Schon im Gemeinderat spielt es eine Rolle, aus welchem Ortsteil man kommt. Da kommen mitunter ganz bestimmte Vertretungen für Sachthemen zustande. In Europa ist das noch wesentlich bedeutender als das Parteienprinzip. Insofern ist jede Niedersächsin und jeder Niedersachse mehr, die und der dem Parlament angehört, für uns alle ein Gewinn.

(Beifall bei der CDU - Heiner Bartling [SPD]: Meistens! - Unruhe)

Herr Kollege, es wäre auch ein Gewinn, wenn es ruhiger werden würde im Plenarsaal.

(Ralf Briese [GRÜNE]: Ja, Regie- rungsbank!)

Zu 1049 habe ich in vergangenen Plenarsitzungen schon das ein oder andere gesagt. Heute ist hochqualifiziert debattiert worden, insbesondere von den Kollegen Aller und Matthiesen. Der Kollege Aller hat aber, wenn ich richtig mitgezählt habe, das wunderschöne N-Wort „neoliberal“ wenigstens

dreimal in seine Rede eingeflochten - jetzt sehe ich Herrn Aller gar nicht mehr im Saal -, jedes Mal in Verbindung mit dem Wort „marktradikal“.

(Andrea Schröder-Ehlers [SPD]: So ist es!)

Ihm möchte ich noch einmal erläutern, was die soziale Marktwirtschaft eigentlich ist.

(Dr. Bernd Althusmann [CDU]: Zuhö- ren!)

Die soziale Marktwirtschaft nach Müller-Armack ist das Wirtschaftsprinzip, bei dem der Staat einen Ordnungsrahmen setzt, innerhalb dessen sich die Marktkräfte frei entfalten. Es ist eine unbestrittene wirtschaftswissenschaftliche Meinung, dass sich im freien Spiel der Kräfte im Wettbewerb der Wohlstand erhöht.

(Kreszentia Flauger [LINKE]: Das ist gar nicht unbestritten! Das ist Ihre Meinung! - Helge Limburg [GRÜNE]: Der Wohlstand Weniger! - Weitere Zu- rufe - Glocke des Präsidenten)

Aber der Ordnungsrahmen ist vonnöten, damit sich die Marktradikalität, die in Deutschland u. a. mit dem Begriff Hedgefonds verbunden ist, die unter rot-grüner Bundesregierung in Deutschland zugelassen wurden,

(Beifall bei der CDU - Ralf Briese [GRÜNE]: Waren Sie denn damals dagegen?)

nicht Bahn bricht. Ich darf in Erinnerung rufen, dass ein wichtiger europäischer Abstimmungsprozess in diesen Tagen, Wochen und Monaten darin besteht, eine europäische Vereinheitlichung der Bankenaufsicht zuwege zu bringen, die den Ordnungsrahmen dort wiederherstellt und das auf den Weg bringt, was für die Wirtschaft in Gegenwart und naher Zukunft das Allerwichtigste ist, nämlich dass der Kapitalfluss wieder in Schwung kommt. Das ist mehr wert als alle Konjunkturprogramme, und das wird auf europäischer Ebene koordiniert.

(Zustimmung von Gesine Meißner [FDP])

Ich wiederhole die Handlungsanweisung zum einfachen Gebrauch noch einmal: 1049 - ja, 1054 (neu) - ja. Alles andere bitte ablehnen.

Ich danke Ihnen.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Ich erteile der Kollegin Rakow von der SPDFraktion das Wort. Die Restredezeit beträgt 2:04 Minuten.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich will zuerst einmal die Arbeitsanweisung von Herrn Riese korrigieren: 1054 (neu) brauchen wir nicht zuzustimmen.

(Beifall bei der LINKEN - Roland Rie- se [FDP]: Doch!)

„Zum Zusammenrücken der Europäer in der Krise jedenfalls gibt es keine Alternative.“

So lautet der letzte Satz des Kommentars von Stefan Koch heute Morgen in der HAZ. Auch ohne Krise macht Zusammenrücken Sinn. Ein Zusammenrücken im Landtag, um gemeinsam kraftvoll für Europa zu werben, scheint leider nicht möglich. Das geht auf Ihre Kosten, meine Damen und Herren von CDU und FDP.

(Beifall bei der SPD, bei den GRÜ- NEN und bei der LINKEN)

Inhaltlich unterscheiden sich die Fraktionen in der Frage „Europa bewusst machen - Wahlbeteiligung erhöhen“ eigentlich in gar nichts. Im Ausschuss haben wir über einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen nachgedacht. Wir waren in der Diskussion schon recht weit. Der Sache nach wäre es angemessen gewesen.

Einige von Ihnen, meine Damen und Herren von CDU und FDP, können aber offenbar nicht über ihren Schatten springen und starten darum dieses taktische nach links gerichtete Ausweichmanöver durch den zusätzlichen, neuen Änderungsantrag. Letzten Endes tun Sie das nur, um nicht über den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken abstimmen zu müssen. Frau Polat hat schon recht, wenn sie da Linkenphobie unterstellt.

(Beifall bei der SPD und bei der LIN- KEN)

Das alles ist inhaltlich ärgerlich, von Ihrem Verhalten her ziemlich peinlich und letzten Endes kein Stück europatauglich.

(Beifall bei der SPD und bei der LIN- KEN)

Aber offenbar liegt den Fraktionen von CDU und FDP auch nicht so viel an Europa.

Wenn ich mir ansehe, wie sich der Umweltminister mitunter verhält, wenn er die EU als Bürokratieungeheuer darstellt und als Kämpfer mit Kettensäge gegen die EU antritt,

(Glocke des Präsidenten)

dann passt das nahtlos in die Linie, dass Europa ihm doch nicht so viel bedeutet.