dass die 700 Leute in der Landesschulbehörde, die man bei Ihnen vielleicht um 50 oder 100 aufstocken will - ich weiß nicht, welche Vorstellungen Sie da haben -, nicht 50 Millionen Euro im Jahr kosten? Anderenfalls könnten Sie nicht rechnen.
Frau Präsidentin! Ich nehme mit Freude zur Kenntnis, dass Frau Korter gerade selbst zugegeben hat, dass es zu keinen Kosteneinsparungen durch das Abschaffen des Sitzenbleibens kommt, insbesondere nicht bei der Landesschulbehörde. Das haben Sie sehr gut zum Ausdruck gebracht. Deswegen erwarte ich, dass wir diesen Antrag gar nicht mehr im Ausschuss diskutieren, sondern dass Sie ihn gleich zurückziehen.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich hatte auf eine sachliche Debatte über ein unzweifelhaft fachliches Gutachten gehofft. Leider Fehlanzeige! Es gab eine ziemlich vereinfachende Gegenargumentation und zum Schluss auch noch Verdrehungen.
Bei den üblichen Hilfsargumenten wurde zum Teil einfach mit Zahlen hantiert. Es wurde gesagt, es werde mit diesen Maßnahmen vorsichtig umgegangen, und Frau Ernst sagte, 2,6 % seien nicht viel. Auch folgende Zahlen stehen im Gutachten: In Niedersachsen addiert es sich bei 15-Jährigen schon auf über 23 %, die mit Sitzenbleiben zu tun hatten.
zukommt, dann trifft man leicht auf Klassenkohorten, in denen über 40 % schon mit Sitzenbleiben konfrontiert worden sind. Das ist dann nicht mehr marginal, meine Damen und Herren.
Wenn ich zu einer Abiturientenentlassung gehe, dann wundere ich mich, wenn ich damit konfrontiert werde, dass häufig nur etwa die Hälfte eines Abiturentlassungsjahrgangs ohne Verzögerung die Schuljahre durchlaufen hat. Wo bleibt dann Ihre Argumentation, wenn man sich das anschaut?
Der übliche alte Spruch „Einstein ist auch sitzen geblieben“ oder ein Christian oder ein Björn - oder wer auch immer - war immer schon dümmlich.
Aber lassen Sie mich dazu sagen: Es mag immer den einen oder anderen geben, dem Sitzenbleiben irgendwann auf die Sprünge geholfen hat.
Aber es gibt auch immer den Boris, den Heinz, die Natascha und die Maria, die auch sitzen geblieben sind. Boris hat keinen Hauptschulabschluss geschafft, Heinz hat keine Lehrstelle bekommen, Natascha hat die Lehre abgebrochen, und Maria schwänzt ständig die Schule. Das sind dann die Folgen des Sitzenbleibens wegen Beschämung und schlechteren Chancen.
Nun zu der Studie selbst. Ich denke, sie ist schwer zu widerlegen. Die Bertelsmann-Stiftung erkennen Sie doch in aller Regel als seriös an. Ich kenne keine Studie, die den Sinn des Sitzenbleibens belegt.
Erster Punkt: Sitzenbleiben ist teuer. Da werden mit Recht Personalausgaben, Verwaltungskosten, Sachaufwand und Investitionskosten genannt. Natürlich würden sie nicht entfallen. Aber es würden weniger Kosten bei weniger sitzen bleibenden Schülern anfallen, weil es Lebenszeit und Zeit in der Schule kostet.
Von dem Ergebnis von 50 Millionen Euro könnte man 1 000 Lehrer oder noch mehr Sozialpädagogen oder Schulpsychologen einstellen.
Zweite These: Sitzenbleiben ist unwirksam. Auch das ist nicht nur empirischer Befund, sondern auch Alltagserfahrung. Wir Lehrer kennen es doch: Nach Wiederholung tritt in der Regel nur eine kurzfristige Besserung im nächstfolgenden Schuljahr auf. In aller Regel haben diese Schülerinnen und Schüler in späteren Jahren selbst in diesen Fächern wieder ihre Schwächen, erst recht bei neu hinzukommendem Stoff. Sie zählen in ihrer Klasse in der Regel nicht zu den Besseren, sondern zum schwachen Durchschnitt.
Sie waren doch selbst einmal Leiter eines Gymnasiums, wie ich weiß. Wie viele Schülerinnen und Schüler sind eigentlich zu Ihrer Zeit sitzen geblieben, und was haben Sie damals als Schulleiter dagegen unternommen?
Wir hatten die Regelung so, wie sie ist. Wir hatten auch einen Schnitt zwischen 2 und 3 %. Die Fördermaßnahmen, die wir eingeleitet haben, habe ich bei verschiedenen Klassen mit Förderunterricht immer wieder umzusetzen versucht. Es gibt allerdings Länder, die dies systematisch machen. Niedersachsen ist da wie an vielen anderen Punkten Schlusslicht.
Jetzt möchte ich diese wenigen Sätze noch ohne Unterbrechung ausführen. Er kann dann ja intervenieren.
Wie der Übergang zu einer Schule ohne Sitzenbleiben sinnvoll zu organisieren ist, darüber können wir im Ausschuss trefflich und hoffentlich mit Gewinn für die Schülerinnen und Schüler streiten. Diese Debatte hat aber leider nicht viel Hoffnung gemacht.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, es liegen keine weiteren Wortmeldungen mehr vor. Damit sind wir am Ende der Beratung.
Zuständig soll der Kultusausschuss sein. Wer dem so folgen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. - Wer ist dagegen? - Wer enthält sich? - Es ist so beschlossen.
Erste Beratung: Klimaschutz vorantreiben: Windkraft im Binnenland ausbauen - Repowering aktiv fördern! - Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen - Drs. 16/1649
Der Antrag wird von Herrn Wenzel von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eingebracht. Bitte schön, Herr Wenzel!