Ein, wie ich finde, exzellentes Beispiel der Erinnerungskultur, gerade mit Blick auf das geteilte Deutschland, bietet das Grenzlandmuseum Eichsfeld. Auf dem Gelände der ehemaligen innerdeutschen Grenze, des Grenzübergangs DuderstadtWorbis informiert das Grenzlandmuseum Eichsfeld über die Geschichte der Teilung Deutschlands sowie über das Leben an und mit der Grenze. Im Fokus der Ausstellung stehen das Eichsfeld, das
besonders unter der Teilung litt, und auch das Grüne Band, das als Eiserner Vorhang einst Europa teilte. Gerade solche Bildungsstätten sind es, die wir aus unserer Sicht stärker in der Ausbildung unserer Erinnerungskultur unterstützen sollten.
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten unterstützt die Bückeberg-Planung des Landkreises Hameln-Pyrmont und auch des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln. Sie beteiligt sich seit Jahren inhaltlich und finanziell an den Planungen und wird für die Umsetzung der Förderung einen Betrag von mindestens 150 000 Euro zur Verfügung stellen. Bei aller Diskussion, die wir hier heute hatten, sollten wir nicht vergessen, dass durch die Zusage von Fördermitteln verschiedener Stiftungen und auch des Landkreises HamelnPyrmont dieses Projekt aus eigener Initiative bereits finanzierbar ist.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, erlauben Sie mir eine abschließende Bemerkung: Erinnerungskultur macht sich nicht nur an einem Punkt fest. Die deutsche Geschichte hat viele Facetten, an die wir uns unbedingt erinnern müssen.
Bevor ich zur Ausschussüberweisung komme, darf ich mitteilen, dass sich der Kollege Emden zu einer Persönlichen Bemerkung gemeldet hat. Ich werde Ihnen nach der Ausschussüberweisung das Wort geben. Ich möchte dies zunächst abschließen. Sie kommen aber auf jeden Fall dran.
Für die Ausschussüberweisung ist vorgeschlagen: federführend der Kultusausschuss, mitberatend der Ausschuss für Haushalt und Finanzen. Wer dem so folgt, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenprobe! - Enthaltungen? - Das ist so beschlossen.
Herr Kollege Emden, jetzt haben Sie das Wort für eine persönliche Bemerkung nach § 76 der Geschäftsordnung. Ich darf die wenigen Zeilen kurz in Erinnerung rufen:
„Einem Mitglied des Landtages, das sich zu einer persönlichen Bemerkung zu Wort gemeldet hat, ist das Wort auch nach Schluss
der Besprechung zu erteilen. Das Mitglied des Landtages darf in der persönlichen Bemerkung nur Angriffe zurückweisen, die in der Aussprache gegen es gerichtet wurden, oder eigene Ausführungen berichtigen. Es darf nicht länger als fünf Minuten sprechen. Bei Verstößen gilt § 71 Abs. 4 (Wortentzug) entsprechend.“
Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass in der gestrigen Debatte - ich weiß nicht mehr, von welcher Kollegin; von welcher Fraktion, habe ich vergessen - das Wort „erbärmlich“ eingesetzt wurde. Da gab es keinen Ordnungsruf, keine Ermahnung und noch nicht einmal den Hinweis darauf. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich um Neutralität und um Gleichbehandlung bitte.
Vielen Dank, Herr Kollege. - Es ist durchaus grenzwertig, ob dies ein Anlass zu einer persönlichen Bemerkung war.
Da es gestern keinen Ordnungsruf gegeben hat und auch heute nicht, darf ich feststellen, dass Sie durchaus korrekt und gleich behandelt worden sind.
Tagesordnungspunkt 26: Erste Beratung: Gesundes und bewusstes Essen dürfen für Kinder und Erwachsene keine Fremdworte sein - Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion der CDU - Drs. 18/648
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wer einmal die Zeit hat, fernzusehen - und ich hatte jetzt leider aufgrund von Grippe Zeit; wahrscheinlich auch viele andere Kolleginnen und Kollegen -, hat bei den Fernsehsendungen den Eindruck, dass in jedem Haushalt frisch gekocht wird und bei jedem ein Drei-Gänge-Menü innerhalb von 20 Minuten auf dem Tisch steht - natürlich alles komplett ausgewogen, „frische Ernährung“ großgeschrieben.
Ernährung ist ein profitabler Markt. Vegetarisch, vegan oder der komplette Verzicht auf Zucker sind nur einige der möglichen modernen Ernährungsformen. Essen wird für einige zur Ersatzreligion. Man könnte meinen, die Gesellschaft war noch nie aufgeklärter bei dem Thema Ernährung. Neueste Zahlen belegen allerdings diese These nicht; denn es gibt sehr wohl noch viele Bürgerinnen und Bürger, denen der große Überblick über das Detailwissen zu den täglich konsumierten Lebensmitteln fehlt.
Das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft soll an dieser Stelle ansetzen. Warum das dringend erforderlich ist, zeigen neue Zahlen zum Thema Ernährung und Gewicht von Kindern und Jugendlichen. Allein in Deutschland steigt seit 1975 der Anteil fettleibiger Kinder von 3 % auf heute 7 % der Mädchen und 11 % der Jungen. Als übergewichtig werden sogar über 20 % eingestuft.
Die Folgen nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für unser Gesundheitssystem sind verheerend. Das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck steigt. Ganz besonders kritisch ist die rapide Zunahme der Diabeteserkrankung vom Typ 2, schon bei Jugendlichen. Immer mehr Kinder haben aufgrund von Übergewicht beim Schuleintritt bereits motorische Defizite und Koordinationsstörungen. Außerdem wird der Haltungs- und Bewegungsapparat überstrapaziert. So können schon früh Schäden an Gelenken auftreten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bei den Erwachsenen sind die Zahlen sogar noch erschreckender. Je nach Geschlecht sind es zwischen 50 und 60 % der Erwachsenen, die an Übergewicht leiden. Das ist fast mehr als jeder Zweite. Die Basis für das Übergewicht ist fast immer die falsche Ernährung oder zu wenig Bewegung.
Essen ist überall und zu jeder Zeit verfügbar. Der Griff in die Kühltruhe des Discounters erscheint eine kostengünstige und schnelle Möglichkeit, ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen. Selbst zu kochen, ist aber erwiesenermaßen auf Dauer günstiger und gesünder.
Wie genau müssen wir dafür einkaufen? Wie können wir gesund kochen? Wie können wir Reste verwerten und dabei auch noch Geld sparen? Kinder müssen angeleitet werden, wenn es um das Thema gesunde Ernährung geht. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern ihnen von Anfang an einen verantwortungsvollen Umgang mit gesunden Lebensmitteln beibringen. Leider ist das nicht oft der Fall.
Eltern wissen selbst nicht genau, was eigentlich in den Lebensmitteln steckt oder wie man sie richtig zubereitet. Dass Schokolade und Eistee voller Zucker sind, ist allen auf den ersten Blick klar. Aber wie sieht es mit versteckten Zuckern aus? Woher soll ein Kind wissen, dass knapp 60 Würfel Zucker in einer Flasche Ketchup sind? Auch der vermeintlich gesunde Smoothie enthält mehr Zucker als die Tagesration, die die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.
Was selbst vielen Erwachsenen nicht bewusst ist, ist für Kinder schwer zu durchschauen. An genau dieser Stelle sind Menschen gefragt, die das Thema Ernährung für Kinder und Jugendliche zugänglich machen können und dabei helfen, ein gesundes Verhältnis zu Lebensmitteln aufzubauen.
Mit einem Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft haben wir die Möglichkeit, eine Schnittstelle zwischen Familien, Bildungseinrichtungen, Gemeinschaftseinrichtungen zur Versorgung, Unternehmen, Experten, dem Ministerium und anderen Akteuren zu schaffen. Hier gibt es ein großes Potenzial für Zusammenarbeit.
Kinder und Jugendliche können durch geschulte Mediatoren frühzeitig über ein gesundes Essverhalten informiert werden und dabei einen verantwortungsvollen Umgang mit den Lebensmitteln lernen. Für Eltern können sie eine Stütze in der Erziehung sein und bei Fragen rund um die gesunde Ernährung als Ansprechpartner dienen. Auch Schulen sind hierbei wichtige Partner. Hauswirtschaft ist leider ein Schulfach, das unterschätzt wird.
(Miriam Staudte [GRÜNE]: Ja, von Rot-Grün! - Genau, von Rot-Grün. (Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Helge Limburg [GRÜNE]: Früher war alles besser! - Christian Meyer [GRÜNE]: Gegen die CDU, Herr Dammann-Tamke!)
Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Kooperationen sind Aktionstage rund um das Thema Hauswirtschaft und Kochen bei den niedersächsischen Landfrauen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine wichtige Rolle beim nachhaltigen Konsum spielt auch die Vorbeugung von Lebensmittelverschwendung. Laut einer vom Bundesernährungsministerium geförderten Studie aus dem Jahr 2012 wirft jeder Bürger pro Jahr 82 kg Lebensmittel weg. Den Verbraucherzentralen zufolge sollen es auf allen Stufen der Wertschöpfungskette insgesamt 11 Millionen t Lebensmittel mit einem Wert von 25 Milliarden Euro sein, die Jahr für Jahr im Müll landen. Gegen diese Lebensmittelverschwendung muss das bisher eingeleitete Maßnahmenpaket ausgeweitet werden.
Wir müssen uns in den nächsten Jahren dringend um eine Reformierung des Verfallsdatums auf Verpackungen einsetzen. Die Verbraucher müssen wieder lernen, sich auf ihre Sinne zu verlassen und nicht auf das Verfallsdatum. Wenn der Joghurt nicht unangenehm riecht, sich der Deckel nicht wölbt oder die Farbe nicht bedenklich aussieht, kann er noch bedenkenlos konsumiert werden, auch wenn er mehrere Wochen nach Ablauf noch im Kühlschrank steht. Es müssen Maßnahmen erarbeitet werden, die die Verbraucher für dieses Thema sensibilisieren und über die Folgen dieser Verschwendung aufklären.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Thema Hauswirtschaft bündelt die Kompetenzen, die das Zentrum vermitteln soll. Einfache, alltägliche Dinge werden heutzutage nicht mehr vermittelt und stellen gerade junge Erwachsene vor eine große Herausforderung, wenn sie selbst auf eigenen Beinen stehen wollen. Umgang mit Geld, Hygiene und Umgang mit Nahrungsmitteln sind hier wichtige Punkte. Das Zentrum für Ernährung und Hauswirt
Ich freue mich auf die Beratung der Thematik mit Ihnen gemeinsam im Unterausschuss „Verbraucherschutz“.
Vielen Dank, Frau Kollegin Glosemeyer. - Es folgt jetzt für die Fraktion der AfD die Fraktionsvorsitzende, Frau Dana Guth. Bitte sehr!
Vielen Dank. - Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Antrag der Regierungskoalition spricht ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Problem an. Übergewicht und daraus folgende Krankheiten wie Diabetes, Herz-KreislaufErkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates sind mögliche Folgen. Diese beeinträchtigen einerseits das Lebensgefühl der Betroffenen erheblich und belasten andererseits die Sozialkassen in immer stärkerem Maße.