Bei Krankenhausum- und -neubauten sollten die besonderen Bedarfe von Demenzkranken berücksichtigt werden. Auch der Krankenhausplanungsausschuss sollte dies in die Entscheidungen mit einbeziehen. Durch eine Zertifizierung von Krankenhäusern sollen Anreize gegeben werden, damit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
Ich hoffe sehr, dass durch diesen Antrag die Versorgung Demenzkranker in Niedersachsen verbessert wird. Lassen Sie uns gemeinsam dafür arbeiten.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das wird wieder eine der kürzeren Reden:
Ich danke der GroKo für den Antrag. Er gefällt uns sehr gut - Problem erkannt, Problem beschrieben. Alles Wichtige ist schon gesagt, und ich mache es jetzt ganz kurz und wiederhole das auch nicht. Ich freue mich auf die Ausschussberatungen. Der Antrag gefällt uns sehr gut.
Danke sehr, Frau Bruns. - Für die AfD-Fraktion erhält nun das Wort Herr Abgeordneter Bothe. - Wir sollten noch einmal fünf Minuten leise sein. Danke vielmals.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - So einfach möchte ich Ihnen das hier an dieser Stelle nicht machen, auch wenn ich natürlich den Kollegen Schwarz mit seinem Antrag durchaus unterstützen will.
Ich selber habe im Rahmen meiner Ausbildung zum examinierten Altenpfleger sechs Wochen lang auf der Inneren des Städtischen Klinikums Lüneburg ein Praktikum gemacht - oder hospitiert, wie es damals hieß. Was gleich auffiel, war, dass dort die Versorgung von an Demenz erkrankten Menschen absolut nicht den Ansprüchen genügte. Im Gegensatz zum Pflegeheim, wo man ein gewisses Milieu für und eine gewisses Vertrauen zu den Menschen schafft und ihnen auch eine vernünftige Umgebung geben kann, ist das auf einer inneren Station natürlich nur ganz schwer möglich. Mithin passierte genau das, was Sie beschrieben haben: Die Menschen kommen ins Krankenhaus, und sie werden mit Medikamenten ruhiggestellt. Sie wurden damals auch fixiert, aber das ist heute ja ein bisschen schwieriger.
Es ist einfach so, dass, wenn diese Menschen aus ihrem häuslichen Umfeld herausgerissen werden, sich die Symptome, also die Verwirrtheit, die Weglauftendenzen und die Aggressivität, verstärken.
Weiter verstärken sie sich durch eine fremde und kalte Umgebung. Daher ist Ihr Anliegen mit den baulichen Veränderungen und den Teams, die dort zur sozialen Unterstützung hinkommen sollen, der absolut richtige Weg. Aber ich denke, wir sollten auch noch weitergehen und fragen, warum nicht jedes Krankenhaus einen Demenzbeauftragten hat. Wir haben so viele Beauftragte in den Krankenhäusern - warum schulen wir nicht Menschen, die vor Ort dort tätig werden? Ich finde, jedes Krankenhaus braucht einen Demenzbeauftragten.
Auch das Rooming-In muss dringend verbessert werden, gerade für Angehörige. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft fordert das seit Jahren; denn wenn die Angehörigen beispielsweise ihre an Demenz erkrankten Eltern begleiten, sind diese viel, viel ruhiger, und die Behandlung kann schneller abgeschlossen werden.
Am Ende waren wir auf dieser inneren Station immer froh, wenn wir diese Menschen wieder in ihr Milieu entlassen konnten, wenn wir sie ihren Verwandten mitgeben oder sie wieder ins Pflegeheim bringen lassen konnten - einfach weil wir nicht in der Lage waren, sie auch nur ansatzweise vernünftig sozial zu versorgen.
Ich bin aber auch der Meinung, dass die Auslobung eines Preisgeldes für Krankenhäuser der falsche Weg ist. Viel wichtiger wäre es, allen Krankenhäusern Fördergelder zur Verfügung zu stellen, damit diese die Situation für an Demenz Erkrankte selbst verbessern können.
Wir werden das mit in die Ausschussberatungen hineinnehmen. Ich werde versuchen, eine Anhörung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und anderer Verbände zu beantragen. Wenn Sie dem folgen könnten, würde ich mich sehr freuen, Herr Kollege Schwarz. Wir müssen da weiterkommen, wir müsse alle mit ins Boot bekommen, damit wir eine ganz hervorragende Situation schaffen können, um die Lebensumstände der Menschen mit Demenz zu verbessern. Das sind wir ihnen schuldig.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe SPD, liebe CDU, wir sind Ihnen für diesen Antrag wirklich dankbar. Bei diesem Thema stehen wir, wie uns in der Enquetekommission schon deutlich geworden ist, vor sehr, sehr großen Herausforderungen. Wir müssen uns den häuslichen Bereich, die Altenpflegeeinrichtungen und die Krankenhäuser anschauen und überlegen, wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen. Demenz stellt einen ganz tiefen Einschnitt für die Betroffenen, für Familienangehörige, für das gesamte soziale Umfeld dar. Ich finde es sehr gut, dass wir uns Best Practice-Beispiele, vor allem vor dem Hintergrund der vernetzten Versorgung, anschauen.
Ein anderes Thema, das noch nicht in Ihrem Antrag steht, ist die Demenzforschung. Wir sollten uns im Rahmen der Beratung etwas stärker damit beschäftigen, und hier auch mit dem Zusammenhang von Umwelteinflüssen und Demenz. Die Zahlen, die der Kollege Schwarz genannt hat - für Niedersachsen ist die Zahl von 160 000 auf 320 000 Betroffene gestiegen -, machen deutlich, dass hier großer Handlungsbedarf besteht. Und dieser liegt eben nicht nur in der Versorgung, die deutlich besser werden muss, sondern wir müssen auch noch tiefer in die Forschung gehen.
Vielen Dank Ihnen. Ich freue mich wirklich auf eine intensive Beratung und hoffe, dass wir einen großen Teil davon mit in die Enquetekommission nehmen können.
Ich danke auch Ihnen. - Abschließend hat sich die Sozialministerin Frau Dr. Reimann zu Wort gemeldet.
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Die Unterstützung von Pflegebedürftigen und unter ihnen die Demenzerkrankten ist eine der größten Herausforderungen, der sich unsere Gesellschaft schon jetzt, aber noch viel mehr in den kommenden Jahren stellen muss. Besonders die Krankenhäuser werden in Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Behandlung von demenziell erkrankten Menschen zu tun haben. Diesem Problem müssen wir uns stellen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn ein an Demenz erkrankter Mensch in das Krankenhaus muss, ist das sowohl für die Patientin oder den Patienten als auch für die Angehörigen und die Beschäftigten eine echte Herausforderung. Es braucht daher neue Ideen und innovative Maßnahmen, um besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen.
In Niedersachsen sind wir hier auf einem guten Weg. Ich will Ihnen fünf Dinge nennen, die wir jetzt schon tun:
So ist Niedersachsen erstens Vorreiter in der Entwicklung wissenschaftlich fundierter Standards in der Pflege. Die Hochschule Osnabrück hat bereits 2017 einen Standard zu „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ in der Pflege vorgelegt. Die zentrale Aussage ist: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Die Demenz wird nicht in erster Linie als medizinisches Problem wahrgenommen, sondern der Mensch mit Demenz als Subjekt mit individuellen Unterstützungs- und Beziehungsbedarfen. Das gilt auch für die Pflege im Krankenhaus.
Wie in allen Bereichen der Medizin haben wir hier ein Problem, das nur dann sinnvoll angegangen werden kann, wenn wir uns um sektorenübergreifende Lösungen bemüht. Konkret heißt das: Für die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure fordert das Land zweitens die Initiativen des CaritasForums Demenz und des Kompetenzzentrums Gerontopsychiatrische Beratung bei ambet in Braunschweig mit aktuell 365 000 Euro im Jahr. Diese beiden Kompetenzzentren sind auch unsere Landesfachstellen für Demenz.
Drittens fördern wir die gemeindepsychiatrischen Zentren. Sie haben die Aufgabe, ambulante multiprofessionell aufsuchende Teams aufzubauen.
Viertens wird zur Umsetzung des Landespsychiatrieplans im kommenden Jahr die gerontopsychiatrische Versorgung Schwerpunkt der Umsetzung sein.
Und fünftens stehen uns dieses Jahr 1,5 Millionen Euro im Rahmen eines Wettbewerbs für Modellprojekte zur besseren Versorgung Demenzerkrankter während eines stationären Aufenthaltes zur Verfügung. Teilnehmen können alle Krankenhäuser in Niedersachsen. Kooperationen mit anderen Stellen, mit Verbänden und mit Einrichtungen außerhalb eines Krankenhauses sind ebenfalls möglich.
Gefördert werden neben baulichen Maßnahmen auch präventive und pflegerische Projekte sowie Betreuungsangebote durch Ehrenamtliche und Angehörige. Die geförderten Projekte werden im Rahmen eines Fachforums „Demenz“ im September bekannt gegeben und werden in der Antragsberatung sicherlich noch von Bedeutung sein. Das Projekt wird anhand von Praxisbeispielen und -modellen Anreize geben, wie eine demenzsensible Versorgung im Krankenhaus erfolgen kann.
Ich hoffe auf zahlreiche innovative Ideen. Denn trotz aller Bemühungen, die ich beschrieben habe - das Thema Demenz benötigt in den nächsten Jahren unsere verstärkte Aufmerksamkeit.
Ich danke herzlich für die Aufmerksamkeit für diesen letzten Tagesordnungspunkt und die letzte Rede vor der Sommerpause. Ich wünsche erholsame Sommerferien.
Federführend soll der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung sein. Wer dem zustimmen möchte, den bitte ich um sein Handzeichen. - Gibt es Gegenstimmen? - Gibt es Enthaltungen? - Das ist nicht der Fall.
Der nächste, der 20. Tagungsabschnitt ist von Dienstag, 10. September 2019, bis Freitag, 13. September 2019, vorgesehen. Die Landtagspräsidentin wird den Landtag einberufen und im Einvernehmen mit dem Ältestenrat den Beginn und die Tagesordnung der Sitzungen feststellen.