Familienfreundliche Rahmenbedingungen bewirken aber noch mehr, meine Herren, meine Damen. Sie können Studieninteressierten mit Kind Mut machen, überhaupt ein Studium aufzunehmen. Darüber hinaus erleichtern sie vielen Studierenden mit Kinderwunsch die Entscheidung für eine Familiengründung während des Studiums, eine Entscheidung, die so, ohne familienfreundliche Angebote als Türöffner, nicht getroffen werden könnte.
Daher regen wir an, die guten Beispiele für familienfreundliche Maßnahmen zu sammeln und anderen Universitäten und Hochschulen verfügbar zu machen.
Wir möchten aber auch die Universitäten und Hochschulen noch besser mit den Strukturen vor Ort verankern. Nicht alle Maßnahmen sind an den Universitäten machbar. Manchmal ist eine Verzahnung mit bereits existierenden Angeboten sinnvoll. So können Hochschulen nicht nur ihr Image und ihre Attraktivität erhöhen, sondern mit diesen weichen Standortfaktoren dazu beitragen, Abwanderungstendenzen zu verringern und Studierende von außerhalb zu gewinnen.
Derartige Wettbewerbsvorteile kommen in Zeiten demografischer Veränderung der gesamten Hochschulregion zugute; denn dort, wo akademischer Nachwuchs vorhanden ist, wo er eine Familie gründet und sich aufgrund guter Standortbedingungen wohlfühlt, verbleibt er auch oft noch nach der Zeit des Studiums.
Meine Herren, meine Damen, so wie wir versuchen und appellieren, Beruf und Familie besser vereinbar zu machen, so geht unser Appell hier an die Universitäten und Hochschulen, Studium und Erziehung besser aufeinander abzustimmen, die Wechselbedingungen so gut und flexibel wie möglich zu takten. Wir müssen den kindlichen Bedürfnissen und der kindlichen Entwicklung gerecht werden, gleichzeitig aber auch den Studierenden den Rücken frei halten, damit sie ihr Studium rasch und gut abschließen können.
Unsere Gesellschaft braucht Kinder, unsere Wirtschaft gut ausgebildete Absolventen. Lassen Sie uns unsere Anstrengungen bündeln! Unterstützen Sie diesen Antrag, damit wir hier zu einer Win-winSituation gelangen! – Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist erfreulich, dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, mit diesem Antrag ein Anliegen wieder aufgreifen, das wir von der SPD und auch die Kolleginnen und Kollegen von den Grünen hier bereits in der letzten Legislaturperiode nachdrücklich vorgetragen haben.
Mit unserem Antrag „Familiengerechte Hochschule“ vom 24. März 2009 hat die SPD-Fraktion bereits damals auf Handlungsbedarf hingewiesen. Vielleicht können wir nun, da auch Sie sich stärker für dieses Thema stärker zu öffnen scheinen, zu einer gemeinsamen Basis kommen, um in diesem Bereich etwas zu bewegen.
Im Mai 2009 hatte Ihr damaliger CDU-Kollege Hollstein es hier noch so dargestellt, als stünde alles zum Besten, dass die Erfolge und Fortschritte beweisen würden, Sie seien auf dem richtigen Weg und – Zitat – ganz viele auch neidisch auf die Hochschulen in NRW guckten. Davon ist in Ihrem aktuellen Antrag nicht mehr viel zu erkennen. Jetzt betrachten Sie die Lage scheinbar etwas realistischer.
Damals haben Sie uns eine Verwurzelung im – ich zitiere –: alten, dirigistischen Denken vorgeworfen und die Hochschulfreiheit und Hochschulverantwortung hervorgehoben.
Wie ist denn vor diesem Hintergrund Ihr heutiger Antrag zu verstehen? Nun wollen Sie also, dass – Zitat – Veränderungsprozesse angestoßen werden. Das verstehe ich so, dass Sie von der absoluten Hochschulfreiheit abrücken und eingesehen haben, dass der Prozess hin zur familienfreundlichen Hochschule stärker von der Politik begleitet werden sollte.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass Sie damals von einem „Schaufensterantrag“ gesprochen haben. Nun, vielleicht haben Sie sich jetzt in der Weihnachtszeit auch ein wenig mit Ihrem Fenster beschäftigt und möchten dort ein wenig Schmuck hineinhängen.
Ich habe bei der Debatte zu unserem damaligen Antrag bereits hervorgehoben, dass die Situation für studierende Mütter und Väter schwierig ist: Studium, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut zu bringen gelingt häufig nicht. Die Studienunterbrechungs- und Studienabbruchquoten sind höher als
bei Studierenden ohne Kinder. Mit Ihrer Einführung der Studiengebühren haben Sie ja nicht gerade dazu beigetragen, die oftmals schwierige finanzielle Situation für studierende Eltern zu verbessern.
Man kann es eben nicht der individuellen Entscheidung einer Hochschule überlassen, ob sie Eltern eine finanzielle Entlastung von den Studiengebühren gewähren oder nicht. Erfreulicherweise haben sich bereits einige Hochschulen darauf besonnen, dass Familienfreundlichkeit an der Hochschule ein echter Standortvorteil sein kann.
Bereits damals haben wir gefordert, die Rahmenbedingungen für ein Studium mit Kind zu verbessern, die Hochschulen Familiengerechter und die Studienbedingungen flexibler zu machen. Wir haben auch auf einen Mangel an ausreichenden universitätsnahen Kinderbetreuungsangeboten und flexiblen Betreuungszeiten hingewiesen.
Ich freue mich, dass Sie in Ihrem heute hier vorgelegten Antrag endlich auch die Wichtigkeit der Arbeit der Studentenwerke und deren Angebote an Eltern wertschätzen; in der vergangenen Legislaturperiode mussten wir noch eine stärkere Unterstützung der Studentenwerke anmahnen, vor allem aber die Auszahlung der zugesagten Bundes- und Landesmittel.
Aber zurück zu Ihrem Antrag. Viele Punkte unserer damaligen Initiative sehe ich in Ihrem Antrag wiederaufgenommen oder in ähnlicher Weise aufgeführt. Ich kann zu diesem Thema im Grunde fast auf meinen eigenen Redebeitrag von damals zurückgreifen. Ich will nur einige wenige Punkte aufführen: Wir brauchen eine solide Finanzierung der Betreuungseinrichtungen, eine Flexibilisierung der Betreuungszeiten, ebenso eine Betreuung der Kinder in den Schulferien, in Notfallsituationen oder in besonderen Zeiträumen wie zum Beispiel Klausurphasen, aber auch die Etablierung und den Ausbau anderer Formen des Studiengangs und Studienveranstaltungsorganisationen sowie einen Ausbau von formalisierten Teilzeitstudiengängen.
Ich habe in meiner damaligen Rede auf den Sonderbericht „Studieren mit Kind“ der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hingewiesen. Dieser zeigte: Studierende Mütter unterbrechen ihr Studium deutlich häufiger als studierende Väter. Hier sind die Hochschulen aufgefordert, Belastungen gleichmäßiger zu verteilen und besondere Angebote der Kinderbetreuung und Beratung für studierende Väter anzubieten. Die Universität Düsseldorf beispielsweise hat mit dem in diesem Jahr gestarteten Projekt „Väter im Fokus – VäterZEIT“ bereits einen Weg aufgezeigt.
Es würde mich freuen, wenn Sie nun mit uns gemeinsam konstruktiv an der Umsetzung unseres Anliegens, familiengerechtere Studienbedingungen
zu erreichen, arbeiten wollen. Was dieses Ziel anbelangt, nämlich mehr Müttern und Vätern das Studium zu ermöglichen und mehr Studierenden auch während des Studiums eine echte Option zur Familiengründung einzuräumen, sind wir nah beieinander. Insofern freue ich mich auf die Diskussion im Ausschuss. Wir stimmen der Überweisung zu.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort Frau Abgeordnete Dr. Seidl.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit Blick auf Ihren Antrag, liebe Frau Birkhahn, kann ich nur sagen: Besser spät als nie. Und deshalb freue ich mich natürlich auch genauso wie die SPD-Kollegin, dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, mit dem Thema „Familienfreundliche Hochschule“ auch auf eine Initiative der Grünen-Fraktion aus der letzten Legislaturperiode zurückgreifen.
braucht familienfreundliche Hochschulen“. Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass Sie nicht alles, was wir vor einem Jahr forderten, abgeschrieben haben. Das hätte die Sache vielleicht etwas einfacher gemacht.
So können wir Ihnen nur anbieten, uns nach dieser Debatte alle an einen Tisch zu setzen, um uns dann etwas differenzierter über die Schritte zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit an unseren Hochschulen auszutauschen.
Richtig ist, dass sich die damalige Landesregierung trotz der vielfältigen Einzelmaßnahmen – das haben wir auch Herrn Pinkwart immer wieder gesagt – nicht durch ein besonders familienfreundliches Profil in der Hochschullandschaft ausgezeichnet hat. So gibt es zwar an fast allen Hochschulen in NordrheinWestfalen Kinderbetreuungsangebote sowohl für Kinder von Studierenden als auch für Kinder anderer Hochschulangehöriger, aber bei näherer Betrachtung wir deutlich, dass sich die Angebote von Standort zu Standort – qualitativ wie auch quantitativ – sehr voneinander unterscheiden.
Ich empfehle hier einen Blick in die Antwort der Landesregierung zu unserer Großen Anfrage aus der 14. Legislaturperiode. Ich hoffe, Sie haben sich schon ein bisschen damit beschäftigt.
Deshalb müssen wir Sorge dafür tragen, dass alle Hochschulen in Nordrhein-Westfalen an einem Audit zur Familienfreundlichkeit teilnehmen – das ist ja auch Teil Ihres Antrags –, dass die Hochschulen die Familienorientierung aber auch auf der Führungs
ebene fördern und familiengerechte Personalentwicklung unterstützen, dass sie bei ihren Studierenden und sonstigen Hochschulangehörigen eine differenzierte Erhebung des Betreuungsbedarfes für Kinder, insbesondere auch hinsichtlich der Betreuungszeiten, durchführen, dass sie entsprechende Kinderbetreuungsangebote vorhalten, die besondere Bedarfe von Studierenden und Wissenschaftlerinnen in der Qualifizierungsphase berücksichtigen, und dass sie natürlich auch bei der Studiengestaltung die Bedürfnisse studierender Eltern berücksichtigen, zum Beispiel durch Pflichtveranstaltungen zu gesicherten Betreuungszeiten, E-Learning als Ergänzung bzw. Alternative zum Präsenzstudium, flexibilisierte, formale Prüfungsanforderungen sowie reservierte Labor- und Praktikumsplätze. Das Thema ist also sehr differenziert, und man kann es von den verschiedensten Blickwinkeln her angehen und betrachten.
Wenn ich mir nun daraufhin noch einmal Ihren Antrag ansehe – das hat Frau Preuß-Buchholz eben auch festgestellt –, ist es schon kurios, dass Sie im Gegensatz zu unserer Vorgehensweise, die wir damals empfohlen haben, über Ziel- und Leistungsvereinbarungen ein sehr viel rigideres, staatsorientiertes Vorgehen vorschlagen. Das ist in der Tat bemerkenswert, vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass Sie uns immer vorwerfen, wir wollten uns von der Autonomie der Hochschulen verabschieden. Hier scheint also eine Kehrtwende eingetreten zu sein, was Ihr Staatsverständnis angeht.
Da kann ich nur sagen: Lassen Sie uns noch einmal gemeinsam überlegen, was im Einzelfall der richtige Weg ist. Für die Zukunftsfähigkeit des Wissenschaftsstandortes Nordrhein-Westfalen ist das
Thema Familienfreundlichkeit ein unverzichtbarer Baustein. Es ist dringend notwendig, dass sich sowohl die Landesregierung als auch die Hochschulen den Herausforderungen offensiv stellen.
Wir freuen uns jedenfalls, dass Sie das Ziel, die Familienfreundlichkeit an unseren Hochschulen zu stärken, mit uns gemeinsam unterstützen wollen, und wir freuen uns deshalb auch auf die weitere Diskussion im Ausschuss. – Herzlichen Dank.
Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Familie darf kein Hinderungsgrund für ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere sein. Wir dürfen die jungen Menschen, die neben ihrer Ausbildung bereits Verantwortung für eine eigene Fami
lie übernehmen, nicht alleine lassen. Dazu bedarf es einer guten Infrastruktur an Beratungs- und Betreuungseinrichtungen. Richtig ist, es sind gute Ansätze da, aber die Familienfreundlichkeit an den Hochschulen muss weiter verbessert werden.
Die Hochschulen haben das Thema Familienfreundlichkeit bereits in vielen guten Initiativen umgesetzt. Im Antrag werden einige aufgezählt. Ich möchte ergänzen: Gute Erfahrungen sind auch mit dem Programm „Beruf und Familie“ gemacht worden. Viele Hochschulen in Nordrhein-Westfalen nehmen an der Auditierung teil. Sie formulieren Zielvereinbarungen und lassen ihre konkreten Maßnahmen regelmäßig überprüfen. Die Universität Paderborn erhielt in diesem Rahmen als erste Hochschule in Nordrhein-Westfalen das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“. Mittlerweile sind etwa auch die Unis in Düsseldorf, Bochum, Dortmund, Bielefeld, Duisburg-Essen, Siegen und Münster zertifiziert.