Das erste Beispiel sind die zdi-Schülerzentren. Von deren guter Arbeit konnte sich hier in Düsseldorf gerade auch der Bundespräsident überzeugen. Das Besondere an dem zdi-Konzept ist der Netzwerkcharakter. In der Initiative „Zukunft durch Innovation“ arbeiten Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontexten zusammen. Ich glaube, dass gerade das ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die wir alle Ressourcen mobilisieren müssen.
Das zweite Beispiel ist die Wuppertaler Kinder- und Jugenduniversität, kurz: Junior Uni. Auch sie lebt von dem Engagement einer Vielzahl von Akteuren. Das Besondere daran ist: Sie finanziert sich allein durch private Mittel. Die Junior Uni ist insofern etwas ganz Besonderes, weil sie eine Einrichtung mit einem eigenen Campus ist. Die Gründung und Weiterentwicklung der Junior Uni ist wirklich eine Erfolgsgeschichte, vor allem auch deshalb, weil die Zielgruppe tatsächlich erreicht wird. Mittlerweile haben über 10.000 Kinder und Jugendliche an Kursen der Junior Uni teilgenommen, darunter viele mit bildungsfernerem Hintergrund. Besonders schön finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Junior Uni selbst es sich zur Aufgabe macht, auch „mutlosen“ Kindern eine Perspektive zu geben.
Über diese Angebote hinaus geht ein sogenanntes Frühstudium, bei dem Schülerinnen und Schüler schon während der Schulzeit Kurse an der Uni belegen. Für viele ist das ein guter Einstieg ins spätere Studium. Der Übergang an die Hochschule fällt leichter, und das Studium verkürzt sich sogar.
Wir wissen natürlich, dass Zeit für die heutige Schülergeneration ein knappes und kostbares Gut ist. Trotzdem sollten wir die Frage stellen, warum nur wenige der aufgrund ihrer Leistungen befähigten Schüler das Angebot annehmen und wie man dieses Angebot attraktiver machen kann. Offenbar gibt es bei der Anrechnung der Leistungen in der Praxis noch erhebliche Schwierigkeiten. Unter anderem hier sollten wir, wie ich finde, ansetzen.
Ich glaube, dass es gut ist, wenn wir uns im Wissenschaftsausschuss mit dem Thema „Öffnung der Hochschulen für Kinder“ und damit zusammenhängend auch mit dem Thema „Begeisterung für Wissenschaft wecken“ näher befassen. Zum einen sollten wir den Hochschulen und den bereits bestehenden Projekten ein Signal geben, dass wir ihr Engagement anerkennen. Zum Zweiten können wir dann näher diskutieren, wie wir die Vorbildwirkung verstärken und weitere Projekte anstoßen können – in Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter Hafke. – Als nächste Rednerin hat für die Fraktion der CDU Frau Abgeordnete Birkhahn das Wort. Bitte schön, Frau Kollegin.
Frau Präsidentin! Meine Herren, meine Damen! Früh übt sich! – Wie oft haben wir als Kinder diesen Satz gehört; nicht immer werden wir ihn gemocht haben. Und wie oft haben wir ihn als Eltern gebraucht.
Die Kernaussage, die darin steckt, ist richtig: Je jünger man ist, desto leichter fällt es, zu lernen und sich zu bilden. Die schlüssige Folgerung lautet demnach: Es gilt, Interessen zu wecken, Fähigkeiten und Fertigkeiten früh auszubilden und begabten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, sie gezielt fortzuentwickeln.
Für uns als CDU ist das nicht neu. In unserer Regierungszeit haben wir diesen Ansatz in allen Bildungsbereichen konsequent umgesetzt. Wir haben ein Kinderbildungsgesetz geschaffen, das den Gedanken an Erziehung und Bildung in eine völlig neue Qualitätsstufe gebracht hat,
just jenes KiBiz, das durch Sie in seinen wesentlichen Elementen fortgeführt wird. Wir haben als CDU/FDP-Regierung eine Schulpolitik gemacht, die auf Unterrichtsqualität und intensive Nutzung vorhandener Lern- und Unterrichtszeit setzt. Der Effekt lässt sich bei Vergleichsstudien deutlich ablesen.
Individuelle Förderung war das beherrschende Leitmotiv unserer Bildungspolitik. Nicht ohne Grund ist § 1 des Schulgesetzes entsprechend gefasst.
Auch im Hochschulbereich haben wird durch Gesetzgebung und finanzielle Ausstattung Möglichkeiten geschaffen, die Verbesserung der Qualität von Forschung und Lehre in den Fokus zu nehmen. Dass dabei auch durch Mittel aus Studienbeiträgen entsprechende Wirkung erzielt wurde, wollen Sie nicht gerne wahrhaben, aber es ist nun einmal Tatsache.
Nun zum vorliegenden Antrag der FDP-Fraktion direkt: Er setzt an einer wichtigen Stelle ein. Wie können wir den Bedürfnissen von interessierten, guten Schülerinnen und Schülern gerecht werden? Wie können wir Interesse wecken und wie können wir Fähigkeiten herausbilden und individuelle Potenziale erschließen?
Die im Antrag genannten Junior-Universitäten sind ein guter Weg. Jungen begabten Menschen werden frühzeitig Möglichkeiten eröffnet, sich außerhalb der Schule zu entfalten und Wissensbereiche zu erleben, auf die sie sonst erst Jahre später stoßen würden.
Wenn man nach Jugend-Universitäten in NRW im Internet sucht, findet man 21 Treffer. Diese JuniorUnis sind über das ganze Land verstreut. Es gibt sie nicht nur in Wuppertal, wie es eben erwähnt wurde, sondern auch an weiteren Standorten. In Düsseldorf gibt es sie bereits seit 2002, in Bochum, in Krefeld, in Aachen, in Bielefeld, Bonn und Münster.
Die Möglichkeiten gibt es zwar schon lange; aber die CDU-Fraktion begrüßt die Aufforderung, sich für einen Ausbau der Wege einzusetzen.
Nordrhein-Westfalen, Frau Ministerin, ist ein Ideenland und ein Land kreativer Projekte und Initiativen.
Sie haben nicht umsonst darauf hingewiesen, dass in den Jahren 2006 bis 2010 von den rund 1.800 Projekten der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ rund 300 Ideen aus Nordrhein-Westfalen stammten. Wenn Sie also, Frau Ministerin, in einer Pressemeldung Ihres Hauses vom 16. Januar dieses Jahres fasziniert von diesen Leistungen sprechen, dann ist das nicht zuletzt ein Lob auch an diejenigen, die diese Leistungen ermöglicht haben.
Man darf gespannt darauf sein, wie die Bilanz Ihres ersten Jahres an der Spitze eines Ministeriums aussehen wird, dass sich mit Innovation zu beschäftigen hat. Bislang ist von wirklicher Innovationspolitik eher weniger zu erkennen.
Wenn Sie, Frau Ministerin, tatsächlich so fasziniert von der Innovationsfreudigkeit und Exzellenz in unserem Land sind, dann dürfen Sie es nicht lediglich bei der bloßen verbalen Anerkennung belassen. Dann müssen Sie auch nach Mitteln und Wegen suchen, diese Initiative finanziell zu unterstützen.
Gewiss, ohne bürgerschaftliches Engagement geht gar nichts, und das würdigen wir vielerorts. Es liegt jetzt an Ihnen, Frau Ministerin, im Bereich der Jugend-Unis konkrete Taten folgen zu lassen.
Lassen Sie mich zum Abschluss meiner Rede noch einen Gedanken ansprechen, der den Antrag nicht dominiert, aber der in ihm doch hörbar mitschwingt und mir als Mitglied des Schulausschusses und der Sozialausschüsse der CDU sehr am Herzen liegt. – Natürlich ist die Förderung der Besten zwingend erforderlich. Wir dürfen aber nicht diejenigen aus den Augen verlieren, die der grundlegenden Förderung und Hilfe bedürfen, weil es ihnen aus eigener Kraft nicht gelingt, zum schulischen Erfolg zu kommen.
Als CDU stehen wir für das Ideal der Bildungspolitik: Niemand darf verloren gehen – nicht die Starken und nicht die Schwachen. Und auch deshalb ist dieser nun erreichte Schulkonsens so wichtig und ein Grund zur Freude.
Ich bin heute sehr zuversichtlich, dass den jungen lernenden Menschen in Nordrhein-Westfalen gute Chancen in unserem Land offenstehen.
Ich freue mich auf den konkreten und konstruktiven Austausch im Ausschuss und danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Birkhahn. – Als nächste Rednerin hat für die Fraktion der SPD Frau Kollegin Preuß-Buchholz das Wort. Bitte schön, Frau Abgeordnete.
dern und Jugendlichen frühzeitig die Möglichkeit zu geben, in Wissenschaftsbereiche hineinzuschnuppern, das ist sicher etwas, was wir hier alle begrüßen. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, selten hat man einen eigentlich so entbehrlichen Antrag gelesen – und dann noch über drei Seiten lang mit drei kleinen Absätzchen von Forderungen.
Schaut man sich diese genauer an, stellt man fest, dass in Punkt III.1 etwas gefordert wird, was nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen bereits
Man fragt sich: Soll es nicht vorrangig darum gehen, dass die Neugier von Kindern und Jugendlichen geweckt wird, ihr Interesse und ihre Leidenschaft für einen Themenbereich, ihre Begeisterung für ein forschendes Frage-Stellen, oder geht es Ihnen wieder einmal vorrangig darum, dass so früh wie möglich Leistungsnachweise erworben werden können, dass eine kleine Elite die Möglichkeit bekommt, noch früher in die Leistungsgesellschaft einzusteigen?
Bei der zweiten Forderung, den Anteil der JuniorStudentinnen und -Studenten zu erhöhen, sollte sich der Ausschuss vielleicht erst einmal an die betroffenen Hochschulen und Fachhochschulen wenden, um zu erkunden, wie es mit derzeitigen Nachfrage nach einem Junior-Studium jeweils aussieht und ob und inwieweit die Universitäten Kapazitäten ausbauen wollen und können.
Beim dritten Punkt reibt man sich die Augen und sucht verzweifelt nach Ihrem Lieblingsbegriff „Hochschulautonomie“. Interessant wird das Ganze, wenn man einmal diesen Antrag und den anderen Antrag, den wir eben debattiert haben „Keine Schnellschüsse auf Kosten der Hochschulen – Hochschulfreiheit erhalten“, den Sie hier gemeinsam mit der CDU eingebracht haben, nebeneinander legt.
Frau Kollegin, entschuldigen Sie, wenn Sie unterbreche. Der Abgeordnete Hafke möchte Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen.
In einem Antrag nennen Sie es eine Herausforderung für die Universitäten, die jungen Menschen für sich zu gewinnen, und verknüpfen dies mit der Forderung nach mehr Unterstützung der Hochschulen. In dem anderen Antrag loben Sie den Weg, die Hochschulen mit noch größerer Eigenverantwortlichkeit auszustatten. Zur Eigenverantwortlichkeit gehört es dann wohl auch, Herausforderungen anzunehmen und diese zu bewältigen.
Wie verträgt sich denn mit der hochgelobten Autonomie der Hochschulen die Forderung, die Hochschulen bei der Bereitstellung von Angeboten für Kinder und Jugendliche zu unterstützen sowie die Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren zu fördern? – Das hört sich so an, als würden Sie das Kind erst ermuntern, loszulaufen, es ihm dann doch nicht zutrauen und es lieber wieder an die Hand nehmen.
Da die Angebote der Hochschulen in Kooperation mit den Schulen, den Institutionen, den Organisationen und den Akteuren vor Ort organisiert werden, ist es hier wirklich einmal sinnvoll, den Hochschulen zu vertrauen und davon auszugehen, dass sie dort maßgeschneiderte Lösungen finden. Die bestehenden Angebote – Sie haben in Ihrem Antrag eine Fülle davon genannt – zeigen, dass dies ganz gut funktioniert. Für uns ist nicht erkennbar, dass hier eine derartige Nachhilfe für die Hochschulen nötig wäre.
Das ist also wieder einmal ein Antrag zu einem Detailthema, bei dem die Landesregierung angeblich unbedingt aktiv werden muss. Ist das nötig, oder wollen Sie lediglich Ihrer speziellen Wählerklientel gegenüber Aktivität demonstrieren? Da ist es doch sinnvoll, sich kurz zu fragen, wo in der Wissenschaft und in den Hochschulen dringender Handlungsbedarf besteht und was eigentlich ganz gut läuft.
Wozu sollen wir uns in einem Aktionismus rund um ein Detailthema verzetteln, wenn es große Themen gibt, um die wir uns im Ausschuss kümmern müssen, gekümmert haben und noch kümmern werden? – Das sind: Gebührenfreiheit, wodurch jeder und jedem Studierwilligen ein Studium ermöglicht wird, ein besserer Zugang zu den Hochschulen für Berufstätige, gute Studienbedingungen, eine familienfreundliche Hochschule und die Förderung des Frauenanteils in der Forschung – um nur einige wenige Punkte zu nennen.
Ich bin sehr dafür, dass sich der Wissenschaftsausschuss einmal, zum Beispiel im Rahmen einer auswärtigen Sitzung, ein solches Junior-Studium genauer anschaut, um zu erkunden, welche Schülerinnen und Schüler dies wahrnehmen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Wie stellt sich zum Beispiel die Vereinbarkeit mit dem Schulunterricht dar? Welche Erfahrungen haben denn die Hochschulen mit den jungen Studierenden gemacht?
Mich persönlich würde auch sehr interessieren, wie viele Schülerinnen und Schüler mit „hochschulfernem Bildungshintergrund“ – wie Sie es in Ihrem Antrag nennen – ein solches Junior-Studium überhaupt wahrnehmen. Bedarf es hierfür nicht anderer Kooperationsformen zwischen Schule und Hochschule? – Die Bildungskonferenz zum Beispiel hat konkrete Vorschläge gemacht, etwa die Potenzialanalyse ab Klassenstufe 8, um Schülerinnen und Schüler passgenau zu fördern.
Sie von der FDP haben leider darauf verzichtet, an den weiteren Sitzungen der Bildungskonferenz teilzunehmen, und laufen deshalb mit Ihrem Antrag den dort gefassten Beschlüssen hinterher. Für einen solchen Antrag, wie Sie ihn gerade hier stellen, sehe ich keine dringende Notwendigkeit.
Aber einer Überweisung an den Ausschuss stimmen wir selbstverständlich zu. Dort sollten wir uns aber auch mit der Frage beschäftigen, wie über den Kreis der besonders begabten Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe hinaus möglichst viele Schülerinnen und Schüler angesprochen und für ein späteres Studium begeistert werden können. Die besonders begabten Schülerinnen und Schüler werden nämlich in den meisten Fällen ohnehin ein Studium in Betracht ziehen. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Preuß-Buchholz. – Als nächste Rednerin hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Kollegin Dr. Seidl das Wort.