- Ja, in Schleswig-Holstein! Das Öl wird im Brunsbütteler Raum angelandet und an der Westküste über unterschiedlichste Unternehmen verteilt, die zum Beispiel Glycerin oder Düngemittel herstellen.
- Also die Mitarbeiter in Raffinerien und die Tankstellenwärter gehören dazu? Wir sind uns einig, der Bohrbetrieb selbst hat nicht solch hohe Beschäftigungszahlen?
- Ich komme vielleicht noch zu der Sozialbetrachtung. Das dürfte Ihre Frage ein Stück weit klären. Sonst dürfen Sie gern wieder nachfragen.
Ich komme also zum Dreiklang. Die soziale Komponente des Unternehmens haben wir noch nicht bewertet. Dazu gehört die Frage des Kollegen Matthiessen.
Herr Breyer, wenn Sie global bewerten, was an der Westküste in Bezug auf hochqualifizierte und gut bezahlte mit Top-Standards ausgestatteten Arbeitsplätzen geleistet wird, die weltweit mit zu den besten Standards gehören, dann wissen Sie, dass dies eine sehr hochwertige soziale Komponente darstellt. Weltweit haben Sie kaum Vergleichbares.
Wollen Sie allen Ernstes mehr Öl aus den Regionen holen, in denen heute Krisen ausgefochten werden? Wollen Sie allen Ernstes mehr Öl in diesen Regionen fördern und hierher pumpen? Brauchen Sie Öl aus Russland, Gas aus Sibirien und aus dem arabischen Raum? Wenn Sie das wollen, dann wissen Sie, zu welchen Standards dort produziert wird. Wenn Sie das nicht wollen, dann müssen Sie das offen sagen. Dann ist die gesamte nachgelagerte Wertschöpfungskette an der Westküste und in Schleswig-Holstein infrage zu stellen. Das kann doch nicht ernsthaft unser Ziel sein.
Herr Abgeordneter Rickers, erlauben Sie eine weitere Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Breyer?
Danke, Herr Kollege. - Ich möchte Ihnen gern Folgendes entgegenhalten: Erstens. Welcher Anteil der Erdölförderung der DEA betrifft eigentlich die Mittelplate? Wo kommt der ganze Rest her?
Zweitens. Glauben Sie, dass irgendwo auf der Welt weniger Erdöl gefördert wird, wenn wir hier in Schleswig-Holstein die Förderung ausweiten?
Drittens. Sie haben gesagt, die Förderung sei extrem sicher, es habe noch nie Pannen gegeben. Ich möchte gern aus meiner Anfrage zitieren, wonach es allein in Schleswig-Holstein in den letzten Jahrzehnten 98 Erdölunfälle gegeben hat. In Epenwöhrden gab es undichte Nassölleitungen, in Meldorf gab es undichte Ölleitungen. 1970 gab es in Hemmingstedt den Austritt von 25 m³ Nassöl. 1976 traten in Wöhrden 60 m³ aus. Und um nur auf die jüngsten Vorfälle einzugehen: 1993 ist in Hemmingstedt Heizöl ausgetreten. 2010 sind in der Mittelplate 350 l Bohrspülung ausgetreten.
- Ich bin dankbar für die Frage. Am liebsten würde ich mit einer Gegenfrage antworten. Die erste Frage wäre: Können Sie bewerten, ob 30 Millionen t Förderung, also 1 Million t aus der Nordsee jährlich, in irgendeiner Form für Schleswig-Holstein entscheidend sind? Ich würde ganz klar sagen: Natürlich ist das entscheidend.
Diese 30 Millionen t müssten Sie sonst irgendwo anders substituieren und über weite Wege nach Schleswig-Holstein schaffen, und zwar unter anderen Bedingungen, die ich zu erklären versucht habe. Dies wäre nötig, um die Wertschöpfungskette nicht in irgendeiner Form zu unterbrechen.
Ich bin auch froh, dass Sie die zweite Frage gestellt haben. Es ist richtig, Sie haben nicht behauptet, dass diese Vorfälle direkt mit der Ölförderung in der Mittelplate im Zusammenhang gestanden haben. Die Ursache kann auch eine undichte Leitung eines Tankers nach Hemmingstedt gewesen sein.
- Das können wir in der Mittagspause klären. Sie müssen ein bisschen genauer recherchieren und mir das Gegenteil beweisen. Ich glaube nicht, dass das so stehen bleiben kann.
Herr Abgeordneter Rickers, erlauben Sie jetzt eine Zwischenbemerkung oder eine Frage des Herrn Abgeordneten Dr. Tietze?
Vielen Dank, Herr Kollege Rickers. Sie sprachen über Wertschöpfung. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an den schrecklichen Unfall der „Pallas“ vor der Westküste und die Bedrohungen durch die Ölpest. Würden Sie sagen, die Wertschöpfung, die Sie hier ansprechen, übersteigt die Wertschöpfung des Tourismus? Wir haben aus dem Tourismusbereich eine jährliche Wertschöpfung von über 7 Milliarden €. Wenn Sie dies aufrechnen, würde mich interessieren: Sind Sie in der Tat der Auffassung, dass die Wertschöpfung aus der Ölförderung viel höher ist und wichtiger für das Land ist als die Wertschöpfung aus dem Tourismus?
Herr Dr. Tietze, Sie haben mir eine Frage gestellt, die Sie selbst entlarvt. Entweder wollen Sie eine zweite „Pallas“ oder einen großen Tanker und das Öl, das im Moment aus der Mittelplate kommt, hier anlanden lassen, oder Sie wollen gar kein Erdöl.
- Gut, Sie kriegen gar kein Erdöl! Ich sage: Hier hängen Tausende Arbeitsplätze dran, und die Welt ist im Moment so, wie sie ist. Wir kommen geschätzt für die nächsten 30 Jahre ohne Kohlenwasserstoffe nicht aus. Die Alternative DEA und Mittelplate ist für Schleswig-Holstein angesichts dessen eine der besten Alternativen.
Ich habe noch 20 Sekunden Redezeit. Herr Dr. Breyer, Ihre Taktik ist durchsichtig. Man nennt sie auch Salami-Taktik: Das Unternehmen ein Stück weit immer mürber kochen, bis man dort irgendwann keine Lust mehr hat, in die Forschung Geld hineinzustecken und sich für die Zukunft Gedanken zu machen. Damit wird die Firma langfristig ausgehungert. Also ist sie irgendwann zum Tode verurteilt. Das kann so nicht sein. Ich schlage vor, wir diskutieren das im Ausschuss. - Herzlichen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 2009 ist der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer als Weltnaturerbe von der UNESCO anerkannt worden. Heute, sieben Jahre später, wird der Wattenmeer-Nationalpark als Deutschlands schönste Wildnis von der Heinz-Sielmann-Stiftung ausgezeichnet, und das zu Recht. Die Naturwunderwahl 2016 trifft zu Recht das Wattenmeer mit seiner einzigartigen geologischen und ökologischen Vielfalt. Wenn ich es richtig weiß, dann wird dort im Wattenmeer gerade gefeiert. Ich hoffe, dass die
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in dieses wertvolle Gezeitengebiet gehören keine Probebohrungen mehr, egal für welchen Zweck.
Eine Ausweitung der Erdölförderung im Wattenmeer darf es nicht geben. Am Ende muss die Forderung stehen, die Ölförderung auf Dauer zu beenden. Das muss unser Ziel sein.