Protokoll der Sitzung vom 21.03.2013

Wir können uns auch gern mit der Frage beschäftigen, wie das denn 2007 in der Großen Koalition war. Ich war nicht dabei; ich bin auf Erzählungen angewiesen. Meine Variante der Geschichte war immer, dass es eine Bedingung der CDU für die Modifizierung des Schulgesetzes war, dass man an die Lehrerausbildung nicht herangeht. Vielleicht ist das falsch. Dann bin ich gespannt zu hören, wie es denn tatsächlich war.

(Christopher Vogt [FDP]: Sozilegenden! - Dr. Ralf Stegner [SPD]: Das ist schon rich- tig!)

Während nun diese Gespräche laufen, fordern Sie erneut einen Bericht, fordern auf Euro und Cent genau, was dann am Ende dabei herauskommt, wollen erfahren, wie Personal, Infrastruktur und Studiengänge am Ende sein werden.

Da das während der Gespräche passiert, wissen Sie natürlich auch, dass dieser Bericht so genau noch gar nicht sein kann, weil das Endergebnis noch nicht feststeht. Dann stellen Sie sich hier hin - das kann man auch wunderbar vorher aufschreiben und sagen: Dieser Bericht ist völlig unzureichend. Sie haben gar nicht das erzählt, wonach wir gefragt haben. - Wie könnte das auch anders sein! Meine Empfehlung ist, beim nächsten Mal von der Landesregierung einen Beweis der Riemannschen Vermutung zu fordern.

In Kiel und Flensburg kennt man den Änderungsbedarf. Wir haben eine Ministerin, die vom Fach ist und den Prozess der Reform der Lehramtsausbildung in Schleswig-Holstein schon etwas länger begleitet. Wir befinden uns im Dialog mit den Hochschulen. Außerdem arbeiten die Hochschulen bereits an Konzepten. Dabei arbeiten die Hochschulen übrigens nicht gegeneinander, sondern - das erfahre ich immer in Gesprächen - durchaus konstruktiv. Dabei verfolgen sie die Ziele, die auch wir für richtig halten. Das machen die Hochschulen übrigens nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil das aus der Sache heraus begründet ist.

(Vereinzelter Beifall SPD)

Wir befinden uns dabei nicht auf einem abstrusen Sonderweg, den nur die ideologisch verbrämte Küstennebelkoalition in Schleswig-Holstein, wie Herr Koch immer sagt, verfolgt.

(Zuruf SPD)

- Links-dänische Küstennebelkoalition. Das war es.

(Vereinzelter Beifall SPD)

Ich glaube, da ist jemand als Kind in den Küstennebel gefallen.

(Heiterkeit SPD)

Hamburg macht das seit Jahren. Nordrhein-Westfalen macht das. Niedersachsen wird das jetzt machen. Auf die Expertenkommission in Berlin bin ich beim letzten Mal zu sprechen gekommen. Es geht dabei um eine große Bewegung aus der Sache heraus.

Nun zur Frage, warum man Gymnasiallehrer und Gemeinschaftsschullehrer voneinander separieren soll. Das müssen Sie mir einmal erklären. Wir haben an beiden Schulen Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise bis zum Abitur unterrichtet werden sollen. Wir haben an beiden Schulen Schülerinnen und Schüler, die es möglicherweise nicht bis zum Abitur schaffen und die bestmöglich auf den Abschluss vorbereitet werden sollen, der für sie möglich ist.

(Vereinzelter Beifall SPD)

Wir haben an beiden Schulen unterschiedliche junge Menschen, die in ihrer Unterschiedlichkeit wahrgenommen werden müssen.

(Vereinzelter Beifall SPD, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SSW)

Bei der vergangenen Debatte habe ich gesagt: Wir haben keine unterschiedlichen Sorten Mensch, deswegen brauchen wir auch keine unterschiedlichen Sorten Lehrer.

(Christopher Vogt [FDP]: Dann bräuchten wir auch keine unterschiedlichen Parteien!)

Das ist häufig zitiert und in der Luft zerpflügt worden.

Natürlich haben wir unterschiedliche Menschen. Jeder Mensch ist anders. Die Einteilung aber in Klassen, Schichten oder Kasten ist mit der Aufklärung als falsch erkannt worden. Deswegen brauchen wir Lehrerinnen und Lehrer, die die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrnehmen und die darauf vorbereitet sind. Das machen wir in Schleswig-Holstein. Deswegen modernisieren wir die Lehramtsausbildung. Das erfahren Sie heute zum dritten Mal. - Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

(Martin Habersaat)

Das Wort für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat Herr Abgeordneter Rasmus Andresen.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Egal, mit wem man im Land spricht, der Konsens darüber, dass sich beim Lehramt etwas ändern muss, ist bis auf einige wenige Ausnahmen sehr groß. Genau deshalb arbeiten wir mit den Hochschulen und vielen anderen an einer Neuaufstellung des Lehramts.

Auch die vielen unterschiedlichen Akteure an den vier lehrerbildenden Hochschulen verweigern sich nicht Reformen. Im Gegenteil, an den beiden großen lehrerbildenden Hochschulen, an der Flensburger Universität und an der Christian-AlbrechtsUniversität, wird an Reformen gearbeitet.

Wir wollen die positiven Ansätze an unseren lehrerbildenden Hochschulen aufgreifen und sie in ein Lehrerbildungsgesetz gießen. In den Bildungswissenschaften, wie zum Beispiel durch Studien von Professor Schulmeister aus Hamburg aufgezeigt, ist schon längst Konsens, was in der Politik noch umstritten ist.

Wir wollen Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz, Teamfähigkeit, Heterogenität und Kontextualisierung in den Mittelpunkt der Bildungspolitik rücken. Dazu gehört für uns auch ein stärkerer Praxisbezug im Lehramt. Unser Ziel ist es, die Bildungslandschaft durchlässiger zu gestalten. Das bedeutet auch, dass Gymnasiallehrer eine andere Rolle spielen werden, als sie sie vielleicht noch vor 20 Jahren gespielt haben.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir haben eben nicht mehr die Bildungslandschaft der 60er-Jahre, auch wenn es Fraktionen hier im Haus gibt, die diese gern konservieren möchten. Unsere Hochschulen sind weiter als die Opposition. Da wir vor allem immer über die Universität Flensburg diskutieren, möchte ich mit der Christian-Albrechts-Universität beginnen. Auch dort gibt es positive Bewegungen.

(Zuruf SPD)

- Ja, so ist es aber.

Wir Grüne begrüßen, dass sich die Universität unter Federführung von Vizepräsident Professor Kemp

ken auf den Weg macht, die Bereiche der Didaktik und der Praxisphasen deutlich zu stärken.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dieser Schritt kommt unseren Vorstellungen von einem modernen Lehramt sehr entgegen. Wir werden die Christian-Albrechts-Universität auf diesem Weg unterstützen.

Mit der von Ihnen angegriffene Einigung mit der Universität Flensburg wird die Lehrerbildung neu gedacht und der Universität die notwendige Rückendeckung gegeben. Fachwissenschaften und Didaktik werden nicht wie früher gegeneinander ausgespielt, sondern neu miteinander verbunden.

Die Einigung zum Lehramt zwischen Landesregierung und Universität Flensburg ist ein gutes Beispiel dafür, dass die neue Dialogkultur zu guten Ergebnissen führen kann. Sämtliche Gerüchte, die vorher im Raum standen, bewahrheiteten sich nicht. Genau das ist doch der Punkt. Was haben Sie nicht alles geschrien.

Flensburg behält - auch das hat die Ministerin hier deutlich gesagt - bis zur Sekundarstufe II alle angebotenen Fächer, die es jetzt schon dort gibt. Darüber hinaus wird die Universität Flensburg in Kernfächern, wie zum Beispiel in Sprachen oder in Gemeinschaftskunde, auch Lehrer der Sekundarstufe II ausbilden. Das stärkt unseren Flensburger Hochschulcampus massiv, und bildungspolitisch ist dieser Schritt sehr vernünftig.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Zu- ruf SPD)

- Ich verheimliche nicht meine Postleitzahl. Meine Postleitzahl lautet 24937.

Ich war in den vergangenen Wochen zu sehr vielen Gesprächen an der Universität Flensburg. Dort habe ich mit dem Präsidium, mit Studierenden, mit Professorinnen und Professoren aus lehramtsbildenden Studiengängen und mit dem Mittelbau gesprochen. All diese unterschiedlichen Gruppen, die durchaus unterschiedliche Interessen verfolgen, verweigern sich nicht, in der Lehrerbildung weiterzudenken und beim Lehramt über das hinauszugehen, was in den vergangenen Jahren ohnehin schon an guter Arbeit geleistet wurde.

Gemeinsam mit diesen allen wollen wir den Weg des Dialogs weitergehen. Ein Lehramtsbildungsgesetz wird nur gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren an den unterschiedlichen Hochschulen zum Erfolg geführt.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Frau Franzen, von der Opposition erwarten wir, dass sie nicht nur muksch in der Ecke sitzt, sondern dass sie endlich einmal eigene Ideen einbringt. Ich habe bisher nicht verstanden, was ihre Position ist. Sie stellen immer nur Fragen. Das ist Ihr gutes Recht. Sie ändern aber von Debatte zu Debatte Ihre Position zur Lehrerbildung. Ich empfehle Ihnen, einmal mit den Hochschulen vor Ort zu reden. Dann können Sie feststellen, dass dort gute Arbeit geleistet wird, die wir in der Koalition zusammen mit den Hochschulen hinbekommen. Bringen Sie eigene Ideen ein und meckern Sie nicht immer nur!

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Christopher Vogt [FDP]: Wenn du keine Antwort hast, dann setze dich wieder hin!)

- So ist die Lage, Herr Vogt. Sie haben gleich das Wort. Dann können Sie die FDP-Programmatik zu diesem Bereich präsentieren. Diese ist nicht nur mir bisher schleierhaft geblieben. An der Universität Flensburg wurden Sie in den vergangenen Wochen nicht so oft gesehen.

Herr Abgeordneter Andresen, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Frau Abgeordneten Franzen?

Immer doch.

Herr Andresen, ich würde Sie gern fragen, wer in der vergangenen Legislaturperiode die Neuordnung der Lehramtsausbildung insbesondere mit Rücksicht auf den Bestand der Schulen, die wir im Land haben, nämlich Gymnasien, Regionalund Gemeinschaftsschulen sowie Grundschulen, auf den Weg gebracht hat. Meines Wissens war das Wissenschaftsminister Jost de Jager.

(Zuruf Dr. Heiner Garg [FDP])