Protokoll der Sitzung vom 11.12.2013

Ich halte es, um wieder ernsthaft zu werden, für eine relativ absurde Vorstellung, dass man in der Zeit nach der Einbringung Ihres Antrags die Verhandlungen mit den Kommunen aufgenommen haben soll. Ich denke, jeder, der schon einmal Regierungsverantwortung übernommen hat, sähe das ebenfalls als absurd an.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW)

Dass das Land partnerschaftlich mit den Kommunen umgeht, ist umso wichtiger, da vom Bund für den einen wie für den anderen leider nicht so viel zu erwarten ist. Einzig die Übernahme der Eingliederungshilfe durch den Bund ist ein Lichtblick. Allerdings ist noch unklar, wann sie kommen wird.

Leider ist aus unserer Sicht von der Großen Koalition nicht sehr viel zu erwarten. Ein Beispiel ist das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, allen voran die Möwenpick-Steuer. Ich weiß, Sie hören das nicht mehr so sehr gern.

(Zuruf FDP: Doch! Wir hören das sehr gern!)

- Das wundert mich; denn Sie haben sich neulich davon vollkommen distanziert.

(Dr. Heiner Garg [FDP]: Reiche Erben!)

Ich weiß, das hat allein unsere Kommune in den letzten Jahren schätzungsweise 60 Millionen € gekostet. Eine Abschaffung des Hotel-Privilegs bei der Mehrwertsteuer wäre auch für die Landesfinanzen dringend geboten gewesen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Zu- rufe FDP)

Das Land muss die Schuldenbremse also aus eigener Kraft erreichen. Es war Merkels „Fasst-dieSteuern-nicht-an-Politik“, die verhindert hat, dass wir eine bessere Ausstattung von Land und Kommunen erreichen können.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD)

Herr Stegner hat außerdem bereits das Beispiel des Kooperationsverbots genannt, das im Bereich Bildung wirklich eine Entlastung gebracht hätte.

(Dr. Heiner Garg [FDP]: Gar nichts hat er geschafft!)

Die Große Koalition versagt. Deshalb will ich auch nicht verschweigen, dass es auch Unangenehmes zu verkünden gibt. Eine Familie, die sich in diesem Jahr eine Wohnung kauft, bezahlt statt 5 % nun 6,5 % Grunderwerbsteuer, also für ein 500.000-€-Haus 5.500 €, damit das Land 60 Millionen € und die Kommunen 15 Millionen € mehr einnehmen.

(Wolfgang Kubicki [FDP]: Rechnen Sie das noch einmal nach!)

Das stößt bei vielen vielleicht erst einmal auf Skepsis. Angesichts der guten Haushaltssituation könnte man meinen, dass wir diese Mehreinnahmen doch gar nicht mehr bräuchten.

Frau Abgeordnete, gestatten Sie eine -

Ja, ich habe mich verrechnet.

(Lachen CDU und FDP)

Aber Sie können die Frage gern trotzdem noch stellen.

(Eka von Kalben)

Die Abgeordnete gestattet die Frage, obwohl ich sie noch gar nicht gefragt hatte.

Frau Kollegin, ich möchte Sie nicht fragen, sondern nur, damit die Öffentlichkeit nicht denkt, im Landtag könne man nicht rechnen, darauf hinweisen, dass 1,5 % von 500.000 nicht 5.500, sondern 7.500 sind.

Vielen Dank für den Hinweis.

(Barbara Ostmeier [CDU]: So rechnen Sie wahrscheinlich immer! - Lachen CDU und FDP)

Es freut mich, dass Sie meiner Rede so aufmerksam lauschen und Ihr Oberlehrerwissen noch einmal kundgetan haben.

(Zurufe)

Diese Grunderwerbsteuer wird dem Land 60 Millionen € und den Kommunen 15 Millionen € mehr bringen.

Das stößt bei Ihnen vielleicht auf Skepsis. Angesichts der guten Haushaltssituation könnte man vielleicht meinen, wir bräuchten diese Mehreinnahmen nicht. 2013 müssen wir wegen der guten Konjunktur nur sehr wenig an neuen Krediten aufnehmen. Vielleicht erreichen wir sogar erstmals die magische schwarze Null. Herr Koch erwartet ein sattes zweistelliges Plus für den Jahresabschluss.

Doch auch das macht die Annahme, wir bräuchten keine dauerhaften Mehreinnahmen, nicht richtiger. Denn zum einen befinden wir uns gerade in einem wirtschaftlichen Boom. Deshalb sprudeln die Steuereinnahmen. Nur deshalb ist der Jahresabschluss derzeit überwältigend gut. Zum anderen müssen wir die Schuldenbremse aber auch in wirtschaftlich mageren Zeiten einhalten können. Das strukturelle Defizit ist daher eine wichtigere Kennzahl als die Summe der bloßen Kreditaufnahme. Dieses dauerhafte Defizit liegt 2014 trotz aller richtigen Konsolidierungsmaßnahmen immer noch bei knapp 600 Millionen € neu aufgenommener Schulden. Ich bin davon überzeugt, dass es den Menschen in Schleswig-Holstein noch viel weniger zumutbar ist, dieses Defizit allein über Sparmaßnahmen abzutragen als über eine höhere Grunderwerbsteuer.

Politikerinnen und Politiker aller Fraktionen stehen vor Ort mit Bürgerinnen und Bürgern, mit Verbän

den, Schulen und Universitäten im Gespräch. Alle fordern mehr Geld, oft zu Recht. Unser Bildungsbereich ist chronisch unterfinanziert. Ja, unsere Straßen, das wird von Ihnen immer wieder bestätigt, gleichen mancherorts Schotterpisten. Ja, liebe PIRATEN, um Schleswig-Holstein in die digitale Moderne zu führen, müssten wir ganz andere Summen in den Breitbandausbau stecken.

(Beifall PIRATEN)

Ich gebe auch den Abgeordneten der FDP recht, wenn auch ungern. Es wäre super, den Beamtinnen und Beamten die zeitgleiche Übertragung des Tarifergebnisses zu bezahlen.

Wir brauchen in vielen Bereichen mehr Geld. Wir Grüne fordern zu Recht noch viel mehr Geld für Klima- und Umweltschutz sowie Flüchtlinge, um unserer globalen Verantwortung gerecht zu werden. Es gibt zahlreiche Forderungen an die öffentliche Hand. Den SSW habe ich zu erwähnen vergessen. Der stellt ja selten Forderungen. Und viele Forderungen sind berechtigt.

(Johannes Callsen [CDU]: Das war der beste Witz am Tag!)

Das zeigt: Unser Gemeinwesen ist strukturell unterfinanziert und braucht dringend die Mehreinnahmen aus der Grunderwerbsteuer.

Meine Damen und Herren, wer auf die Erhöhung der Grunderwerbsteuer verzichten will, muss sagen, wie es anders gehen soll.

(Tobias Koch [CDU]: Das haben wir ge- macht!)

Schauen wir uns Ihre Haushaltsanträge, die der CDU, an. Sie wollen nicht nur auf die Erhöhung verzichten, sondern auch noch 60 Millionen € weniger Schulden aufnehmen. Doch wie soll das gehen?

(Tobias Koch [CDU]: Das geht!)

Indem man bei der Erbschaftsteuer zusätzliche 60 Millionen €, also 68 %, Mehreinnahmen ausweist

(Tobias Koch [CDU]: Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit!)

und bei der Glücksspielabgabe noch einmal 10 Millionen € draufsetzt; indem man hofft, die Zinsausgaben würden um 17 Millionen € geringer ausfallen. Das ist unseriös. Keine dieser Einnahmen und Ausgaben kann die Landespolitik in ihrer Höhe beeinflussen. Sie konsolidieren nach dem Prinzip Hoffnung. Zusätzlich mogeln Sie sich auch noch

durch, indem Sie die hier geforderte zeitgleiche Übertragung des Tarifabschlusses auf Beamte finanziell überhaupt nicht hinterlegen.

(Tobias Koch [CDU]: Die Gelder sind doch vorhanden!)

Der CDU ist der haushaltspolitische Kompass endgültig abhanden gekommen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW)

Ich bin deshalb umso mehr froh, dass Monika Heinold mit ihrem Weitblick unsere Landesfinanzen Richtung schwarze Null steuert. Einen herzlichen Dank unserer Ministerin für ihren echt konservativen Konsolidierungskurs.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und SSW)

Frau Abgeordnete, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Breyer?