Herr Präsident! Der Bericht stellt die Bedeutung der Schaf- und Ziegenhaltung in Schleswig-Holstein besonders heraus. Immerhin haben wir die größte Schafdichte in Deutschland. Wir wollen tatkräftig daran arbeiten, dass das so bleibt, denn die Schafe erfüllen wichtige Aufgaben in Küstenschutz und Landschaftspflege.
Die Anzahl der Schafhalter ist in den letzten sechs Jahren um etwa 10 % auf 1.1000 gesunken - in sechs Jahren hat jeder achte Betrieb aufgegeben -, wobei die Anzahl geringfügig auf etwas über 200.000 Tiere angewachsen ist. Dabei gibt es zwei Betriebsformen der Schafhaltung: die Wander- und Koppel-/Deichschafhaltung. Etwa 100 Betriebe müssen davon leben und halten daher über 800 Schafe.
Eine Besonderheit liegt in der Bedeutung für den Küstenschutz. Nur in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es als besondere Form der Koppelschafhaltung die Deichschafhaltung. Aus Küstenschutzgründen dürfen nur Schafe, keine anderen Tiere in der Zeit vom 15. März bis 15. Oktober - 15. November in trockenen Jahren - gehalten werden.
Doch wo sind nun die Probleme? - Erstens. Eine Anhörung der Schafhalter im Bundestag hat ergeben: Es besteht der Wunsch, Direktzahlungen zielgenauer ausrichten. Die Wiederansiedlung des Wolfes ist eine große „Herausforderung“. Das bedingt, den Herdenschutz konsequent weiterzuentwickeln und wirksame Maßnahmen gegen verhaltensauffällige Wölfe zu treffen. Die Bundesländer haben hier eine gewisse Gestaltungsmöglichkeit. Hier müssen wir handeln und dürfen nicht länger abwarten.
Zweitens. Die Forderung nach einer Weidetierprämie von Grünen und LINKEN im Bundestag: Für die CDU wäre das eine Abkehr von der Orientierung der Agrarpolitik am Marktgeschehen, zumal Schafhalter über die 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik - GAP - und Betriebsprämien mehr
Drittens. Das Dürrejahr 2018 trifft besonders auch Schafhalter. 30 % bis 70 % der üblichen Grundfuttermenge fehlten. Dies bedingt - wie bei der anderen Tierhaltungen - auch zusätzliche Futterkosten. Sonst übliche „Winterweiden“ werden wohl durch länger weidende Rinder ausfallen.
Viertens. Während für die Deichschafhaltung EUFlächenprämien gezahlt werden, gibt es das für die Wanderschafhaltungen, die wichtig für den Naturschutz sind, nicht. Hier sollte man über eine Förderung durch den Naturschutz nachdenken.
Fünftens. In den Küstenbereichen entsteht durch die Gänseproblematik im Frühjahr auch ein Problem für die Schafhaltung. Zu kurz gefressenes Grasland und verkotete Weideflächen führen zu einem erhöhten Krankheitsdruck, und gleichzeitig fehlt den Osterlämmern das so wichtige Gras im März und April. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, und das Gänsemanagement muss optimiert werden.
Ich fasse zusammen: In Schleswig-Holstein sind wir in besonderem Maße auf die ökologische Leistung der Schaf- und Ziegenhalter angewiesen. In diesem Jahr sind sie besonders gebeutelt. Hat ein Betrieb erstmal aufgegeben, so wird er kaum ersetzt werden. Daher sollten wir alle Anstrengungen unternehmen, diesem stark gefährdeten Berufsstand unter die Arme zu greifen, um ihn zukunftssicher zu machen.
Herr Präsident! Dem Minister und allen, die daran mitgearbeitet haben, danke ich herzlich für den vorliegenden Bericht zur Situation der Schaf- und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein.
Im April machten die Schaf- und Ziegenhalter in einer bundesweiten Aktion, auch vor dem Landeshaus, auf ihre besondere Situation aufmerksam und forderten die Wiedereinführung der Weidetierprämie für kleine Wiederkäuer. Denn im Gegensatz zu 22 anderen EU-Mitgliedsstaaten zahlt Deutschland den Schäfern bislang keine Weideprämie. Diese Ungleichbehandlung in der EU führt zu Wettbewerbsverzerrungen bei den Schaf- und Ziegenhaltern, deren wirtschaftliche Situation ohnehin oftmals angespannt ist.
Daraufhin haben wir die Landesregierung um diesen Bericht gebeten. Denn wir wollen wissen, wie die Situation der Schaf- und Ziegenhalter bei uns ist. Wir haben viele Gespräche geführt. Neben den Förderbedingungen und den besonderen Herausforderungen ging es auch um die Auswirkungen der Dürre in Schleswig-Holstein. Und mit Blick auf die gestrige Debatte bitte ich den Minister eindringlich darum, die rund 200.000 kleinen Wiederkäuer bei der Gestaltung und Gewährung von Unterstützung nicht zu vergessen. Dass die Schaf- und Ziegenhalter beim sogenannten Dürregespräch im Ministerium nicht mit am Tisch saßen, ist ein Unding.
In einem Bericht in der Zeitschrift „Die Zeit“ wird der schleswig-holsteinische Schäfer Henning Hinz zitiert: „Viele Kollegen sind mutlos“. Die Schäfer als Verlierer des deutschen Subventionswesens, das Thema Wolf - wir sprachen heute hier im Landtag darüber - Gänse und die Folgen der Dürre, alles das lastet auch auf den Schaf- und Ziegenhaltern. Da müssen wir genau hinschauen und überlegen, was zu tun ist. Denn der Bericht der Landesregierung kommt zu dem Ergebnis, dass die Schafhaltung in Schleswig-Holstein eine große Bedeutung hat.
Bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche besitzt Schleswig-Holstein unter den Flächenländern die größte Schafdichte in Deutschland. Und das ist gut so. Denn neben ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit erfüllen Schäferinnen und Schäfern mit ihren Schafherden wichtige gesellschaftliche Aufgaben wie Küstenschutz, Landschaftspflege, Umwelt- und Naturschutz. Erinnern wir uns an die Berichterstattung über die erfolgreiche Wiederansiedlung der Scheckenfalter, da pflegen Ziegen die Lebensräume.
Die Zahl der Schaf- und Ziegenhalter ist in Schleswig-Holstein zurückgegangen, die Zahl der gehaltenen Tiere leicht angestiegen. Für sie brauchen wir faire Förderbedingungen im Land. Das muss auch ein Thema bei der Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik sein. Weg von der Flächenprämie, hin zu einer eindeutigen Umweltorientierung, die auch die tierhaltenden Betriebe und das Tierwohl berücksichtigt. Mittlerweile unterstützen mehrere Bundesländer die Forderungen der Schäfer. Thüringen geht noch einen Schritt weiter. Die grüne Umweltministerin bereitet gerade eine Förderrichtlinie vor, nach der ab Januar 2019 alle Haupterwerbs Schaf- und Ziegenzüchter eine jährliche pro Kopf Pauschale von 25 € aus Landesmitteln erhalten sollen.
die eindeutige Position der SPD. Rainer Spiering erklärte dazu in der Sitzung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Juni, „Zahlungen im Rahmen der 1. und 2. Säule der GAP reichen vorne und hinten nicht... Daher müsse sich darüber Gedanken gemacht werden, wie dieser kleinen Gruppe möglichst schnell geholfen werden kann. Die Fraktion der SPD werbe dafür, eine ‚Schafprämie‘ zu initiieren“.
Aber es geht nicht nur um Prämien, es geht auch um fehlende Unterstützungen, die in anderen Bundesländern selbstverständlich sind: Tiergesundheitsdienst für kleine Wiederkäuer, Thema Zucht, feste Ansprechpartner in den Landesbehörden. Das sind Angebote, die unterstützen und gleichzeitig Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Da ist in Schleswig-Holstein noch deutlich Luft nach oben! Luft nach oben ist auch bei der Vermarktung von Erzeugnissen aus der Schaf-und Ziegenhaltung. Schafskäse ist vielfach ein erfolgreiches Geschäftsmodell, auch weil sich die Betriebe in der „KäseStraße Schleswig-Holstein“ mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer etabliert haben.
Anders ist es bei der Vermarktung von Fleisch. Während den Verbraucherinnen und Verbrauchern im Laden oft nur Import-Fleisch aus Neuseeland angeboten wird, geht ein Großteil unserer Schlachtlämmer lebend vermarktet in den Export. Hier müssen wir gemeinsam mit den Verbänden handeln, damit wir in den Genuss regionalen Lammfleischs kommen und damit die fragwürdigen Langstrecken Tiertransporte endlich aufhören.
Wir fordern eine Neuausrichtung der Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und ökonomisch rentabel ist. Auch für die Schaf- und Ziegenhalter!
Herr Präsident! Vielen Dank an die Landesregierung für den ausführlichen Bericht. Die Schafe auf dem Deich sind viel mehr als ein romantisches Postkartenmotiv für Schleswig-Holstein. Klimaund Küstenschutz, Biodiversitäts-, Landschaftsund Grünlandpflege- sind ohne die Schäferinnen und Schäfer in unserem Land nicht zu denken.
Sowohl in diesem Bericht als auch in anderen Kalkulationen, liegt der durchschnittlich errechnete Stundenlohn für Schäferinnen und Schäfer mit etwa 7 € deutlich unter dem angestrebten Mindestlohn. Es ist natürlich immer schwierig, bei Selbstständigen den Stundenlohn zu ermitteln und damit zu ar
gumentieren. Die Zahlen liegen aber auf der Hand. Die Zahl der Betriebe ist stark abnehmend. Eine Schäferei, die aufhört, geht nicht in den StandbyBetrieb, sondern ist weg. Junge Schäferinnen und Schäfer brauchen eine solide wirtschaftliche Perspektive. Nur so sichern wir uns ein ganzes Paket an unverzichtbaren Zusatzleistungen für die Gesellschaft.
Es geht dabei nicht um die „alltäglichen“ Herausforderungen wie Witterung, Dürre, Gänse oder Wolf, die die Schäferinnen und Schäfer nebenbei noch meistern müssen. Nein, es geht um die Perspektive, langfristig von diesem Betriebszweig oder Beruf leben zu können. Und dafür sind mehrere Dinge entscheidend: Erstens der Marktpreis für Lammfleisch und zweitens der Mehrwert durch die Weidehaltung und Landschaftspflege.
Der Marktpreis ist ein schwieriges Thema. Obwohl wir beim Lammfleisch in Deutschland gerade einen Selbstversorgungsgrad von 46 haben, leiden die Erzeugerpreise unter der hohen Konzentration der nachfolgenden Marktakteurinnen und Marktakteure und den Druck kostengünstiger Importe. Zusätzlich machen den Schäferinnen und Schäfer natürlich auch steigende Pachtpreise und infolge der Dürre im laufenden und folgenden Jahr teilweise hohe Zukaufpreise für Raufutter zu schaffen.
Die berechtigte Frage ist: Stimmt der Rahmen, um die gesellschaftlichen und ökologischen Leistungen honorieren zu können?
In dem vorliegenden Bericht wird von günstigen Pachtbedingungen für die Beweidung von Landesdeichen, den Direktzahlungen und von Prämienmöglichkeiten im Vertragsnaturschutz gesprochen. Diese Maßnahmen nützen nur einem Teil der Betroffenen. Neben den Landesdeichen gibt es viele Binnendeiche, die mit Schafen bewirtschaftet und über Ausschreibung zu marktüblichen Konditionen vergeben werden. Deren Schäferinnen und Schäfer können dann eben nicht von den Privilegien profitieren.
Wir sollten an dieser Stelle auch nochmal einen Abgleich mit den Konditionen an den Deichen in anderen Bundesländern machen. Bei den Direktzahlungen ist das Bild sehr differenziert: Wenn die Schafhaltung auf einer extensiv bewirtschafteten, kostengünstigen Fläche mit Erhalt von Direktzahlungen betrieben wird, ist die Situation vergleichsweise gut. Viele Schafhalterinnen und Schafhalter nutzen aber ganz oder teilweise die Flächen von Betrieben in Mitnutzung als Futtergrundlage, ohne Anspruch auf Direktzahlungen.
Dann wird die Prämiensuppe dünner. Wanderschafhalterinnen und Wanderschafhalter haben häufig gar keinen Anspruch auf Direktzahlungen. Es überrascht, dass trotz der extensiven Haltungsform und positiven Umweltwirkung nur 19 % der Schafhalterinnen und Schafhalter an den Vertragsnaturschutzprogrammen beteiligt sind. Wir sollten uns die Angebote aus den Agrarumweltprogrammen nochmal genauer anschauen.
Auslöser dieses Berichtsantrages war eine bundesweite Petition der Berufsschäferinnen und Berufsschäfer für eine Tierprämie für Schafe und Ziegen. Ich begrüße den Vorschlag der Schäferinnen und Schäfer, dass durch eine Tierprämie aus der ersten Säule der Direktzahlungen die Existenz der Betriebe abgesichert werden könnte. Die Mittel kämen aus der ersten Säule, aus der auch die Flächenprämien kommen und wäre zu 100 % EU-finanziert. Sie wären konditioniert und würden keine Anreize für zusätzliche Erzeugung geben.
Zur Bewertung: Die EU-Agrarreform hat bereits in der jetzt laufenden Förderperiode eine Reihe von nationalen Gestaltungsmöglichkeiten in die Hände der Mitgliedsstaaten gelegt. Dazu gehört auch, bis zu 15 % der Direktzahlungen, das sind ansonsten die Flächenprämien, an Erzeugungen zu koppeln, die positive Umweltauswirkung und regionalwirtschaftliche Bedeutung haben und wegzubrechen drohen.
Alle 27 EU-Mitgliedsländer haben diese Option unter anderem für Schafe, Beweidung oder Eiweißpflanzen in unterschiedlichem Umfang umgesetzt. Einzig die Bundesregierung hat diese Möglichkeit für eine ökologische und regionalwirtschaftliche Qualifizierung der EU-Zahlungen bisher nicht wahrgenommen.
Auch wenn die jetzige Förderperiode in zwei Jahren ausläuft, ist es angemessen, diese Option zügig erneut zu prüfen. Es ist an der Zeit, das öffentliche Mittel wirksam für öffentliche Leistungen ausgeben werden. Dazu könnte auch eine konditionierte Schafprämie gehören.
Herr Präsident! Schafe gehören zu Schleswig-Holstein wie die Deiche und das Meer. Die Schafe sind für den Küstenschutz unersetzlich. Mit ihrem „goldenen Tritt“‘ festigen sie den Deich. Schafe sind aber auch für den Naturschutz und die Landschaftspflege unersetzlich. - So steht es auch in dem Bericht, über den wir heute debattieren. Es gibt rund 200.000 Schafe in Schleswig-Holstein. Die Zahl
der Schafhalter liegt konstant bei rund 1.100, und 70 % der Schafe stehen auf den Marschböden der Westküste.
Die Schafhalter leben einen Traditionsberuf. Sie arbeiten zur Lammzeit bis zu 20 Stunden am Tag. Sie nehmen keinen Urlaub aus Fürsorge um ihre Tiere. Und wenn überraschend Hochwasser kommt, riskieren sie häufig ihr Leben, um die Herde zu retten. Trotz ihres enormen persönlichen Einsatzes können sie auch mit den Prämien von der EU nur knapp ihre Kosten decken.
Die wirtschaftliche Situation der Halter ist angespannt. Vielen geht es schlecht - nicht zuletzt, weil Teile der Gesellschaft mitunter verächtlich auf die Landwirtschaft blicken. Das erleichtert nicht unbedingt, einen Betriebsnachfolger zu finden. Es geht den Schafhaltern aber auch schlecht, weil der Verbraucher bei Lebensmitteln die allerhöchsten Standards erwartet, aber nur sehr wenige tatsächlich bereit sind, einen angemessenen Preis dafür zu zahlen. Vielen Schafhaltern geht es auch schlecht, weil die enorm gestiegene Zahl an Gänsen den Schafen das Gras wegfrisst und - auch wenn einige das nicht hören wollen - weil sich der Wolf immer mehr ausbreitet.
Schafe im Stall zu halten, ist wirtschaftlich nicht darstellbar und entspricht auch nicht der naturnahen Weidetierhaltung. Ein Einzäunen ist ebenfalls meist nicht möglich - erst recht nicht auf den Deichen. Hütehunde sind teuer und gefährlich - auch für den Menschen.
Aber natürlich ist das Wirtschaften als Schäfer nicht erst seit der Wiederkehr des Wolfs schwierig. Die Herdengrößen sind relativ klein, was die Kostendeckung und Wertschöpfung schwierig macht. Außerdem kaufen relativ wenige Bürgerinnen und Bürger Lammfleisch. Nur zu den Feiertagen an Weihnachten und Ostern steigt der Absatz. Und dann sorgen die enormen Importmengen aus Neuseeland und Großbritannien, wo weitaus größere Schafherden gehalten werden, für relativ niedrige Preise. Die Schäfer können sich nicht allein über den Verkauf ihrer Produkte finanzieren.
Die Schafe erfüllen aber wichtige Funktionen für den Natur- und Küstenschutz und damit für die Gesellschaft. Deswegen ist es geboten, dass man die Schäfer unterstützt. Hier halten wir eine Fortsetzung der Flächenprämie und die flächengebundene Förderung aus der zweiten Säule für sinnvoll. Man kann überlegen, diese flächenbezogenen Programme anzupassen.
Die von der SPD geforderte Weidetierprämie einzuführen, halten wir für wenig sinnvoll. Denn das wäre ein Rückschritt für die Agrarpolitik. Mit Kopfprämien schafft man Anreize zur Überproduktion. Man endete damals bei Milchseen und Butterbergen. Wir bekennen uns zu der Entkopplung der EU-Direktzahlungen von der Produktion, die 2003 erfolgreich vollzogen wurde. Wir sehen die Stärkung der entkoppelten flächenbezogenen Prämien und die flächenbezogene Förderung als die bessere Option für die Schaf- und Ziegenhalter in Schleswig-Holstein.