Das Wort für die Abgeordneten des SSW hat jetzt der Abgeordnete Lars Harms, der uns noch ein paar dänischstämmige Nutztierrassen vorstellen wird.
Sehr verehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie können sicher sein, dass in dieser Rede sowohl etwas Dänisches als auch etwas Friesisches vorkommt.
Fangen wir einmal ein bisschen ernst an, meine Damen und Herren. Der Ursprungsantrag verlangt ja eine Strategie und die Förderung seltener Nutztierrassen und Kulturpflanzen in Schleswig-Holstein. Das war der Ursprung. Darüber sollte berichtet werden. Bekommen aber haben wir einen Bericht, der ohne Förderung und ohne Strategie daherkommt, sondern der sich auf eine Beschreibung der Strukturen beschränkt.
Zunächst zur Förderung. In der Politik geht man davon aus, dass eine Förderung immer mit entsprechenden Haushaltsmitteln unterfüttert ist. Fachleute kümmern sich in den Landesbehörden der Ministerien um die Unterstützung der Akteure. Darüber hinaus gehört es zur Förderung, dass finanzielle Mittel gewährt werden, um notwendige Maßnahmen auskömmlich oder anteilig zu finanzieren. Nun musste ich lernen, dass das nicht für alle Politikfelder zutrifft. In dem Bericht über den Erhalt seltener Nutztierrassen und Kulturpflanzen geht es nämlich an keiner einzigen Stelle um Geld, um Haushaltstitel oder um Fördermittel.
Fördermittel gibt es laut Bericht auf Seite 8 für das Führen eines Zuchtbuches. Man kann sich also im entsprechenden Haushaltstitel auf die Suche machen, weil der Bericht keine Summen nennt. Tatsächlich finden sich im entsprechenden Haushaltstitel satte 56.000 € für die Zucht und Haltung vom jetzt kommt es - Schleswiger Kaltblut, Angler Rind, Deutschem Shorthorn, Angler Sattelschwein und natürlich auch dem Husumer Protestschwein, worüber ich sehr froh bin.
Das sind für jede Rasse über den Daumen gepeilt 10.000 € aus dem Landeshaushalt. Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass mit dieser Summe die Sicherung und der langfristige Erhalt und vielleicht sogar die neue Etablierung dieser fünf Rassen nicht garantiert werden kann.
Andere seltene Nutztierrassen sind gar nicht genannt, wie zum Beispiel die gold-schwarzgeflakte Friesenhenne oder das Bentheimer Landschaf. Diese Rassen sollen sich wohl irgendwie selbst erhalten. Zumindest ihr Erbgut wird seit einigen Jahren eingelagert. Nur knapp 25.000 € gibt die Landesregierung für die Einlagerung von genetischem Material aus. Eine ausdrückliche Berücksichtigung seltener Nutztierrassen ist dem Haushaltstitel allerdings nicht zu entnehmen. Kein Wunder also, dass sich der Landwirtschaftsminister so viel Zeit mit dem Bericht ließ und die Nennung von konkreten Fördersummen sorgfältig vermieden hat.
Damit sind wir bei der Strategie, die zwischen den Hintergrundinformationen und Verweisen auf Hintergrundakteure irgendwie zu kurz gekommen ist. Wir haben es nämlich nicht mit einer Strategie der Landesregierung zu tun, sondern einer Strategie in Schleswig-Holstein. Diese setzt sich zusammen aus den Maßnahmen von einzelnen Bauern - sehr lobenswert! -, den Bemühungen der Zuchtverbände und nicht zuletzt der nationalen Kryokonserve.
Aber selbstverständlich. Es freut mich immer wieder, wenn ich mich mit einem Fachmann unterhalten kann.
Herr Kollege Harms, vielen Dank für die minderheitenpolitische Betrachtungsweise des Themas. Mich interessiert: Wie viele Exemplare des Husumer Protestschweins gibt es noch, und wie ist die Perspektive?
- Die Perspektive sieht zurzeit nicht so gut aus. Es gibt derzeit 300 Stück. Ich glaube, das wissen Sie auch, weil ich Sie darauf hingewiesen habe.
Wenn Sie die Anzahl des Husumer Protestschweins, das tatsächlich eine heimische Rasse ist, mit der Anzahl von Schweinen vergleichen, die wir jetzt in der Massentierhaltung finden, werden Sie sehen, dass man das prozentual kaum noch ausdrücken kann, wie viel Schweinchen wir haben. Das ist der eigentliche Sündenfall und das Problem. Wir hätten uns gewünscht, dass in dem Bericht eine Aussage enthalten ist, wie denn mehr Husumer Protestschweine, aber auch andere Schweinearten etabliert werden können, und wie wir zeigen können, dass diese Tiere gut genug sind, sie zu züchten, um sie später zu vermarkten und um von der Landwirtschaft wegzukommen, die nur auf Masse setzt. Wir wollen mehr Klasse. Das fehlt uns in diesem Bericht, lieber Kollege.
Es gibt genügend offene Fragestellungen: Wo liegt die Abgrenzung zwischen der ökologischen Landwirtschaft und den Erhaltungsbemühungen für seltene Rassen? Wie werden Haltung und Zusatzkosten durch die Landesregierung gefördert, damit die Landwirte diese Tiere züchten können, ohne dabei pleitezugehen? Welche Alternativen werden den Betrieben angeboten, wenn sie aus dem Zuchtdiktat von Monsanto und Co. aussteigen wollen? - Antworten darauf bleibt die Landesregierung schuldig.
Ich kann mich deswegen des Eindrucks nicht erwehren, dass seltene Rassen nicht aufgrund der Förderung, sondern trotz fehlender Förderung erhalten bleiben. Ganz toll, was Einzelne leisten! Einigen Enthusiasten in Schleswig-Holstein ist es vorbehalten und zu verdanken, dass die Vielfalt auf den Weiden und Feldern nicht völlig verschwindet. Wir werden diese Vielfalt in Zukunft bitter nötig haben das weiß jeder, der sich damit beschäftigt -, um eine umweltfreundlichere und artgerechte Tierhaltung allgemein durchsetzen zu können. Deshalb darf es vonseiten der Landesregierung gern auch ein bisschen mehr sein. - Vielen Dank.
Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Damit ist leider auch die Erkundigung nach weiteren solchen seltenen Rassen jedenfalls hier beendet. Sie können das im Ausschuss fortsetzen, wenn Sie das wollen.
Agrarausschuss zur abschließenden Beratung zu überweisen. Wer so beschließen will, den bitte ich um das Handzeichen. - Ich sehe, das ist einstimmig so beschlossen.