Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Wir dürfen nicht warten, bis es von einer Rasse kaum noch Tiere gibt und bis sie auf der Roten Liste steht. Wir müssen bereits vor dem Notstand aktiv sein. Im Rinderbereich müssen Erhaltungsprogramme gestartet werden, wenn die Population einer Rasse noch nicht unter 5.000 Kühe gefallen ist. Die Rinderzucht Schleswig-Holstein entwickelt und führt im Rinderbereich für Angler und Rotbunt DN nachhaltige Zuchtprogramme durch. Diese wurden durch das EIP-Programm und durch Projekte wie ReDiverse auf europäischer Ebene gefördert. So konnte erreicht werden, dass die Angler-Rinderrasse und die Rotbunt-DN-Rasse stabil in unserer Rinderlandschaft verankert sind und ihren prozentualen Anteil halten können. Auch da gibt es durchaus Wirtschaftlichkeitsargumente.
Zu den bedrohten Rinderrassen zählen bei uns aber auch Angler alter Zuchtrichtung und das Deutsche Shorthorn. Bis 2016 gab es für die Herdbuchführung Fördermittel des Landes. Die wurden eingestellt. Das ist ein ganz konkreter Moment, wo man wieder einsteigen müsste.
Lassen Sie uns noch einen Blick auf die kleinen Tiere werfen! Sowohl die Schaf- und Ziegenhalter als auch die Landesverbände der Rassegeflügelund Rassekaninchen-Züchter haben im Ausschuss ihr Leid geklagt. Auch sie zählen zur Landwirtschaft und sind mit viel Engagement, Herzblut und Erfolg am Erhalt der Agrobiodiversität beteiligt. Sie brauchen aber mehr Unterstützung. Da hilft ein Blick in andere Bundesländer.
Wir brauchen ein Veterinärsystem, das in Schleswig-Holstein gleiche Behandlung in allen Kreisen und kreisfreien Städten gewährleistet. Das ist zurzeit nicht der Fall.
Ich bitte darum, diese Strategie in den Ausschuss zu überweisen, damit wir gut achtgeben können, dass sie auch umgesetzt wird. - Danke schön.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es mag etwas surreal sein, wenn wir nach einer Industriedebatte hier über genetische Ressourcen diskutieren. Ich glaube aber, dass Agrobiodiversität, die Artenvielfalt bei Nutztieren und Nutzpflanzen, für unser Überleben ebenso wichtig ist wie der Schutz der Vielfalt bei Pflanzen und Wildtieren. Dies ist häufig ignoriert worden. Internationale Übereinkommen sind schon seit über 20 Jahren dabei, den Nutztier- und Nutzpflanzenbereich intensiv anzufassen. Daher danke ich der Landesregierung für diesen Bericht, der ein guter Auftakt ist, um festzustellen, in welchen Bereichen wir wirklich etwas machen können, und um das allgemeine Kritisieren etwas zu beenden. Wir sind in Schleswig-Holstein ziemlich gut davor. Wir haben aber dennoch hier in Deutschland, Europa und weltweit Defizite und müssen wegen des Klimawandels und des Schwundes der Artenvielfalt viel aufarbeiten.
Zugleich möchte ich mich bei all denen bedanken, die als Gärtnerinnen und Gärtner, als Landwirtinnen und Landwirte in ihren Betrieben und auf ihren Feldern, als Zuchtverbandsmitglieder in den Obstgärten Nutztiere und Nutzpflanzen bewahrt und weiterentwickelt haben. Das sind viele kleine Akteure gewesen. Wir sollten aufpassen, dass wir uns hier nicht auf wenige große Akteure konzentrieren.
Meine Vorredner haben es beide schon gesagt: Die Sicherung genetischer Vielfalt findet nur zum Teil in Spitzbergen in irgendwelchen Tresoren im Berg statt, sondern sie findet in der On-farming-Situation in den Betrieben statt. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie man das so organisieren kann, dass die Pflanzen sich in landwirtschaftlichen Betrieben an den Klimawandel anpassen können. Dies
ist mehr als nur die Bewahrung von Kulturgut. Dazu gehören für Ehrenamtliche sowie Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber Engagement, Liebe zur Sache, ein gutes Auge und Detailkenntnisse. Es ist aber mehr als Liebhaberei. Die Szene, die diesen Bereich aufrechterhalten hat - und das müssen wir uns vor Augen führen -, hat in den letzten Jahren massiv dafür gekämpft, dass wir auf europäischer Ebene und in Deutschland eine andere rechtliche Situation bekommen. In weiten Teilen ist dies geglückt. Es ist eine Folge unserer Politik gewesen, dass hier etwas mehr Stabilität entstanden ist, was die rechtliche Absicherung im Saatgutrecht betrifft.
Genetische Diversität bei Nutzpflanzen und -tieren ist ein einmaliges und unersetzbares Erbe. Sie ist das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Tätigkeit, wie es im Bericht steht. Jahrzehntelang wurde in der Züchtung viel zu einseitig auf Merkmale der Hochleistung gesetzt. Dafür gab es ökonomische Gründe, ich verbinde damit keinen Vorwurf. Die Produktivitätsfortschritte, die gekommen sind, waren mit dem Verlust einer ganzen Reihe von Eigenschaften verbunden. Die weltweite Ernährung beruht zu 90 % nur auf drei Getreidearten: Weizen, Reis und Mais. Da sind viele Sorten verloren gegangen. Wenn wir das auf Schleswig-Holstein beziehen, haben wir eine ganze Reihe von Arten, die auf der Roten Liste stehen: 77 Hafersorten und 122 Weizensorten drohen in Schleswig-Holstein, in Deutschland oder Mitteleuropa wegzubrechen. Angesichts dessen wird sehr deutlich, wie wichtig es ist, in diesem Bereich mit einer großen Vielfalt zu arbeiten.
Die Bandbreite muss erhalten bleiben und perspektivisch genutzt werden können. Trotz scheinbarer Vielfalt, die wir immer wieder meinen, im Supermarkt vorfinden zu können, laufen wir, wenn wir nur die Kalorien und die Vielfalt der Verpackungen und die Aufmachung der Werbung sehen, in eine ziemlich gefährliche Verarmung der Ernährungsgrundlagen hinein.
Nebenbei bemerkt, ist es gut, dass inzwischen eine ganze Reihe von Akteuren - ich nenne einmal Slow Food, aber auch unsere Küche hier im Landeshaus in dem Sinne unterwegs sind, dass man diese Produkte an den Markt bekommt. Von daher können Verbraucherinnen und Verbraucher sich in dem Bereich gerne nach dem Motto „Bewahren durch Aufessen“ bedienen. Wenn so ein Produkt einen Marktwert hat, ist es entsprechend leichter, es weiterzuentwickeln.
ne die Haushaltslinien dazu, und auch im Bereich des BMEL und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung - der BLE - haben wir sehr aktive Haushaltslinien. Letztlich muss man - das haben meine Kollegen schon gesagt - darauf hoffen und setzen, dass gerade die EU-Agrarpolitik hier andere Impulse und eine andere Orientierung gibt, dass wir intensiver die Mittel dafür nutzen können und es uns gelingt, die Biodiversität auf dem Feld und im Stall zu sichern. - Vielen Dank.
Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, begrüßen Sie zu später Stunde gemeinsam mit mir auf der Tribüne des Schleswig-Holsteinischen Landtags Mitglieder der Grünen Jugend. Herzlich willkommen im Landtag!
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf diese Rede stellvertretend für meinen Fraktionskollegen Oliver Kumbartzky halten, denn bei uns beiden haben wir eigentlich eine relativ strikte fachliche Trennung im Umweltund Agrarausschuss: Ich darf mich normalerweise um die Tiere kümmern, mit denen man kuschelt, und Oliver Kumbartzky um die Tiere, die er gern auf dem Teller sieht, entsprechend auch um die Nutztiere.
Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Deswegen liegen uns auch die Nutztierrassen und Nutzpflanzen - die seltenen natürlich besonders - am Herzen. Deren Erhaltung ist notwendig, um die Vielfalt genetischer Ressourcen zu sichern. Sie sind wichtig, wenn sich unsere Zucht auf immer weniger Arten und Sorten konzentriert.
- Hier wird noch diskutiert, welche Tiere man gern auf dem Teller haben möchte. - Der Drang zu immer mehr Leistung auf dem Acker und im Stall ist prinzipiell nichts Verwerfliches. Schließlich setzen unsere Züchter und Saatgutunternehmen alles daran, um Schädlingsbefall zu vermindern und die Leistung der Rassetiere und des Saatgutes zu opti
mieren. Das wiederum führt zu einem höheren Flächenertrag. Es kann mehr Nahrung aus weniger Fläche erzeugt werden. Dieser Optimierungsprozess - dieses Streben nach Effizienz - ist daher ein Beitrag zur Ressourcenschonung, zum Verbraucherschutz und somit zum Umweltschutz, denn wenn eine neue Sorte weniger anfällig für Pilzbefall oder Krebs ist, müssen weniger Pflanzenschutzmittel oder weniger Medizin eingesetzt werden.
Wir dürfen aber die Nutztierrassen und die Kulturpflanzen, die aus der aktiven Bewirtschaftung herausfallen, nicht in Vergessenheit geraten lassen. Der Erhalt alter Rassen und Sorten ist mehr als nur ein Hobby, mehr als eine Leidenschaft, wie sie mancher zum Beispiel für den Erhalt alter Landmaschinen hegt. Ein Lanz Bulldog auf der einen und ein Angler Sattelschwein auf der anderen Seite sind zwar beide alt, die alten Rassen und Sorten sind aber weitaus anspruchsvoller als ein 80 Jahre alter Schlepper. Sie haben auch heute noch einen potenziellen und realen wirtschaftlichen Wert. Deshalb ist auch die Arche Warder mehr als ein Tierpark.
Der vorgelegte Bericht macht deutlich, dass die Haltung und Zucht alter Nutztierrassen, aber auch der Anbau alter Kulturpflanzen nicht selbstverständlich sind. Der Erhalt der Biodiversität liegt in den Händen vieler Initiativen und Landwirte, die sich freiwillig um den Fortbestand der selten gewordenen Arten und Sorten kümmern. Das ist ein unschätzbarer Dienst am Erhalt der über Jahrhunderte gewachsenen genetischen Vielfalt. Diese sollten wir nicht nur aus nostalgischen Gründen erhalten. In der genetischen Diversität von Pflanzen und Tieren liegt ein wertvoller Schatz, ein natürliches Erbe, das es zu erhalten gilt. So wie wir versuchen zu verhindern, dass Arten unwiderruflich aussterben, müssen wir dies auch bei den jeweiligen Unterarten der Tierrassen im Fokus haben.
Der erwähnte Drang zu mehr Effizienz auf dem Acker und im Stall führt dazu, dass sich die Zucht auf immer weniger Rassen und Sorten beschränkt. Das hat Herr Voß am Beispiel der drei Getreidearten dargestellt. Das wiederum führt mit der Zeit aber zwangsläufig zu Inzucht oder Degeneration, woraus wiederum Leistungsverlust und erhöhter Einsatz von Ressourcen resultieren. Dann ist der Punkt gekommen, dass alte Rassen und Sorten wieder eingekreuzt werden müssen. Dafür kann die Geschichte des Schwäbisch-Hällischen LandSchweins aus Baden-Württemberg als Beispiel dienen. Gerade die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe haben von dieser Züchtung profitiert.
- Ja, ich freue mich darüber auch sehr, habe wahrscheinlich ein Ferkel davon zu Hause, die sind auch ganz niedlich. - So eine Erfolgsgeschichte wie dieses Schwäbisch-Hällische Landschwein aus BadenWürttemberg könnte zukünftig auch aus SchleswigHolstein kommen.
Wir danken den Bürgerinnen und Bürgern in Schleswig-Holstein, die sich engagiert für den Erhalt seltener Nutztierrassen und seltener Kulturpflanzen einsetzen. Wir danken natürlich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums sowie dem Minister für die Erstellung des Berichtes und die Darstellung der Strategie des Landes.
Das Land wird die regionalen Akteure weiter stärken. Wir werden sowohl die Stiftung Naturschutz als auch die Arche Warder bei ihren Aufgaben zum Erhalt dieser seltenen Rassen und Pflanzen weiter unterstützen. Unsere Landesregierung wird sich weiter auf Bundes- und Europaebene für den Fortbestand der genetischen Diversität unserer Nutztiere und -pflanzen einsetzen. Die Vielfalt in unserer schleswig-holsteinischen Landwirtschaft muss erhalten bleiben. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Minister, zunächst danke auch ich Ihnen herzlich für Ihren Bericht. Seltene Nutztierrassen und Kulturpflanzen verdienen unseren besonderen Schutz und unsere Aufmerksamkeit, denn wir wollen einen breiten Genpool für zukünftige Generationen erhalten. Das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne. Das ist Verantwortung für unsere Zukunft.
Das gilt jedoch leider nur für Nutztiere. Auf die Antwort auf meine Kleine Anfrage aus dem März 2018 zu gefährdeten Nutztierrassen hat die Landesregierung unter anderem entgegnet, dass sie eine entsprechende Förderung und Richtlinie für alte Haustierrassen leider nicht gegeben sieht. Das finden wir sehr schade und auch irgendwie inkonsequent. Warum sollten nicht auch sie zum Genpool beitragen? - Vielleicht können wir uns darüber noch im Ausschuss unterhalten.
Die Verengung der Nahrungsmittelproduktion auf wenige Sorten, aber auch die Wetterkapriolen vergangener Jahre haben uns sehr deutlich vor Augen geführt: Wir brauchen eine vielfältige Auswahl an genetischen Ressourcen sowohl pflanzlicher wie tierischer Art, um auch in schwierigen Zeiten die Lebensmittelproduktion gewährleisten zu können. Der Erhalt der Biodiversität ist somit eine essenzielle Aufgabe der öffentlichen Hand. Die Biodiversität hat eine große Bedeutung für die Sicherung unser aller Zukunft, denn alte Tierrassen sind wegen ihrer Haltungsform robuster und widerstandsfähiger. Sie stehen oftmals auf der Weide.
Oft denkt man dabei an friedlich grasende Ziegen und Schafe. Sollten wir allerdings die größte Bedrohung unserer Weidetiere, nämlich den Wolf, nicht in den Griff bekommen, blüht uns in Schleswig-Holstein etwas Ähnliches wie Brandenburg. Dort hat ein Wolf die Schafherde eines Züchters dezimiert, der sich explizit auf die Züchtung und den Erhalt einer seltenen Nutztierrasse spezialisiert hatte, nämlich des Tiroler Bergschafs. Aus Niedersachsen sind ähnliche Vorfälle bekannt. Brisant dabei ist: Es sind überwiegend kleine Hobbytierhalter betroffen, Tierhalter, die dann aufgeben müssen und als wertvolle Unterstützer zum Erhalt der angestrebten Artenvielfalt verloren gehen. Der Wolf macht nun einmal keinen Unterschied zwischen seltenen und anderen Weidetieren.
Aus unserer Sicht ist es nicht verständlich, dass sich die Landesregierung lediglich auf die Rassen beschränkt, die hier ursprünglich heimisch waren und einen regionalen Bezug haben. Ich würde es sehr begrüßen, wenn auch Tierarten, die keinen direkten regionalen Bezug haben, etwa die Thüringer Waldziege, gefördert würden.
- Ja, es ist leider so. Das war ein Zufall. Ich will jetzt nicht über Thüringen sprechen. Es geht um die Waldziege, nicht um Menschen - zum Glück. Die macht wahrscheinlich weniger Fehler. - Sie wird als erhaltenswert angesehen. Von ihr wurden auch schon Kryoreserven angelegt, weil sie als erhaltenswert gilt.
Abschließend möchte ich noch einmal die Haustierrassen hervorheben. Es gibt eine ganze Reihe von Haustierrassen, die auf der Roten Liste stehen. Ich nenne den Westerwälder Kuhhund, den Großspitz oder das Luxkaninchen. Wir sollten uns auch darüber Gedanken machen; auch sie bilden einen brei