Protokoll der Sitzung vom 11.11.2010

Aber als ehemaliger Minister kennen Sie doch die Verfahren, die bei sensiblen Personalangelegenheiten angewendet werden.

Vielen Dank. – Herr Laschet.

In der Tat kenne ich als ehemaliger Minister Einstellungsverfahren. Ich

kenne aber kein einziges Einstellungsverfahren, bei dem jemand einem Minister in die Berufung eines Pressesprechers hineingeredet hätte.

(Gunhild Böth [LINKE]: Frage! – Zuruf von der SPD: Was ist die Frage?)

Sind Sie jetzt gerade Präsidentin, Frau Böth? Oder welche Rolle haben Sie gerade?

Meine Frage deshalb noch einmal: Da geht es nicht um Datenschutzgründe für die einzelne Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter, sondern es geht schlicht um die Frage, ob es in dieser Sache eine Kontaktaufnahme mit der Staatskanzlei gegeben hat. Ich kann es noch abstrakter formulieren: Ist für die Berufung eines Pressesprechers eine Kontaktaufnahme zur Staatskanzlei erforderlich?

Vielen Dank. – Herr Minister, Sie haben das Wort.

Herr Laschet, ich kann Ihnen sagen, dass genauso wie zu Ihrer Regierungszeit sensible Personalentscheidungen immer in Absprache getroffen werden. Das war doch bei Ihnen nicht anders.

(Zuruf von Armin Laschet [CDU])

War das nicht rückgekoppelt, als Sie Herrn Berger eingestellt haben?

Herr Minister, vielen Dank für Ihre Antwort. – Als Nächstes hat Herr Abgeordneter Biesenbach das Wort.

Herr Minister, Sie haben ja nicht bestritten, dass die Aussage in der „WAZ“ stimmt, dafür sorgen zu wollen, dass die Stelle jetzt so besetzt wird, dass es politisch passt. Heißt das, dass sich künftig nur noch SPDMitglieder Hoffnungen machen können, in den Ministerien Spitzenämter besetzen zu können?

(Zurufe von der CDU)

Ich will das Zitat in der „WAZ“ an dieser Stelle nicht kommentieren. Verstehen Sie dies bitte. Ich verstehe Ihr Interesse, aber ich werde bei der Beantwortung des Gesamtkomplexes nicht über das hinausgehen, was ich Ihnen zu Beginn gesagt habe.

Vielen Dank, Herr Minister. – Als Nächstes hat der Abgeordnete Biesenbach das Wort.

Herr Minister, dann möchte ich Ihnen eine Frage stellen, die Sie sicher heute beantworten können: War Ihr Frühstücksei gut?

(Zuruf von der SPD: Unverschämtheit, diese Frage!)

Weil dies keine datenschutzrechtlichen Auflagen verletzt, antworte ich Ihnen gern:

(Vorsitz: Vizepräsidentin Carina Gödecke)

Ich pflege im Allgemeinen unter der Woche kein Frühstücksei zu mir zu nehmen.

(Allgemeine Heiterkeit – Beifall von der SPD, von den GRÜNEN und von der LINKEN)

Vielen Dank, Herr Minister. – Die nächste Wortmeldung ist bei Herrn Deppe.

Herr Minister, Sie haben eben gesagt, dass Sie die Äußerung aus der „WAZ“ nicht kommentieren wollen. Das lässt natürlich alle Schlussfolgerungen offen. Könnten Sie uns denn erklären, was Sie darunter verstehen, dass eine Stelle politisch passend besetzt werden müsse? Unabhängig von der Berichterstattung der „WAZ“ werden Sie ja Vorstellungen dazu haben.

Aus politischen Äußerungen kann man immer Unterschiedliches interpretieren. Ich will Ihrer Fantasie da keine Grenzen setzen.

Vielen Dank, Herr Minister. – Herr Krautscheid mit seiner dritten Frage.

Herr Minister, Sie haben auf meine Nachfrage gesagt, dass Sie bei solch – wörtlich – „diffizilen Fragen“ wie der Besetzung der Stelle eines Pressesprechers Abstimmungen für normal oder sogar für sinnvoll erachten. Halten Sie es von Ihrem Amtsverständnis her wirklich für normal, dass die Besetzung einer Position wie der eines Pressesprechers durch die Staatskanzlei beeinflusst wird?

Herr Minister.

Ich werde zu dieser Frage im Einzelnen nicht Stellung nehmen. Ich kann Ihnen nur sagen: Ich bin kollektives Arbeiten im Team

gewohnt. Dazu gehört auch die gegenseitige Absprache von Personalentscheidungen.

Vielen Dank, Herr Minister. – Herr Laschet hatte sich gemeldet, allerdings schon zwei Fragen gestellt, sodass ich ihm das Wort nun nicht erteilen kann.

Bei Herrn Krautscheid muss ich mich eben entschuldigen. Ich hatte versehentlich gesagt, es sei Ihre dritte Frage, aber Sie haben noch eine frei.

Der nächste Fragesteller ist der Kollege Witzel.

Herr Minister, ich habe volles Verständnis dafür, dass man in Vertrauensstellungen auch Vertrauen zum Personal haben muss. Dies vorwegschickend möchte ich Ihnen aber folgende Frage stellen: Sind Sie bereit, hier vor dem Plenum zu dementieren, dass die angesprochene Pressesprecherin der Grünen Zeichen dafür hatte, sich berechtigte Hoffnungen machen zu können, die Stelle in Ihrem Hause antreten zu können? Können Sie den Sachverhalt, dass es berechtigte Gründe und Zeichen für sie gab, von der Vergabe der Stelle an sie auszugehen – die Presse spricht ja selbst schon von einer vorgenommenen Kündigungsentscheidung bei ihrem alten Arbeitgeber –, hier dementieren?

Herr Minister.

Ich will in diesem Zusammenhang weder etwas kommentieren noch dementieren.

Danke schön, Herr Minister. – Die nächste Frage dann bei Herrn Deppe.

Herr Minister, wir haben eben bei der Vorrednerin etwas von Offenheit und Transparenz gehört. Ist das der Stil, den Sie mit diesem Parlament pflegen möchten: dass Sie Fragen nicht beantworten, sondern immer wieder darauf verweisen, dass Sie nichts sagen wollen?

(Zuruf von der SPD: Er hat doch schon ge- nug gesagt!)

Herr Minister.

Die, die mich kennen, werden mir bescheinigen, dass ich durchaus ein sehr offener Mensch bin, der die Transparenz geradezu liebt. Aber wenn Persönlichkeitsrechte und datenschutz

rechtliche Bestimmungen drohen verletzt zu werden, kann ich auch sehr zurückhaltend sein.

(Beifall von der SPD)

Danke, Herr Minister. – Jetzt Herr Krautscheid – damit wirklich zu Ihrer dritten und letzten Frage.

Danke, Frau Präsidentin. – Herr Minister, wir haben jetzt gelernt, dass Transparenz und Redebereitschaft bei Ihnen eine Frage des richtigen Zeitpunktes und des Themas ist. Ich habe Sie eben nach dem Amtsverständnis gefragt und nicht nach Datenschutz und Personen. Sie haben mitgeteilt, dass das bei Ihnen auf eine kollektive Absprache bei Personalien hinauslaufe. Das sei halt so.

Ich darf Sie fragen: Ist das ein allgemeines Führungsprinzip in dieser Landesregierung? Sprich: Haben sich Ihre Kolleginnen und Kollegen im Kabinett auch so verhalten? Werden bei denen die Personalien in dieser Gewichtsklasse auch durch Einflussnahme der Staatskanzlei entschieden, oder ist das Ihre persönliche Amtsführungsspezialität?

Ich muss Ihnen sagen, Herr Krautscheid, dass ich mich in diesem Zusammenhang ausschließlich mit meinem Haus beschäftige. Da habe ich auch zukünftig die Absicht, sehr wichtige Personalentscheidungen mit der gesamten Landesregierung abzusprechen.

Das mit der Gewichtsklasse, die Sie eben angesprochen haben, nehme ich gar nicht persönlich.

(Beifall von der SPD)

Danke schön, Herr Minister. – Die nächste Frage bei Herrn Schroeren.

Herr Minister, nun sind Sie erst wenige Wochen in der Verantwortung. Deswegen sei Ihnen das eine oder andere verziehen.